{"id":37654,"date":"2016-09-27T07:23:49","date_gmt":"2016-09-27T05:23:49","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=37654"},"modified":"2016-09-26T13:33:35","modified_gmt":"2016-09-26T11:33:35","slug":"wenn-landwirte-oekologische-kompensation-selbst-durchfuehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wenn-landwirte-oekologische-kompensation-selbst-durchfuehren\/","title":{"rendered":"Wenn Landwirte \u00f6kologische Kompensation selbst durchf\u00fchren\u2026"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_37656\" aria-describedby=\"caption-attachment-37656\" style=\"width: 227px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  wp-image-37656\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/csm_PM_2016-32_Titel_Leitfaden_e0b6a77151.jpg\" alt=\"csm_pm_2016-32_titel_leitfaden_e0b6a77151\" width=\"227\" height=\"303\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2016\/09\/csm_PM_2016-32_Titel_Leitfaden_e0b6a77151.jpg 350w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2016\/09\/csm_PM_2016-32_Titel_Leitfaden_e0b6a77151-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-37656\" class=\"wp-caption-text\">Titel Leitfaden &#8216;Produktionsintegrierter Naturschutz mit nachwachsenden Rohstoffen&#8217;<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Seit 2007 untersucht das Institut f\u00fcr angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) der Hochschule Trier die M\u00f6glichkeit, Eingriffe in Natur und Landschaft durch den extensiven Anbau nachwachsender Rohstoffe zu kompensieren. Unter anderem wurden vier Modellregionen etabliert und evaluiert. Jetzt schlossen die Wissenschaftler das letzte von insgesamt vier Projekten zum Thema mit einem Praxis-Leitfaden ab.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Quintessenz der Projektbeteiligten: Gemeinsam und kooperativ k\u00f6nnen Landwirte, Natursch\u00fctzer und Kommunen ihre Ziele besser erreichen als jeder f\u00fcr sich. Denn Kompensationsma\u00dfnahmen mit Nutzungskomponente erweisen sich in der Praxis oft als langlebiger und praktikabler.<\/strong><\/p>\n<p>Der Ansatz \u201eExtensive Landnutzungskonzepte f\u00fcr die Produktion nachwachsender Rohstoffe als Ausgleichs- und Ersatzma\u00dfnahmen (ELKE)\u201c wurde vom Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) \u00fcber den Projekttr\u00e4ger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) gef\u00f6rdert. Alle Projektergebnisse stehen auf <a href=\"http:\/\/www.landnutzungsstrategie.de\/\" target=\"_blank\">landnutzungsstrategie.de<\/a> zur Verf\u00fcgung. Der Leitfaden ist f\u00fcr 14,90 EUR im Verlag <a href=\"http:\/\/www.naturundtext.de\/shop\/wissen\/produktionsintegrierter-naturschutz-mit-nachwachsenden-rohstoffen.html\" target=\"_blank\">Natur+Text<\/a> bestellbar.<\/p>\n<p>Bauherren m\u00fcssen Naturschutz-Ausgleichsfl\u00e4chen, sogenannte Kompensationsma\u00dfnahmen, finanzieren, wenn sie andernorts zum Beispiel durch den Bau von Stra\u00dfen oder Geb\u00e4uden Fl\u00e4chen versiegeln und umwidmen. Diese Eingriffs-Regelung nach \u00a7 13 Bundes-Naturschutzgesetz besteht seit 1976. F\u00fcr die Ausweisung eines neuen Baugebietes etwa werden an anderer Stelle Hecken oder B\u00e4ume gepflanzt oder ein Acker in eine Wiese umgewandelt. Die Fl\u00e4chen daf\u00fcr stammen h\u00e4ufig von Landwirten. Zusammen mit der nach wie vor hohen Fl\u00e4chenversiegelung in Deutschland \u2013 noch immer verschwinden jeden Tag im Schnitt 73 Hektar Boden unter Stra\u00dfen, Bau- oder Gewerbegebieten \u2013 gehen so sehr viele produktive Fl\u00e4chen verloren, die nicht mehr f\u00fcr die Erzeugung von Nahrung, Futtermitteln oder nachwachsenden Rohstoffen zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Nach dem Konzept ELKE f\u00fchren die Landwirte an Stelle des Ausgleichsverpflichteten die \u00f6kologischen Ersatzma\u00dfnahmen durch. Sie verf\u00fcgen weiterhin \u00fcber ihre Fl\u00e4chen und bauen extensiv Energiepflanzen oder Pflanzen f\u00fcr die stoffliche Nutzung zum Beispiel in Form von Energiehecken an. Energiehecken bestehen aus einer Mischung schnellwachsender und standortgerechter Geh\u00f6lze. Die Mindereinnahmen des Landwirts gleicht z.B. ein \u00d6kokonto oder Fonds aus, in den die Bauherren als Verursacher einzahlen. Heute werden diese Mittel \u00fcberwiegend noch f\u00fcr den Ankauf der Fl\u00e4chen verwendet.<\/p>\n<p>Dabei kann der innovative Ansatz des produktionsintegrierten Naturschutzes nicht nur \u00f6konomisch, sondern mittelfristig auch \u00f6kologisch der heutigen Ausgleichspraxis \u00fcberlegen sein. Zum einen lassen sich gr\u00f6\u00dfere und vernetzte Fl\u00e4chen anlegen als es bislang der Regelfall ist. Zum anderen zeigen Auswertungen, dass Kompensationsma\u00dfnahmen mit Nutzungskomponente langfristig gesichert sind, eben weil die Landwirte ein betriebliches Interesse an deren Aufwuchs haben.<\/p>\n<p>Wird hingegen in klassischen Ma\u00dfnahmen nach einer Etablierungsphase die Pflege aus Kostengr\u00fcnden aufgegeben, so kann sich z.B. bei Hecken oder den beliebten Streuobstwiesen der gew\u00fcnschte und auch rechtlich notwendige \u00f6kologische Wert vermindern: Ungeschnittene Hecken d\u00fcnnen im unteren Bereich aus und bieten damit weniger Schutz f\u00fcr Wildtiere, ungeschnittene Obstb\u00e4ume vergreisen fr\u00fchzeitig und sind dadurch anf\u00e4lliger f\u00fcr Windbruch. Die erw\u00fcnschten Baumh\u00f6hlen, die in Folge des Obstbaumschnittes durch Insekten und V\u00f6gel erst angelegt werden, entwickeln sich in den Altb\u00e4umen nicht. Entgegen landl\u00e4ufiger Meinung gilt eben nicht \u201eJe weniger Nutzung, desto mehr Natur\u201c. Vielmehr beruht unsere heutige Kulturlandschaft mit ihrer erhaltenswerten biologischen Vielfalt in gro\u00dfen Teilen auf der Nutzung durch den Menschen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_37655\" aria-describedby=\"caption-attachment-37655\" style=\"width: 245px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  wp-image-37655\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/csm_PM_2016-32_ELKE_01_278da100b8.jpg\" alt=\"csm_pm_2016-32_elke_01_278da100b8\" width=\"245\" height=\"164\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2016\/09\/csm_PM_2016-32_ELKE_01_278da100b8.jpg 350w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2016\/09\/csm_PM_2016-32_ELKE_01_278da100b8-300x201.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 245px) 100vw, 245px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-37655\" class=\"wp-caption-text\">Energiehecken als Teile eines Agroforstsystems in der ELKE-Modellregion Scheyern (Niederbayrisches H\u00fcgelland) im 4. Standjahr. Foto: IfaS\/Frank Wagener<\/figcaption><\/figure>\n<p>In vier Modellregionen wurde der ELKE-Ansatz praktisch erprobt. So haben in Hessen und Bayern Landwirte und in Niedersachsen eine Gemeinde moderne Energiehecken angelegt; die Hackschnitzel aus der Agrarholzernte verwerten das Stammwerk der Firma Viessmann und das Kloster Scheyern zur W\u00e4rmeerzeugung. Im Saarland erprobte eine Stiftung den Anbau von Wildkraut- und Getreidegemengen f\u00fcr eine Biogasanlage. Die regionale Wertsch\u00f6pfung aus der Rohstofferzeugung und -verwertung mindert die reinen Naturschutzkosten und leistet einen Deckungsbeitrag im landwirtschaftlichen Betrieb.<\/p>\n<p>Inzwischen gibt es die ersten Regionen, die das ELKE-Konzept eigenfinanziert umsetzen. Es wird immer klarer: Die mehr oder weniger strikte Trennung von Kompensation und landwirtschaftlicher Produktion st\u00f6\u00dft zunehmend an ihre Grenzen. So gestaltet es sich f\u00fcr viele Ma\u00dfnahmentr\u00e4ger immer schwieriger, Fl\u00e4chen zu erwerben, die zudem immer teurer werden. Die Zeit ist vielerorts reif f\u00fcr einen integrierten Ansatz. Daf\u00fcr bedarf es allerdings auch der Bereitschaft beider Seiten \u2013 Naturschutz und Landwirtschaft \u2013 aufeinander zu zugehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2007 untersucht das Institut f\u00fcr angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) der Hochschule Trier die M\u00f6glichkeit, Eingriffe in Natur und Landschaft durch den extensiven Anbau nachwachsender Rohstoffe zu kompensieren. Unter anderem wurden vier Modellregionen etabliert und evaluiert. Jetzt schlossen die Wissenschaftler das letzte von insgesamt vier Projekten zum Thema mit einem Praxis-Leitfaden ab. 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