{"id":37807,"date":"2016-10-04T07:23:14","date_gmt":"2016-10-04T05:23:14","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=37807"},"modified":"2016-09-29T13:50:53","modified_gmt":"2016-09-29T11:50:53","slug":"natuerliches-antibiotikum-manuka-honig-bekaempft-hartnaeckige-krankheitserreger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/natuerliches-antibiotikum-manuka-honig-bekaempft-hartnaeckige-krankheitserreger\/","title":{"rendered":"Nat\u00fcrliches Antibiotikum &#8211; Manuka-Honig bek\u00e4mpft hartn\u00e4ckige Krankheitserreger"},"content":{"rendered":"<p>Honig z\u00e4hlt zu den \u00e4ltesten Heilmitteln der Menschheit. Schon 400 vor Christus pries Hippokrates es als Mittel gegen Fieber an; Wunden wurden Jahrhundertelang mit Umschl\u00e4gen aus Honig, \u00d6l und Wein versorgt. Heute wei\u00df die Wissenschaft, dass die Mediziner damals richtig handelten &#8211; zumindest, was die Abwehr von Bakterien angeht.<\/p>\n<p>Durch seinen hohen Zuckergehalt entzieht Honig Bakterien Wasser und erschwert ihnen die Vermehrung. Hinzu kommen Inhaltsstoffe, die Krankheitserreger abt\u00f6ten. Wird Honig etwa mit Wasser verd\u00fcnnt, entsteht Wasserstoffperoxyd, das antibakteriell wirkt. Das ist allen Honigsorten gemein. Die antibakterielle Wirkung einer Sorte, des Manuka-Honigs, geht jedoch noch weit dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p>Eine aktuelle Studie spricht jetzt daf\u00fcr, dass der neuseel\u00e4ndische Honig selbst hartn\u00e4ckigen Bakterien-Filmen entgegenwirkt &#8211; und sich zur Desinfektion medizinischer Hilfsmittel wie Katheter eignen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Bakterient\u00f6ter aus dem Bienendarm<\/p>\n<p>Manuka-Honigs entsteht, wenn Bienen den Nektar eines in Neuseeland beheimateten Teebaums &#8211; auch Manuka genannt &#8211; in Honig umwandeln. Jedes Jahr werden in Neuseeland auf diese Weise 1700 Tonnen des besonderen Lebensmittels produziert. Maori nutzen ihn seit Jahrhunderten bei der Behandlung von Entz\u00fcndungen und Infektionen. Mittlerweile ist auch der Inhaltsstoff bekannt, der f\u00fcr seine besonders starke antibakterielle Wirkung verantwortlich ist.<\/p>\n<p>Bei der Umwandlung des Nektars entsteht im Darm der Bienen Methylglyoxal (MGO). W\u00e4hrend in einem Kilogramm handels\u00fcblichen Honig etwa 1 bis 2 Milligramm des Stoffs stecken, entdeckten Forscher um Thomas Henle von der TU Dresden in einem Kilo Manuka-Honig Mengen von 300 bis 700 Milligramm pro Kilogramm. Wird herk\u00f6mmlicher Honig k\u00fcnstlich mit MGO angereichert, entwickelt er eine \u00e4hnlich starke antibakterielle Wirkung wir das Original aus Neuseeland.<\/p>\n<p>70 Prozent weniger haftende Bakterien<\/p>\n<p>Um zu untersuchen, wie gut Manuka-Honig selbst hartn\u00e4ckigen Bakterienfilmen entgegenwirkt, z\u00fcchteten US-Forscher zwei verschiedene Keime: Escherichia coli und Proteus mirabilis z\u00e4hlen zu den h\u00e4ufigsten Ausl\u00f6sern von Harnwegsinfekten. Anschlie\u00dfend starteten sie zwei Tests.<\/p>\n<p>Bei einem ersten gaben sie die Bakterien direkt mit verd\u00fcnntem Honig in Plastiksch\u00e4lchen. Anschlie\u00dfend kamen die Sch\u00e4lchen in einen 37 Grad warmen Brutschrank &#8211; optimale Bedingungen f\u00fcr die Bakterien, um zu wachsen. Auf diese Weise wollten die Forscher testen, wie stark der Honig die Keime daran hindert, sich auf dem Plastik festzusetzen und einen typischen Bakterien-Film zu bilden.<\/p>\n<p>Bei einem zweiten Versuch lie\u00dfen die Forscher die Bakterien erst 24 Stunden auf dem Plastik wachsen und behandelten sie dann mit verd\u00fcnntem Honig. Auch hier kamen die Sch\u00e4lchen anschlie\u00dfend wieder in den Brutschrank. So konnten die Forscher analysieren, wie stark der Honig einen neu gebildeten Bakterienfilm beeinflussen kann.<\/p>\n<p>In beiden F\u00e4llen zeigte sich deutlich, wie der Honig die Bakterien beeinflusst. Selbst eine L\u00f6sung mit nur 3,3 Prozent Honig hinderte die Bakterien daran, sich auf dem Plastik festzusetzen. Nach zwei Tagen im Brutschrank hafteten im Vergleich zu einer Bakterienkultur ohne Honigbehandlung 35 Prozent weniger Keime auf dem Plastik, nach drei Tagen waren es um die 70 Prozent weniger Keime, schreiben die Wissenschaftler um Somadina Emineke von der University of Portsmouth im &#8220;<a href=\"http:\/\/jcp.bmj.com\/content\/early\/2016\/08\/26\/jclinpath-2015-203546\" target=\"_blank\">Journal of Clinical Pathology<\/a>&#8220;.<br \/>\nAuch im zweiten Test, nachdem der Bakterienfilm bereits gewachsen war, wirkte der Honig den Krankheitserregern entgegen. War der Bakterienfilm einen Tag lang einer Honigkonzentration von 16,7 Prozent ausgesetzt, reduzierte sich sein Wachstum um 46 Prozent. Nach zwei Tagen war die Wirkung noch einmal st\u00e4rker.<\/p>\n<p>Bis zu 100 Euro f\u00fcr ein Glas<\/p>\n<p>Die Studie spreche daf\u00fcr, dass sich der verd\u00fcnnte Manuka-Honig als Desinfektionsmittel f\u00fcr Katheter eignen k\u00f6nnte, schreiben die Forscher. Vor allem bei l\u00e4ngeren Behandlungen mit dem Hilfsmittel kommt es h\u00e4ufig zu Harnwegsinfektionen. Bevor ein Einsatz in der Medizin denkbar ist, m\u00fcssen aber noch weitere Studien folgen. Noch ist unklar, ob sich die Ergebnisse auf das Umfeld der Blase \u00fcbertragen lassen. Auch fehlen Tests mit l\u00e4nger bestehenden Bakterienfilmen.<\/p>\n<p>In Deutschland wird Manuka-Honig je nach MGO-Gehalt f\u00fcr Preise von bis zu 100 Euro pro Glas angeboten, seine Kosten \u00fcbersteigen die des herk\u00f6mmlichen Honigs deutlich. Wer sich aufgrund der gut untersuchten antibakteriellen Wirkung eine Wunderwirkung etwa bei Erk\u00e4ltungen erhofft, sollte jedoch gewarnt sein. Erk\u00e4ltungen werden in der Regel von Viren und nicht von Bakterien verursacht. Aus diesem Grund k\u00f6nnen sie auch nicht mit Antibiotika behandelt werden.<\/p>\n<p>Hinzu kommt ein zweiter, wichtiger Punkt: Die Inhaltsstoffe des Honigs k\u00f6nnen &#8211; selbst wenn sie auch Viren bek\u00e4mpfen &#8211; nur an Stellen wirken, die sie direkt erreichen. Auf seinem Weg in den Bauch etwa passiert der Honig Mund, Rachen und Hals. Bei den Bronchien, Schauplatz eines tiefsitzenden Hustens, kommt er nicht an. M\u00f6gliche Einsatzgebiete erhoffen sich Forscher stattdessen bei Entz\u00fcndungen des Zahnfleisches oder Infektionen des Magen- und Darmtrakts.<\/p>\n<p>Bis es soweit ist, m\u00fcssen sie neben der Wirkung allerdings auch die Nebenwirkungen weiter ergr\u00fcnden. In Tierversuchen wurde MGO mit Diabetes in Verbindung gebracht. Wer von der Stoffwechselkrankheit betroffen ist, sollte den Honig deshalb nicht schlucken &#8211; und vor einer Anwendung auf jeden Fall mit seinem Arzt sprechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Honig z\u00e4hlt zu den \u00e4ltesten Heilmitteln der Menschheit. Schon 400 vor Christus pries Hippokrates es als Mittel gegen Fieber an; Wunden wurden Jahrhundertelang mit Umschl\u00e4gen aus Honig, \u00d6l und Wein versorgt. Heute wei\u00df die Wissenschaft, dass die Mediziner damals richtig handelten &#8211; zumindest, was die Abwehr von Bakterien angeht. 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