{"id":38703,"date":"2016-11-11T07:20:42","date_gmt":"2016-11-11T06:20:42","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=38703"},"modified":"2016-11-09T13:34:33","modified_gmt":"2016-11-09T12:34:33","slug":"verwandte-der-sonnenblume-soll-daemmmaterial-liefern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/verwandte-der-sonnenblume-soll-daemmmaterial-liefern\/","title":{"rendered":"Verwandte der Sonnenblume soll D\u00e4mmmaterial liefern"},"content":{"rendered":"<p>Das Interesse an recycelbaren Grundmaterialien f\u00fcr die Produktentwicklung nimmt stetig zu. Ein vielversprechender Material-Lieferant ist die &#8220;Durchwachsene Silphie&#8221;, eine Verwandte der Sonnenblume. Forscher der Unis Bonn, Aachen und D\u00fcsseldorf versuchen zurzeit, Bau- und D\u00e4mmstoffe aus der Pflanze herzustellen. Doch die Silphie hat noch mehr zu bieten.<\/p>\n<p>EEG-Reformpl\u00e4ne Biogasbauern f\u00fcrchten Totalverluste<\/p>\n<p>Auf dem platten Land, zwischen K\u00f6ln und Bonn, liegen die Felder und Labore des Instituts f\u00fcr Agrarwissenschaften der Universit\u00e4t Bonn. Neben Obstplantagen und Gew\u00e4chsh\u00e4usern erstrecken sich fu\u00dfballfeldgro\u00dfe Anbaufl\u00e4chen mit verschiedensten Pflanzen. Hier arbeitet Professor Ralf Pude mit seiner Arbeitsgruppe an der Erforschung neuer Energiepflanzen:<\/p>\n<p>&#8220;Und eine davon ist die Durchwachsene Silphie, eine Pr\u00e4riepflanze, die wir hier als Biomassepflanze nutzen wollen.&#8221;<\/p>\n<p>Die Silphie sieht aus wie eine zu lang geratene, blasse Sonnenblume und ist in Deutschland wenig bekannt. Bisher wird die Pflanze nur von einigen Landwirten zur Biogasproduktion angebaut, als bl\u00fchende und insektenfreundliche Alternative zum Mais.<\/p>\n<p>Ralf Pude und sein Doktorand Martin H\u00f6ller denken aber, dass noch wesentlich mehr in dem Biomasseproduzenten steckt. Dabei setzten sie ganz auf die nat\u00fcrlichen Eigenschaften der Pflanze. &#8220;Hier haben wir einen getrockneten Silphie-Trieb. Was man hier ganz sch\u00f6n sieht, wenn man den mal aufbricht, ist, dass der innen dieses wei\u00dfe Parenchym hat&#8221;, sagt Martin H\u00f6ller.<\/p>\n<p>Bau- und D\u00e4mmstoff aus der Silphie entwickeln<br \/>\nDas Parenchym ist ein Zellgewebe im Inneren von Pflanzenst\u00e4ngeln. Bei nicht verholzenden Pflanzen dient es zum Beispiel der Stabilisierung. Je nach Pflanze kann es ganz unterschiedlich aussehen. Das Parenchym der Silphie erinnert an Styropork\u00fcgelchen. Blasig und wei\u00dflich schimmernd zieht es sich durch den daumendicken St\u00e4ngel der Pflanze. Diese Struktur wollen sich die Wissenschaftler zunutze machen. Ralf Pude:<\/p>\n<p>&#8220;Wir wollen also Bau- und D\u00e4mmstoff aus dieser Durchwachsenen Silphie entwickeln, weil die Natur schon so viel vorgegeben hat, dass wir diese botanischen Besonderheiten der Pflanze nutzen wollen.&#8221;<\/p>\n<p>Die Forscher lassen die Silphie auf den Versuchsfeldern verbl\u00fchen und vertrocknen. Im November werden die drei Meter langen St\u00e4ngel dann kurz \u00fcber dem Boden abgeschnitten. In einer zum Labor umgebauten Scheune geht es an die Weiterverarbeitung, erkl\u00e4rt Pude:<\/p>\n<p>&#8220;Und dort k\u00f6nne wir also dann diese Biomasse, die wir im Feld geerntet haben, spezielle aufbereiten, speziell verkleinern. Sie sehen hier ganz feine Malfraktionen und gr\u00f6\u00dfere Fraktionen. Und diese Fraktionen mischen wir dann mit verschiedenen Bindemitteln, um einen D\u00e4mmputz herzustellen. Und wir mischen das Ganze auch mit Zement zur Herstellung eines Leichtbetons.&#8221;<\/p>\n<p>Das zerkleinerte Pflanzenmaterial wird mit den verschiedenen Bindemitteln zu kleinen Putzmustern verarbeitet, die wie quadratische Volkornkekse aussehen. Diese Muster werden dann in verschiedenen Maschinen auf ihre D\u00e4mmeigenschaften getestet. Die richtige Mischung zu finden ist dabei gar nicht so einfach, f\u00fchrt Ralf Pude aus:<\/p>\n<p>&#8220;Sie sehen, dass die Muster teilweise auch gar nicht gelungen sind, dass man das also m\u00fchsam ausprobieren muss. Dennoch k\u00f6nnen sie jetzt schon erkennen, dass das hier schon wie so ein Raufaserputz aussehen k\u00f6nnte. Aber es sind hundert Prozent nachwachsende Rohstoffe.&#8221;<\/p>\n<p>Hoher Anteil an medizinisch wirksamen Substanzen<br \/>\nNeben der \u00f6kologischen D\u00e4mmung interessieren sich die Wissenschaftler noch f\u00fcr eine weitere Eigenschaft der Silphie: Die Pflanze enth\u00e4lt n\u00e4mlich einen hohen Anteil an medizinisch wirksamen Substanzen, sogenannten Flavonoiden. Diese sind f\u00fcr die Pharmaindustrie sehr interessant. Zusammen mit den Unis D\u00fcsseldorf und Aachen forschen die Bonner Wissenschaftler deshalb an einer gestaffelten Nutzung. Ralf Pude:<\/p>\n<p>&#8220;Sodass dann also vielleicht die Flavonoide in so einem Prozess abfallen, die die eine Richtung verwerten kann, das andere geht dann Richtung Baustoffe und der Rest verbleibt dann auf dem Feld und tr\u00e4gt dort zur Humusversorgung bei.&#8221;<\/p>\n<p>Weil die Silphie noch eine relative Wildpflanze ist, muss sie f\u00fcr diese Mehrfachnutzung z\u00fcchterisch bearbeitet werden. F\u00fcr Martin H\u00f6ller ist dabei vor allem wichtig, dass seine Kreuzungen nicht durch Insekten verunreinigt werden:<\/p>\n<p>&#8220;Diese Beutel h\u00e4ngen \u00fcber den Bl\u00fcten und verhindern, dass diese Bl\u00fcten von den Bienen best\u00e4ubt werden. Die haben wir von Hand best\u00e4ubt, um genau zu wissen, von welcher Pflanze der Pollen stammt, sodass wir ganz reines Saatgut haben.&#8221;<\/p>\n<p>M\u00fchselige Best\u00e4ubung von Hand<br \/>\nZiel der Forscher ist es, Unterarten mit leicht verschiedenen Eigenschaften so zu kreuzen, dass eine optimal verwertbare Pflanze entsteht. Noch dazu eine, die den Boden schont. Denn die Silphie ist mehrj\u00e4hrig und kann nach einmaligem auspflanzen bis zu 30 Jahre lang geerntet werden. Deshalb braucht sie weniger D\u00fcnger als zum Beispiel der Mais.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich kommt sie durch ihre trockene Herkunft aus den Weiten der amerikanischen Grasl\u00e4nder auch mit weniger Wasser aus. Martin H\u00f6ller ist aber froh, dass viele der Z\u00fcchtungsexperimente auch an der Uni D\u00fcsseldorf stattfinden:<\/p>\n<p>&#8220;Also wenn man einmal so einen Versuch von Hand best\u00e4ubt hat, dann wei\u00df man, wie wichtig die Bienen sind.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Interesse an recycelbaren Grundmaterialien f\u00fcr die Produktentwicklung nimmt stetig zu. Ein vielversprechender Material-Lieferant ist die &#8220;Durchwachsene Silphie&#8221;, eine Verwandte der Sonnenblume. Forscher der Unis Bonn, Aachen und D\u00fcsseldorf versuchen zurzeit, Bau- und D\u00e4mmstoffe aus der Pflanze herzustellen. Doch die Silphie hat noch mehr zu bieten. 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