{"id":40614,"date":"2017-02-16T07:29:47","date_gmt":"2017-02-16T06:29:47","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=40614"},"modified":"2018-02-16T15:03:03","modified_gmt":"2018-02-16T14:03:03","slug":"kann-bioplastik-eine-alternative-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kann-bioplastik-eine-alternative-sein\/","title":{"rendered":"Kann Bioplastik eine Alternative sein?"},"content":{"rendered":"<p>Simon McGowan ist Wissenschaftler am Institut f\u00fcr Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) in Hannover \u2013 und Simon forscht in Sachen Plastik. Genauer gesagt sucht er nach Gegenentw\u00fcrfen zu umweltsch\u00e4dlichen Kunststoffen, nach sogenanntem Bioplastik. Doch was ist das \u00fcberhaupt, wie stellt man es her und kann es eine wirkliche Alternative zu konventionellen Plastik sein?<\/p>\n<p>Was ist das genau? Wie wird es hergestellt und ist es wirklich komplett abbaubar?<\/p>\n<p>Bei Biokunststoffen handelt es sich um eine Gruppe von Kunststoffen, die verschiedene Eigenschaften haben k\u00f6nnen. Einige Biokunststoffe werden aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Zuckerrohr hergestellt. Andere Biokunststoffe k\u00f6nnen biologisch abgebaut werden. Laut Definition muss ein Biokunststoff mindestens eine dieser beiden Eigenschaften besitzen. Manche Biokunststoffe wie z.B. Polymilchs\u00e4ure (PLA) besitzen beide Eigenschaften.<\/p>\n<p>So unterschiedlich wie die einzelnen Biokunststoffe sind auch die Herstellungswege. Polymilchs\u00e4ure und PHB werden zum Beispiel fermentativ, also durch einen biochemischen Prozess hergestellt. Bei Bio-PE ist der Herstellungsprozess dem von nicht biobasiertem PE sehr \u00e4hnlich. Hier wird jedoch statt Roh\u00f6l ein Bio-Alkohol als Ausgangsstoff verwendet.<\/p>\n<p>Bioabbaubare Biokunststoffe sind zu 100% abbaubar. Wichtig dabei ist, dass bei der Bioabbaubarkeit keine Zeitvorgabe gegeben wird (im Gegensatz zur Kompostierbarkeit). Zum Beispiel ist Holz bioabbaubar. Wenn ich im Esszimmer einen Tisch aus Eichenholz stehen habe, wird der vermutlich sehr lange halten. Wenn ich jedoch einen Eisstiel aus Holz im Garten auf den Kompost werfe, wird der vermutlich nach einem Sommer abgebaut sein. Das soll hei\u00dfen, dass die Form der Biokunststoffprodukte und die Umgebungsbedingungen einen starken Einfluss auf die Abbaugeschwindigkeit haben. Aber abbaubar bleibt abbaubar.<\/p>\n<p>Kann sich Bioplastik in der Industrie durchsetzen?<\/p>\n<p>Wenn es einen abbaubaren Kunststoff gibt, warum wird er noch nicht \u00fcberall eingesetzt? Was sind die gr\u00f6\u00dften Probleme?<\/p>\n<p>Abbaubar muss nicht immer ein Vorteil sein. In der Medizintechnik k\u00f6nnen z.B. Einwegspritzen in Sterilverpackungen fast ewig gelagert werden. Auch viele Textilien halten durch Beigabe von Kunstfasern besonders lange oder bekommen spezielle Eigenschaften wie z.B. regenabweisend oder feuchtigkeitsregulierend.<\/p>\n<p>Anders sieht es bei Lebensmittelverpackungen aus. Insbesondere bei frischen Lebensmitteln wie z.B. Obst und Gem\u00fcse. Hier k\u00f6nnten bioabbaubare Biokunststoffe gut zum Einsatz kommen, um die Lebensmittel f\u00fcr den kurzen Zeitraum des Transports bis zum Verbraucher zu sch\u00fctzen. Insbesondere gilt das auch f\u00fcr alle To-go-Produkte wie z.B. Kaffeebecher, R\u00fchrst\u00e4bchen oder Pommes-Gabeln, da hier die Nutzdauer kurz und die Wahrscheinlichkeit gro\u00df ist, dass diese Produkte nicht ordnungsgem\u00e4\u00df entsorgt werden und in der Umwelt landen.<\/p>\n<p>Ich denke, dass hier der Preis eine ganz wesentliche Rolle spielt. Biokunststoffe sind in der Regel momentan mindestens doppelt so teuer wie herk\u00f6mmliche Kunststoffe. Des Weiteren vermute ich, dass auch politische Diskussionen zum Tragen kommen. Biokunststoffe werden teilweise aus Rohstoffen hergestellt, welche auch zur Lebensmittelherstellung dienen k\u00f6nnten. Viele Produzenten von Lebensmitteln m\u00f6chten diese Debatte umgehen und verzichten lieber auf biobasierte Biokunststoffe. Dabei ist es extrem wichtig, offen mit den Fakten umzugehen und Aufwand und Nutzen abzuw\u00e4gen.<\/p>\n<p>Was denkst du \u00fcber die Verwendung von Lebensmitteln zur Herstellung von Biokunststoffen?<\/p>\n<p>In einer Welt, in der viele Menschen hungern, ist das ein schwieriges Thema. Wir sind uns auf jeden Fall bewusst, dass wir mit potenziellen Lebensmitteln als Rohstoff arbeiten und versuchen, damit offen umzugehen. In Deutschland werden j\u00e4hrlich bis zu 600.000 Tonnen St\u00e4rke in der Papierindustrie verbraucht. Mit derselben Menge St\u00e4rke k\u00f6nnte man auch 360.000 Tonnen PLA herstellen. Niemand beschwert sich, dass in der Papierindustrie Lebensmittel stofflich verwendet werden. Das macht es nat\u00fcrlich nicht besser.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen den Aufwand zum Nutzen bewerten und die vorhandenen Rohstoffe effizient einsetzen. Deswegen ist eine Plastikt\u00fcte aus Biokunststoff fast genauso un\u00f6kologisch wie eine T\u00fcte aus herk\u00f6mmlichen Kunststoff. Hier steht der Rohstoffaufwand in keinem Verh\u00e4ltnis zum Nutzen. Dabei spielt die Quelle der Rohstoffe nur eine untergeordnete Rolle. Ich halte den Einsatz von Mais oder Kartoffeln zur Herstellung von Biokunststoffen vertretbar. Allerdings nur dann, wenn der Biokunststoff sinnvoll eingesetzt wird.<\/p>\n<p>Wird PLA in der Industrie schon genutzt?<\/p>\n<p>Ja, zum Beispiel setzt Danone Polymilchs\u00e4ure f\u00fcr ihre \u201eActivia\u201c-Becher ein. Auch im Bereich von Obst- und Gem\u00fcseverpackungen wird h\u00e4ufig PLA eingesetzt. Es gibt zahlreiche Einweggeschirrartikel aus bioabbaubarem Kunststoff. Wobei man sich grunds\u00e4tzlich \u00fcber den Sinn von Einweggeschirr streiten kann. Des Weiteren haben wir vor kurzem f\u00fcr die Firma Nager IT eine stabilisierte PLA- Rezeptur entwickelt, welche zur Herstellung von Computerm\u00e4usen verwendet wird.<\/p>\n<p>Denken wir mal zehn Jahre in die Zukunft. Glaubst Du, PLA kann herk\u00f6mmlichen Kunststoff langfristig ersetzen?<\/p>\n<p>Hier ein klares Nein! Daf\u00fcr gibt es zu viele Anwendungen von Kunststoffen, die auf extreme Langlebigkeit und Stabilit\u00e4t gegen Umwelteinfl\u00fcsse ausgelegt sind.<\/p>\n<p>Aber der Anteil an Biokunststoffen wird sich dennoch rasant erh\u00f6hen. Insbesondere, wenn der \u00d6lpreis wieder steigt, wird die Nachfrage an biobasierten Biokunststoffen stark zunehmen. Auch entwickeln sich langsam die Recyclingm\u00f6glichkeiten f\u00fcr viele Biokunststoffe, was bis dato noch ein gro\u00dfer Nachteil war<\/p>\n<p>Was treibt Dich bei Deiner Arbeit am meisten an?<\/p>\n<p>Ich glaube, dass durch den umsichtigen Einsatz von Biokunststoffen einige Probleme in der Welt reduziert werden k\u00f6nnen. Ich hoffe also, einen kleinen Teil dazu beitragen zu k\u00f6nnen, dass einige Fehler der Menschheit abgeschw\u00e4cht werden. Insbesondere das Thema Verschmutzung der Meere durch Kunststoffe bewegt mich. Hier k\u00f6nnen wir durch den Einsatz von Biokunststoffen einen kleinen Teil dazu beitragen, dieses Problems Herr zu werden. Aber die meisten gro\u00dfen Probleme lassen sich nur durch eine Vielzahl kleiner L\u00f6sungen in den Griff bekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Simon McGowan ist Wissenschaftler am Institut f\u00fcr Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) in Hannover \u2013 und Simon forscht in Sachen Plastik. 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Was ist das [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[12230],"supplier":[3731],"class_list":["post-40614","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-biokunststoff","supplier-institut-fuer-biokunststoffe-und-bioverbundwerkstoffe-ifbb"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40614","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40614"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40614\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40614"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=40614"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=40614"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=40614"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}