{"id":40710,"date":"2017-02-21T06:43:34","date_gmt":"2017-02-21T05:43:34","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.innovations-report.de%2Fhtml%2Fberichte%2Fgeowissenschaften%2Fwie-viel-biomasse-waechst-in-der-savanne.html"},"modified":"2017-02-20T21:47:37","modified_gmt":"2017-02-20T20:47:37","slug":"wie-viel-biomasse-waechst-in-der-savanne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wie-viel-biomasse-waechst-in-der-savanne\/","title":{"rendered":"Wie viel Biomasse w\u00e4chst in der Savanne?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sie bilden einen der gr\u00f6\u00dften Lebensr\u00e4ume der Erde \u2013 die Savannen. Etwa ein F\u00fcnftel der Erdoberfl\u00e4che ist von ihnen bedeckt. Der \u00fcberwiegende Teil davon befindet sich s\u00fcdlich der Sahara in Afrika. Savannen sind nicht nur von einer einzigartigen Tierwelt gepr\u00e4gt, hier leben die sogenannten \u201eBig Five\u201c \u2013 Elefanten, Nash\u00f6rner, B\u00fcffel, Leoparden und L\u00f6wen \u2013, sie beheimaten auch Tausende endemischer Pflanzenarten, wie den Baobab, den Affenbrotbaum.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eHinzu kommt, dass die Savannen eine wesentliche Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf und damit f\u00fcr das Weltklima spielen\u201c, wei\u00df Victor Odipo von der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena. Das entscheidende Ma\u00df f\u00fcr die Speicherf\u00e4higkeit des Treibhausgases Kohlendioxid durch die Savannen sei die Menge an oberirdischer pflanzlicher Biomasse, so der Doktorand vom Lehrstuhl f\u00fcr Fernerkundung. Doch diese wichtige Gr\u00f6\u00dfe sei bislang nur schwer zu erfassen, weshalb g\u00e4ngige Klimamodelle zumeist auf groben Sch\u00e4tzungen der Biomasse basieren. Einem Team von Geographen der Universit\u00e4ten Jena und Oxford sowie der Bundesanstalt f\u00fcr Geowissenschaften und Rohstoffe ist es nun jedoch gelungen, eine Methodik zu etablieren, die geeignet ist, die oberirdische Biomasse der Savannen sehr genau zu vermessen und selbst kleine Ver\u00e4nderungen des \u00d6kosystems zu erfassen. In der Fachzeitschrift \u201eForests\u201c stellen sie ihre Ergebnisse vor (DOI: 10.3390\/f7120294).<\/p>\n<h3>Dreidimensionales Modell der Landschaft<\/h3>\n<p>Die Forscher der Uni Jena nutzen sowohl von Satelliten aufgezeichnete Radardaten als auch vom Boden aus erhobene Laserscanning-Daten. \u201eDie Radardaten k\u00f6nnen zwar die Biomasse gro\u00dfer Gebiete erfassen, geben aber nur unzureichend Auskunft \u00fcber die Struktur der Vegetation\u201c, erl\u00e4utert Victor Odipo. Das Typische der Savanne sei ihre Flickenteppich-artige Struktur: Aus einer dichten Grasschicht wachsen alleinstehend oder in lockeren Gruppen B\u00e4ume sehr unterschiedlicher H\u00f6he. Um diese Struktur detailliert zu erfassen und in Biomasse umrechnen zu k\u00f6nnen, werden die Satelliten-Daten daher um bodengest\u00fctzte Messungen erg\u00e4nzt. Dabei kommt ein terrestrischer Laserscanner (TLS) zum Einsatz, der die Umgebung in einem Radius von mehreren hundert Metern mit einem Laserstrahl abtastet. \u201eAuf diese Weise erhalten wir ein vollst\u00e4ndiges dreidimensionales digitales Modell der Landschaft, das eine exakte Analyse der Vegetationsstruktur erm\u00f6glicht\u201c, sagt PD Dr. Jussi Baade vom Lehrstuhl f\u00fcr Physische Geographie der Uni Jena.<\/p>\n<p>Nach ersten, eingehenden Tests im Stadtrodaer Forst und an den H\u00e4ngen des Saaletals haben die Jenaer Forscher ihre Methodik nun in der Savanne des Kr\u00fcger-Nationalparks in S\u00fcdafrika angewandt. In einem rund neun Quadratkilometer gro\u00dfen Areal, f\u00fcr das Radar-Satellitendaten vorlagen, haben sie ausgehend von \u00fcber 40 Messpunkten Laserscanning-Daten erhoben und diese in ein Modell zur Berechnung der Biomasse integriert. \u201eZwar ergeben die punktuell erhobenen Laserscanning-Daten wesentlich genauere Ergebnisse als das Satelliten-Radar\u201c, macht Christian Berger deutlich, Koautor der Studie und Leiter des Forschungsprojekts, in das Victor Odipos Doktorarbeit eingebettet ist. \u201eF\u00fcr die Untersuchung gro\u00dfer Gebiete ist diese Methode allein aber ungeeignet.\u201c Wie die vorliegende Studie belegt, l\u00e4sst sich jedoch aus der Kombination beider Ans\u00e4tze die Biomasse mit einer Genauigkeit von bis zu 2,9 Tonnen pro Hektar ermitteln.<\/p>\n<h3>Monitoring von Ver\u00e4nderungen im \u00d6kosystem<\/h3>\n<p>Nutzen lassen sich diese Ergebnisse nicht nur f\u00fcr neue Klimamodelle. \u201eAuch f\u00fcr das Monitoring von Ver\u00e4nderungen im \u00d6kosystem Savanne brauchen wir verl\u00e4ssliche Angaben\u201c, betont Victor Odipo und verweist auf einen \u00fcberraschenden Befund der Studie am Rande: Wie die Forscher bei ihren Messungen feststellten, nimmt die Biomasse in einem erheblichen Teil des untersuchten Gebietes im Kr\u00fcger-Nationalpark von Jahr zu Jahr ab. \u201eDas hatten wir nicht erwartet\u201c, so Odipo, \u201eschlie\u00dflich handelt es sich ja um ein Naturschutzgebiet\u201c. Wie sich herausstellte, sind diese Ver\u00e4nderungen aber \u2013 anders als in den meisten nicht gesch\u00fctzten Gebieten \u2013 nicht in erster Linie vom Menschen verursacht. Vielmehr bringen Elefanten zahlreiche B\u00e4ume zu Fall.<\/p>\n<p>Die vorliegende Studie wurde unterst\u00fctzt vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF). Der terrestrische Laserscanner wurde mit Hilfe von EFRE-Mitteln vom Freistaat Th\u00fcringen finanziert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie bilden einen der gr\u00f6\u00dften Lebensr\u00e4ume der Erde \u2013 die Savannen. Etwa ein F\u00fcnftel der Erdoberfl\u00e4che ist von ihnen bedeckt. Der \u00fcberwiegende Teil davon befindet sich s\u00fcdlich der Sahara in Afrika. 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