{"id":38172,"date":"2016-10-19T07:29:54","date_gmt":"2016-10-19T05:29:54","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=38172"},"modified":"2016-10-17T16:19:24","modified_gmt":"2016-10-17T14:19:24","slug":"gruene-wollen-bauen-mit-nachwachsenden-rohstoffen-staerken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/gruene-wollen-bauen-mit-nachwachsenden-rohstoffen-staerken\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcne wollen Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen st\u00e4rken"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Verwendung von Holz und weiteren Baustoffen aus nachwachsenden Rohstoffen statt Beton und petrochemischen Produkten im Geb\u00e4udebau k\u00f6nnte der CO\u2082-Aussto\u00df erheblich verringert werden. Gr\u00fcne Politiker fordern ein Umdenken und F\u00f6rderma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>14.10.2016 \u2013 In einem aktuellen Antrag fordert die Fraktion B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen \u201eeine nationale Holzbaustrategie f\u00fcr Hochbau und Ingenieurbau\u201c, um \u201eden Einsatz \u00f6kologischer Baustoffe im Neubau und bei der energetischen Sanierung zu f\u00f6rdern.\u201c Petrochemische und alle CO\u2082-intensiven Baustoffe sollen dagegen nicht mehr subventioniert werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr solche Ma\u00dfnahmen spricht auch das neue Entsorgungsproblem von auf Erd\u00f6l basierter Polystyrol-D\u00e4mmung, die seit vielen Jahren bei der energetischen Sanierung von Geb\u00e4uden eingesetzt und von staatlicher Seite subventioniert wurde. Da Polystyrol preisg\u00fcnstiger ist als etwa Mineralwolle oder D\u00e4mmung aus nachwachsenden Rohstoffen und in der Energieeinspar-Berechnung h\u00f6here D\u00e4mmwerte aufweist, ist bei der Mehrheit der Bauherren Polystyrol die erste Wahl. Von politischer Seite wurde das unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Von der EU zum Sonderm\u00fcll erkl\u00e4rt<\/p>\n<p>Seit Ende September werden nun aber mit HBCD behandelte D\u00e4mmstoffe als Sonderm\u00fcll eingestuft, wenn der Gehalt an persistenten organischen Schadstoffen gleich oder gr\u00f6\u00dfer der im Anhang IV der EU-P OP-Verordnung gelisteten Grenzwerte ist. Bei Sanierungs- und Abbrucharbeiten auf Baustellen m\u00fcssen diese nun getrennt gesammelt, dokumentiert und von Entsorgungsfirmen gesondert abtransportiert werden.<\/p>\n<p>Damit steht Deutschland vor einem massiven Entsorgungsproblem mit \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Folgen f\u00fcr Eigenheimbesitzer und die Wohnungswirtschaft. Das betrifft zwar nicht das aktuell hergestellte Polystyrol ohne HBCD doch bleibt abzuwarten, ob die momentan genutzten Flammschutzmittel in den D\u00e4mmstoffen aus Polystyrol wirklich besser sind, oder ob diese in einigen Jahren ebenfalls zum Sonderm\u00fcll erkl\u00e4rt werden. \u201eMit Blick auf diese Millionen Kubikmeter Sonderm\u00fcll ist es unverst\u00e4ndlich, dass die Bau &#8211; und Immobilienwirtschaft, aber auch die Bundesregierung keine Lehren daraus zieht und die Hemmnisse f\u00fcr nachwachsende Rohstoffe im Baubereich abzubauen\u201c, so die Gr\u00fcnen. Derzeit werden allein in Deutschland t\u00e4glich mehrere 10.000 Kubikmeter zuk\u00fcnftiger Sonderm\u00fcll produziert.<\/p>\n<p>Als weiteres Problem stellt sich nun heraus, dass vielen Verbrennungsanlagen die Genehmigungen oder grunds\u00e4tzlich technischen Vorrausetzungen fehlen, um die W\u00e4rmed\u00e4mmplatten fachgerecht zu entsorgen. \u201eDie Entsorgungsunternehmen holen dieses Material erst gar nicht mehr von den Baustellen ab\u201c wies der Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie RA Michael Knipper im September auf das Problem hin, damit drohe die gesamte Baustellenlogistik zusammenzubrechen \u2013 und das \u201ein einer Zeit, in der dringend Wohnungen saniert werden m\u00fcssen\u201c, mahnt Knipper.<\/p>\n<p>Keine Lobby f\u00fcr Natur-D\u00e4mmstoffe<\/p>\n<p>Wissenschaftliche Untersuchungen bescheinigen dem modernen Holzbau eine lange Lebensdauer und hohe Wertbest\u00e4ndigkeit. Und anhand von Projekten bspw. in Berlin ist l\u00e4ngst der Nachweis erbracht, dass das brandschutztechnische Sicherheitsniveau bei mehrgeschossigen Holzbauten in moderner Bauweise erreicht wird. W\u00e4hrend Holz also die gesetzlichen Vorschriften erf\u00fcllt ist das bei D\u00e4mmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen immer noch schwierig bis unm\u00f6glich, auch wenn mittlerweile einzelne Bauvorhaben die technisch-faktische Machbarkeit \u2013 was bislang auf der Grundlage individueller Brandschutzkonzepte beruht\u2013 verdeutlichen.<\/p>\n<p>Grau ist alle Energie \u2013 das muss in die Bewertung mit einflie\u00dfen<\/p>\n<p>Obwohl das alles bekannt ist stellt die Bundesregierung also alternative, \u00f6kologische Baustoffe in der F\u00f6rdersystematik bislang nicht besser. Diese sind in den KfW -Geb\u00e4udesanierungsprogrammen mit D\u00e4mmstoffen auf petrochemischer Basis gleichgestellt, ohne aber die ben\u00f6tigte Produktionsenergie widerzuspiegeln. Nachhaltiges Bauen im Wesentlichen auf das Energiesparen in der Nutzungsphase zu reduzieren halten viele Energieexperten f\u00fcr irref\u00fchrend.<\/p>\n<p>Auch Beton auf Basis des energieintensiven Zementes ist nach wie vor der Baustoff der Wahl. Unternehmen der Zementindustrie sind als energieintensive Unternehmen bislang in erheblichem Umfang von Energiesteuern und CO2-Kosten befreit und haben daher wenig Anreiz zur Umstellung ihrer Produktion auf \u00f6kologischere Alternativen.<\/p>\n<p>Forderungen f\u00fcr einen wirklich nachhaltigen Geb\u00e4udebestand<\/p>\n<p>Gr\u00fcne Abgeordnete im Deutschen Bundestag fordern daher die Bundesregierung auf, eine nationale Holzbaustrategie f\u00fcr Hochbau und Ingenieurbau beispielweise nach schwedischem Vorbild aufzulegen, um den Einsatz \u00f6kologischer Baustoffe im Neubau und bei energetischer Sanierung zu f\u00f6rdern, beispielsweise in Form eines Standards \u201eEffizienzhaus Nature+\u201c der KfW Bankengruppe; zudem sollten Standards f\u00fcr den Energiebedarf zur Herstellung von Baustoffen eingef\u00fchrt werden, die den gesamten Lebenszyklus der Baustoffe inkl. Herstellung und Entsorgung, ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Bei Energieausweisen f\u00fcr Geb\u00e4ude sollte \u00fcber die Angabe des Energiebedarfs hinaus eine Nachhaltigkeitsbewertung im Rahmen der Lebenszyklusbetrachtung der Geb\u00e4ude eingef\u00fchrt werden. Wichtig w\u00e4re es in diesem Zusammenhang, endlich eine einheitliche Zertifizierung von \u00f6kologischen Baustoffen zu unterst\u00fctzen \u2013 dazu geh\u00f6re die F\u00f6rderung der weiteren Erforschung \u00f6kologischer Baumaterialien, indem die Aspekte Wohngesundheit und Schadstoffemissionen im Wohnbereich im Rahmen der Ressortforschung st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt werden und verst\u00e4rkt Ma\u00dfnahmen zur Reduktion von Schadstoffemissionen im Wohnbereich entwickelt werden. Bei der n\u00e4chsten Novellierung der Energieeinspar-Verordnung (EnEV) sollten auch die Umweltauswirkungen zur Bereitstellung der sog. Grauen Energie bei der Herstellung von Bau- und D\u00e4mmstoff ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Verwendung von Holz und weiteren Baustoffen aus nachwachsenden Rohstoffen statt Beton und petrochemischen Produkten im Geb\u00e4udebau k\u00f6nnte der CO\u2082-Aussto\u00df erheblich verringert werden. 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