{"id":40611,"date":"2017-02-16T07:26:27","date_gmt":"2017-02-16T06:26:27","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=40611"},"modified":"2017-04-10T11:52:53","modified_gmt":"2017-04-10T09:52:53","slug":"universitaet-wuerzburg-ein-facebook-fuer-die-nachhaltigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/universitaet-wuerzburg-ein-facebook-fuer-die-nachhaltigkeit\/","title":{"rendered":"Universit\u00e4t W\u00fcrzburg: Ein \u201eFacebook\u201c f\u00fcr die Nachhaltigkeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Aspekt der Nachhaltigkeit soll bei Einkaufsentscheidungen der \u00f6ffentlichen Hand mehr zum Tragen kommen: Das ist das Ziel eines neuen Forschungsprojekts an der Uni W\u00fcrzburg. Der Bund finanziert es mit knapp einer halben Million Euro.<\/strong><\/p>\n<p>Eine Gemeinde m\u00f6chte die B\u00fcroeinrichtung im Rathaus erneuern. Eigentlich w\u00fcrde die zust\u00e4ndige Abteilung aus Umweltschutzgr\u00fcnden gerne vom Bodenbelag \u00fcber die M\u00f6bel bis zur Holz-Computermaus ausschlie\u00dflich Produkte einkaufen, die weitestgehend aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sind. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass dies teurer wird als mit konventionellen Produkten, die aus begrenzten und meist erd\u00f6lbasierten Rohstoffen hergestellt wurden. Darf die Gemeinde trotzdem dem Nachhaltigkeitsgedanken den Vorzug geben? Und, wenn ja: Wie muss die Ausschreibung in diesem Fall aussehen?<\/p>\n<p>Gut 350 Milliarden Euro gibt die \u00f6ffentliche Hand in Deutschland jedes Jahr f\u00fcr G\u00fcter und Dienstleistungen aus. Bei den Kriterien, nach denen sie ihre Auftr\u00e4ge vergibt, steht der Aspekt \u201eWirtschaftlichkeit\u201c im Sinne des besten Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnisses an oberster Stelle. Umweltfreundlichkeit oder soziale Kriterien fanden bislang als Qualit\u00e4tsmerkmale hingegen \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 nur vereinzelt Beachtung. 2016 hat der Gesetzgeber jedoch die Vergaberegelungen ge\u00e4ndert. Seitdem k\u00f6nnen und sollen explizit in die Kaufentscheidung auch andere Kriterien einflie\u00dfen, die unter dem Stichwort \u201eNachhaltigkeit\u201c firmieren. Dies sind umweltbezogene Eigenschaften, wie beispielsweise der Produktanteil aus nachwachsenden Rohstoffen, oder die Lebenszykluskosten eines Produkts, das hei\u00dft: von der Anschaffung bis zur Entsorgung, statt der unmittelbaren Anschaffungskosten.<\/p>\n<h3>Ein Forschungsprojekt in der Wirtschaftswissenschaft<\/h3>\n<p>Die Anbieter nachhaltiger, biobasierter Produkte und die Eink\u00e4ufer der \u00f6ffentlichen Hand miteinander in Kontakt bringen: Das ist \u2013 verk\u00fcrzt gesagt \u2013 das Ziel eines neuen Forschungsprojekts an der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg. Wissenschaftler am von Professor Ronald Bogaschewsky geleiteten Lehrstuhl f\u00fcr Betriebswirtschaftslehre und Industriebetriebslehre wollen den Informationsaustausch zwischen den beiden Seiten verbessern und die Akzeptanz biobasierter Produkte f\u00f6rdern. Das Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) finanziert das Vorhaben \u00fcber drei Jahre hinweg mit knapp einer halben Million Euro.<\/p>\n<p>\u201eBiobasierte Produkte k\u00f6nnen in besonderem Ma\u00dfe zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen beitragen\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Michael Broens, Wirtschaftswissenschaftler und Verantwortlicher f\u00fcr das Forschungsprojekt. \u201eBiobasiert\u201c: Darunter versteht der Fachmann alle Produkte, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wurden \u2013 angefangen beispielsweise beim Papier \u00fcber den Holzschreibtisch bis zum Biodiesel.<\/p>\n<h3>Ein doppeltes Informationsdefizit<\/h3>\n<p>Und obwohl es mittlerweile ein reichhaltiges Angebot solcher biobasierter Produkte gibt, zeigt die bisherige Praxis, dass diese nur in seltenen F\u00e4llen von \u00f6ffentlichen Einrichtungen gekauft werden. Eine Art \u201edoppeltes Informationsdefizit\u201c ist nach Broens Worten daf\u00fcr verantwortlich: Zum einen seien viele dieser Produkte den Eink\u00e4ufern nicht bekannt. Zum anderen fehle es h\u00e4ufig am Wissen, wie die entsprechende Ausschreibung daf\u00fcr formuliert werden muss. \u201eVermutlich aus Angst davor, eine vermeintlich falsche Entscheidung zu treffen, bleiben viele Stellen deshalb beim Altbew\u00e4hrten\u201c, sagt Broens.<\/p>\n<p>Dieses Informationsdefizit wollen Professor Bogaschewsky und das Projektteam in den kommenden drei Jahren beseitigen. Daf\u00fcr befragen sie in einem ersten Schritt deutschlandweit \u00f6ffentliche Auftraggeber und Anbieterunternehmen biobasierter Produkte. Gut 3.300 St\u00e4dte und Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnern stehen dabei auf ihrer Liste. Von ihnen wollen die Wissenschaftler erfahren, welche Rolle aktuell biobasierte Produkte bei ihnen spielen, warum diese Rolle m\u00f6glicherweise gering ist, und wie sich dies in der Zukunft entwickeln k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Auf Seiten der Unternehmen interessiert das Team unter anderem, welche Rolle Auftr\u00e4ge der \u00f6ffentlichen Hand f\u00fcr sie spielen, ob sie sich an Ausschreibungen beteiligen oder \u2013 wenn nicht \u2013 was sie davon abh\u00e4lt. \u201eTransparenz \u00fcber die Ist-Situation schaffen\u201c: So beschreibt Michael Broens das Ziel dieser aufwendigen Studien. Die Ergebnisse sollen im Internet ver\u00f6ffentlicht werden und dort als \u201eGrundlage f\u00fcr die langfristige Etablierung biobasierter Produkte\u201c dienen.<\/p>\n<h3>Austausch auf einer Social-Media-Plattform<\/h3>\n<p>Mit einer Social-Media-Plattform \u2013 einer Art Facebook f\u00fcr Eink\u00e4ufer der \u00f6ffentlichen Hand und Anbieter von Bioprodukten \u2013 wollen die Wissenschaftler im zweiten Schritt den Informationsaustausch intensivieren. Diese Plattform existiert bereits: das Verwaltungs- und Beschaffernetzwerk \u2013 eine Ausgr\u00fcndung des Lehrstuhls f\u00fcr Betriebswirtschaftslehre und Industriebetriebslehre, die seit einigen Jahren als GmbH betrieben wird.<\/p>\n<p>\u201eHier tauschen sich bereits \u00fcber 16.000 Mitarbeiter der \u00f6ffentlichen Hand in \u00fcber 100 Themengruppen zu f\u00fcr sie relevante Fachfragen aus \u2013 viele davon bezogen auf Beschaffungsentscheidungen, vom Feuerwehrfahrzeug \u00fcber die Versorgung von Fl\u00fcchtlingen bis hin zu IT-Systemen f\u00fcr das eGovernment\u201c, erkl\u00e4rt Professor Bogaschewsky. Und entgegen der sonst strengen f\u00f6deralen Grenzen und beh\u00f6rdlichen Zust\u00e4ndigkeitsbereiche seien dort Teilnehmer aus Kommunen aller Bundesl\u00e4nder, aus Bundes- und Landesministerien, Hochschulen, Krankenh\u00e4usern, Zweckverb\u00e4nden und vielen anderen Einrichtungen vertreten und arbeiteten \u201eunkompliziert und hocheffizient\u201c zusammen.<\/p>\n<h3>Mehr Informationen \u00fcber biobasierte Produkte<\/h3>\n<p>Der Vorteil dieser bisher einmaligen Social-Media-Plattform liegt auf der Hand: In einem \u201ein Sachen Datenschutz und Vertraulichkeit vorbildlichen Netzwerk\u201c k\u00f6nnen die mit den Vergaben betrauten Verantwortlichen und die Anbieter in Kontakt treten und sich untereinander austauschen. Der Gedanke der Nachhaltigkeit soll dabei in Zukunft eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen: \u201e\u00dcber die Plattform werden wir im Zuge des Projekts nicht nur f\u00fcr die Ausschreibung der Beschaffungen relevante Vorgehensweisen aufzeigen, sondern auch die potentiellen Vorteile biobasierter gegen\u00fcber konventionellen Produkten\u201c, erkl\u00e4rt Michael Broens.<\/p>\n<p>Hierzu sollen auch die Anbieter durch Produktinformationen beitragen, aber nat\u00fcrlich auch die Best-Practice-Beispiele von Einrichtungen im \u00f6ffentlichen Bereich, die schon heute biobasierte Produkte nutzen. Damit der Gedanke der Nachhaltigkeit in Zukunft bei allen Kaufentscheidungen der \u00f6ffentlichen Hand st\u00e4rker zum Tragen kommt als dies bisher der Fall ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kontakt<\/h3>\n<p>Dr. Michael Broens (Projektleiter)<br \/>\nTel.: (0931) 31-83740<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:michael.broens@uni-wuerzburg.de\" target=\"_blank\">michael.broens@uni-wuerzburg.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Aspekt der Nachhaltigkeit soll bei Einkaufsentscheidungen der \u00f6ffentlichen Hand mehr zum Tragen kommen: Das ist das Ziel eines neuen Forschungsprojekts an der Uni W\u00fcrzburg. Der Bund finanziert es mit knapp einer halben Million Euro. Eine Gemeinde m\u00f6chte die B\u00fcroeinrichtung im Rathaus erneuern. 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