{"id":39939,"date":"2017-01-19T07:26:13","date_gmt":"2017-01-19T06:26:13","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=39939"},"modified":"2017-01-17T15:28:47","modified_gmt":"2017-01-17T14:28:47","slug":"nachwachsende-rohstoffe-im-autobau-jute-statt-plastik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nachwachsende-rohstoffe-im-autobau-jute-statt-plastik\/","title":{"rendered":"Nachwachsende Rohstoffe im Autobau &#8211; Jute statt Plastik"},"content":{"rendered":"<p>Statt Leder umspannen Ananasfasern die Sitze. Am Armaturenbrett aus Hanf kleben Zierteile aus Eukalyptus, dahinter stecken Flachs und Kenaf. Moderne Autos setzen im Innenraum auf nachwachsende Rohstoffe. Im Vergleich zu k\u00fcnstlich hergestellten Produkten besitzen sie Vorteile: Sie wachsen nach, sind theoretisch unendlich verf\u00fcgbar, besitzen gute D\u00e4mmeigenschaften und ein positives Crashverhalten. Viele sind biologisch abbaubar. \u201eOft haben sie eine bessere CO2-Bilanz, sind leichter, besser zu recyceln und bieten Vorteile bei Haptik und Patina\u201c, sagt Daniela Bohlinger, Leiterin \u201eSustainability in Design\u201c bei BMW.<\/p>\n<p>Schurwolle statt Baumwolle, Olivenblattextrakt zum Gerben<\/p>\n<p>Beim Elektrofahrzeug BMW i3 kommen rund 20 Prozent Recyclingmaterial zum Einsatz, bei herk\u00f6mmlichen BMW 15 Prozent. Je nach Ausstattung sind bis zu 80 Prozent aller Fl\u00e4chen im Sichtfeld des Fahrers aus nachwachsenden oder nachhaltig verarbeiteten Rohstoffen. Darunter fallen Kenaf (eine Malvenart), europ\u00e4ischer Eukalyptus, Schurwolle (anstelle von Baumwolle) oder Olivenblattextrakt f\u00fcr gegerbtes Leder (statt Chemie).<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr weitere Eins\u00e4tze seien unendlich. \u201eWir besch\u00e4ftigen uns mit allem, wie dem Einsatz von Wolle aus Kapok-N\u00fcssen oder der Aufbereitung von Fluss- und Seeplastik\u201c, sagt Bohlinger. Neben nachwachsenden Rohstoffen forscht BMW auch an Rezyklaten, also recycelten Kunststoffen. Aus aufgearbeiteten Starterbatterien und alten Sto\u00dff\u00e4ngern entstehen Kunststoffteile f\u00fcr Radl\u00e4ufe, Unterb\u00f6den oder Kabelb\u00e4ume. \u201eWichtig ist bei allen Werkstoffen: Sie m\u00fcssen die gleiche Qualit\u00e4t erf\u00fcllen wie konventionelle Stoffe\u201c, sagt Bohlinger.<\/p>\n<p>Bei Volkswagen werden unter anderem Flachs, Hanf, Kenaf, Papier, Zellulose, Baumwolle und Holz in der Serienfertigung eingesetzt. Bauteile mit diesen Materialien sind beispielsweise in T\u00fcr- und Seitenverkleidungen, Ladeb\u00f6den oder Bodenbel\u00e4gen zu finden. Im aktuellen Golf finden sich mehr als 100 Bauteile aus nachwachsenden Rohstoffen.<\/p>\n<p>Ganz problemlos sind die Produkte aber nicht: Insbesondere die Geruchsentwicklung stellt eine Herausforderung dar. \u201eDies ist aber durch geeignete Fertigungsverfahren beherrschbar\u201c, sagt Peter Weisheit von VW. Auch die permanente Verf\u00fcgbarkeit f\u00fcr eine ununterbrochene Produktion stellt die Industrie vor Probleme. Denn im Einzelfall k\u00f6nnen negative Umweltauswirkungen wie Wasser-, D\u00fcnger-, Energie- und Landbedarf sowie soziale Aspekte wie Nahrungsmittelkonkurrenz den Einsatz von \u00d6ko-Produkten verhindern.<\/p>\n<p>Herausforderung: Eigenschaften und Versorgung<\/p>\n<p>Audi verwendet in manchen Modellen bis zu f\u00fcnf Prozent \u00d6ko-Materialien, darunter Baumwollvliese, Holz, Holzfaserwerkstoff in Verkleidungen sowie Leder. Auch f\u00fcr Audi muss die Best\u00e4ndigkeit gegen mechanischen Abrieb, Feuchtigkeit, W\u00e4rme, UV-Strahlung und Chemie gegeben sein. \u201eAu\u00dferdem d\u00fcrfen die Werkstoffe keine zus\u00e4tzlichen oder schlechtere Emissionswerte aufweisen\u201c, sagt Dieter Kraft, Leiter Materialentwicklung.<\/p>\n<p>Eine Herausforderung seien schwankende Eigenschaften der nachwachsenden Rohstoffe. Nur durch einen hohen Aufwand von Bearbeitungs- und Behandlungsprozessen werden dann die gew\u00fcnschten Eigenschaften erreicht. \u201eWir arbeiten an verschiedenen Konzepten, die Nachhaltigkeit unserer Fahrzeuge weiter zu verbessern und den Anteil nachwachsender Rohstoffe zu erh\u00f6hen\u201c, sagt Kraft. Dazu z\u00e4hlen holzbasierte Sandwichwerkstoffe, biobasierte Korrosionsschutzschichten oder Gerbstoffe zur Lederherstellung aus nachwachsenden Rohstoffen.<\/p>\n<p>Mercedes setzt in den T\u00fcr-Innenverkleidungen Holz- oder Flachsfasern mit Harz ein und im Schiebedach-Rahmen eine Naturfasermatte. \u201eIn allen Modellen verwenden wir in verschiedenen Bereichen unter anderem Hanf, Kenaf, Baumwolle, Schurwolle, Leinen, Kokosfaser, Flachs, Zellulosefasern oder Holz\u201c, sagt Anita Engler, Leiterin umweltgerechte Produktentwicklung bei Mercedes. \u201eIn erster Linie sind Naturfasern Tr\u00e4ger f\u00fcr Verkleidungsbauteile und nicht sichtbar.\u201c<\/p>\n<p>Bei einer Motorabdeckung kommt ein Biopolymer zum Einsatz. Das Polyamid zur Herstellung besteht zu rund 70 Prozent aus pflanzlichen Rohstoffen, die aus Rizinussamen gewonnen werden. Mercedes will den Einsatz der \u00d6ko-Teile weiter erh\u00f6hen. \u201eWir entwickeln unter anderem L\u00f6sungen im Sichtbereich, die auch f\u00fcr den Kunden erlebbar sind\u201c, sagt Engler. Nur bei crashrelevanten Bauteilen verzichtet Mercedes auf Rezyklate oder nachwachsende Rohstoffe: \u201eBisher konnte noch kein untersuchtes Material die Anforderungen sicher erf\u00fcllen.\u201c<\/p>\n<p>Bio-Gummi ersetzt Kunststoffe<\/p>\n<p>Schon seit 2001 verbaut Toyota nachwachsende Rohstoffe, unter anderem bei Einstiegsleisten, T\u00fcrverkleidungen und Sitzpolstern, sagt Sprecher Dirk Breuer. Auch Fasermaterialien wie Hutablagen, Dachhimmel, Teppiche und Sitzbez\u00fcgen werden nicht mehr aus Kunststoff hergestellt. Der aktuell in Japan verkaufte Toyota Sai verwendet f\u00fcr 80 Prozent der Oberfl\u00e4chen im Innenraum nachwachsende Rohstoffe. Auch Bio-Gummi f\u00fcr Vakuum-Schl\u00e4uche ersetzen Kunststoff. Bald sollen sie bei Kraftstoff- oder Bremsschl\u00e4uchen eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Dass die Hersteller auf nachwachsende Rohstoffe setzen, hat nicht nur mit Umweltbewusstsein zu tun. Die europ\u00e4ische Altfahrzeugrichtlinie 2000\/53\/EG gibt Verwertungsquoten f\u00fcr Pkw vor &#8211; 85 Prozent der Autos m\u00fcssen stofflich recyclingf\u00e4hig und zu 95 Prozent verwertbar sein. Dazu fordert die Richtlinie, mehr Recyclingmaterial zu verwenden. \u201eNachhaltigkeit wird aber immer mehr zu einem Thema, das Premium definiert\u201c, sagt Daniela Bohlinger von BMW. Und f\u00fcr Dieter Kraft von Audi ist \u201eNachhaltigkeit ein gro\u00dfer, aktueller Trend, der f\u00fcr uns aus Markensicht und f\u00fcr unsere Kunden sehr interessant ist.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Statt Leder umspannen Ananasfasern die Sitze. Am Armaturenbrett aus Hanf kleben Zierteile aus Eukalyptus, dahinter stecken Flachs und Kenaf. 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