{"id":39651,"date":"2017-01-09T07:29:56","date_gmt":"2017-01-09T06:29:56","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=39651"},"modified":"2021-09-09T21:39:24","modified_gmt":"2021-09-09T19:39:24","slug":"konferenz-der-kohlendioxid-verwerter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/konferenz-der-kohlendioxid-verwerter\/","title":{"rendered":"Konferenz der Kohlendioxid-Verwerter"},"content":{"rendered":"<p>Die f\u00fcnfte Ausgabe der \u201e<a href=\"http:\/\/co2-chemistry.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Conference on CO2 as Feedstock for Fuels, Chemistry and Polymers<\/a>\u201d am 6. und 7. Dezember hatte rund 180 Experten aus 20 L\u00e4ndern angelockt. Das nova-Institut hatte die Veranstaltung organisiert. Die Teilnehmer einte die Sicht, aus dem Zuviel an Kohlendioxid in der Atmosph\u00e4re eine Tugend zu machen &#8211; und das Gas als Rohstoff oder Baustein f\u00fcr innovative Produkte in der Chemie- und Energiewirtschaft zu nutzen.<\/p>\n<p>Die Speicherung von Energie aus erneuerbaren Quellen ist entscheidend f\u00fcr eine insgesamt nachhaltige Stromversorgung mit niedrigem CO2-Aussto\u00df. \u00dcbersch\u00fcssige Energie aus Windkraft und Co. k\u00f6nnte dann f\u00fcr Zeiten aufgespart werden, in denen die Produktion die Nachfrage nicht decken kann. Bedingt durch die Schwankungen bei Wind und Sonneneinstrahlung m\u00fcssen bisher noch konventionelle Kraftwerke f\u00fcr Stabilit\u00e4t im Stromnetz sorgen.<\/p>\n<p>Fieberhaft wird an der effizienten Umwandlung von elektrischer Energie in eine geeignete Speicher-Form geforscht, die m\u00f6glichst selbst nicht auf fossilen Brennstoffen beruht. Vielversprechend sind sogenannte Power-to-liquid und Power-to-gas-Technologien, bei denen erneuerbare Quellen genutzt werden, um elektrische Energie in Form von Biokraftstoff oder Biogas zu speichern. Dabei wird mittels Elektrolyse Wasserstoff erzeugt, welcher zusammen mit CO2 \u00fcber eine chemische oder biologische Katalyse in Kohlenwasserstoffe umgewandelt wird. Der gro\u00dfe Vorteil solcher Technologien w\u00e4re, dass man nicht nur einen Speicher f\u00fcr Energie aus Sonne und Wind h\u00e4tte, sondern gleichzeitig klimasch\u00e4dliches CO2 binden w\u00fcrde. Die Ans\u00e4tze unterscheiden sich hinsichtlich der angewandten Prozesse und der dabei entstehenden Produkte.<\/p>\n<p>Abgase in Biomethan umgewandelt<\/p>\n<p>Neben verschiedenen chemischen Verfahren zur Bindung und Umwandlung von CO2 sind vor allem auch biologische Katalysatoren gro\u00df im Kommen. Die Electrochaea GmbH aus dem bayerischen Planegg etwa nutzt Archaeen, um Kraftwerkabgase gespeist von regenerativer Energie in Biomethan umzuwandeln. Die urt\u00fcmlichen Mikroorganismen sind n\u00e4mlich nicht nur unempfindlich gegen die in den Abgasen enthaltenen Schwefelgase, sie brauchen diese sogar zum \u00dcberleben. Mit Wasserstoff als Beilage produzieren die Mikroben Methan, als Nebenprodukte entstehen Wasser und W\u00e4rme. \u201eEin gro\u00dfer Vorteil dieses biologischen Verfahrens ist die Resistenz der Archaeen gegen Verunreinigungen in den zugef\u00fchrten Abgasen\u201c, sagte Doris Hafenbradl, Chief Technology Officer bei Electrochaea. \u201eDiese m\u00fcssen f\u00fcr vergleichbare chemische Verfahren aufwendig herausgefiltert werden, was einen gro\u00dfen Kostenfaktor darstellt.\u201c Electrochaea erprobt seinen Biokatalysator in einer fortgeschrittenen Pilotanlage im Rahmen des BioCatProject in D\u00e4nemark.<\/p>\n<p>CO2 als Rohstoff f\u00fcr hochwertige Biotechnologie<\/p>\n<p>Aber Sprit und Biogas sind nicht einzigen m\u00f6glichen Produkte einer R\u00fcckgewinnung von CO2 aus der Atmosph\u00e4re. Verschiedene Startups nutzen speziell entwickelte Mikroorganismen, um aus CO2 hochwertige Plattform-Chemikalien und Polymere herzustellen. Phytonix aus den USA nutzt zum Beispiel Cyanobakterien, die aus CO2 den f\u00fcr die Chemieindustrie wichtigen Stoff Butanol herstellen. Damit wurde ein auf der Verbrennung fossiler Brennstoffe basierender Prozess durch eine innovative Methode ersetzt, die sogar CO2 bindet, also eine positive Kohlenstoffbilanz hat. Auch hier wird es 2017 bereits eine Pilotanlage geben.<\/p>\n<p>Die Firma Syngip aus den Niederlanden hat ein Bakterium entwickelt, um damit Isobuten herzustellen, einen Ausgangsstoff f\u00fcr Kraftstoffe und Chemikalien. Weitere innovative Startups und Spin-offs wollen aus CO2 und anderen \u201eAbf\u00e4llen\u201c wie Biom\u00fcll mithilfe von Mikroorganismen Biokunststoffe und organische S\u00e4uren produzieren. Die vielen unterschiedlichen Ans\u00e4tze scheinen auf eine Zukunft hinzudeuten, in der CO2 nicht mehr nur ein Garant f\u00fcr Luftverschmutzung und Klimaerw\u00e4rmung sein k\u00f6nnte, sondern auch ein begehrter Ausgangsstoff f\u00fcr verschiedenste hochwertige Produkte. Ob diese Innovationen eine breite Anwendung finden wird sich in den n\u00e4chsten Jahren abzeichnen. Die verschiedenen Netzwerke, welche sich die politische und wirtschaftliche F\u00f6rderung der neuen CO2-Technologien zur Aufgabe gemacht haben, halten vor allem private Investitionen und die richtigen politischen Rahmenbedingungen f\u00fcr entscheidend.<\/p>\n<p>Photosynthese am Rei\u00dfbrett<\/p>\n<p>Viele Forscher halten Verfahren, die sich an der nat\u00fcrlichen Photosynthese orientieren, f\u00fcr den Weg der Zukunft. Pflanzen und Bakterien tun seit Jahrmillionen genau das, was der Mensch nun technisch auf seinem Weg zur Nachhaltigkeit nachmachen will: Mit regenerativer Energie, n\u00e4mlich Sonne, CO2 in energiereiche Kohlenwasserstoffe umwandeln. Allerdings ist die Effizienz der nat\u00fcrlichen Photosynthese sehr gering. Wissenschaftler forschen deshalb an einer k\u00fcnstlichen Photosynthese nach nat\u00fcrlichem Vorbild, jedoch mit h\u00f6herer Effizienz. Dabei handelt es sich noch um Grundlagenforschung, eine Anwendung liegt noch in der Zukunft. Auf der CO2-Konferenz des nova-Instituts stellte Stenbj\u00f6rn Styring von der Universit\u00e4t in Uppsala, Schweden die Arbeit seiner Gruppe vor. Diese besch\u00e4ftigt sich mit der Photosynthese in Cyanobakterien. Erst k\u00fcrzlich gelang es Forschern am Max-Planck-Institut f\u00fcr Terrestrische Mikrobiologie und dem LOEWE-Center f\u00fcr Synthetische Biologie in Marburg, 17 Enzyme aus neun verschiedenen Organismen zu einem v\u00f6llig neuartigen Stoffwechselweg zur CO2-Fixierung zusammenzubauen. \u00dcber ihre Konstruktion berichten sie im Fachjournal \u201e<a href=\"http:\/\/science.sciencemag.org\/content\/354\/6314\/900\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Science<\/a>\u201c.<\/p>\n<p>Klar wurde in K\u00f6ln, dass die effiziente R\u00fcckgewinnung von CO2 aus der Atmosph\u00e4re eine zukunftstr\u00e4chtige Alternative zur Abh\u00e4ngigkeit von endlichen, fossilen Ressourcen ist und gleichzeitig eine Ma\u00dfnahme f\u00fcr den Klimaschutz darstellt. Da es dabei um die Verarbeitung zu wertvollen Kraft- und Werkstoffen geht, k\u00f6nnte die innovative CO2-Nutzung der Chemie- und Energiebranche neuen Aufschwung und breite Akzeptanz bescheren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die f\u00fcnfte Ausgabe der \u201eConference on CO2 as Feedstock for Fuels, Chemistry and Polymers\u201d am 6. und 7. Dezember hatte rund 180 Experten aus 20 L\u00e4ndern angelockt. Das nova-Institut hatte die Veranstaltung organisiert. 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