{"id":36574,"date":"2016-08-11T07:00:00","date_gmt":"2016-08-11T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.biotechnologie.de%2FBIO%2FNavigation%2FDE%2Froot%2Cdid%3D188850.html"},"modified":"2016-08-09T13:23:01","modified_gmt":"2016-08-09T11:23:01","slug":"forschungsprojekt-zur-entwicklung-eines-fluorcarbon-freien-hydrophobierungsmittels-fuer-textilien-gestartet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/forschungsprojekt-zur-entwicklung-eines-fluorcarbon-freien-hydrophobierungsmittels-fuer-textilien-gestartet\/","title":{"rendered":"Forschungsprojekt zur Entwicklung eines Fluorcarbon-freien Hydrophobierungsmittels f\u00fcr Textilien gestartet"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Ausr\u00fcstungsmittel soll Textilien wasser- und schmutzabweisende Eigenschaften verleihen und dabei v\u00f6llig auf f\u00fcr Mensch und Umwelt bedenkliche Chemikalien (Fluorcarbone) verzichten. <\/strong><\/p>\n<p>Die Hohenstein Institute in B\u00f6nnigheim und das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Grenzfl\u00e4chen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart mit seinem Institutsteil BioCat in Straubing geben den Start eines interdisziplin\u00e4ren Forschungsvorhabens bekannt. Allein auf Grundlage nat\u00fcrlicher Proteine wollen die Forscher eine Textilausr\u00fcstung mit wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften entwickeln, die k\u00fcnftig als Alternative zur giftigen und umstrittenen Hydrophobierung mittels per- und polyfluorierten Chemikalien dienen soll. Ziel des Gemeinschaftsprojekts (IGF-Nr. 18884 N) ist eine \u00f6konomisch und nachhaltig stabile Funktionalisierung von Textilien als Ersatz f\u00fcr die aktuell nach wie vor noch vielfach verwendeten Fluorcarbon-Ausr\u00fcstungen. Durch die gezielte Verkn\u00fcpfung des Fachgebiets Biotechnologie mit der Textilwissenschaft versprechen sich die Wissenschaftler eine erfolgreiche Umsetzung des Projektziels.<\/p>\n<figure id=\"attachment_36610\" aria-describedby=\"caption-attachment-36610\" style=\"width: 263px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-36610\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Pressefoto_Hydrophobe_Textilien_1.jpg\" alt=\"Machbarkeitsstudie \u2013 Textilien auf Cellulosebasis wurden mit einem gr\u00fcn-fluoreszierenden Markerprotein + Cellulose-Anker ausger\u00fcstet. Baumwolle (links), Viskose (mitte), Negativkontrolle = gr\u00fcn-fluoreszierendes Protein ohne Cellu-lose-Anker (rechts). \u00a9 Foto Hohenstein Institute\" width=\"263\" height=\"196\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-36610\" class=\"wp-caption-text\">Machbarkeitsstudie \u2013 Textilien auf Cellulosebasis wurden mit einem gr\u00fcn-fluoreszierenden Markerprotein + Cellulose-Anker ausger\u00fcstet. Baumwolle (links), Viskose (mitte), Negativkontrolle = gr\u00fcn-fluoreszierendes Protein ohne Cellu-lose-Anker (rechts).<br \/>\u00a9 Foto Hohenstein Institute<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der im Forschungsvorhaben angestrebte Ansatz soll mithilfe von wasserabweisenden (hydrophoben) Proteinen, sogenannten Hydrophobinen, verwirklicht werden. Diese Proteine kommen nat\u00fcrlicherweise in den Zellw\u00e4nden von Pilzen vor, wo sie eine sch\u00fctzende Funktion haben. Im Laufe des Projekts m\u00f6chten die Forscher die wasserabweisenden Pilzproteine biotechnologisch herstellen und anschlie\u00dfend auf Textilien aufbringen.<\/p>\n<p>Das Prinzip beruht darauf, die hydrophoben Proteine mit einem \u00bbAnker\u00ab zu versehen, der sich als Bindeglied selektiv und stabil an Zellulosefasern binden kann. \u00bbAnker\u00ab dieser Art sind ebenfalls in der Natur verf\u00fcgbar, z. B. bei Zellulose-abbauenden Enzymen (sog. Zellulasen), die vielen Pilzen und Bakterien dabei helfen Biomasse abzubauen, um an N\u00e4hrstoffe zu gelangen.<\/p>\n<p>In einer Machbarkeitsstudie der Hohenstein Institute und des Fraunhofer IGB, wurde das hier beschriebene Prinzip bereits umgesetzt. Es gelang bisher, ein gr\u00fcn-fluoreszierendes Marker-Protein \u00fcber einen Cellulose-Anker stabil an verschiedene Textilien zu binden.<\/p>\n<p>Wasser- und schmutzabweisende Eigenschaften von Textilien sind von gro\u00dfer Bedeutung, z. B. f\u00fcr Outdoor-Produkte, technische Textilien, OP-Textilien, aber auch zum Schutz von Fasern vor mikrobieller Zersetzung wie im Automobil. Derzeit werden diese Eigenschaften haupts\u00e4chlich durch chemische Fluorcarbon-Verbindungen erzielt. Diese sind als langlebige organische Schadstoffe eingestuft. Sie werden von Mensch und Tier \u00fcber Nahrung und Trinkwasser aufgenommen und reichern sich in deren Organen an. Zudem ben\u00f6tigen die hierf\u00fcr verwendeten Textilveredlungsverfahren sehr viel Wasser und die anfallenden Abw\u00e4sser m\u00fcssen aufw\u00e4ndig und kostenintensiv aufbereitet werden. Aufgrund der Gefahren f\u00fcr Mensch und Umwelt w\u00e4chst der Druck durch Medien und Verbraucher f\u00fcr alternative Textilausr\u00fcstungen mit den gew\u00fcnschten Eigenschaften. Daher ist die Umstellung von Fluorcarbon-Ausr\u00fcstungen auf alternative Substanzen und Verfahren eine bedeutende Herausforderung f\u00fcr die Textilindustrie. Die proteinbasierte Textilausr\u00fcstung stellt vor diesem Hintergrund ein alternatives Hydrophobierungsverfahren dar, das zugleich kosteneffizient, nachhaltig und gesundheitlich unbedenklich ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_36611\" aria-describedby=\"caption-attachment-36611\" style=\"width: 246px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-36611\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Pressefoto_Hydrophobe_Textilien_2.jpg\" alt=\"Wasserabweisendes (hydrophobes) Textil.  \u00a9 Foto Hohenstein Institute\" width=\"246\" height=\"369\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2016\/08\/Pressefoto_Hydrophobe_Textilien_2.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2016\/08\/Pressefoto_Hydrophobe_Textilien_2-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 246px) 100vw, 246px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-36611\" class=\"wp-caption-text\">Wasserabweisendes (hydrophobes) Textil.<br \/>\u00a9 Foto Hohenstein Institute<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Gemeinschaftsprojekt wird von einem projektbegleitenden Ausschuss unterst\u00fctzt, der sich aus verschiedenen industriellen Vertretern der Textil- und Biotechnologiebranche zusammensetzt. Die industrielle Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit der neu entwickelten Veredlungsmethode wird somit von Anfang an ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Das Fraunhofer IGB, Institutsteil BioCat in Straubing, besch\u00e4ftigt sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit Biokatalyse-Systemen und der fermentativen Herstellung biologischer Substanzen. Dort werden derzeit die entsprechenden Fusionsproteine aus wasserabweisendem Protein und Zellulose-Anker produziert, die sich f\u00fcr die Veredlung zellulosehaltiger Textilien aus Baumwolle, Viskose, Modal oder Lyocell eignen.<\/p>\n<p>Die Hohenstein Institute in B\u00f6nnigheim geh\u00f6ren zu den bedeutendsten, unabh\u00e4ngigen Forschungs- und Pr\u00fcfeinrichtungen im textilen Sektor. Der dort angesiedelte Life Science Bereich, das William-K\u00fcster-Institut f\u00fcr Hygiene, Umwelt und Medizin, deckt alle textilbezogenen Fragestellungen im Projekt ab \u2013 von der Auswahl geeigneter Textilmuster auf Zellulosebasis \u00fcber die Veredlung der Textilien mit den Proteinen bis hin zur Charakterisierung der veredelten Textilmuster. Die Forscher untersuchen zum einen die Funktionalit\u00e4t und Waschbest\u00e4ndigkeit der Protein-Ausr\u00fcstung. Zum anderen analysieren sie weitere Aspekte wie Atmungsaktivit\u00e4t, Biokompatibilit\u00e4t, Umweltvertr\u00e4glichkeit und letztendlich auch die biologische Abbaubarkeit der veredelten Textilmuster.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K&ouml;nnen Pilzproteine als schmutzabweisende Schicht auf Textilien aufgebracht werden? 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