{"id":35690,"date":"2016-06-29T07:26:51","date_gmt":"2016-06-29T05:26:51","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=35690"},"modified":"2016-06-29T06:16:04","modified_gmt":"2016-06-29T04:16:04","slug":"umweltschutz-was-wurde-aus-den-hochgelobten-biokunststoffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/umweltschutz-was-wurde-aus-den-hochgelobten-biokunststoffen\/","title":{"rendered":"Umweltschutz: Was wurde aus den hochgelobten Biokunststoffen?"},"content":{"rendered":"<p><em>(Bitte lesen Sie auch die kritischen <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/forum\/wissenschaft\/umweltschutz-wurde-aus-den-hochgelobten-biokunststoffen-thread-478451-4.html#postbit_45282931\" target=\"_blank\">Kommentare<\/a> zu der Meldung! Die Redaktion)<\/em><br \/>\nPlastik ist eines der gr\u00f6\u00dften Umweltprobleme unseres Planeten. Biologisch abbaubare Kunststoffe schienen die L\u00f6sung gegen die M\u00fcllflut zu sein. Warum haben sie sich dann nicht durchgesetzt?<\/p>\n<p>Wenn es um ein Ranking der Ursachen f\u00fcr langfristige Umweltprobleme ginge, st\u00fcnden Kunststoffe mit an der Spitze: Weltweit werden j\u00e4hrlich wohl mehr als 250 Millionen Tonnen produziert. Die Recyclingquote liegt unter f\u00fcnf Prozent, viel mehr wird verbrannt, was &#8211; je nach Material &#8211; neben Klimagasen oft auch Gifte freisetzt.<\/p>\n<p>Der Rest des M\u00fclls landet auf Halden oder in der Umwelt. Dort brauchen Kunststoffflaschen und Plastikt\u00fcten gesch\u00e4tzt 450 Jahre, bis sie sich zersetzt haben. Aktuell ist das ein Problem, langfristig gesehen aber schon jetzt eine Katastrophe.<\/p>\n<p>Da klingt das Versprechen auf Kunststoffe, die das Pr\u00e4dikat &#8220;Bio&#8221; verdienen, nach einer verlockenden Alternative. In den Jahren 2011 und 2012 waren die Medien voll davon: Von Bakterien produzierte \u00d6l-Ersatzstoffe, Plastik aus Pflanzen, aus Schlachthofabf\u00e4llen oder direkt aus dem Klimagas CO2, stets voll kompostierbar oder doch zumindest biologisch abbaubar. Gro\u00dfunternehmen stiegen in die Produktion ein, und schnell tranken selbst Fu\u00dfballfans im Stadion ihr Bierchen aus Maisst\u00e4rke-Bechern.<\/p>\n<p>Doch der Produktwechsel blieb aus. Plastik wird nach wie vor meist aus \u00d6l gemacht, Biokunststoffe blieben selten und gelten l\u00e4ngst nicht mehr als L\u00f6sung unserer M\u00fcll-Probleme. Warum aber konnten sie sich nicht durchsetzen?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal, meint Gerhard Kotschik, Verpackungsexperte beim Umweltbundesamt, m\u00fcsse man sich klar machen, was mit dem Begriff Biokunststoff eigentlich genau gemeint ist: &#8220;Die Vorsilbe &#8216;Bio&#8217; hat zwei Bedeutungen: Einmal kann sie f\u00fcr biobasiert stehen, also aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, wie zum Beispiel aus Mais oder Kartoffeln. Oder sie steht daf\u00fcr, dass der Kunststoff biologisch abgebaut werden kann.&#8221;<\/p>\n<p>Beides hei\u00dfe aber nicht zwingend, dass &#8220;Bio&#8221; auch gut f\u00fcr die Umwelt ist: &#8220;Nicht jeder Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen ist biologisch abbaubar. Und nicht alle biologisch abbaubaren Kunststoffe sind aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt.&#8221;<\/p>\n<p>Um also eine qualifizierte Aussage \u00fcber die Klimaneutralit\u00e4t von Biokunststoffen treffen zu k\u00f6nnen, muss immer die gesamte Produktionskette vom Anbau der Rohstoffe bis zur Entsorgung betrachtet werden. &#8220;Biobasierte Kunststoffe sind noch l\u00e4ngst nicht umweltfreundlicher als herk\u00f6mmliche&#8221;, sagt Kotschik. Sie sparten bei Herstellung und Entsorgung zwar C02 ein und auch der Produktionsprozess komme mit weniger Erd\u00f6l aus. Aber: &#8220;Biobasierte Kunststoffe bringen neue Probleme mit sich.&#8221;<\/p>\n<p>Der Anbau von Mais, Kartoffeln oder Zuckerrohr wirke sich negativ auf die Umwelt aus. Auch hierf\u00fcr werde Erd\u00f6l ben\u00f6tigt. Dazu komme \u00dcberd\u00fcngung, was dazu f\u00fchre, dass zu viele N\u00e4hrstoffe in Fl\u00fcsse und Seen gelangten.<\/p>\n<p>Und wie sieht es mit der zweiten Variante aus, den biologisch abbaubaren Biokunststoffen? &#8220;Man muss leider sagen, dass auch der biologische Abbau zu keinem Nutzen f\u00fchrt&#8221;, sagt Kotschik. &#8220;Dass biologisch abbaubare Kunststoffe vollst\u00e4ndig kompostierbar sind, ist leider ein Irrglaube.&#8221; Denn das funktioniert nur unter W\u00e4rmezufuhr, doch die meisten Biokunststoffe landen nie in einer entsprechenden Aufarbeitung.<\/p>\n<p>Schaue man auf die \u00d6kobilanz, bringe die Abbaubarkeit bei Kunststoffen keine Vorteile: &#8220;Da sich Biokunststoffe beim Abbau wie bei der Verbrennung in CO2 und Wasser aufl\u00f6sen und keine wertvollen Bestandteile bilden, schneidet die energetische Verwertung &#8211; das Verbrennen in der M\u00fcllverbrennung &#8211; im Ergebnis sogar besser ab.&#8221;<\/p>\n<h3>Bioplastik: M\u00f6glich, aber \u00f6kologisch nutzlos<\/h3>\n<p>Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft bei der nichtstaatlichen Deutschen Umwelthilfe, geht deshalb sogar so weit, im Zusammenhang mit Biokunststoffen von Verbrauchert\u00e4uschung zu sprechen: &#8220;Beim Kauf mancher Joghurtbecher aus Bioplastik wird dem K\u00e4ufer etwas vorgegaukelt. Er soll mit gutem Gewissen &#8211; f\u00fcr meist auch noch einen h\u00f6heren Preis &#8211; seinen Plastikbecher kaufen. Das ist reines Greenwashing.&#8221;<\/p>\n<p>Bioplastik &#8211; so das Fazit &#8211; ist also nicht nur teurer, sondern auch keinesfalls besser als normaler Kunststoff. Durchsetzen konnte sich das vermeintliche \u00d6komaterial deshalb nicht.<\/p>\n<p>Besser w\u00e4re es, so Fischer, f\u00fcr die Herstellung von Plastik k\u00fcnftig sogenannte biogene Abfallstoffe zu nutzen. &#8220;Das sind Kartoffelschalen, Strohst\u00e4ngel &#8211; einfach Biom\u00fcll.&#8221; Zum jetzigen Zeitpunkt sei dieser Verarbeitungsprozess infolge der komplizierten Logistik allerdings noch unwirtschaftlich. &#8220;Da ist es viel einfacher, mal eben so ein Maisfeld anzupflanzen und abzuernten.&#8221; Die umweltfreundlichste L\u00f6sung sei daher immer noch, einfach weniger Verpackungen zu verbrauchen.<\/p>\n<p>Umweltbundesamt-Experte Kotschik erinnert aber auch daran, dass Verpackungen einen Zweck erf\u00fcllen &#8211; sie sch\u00fctzen das Produkt. Und das habe, so Kotschik, &#8220;einen wesentlich h\u00f6heren \u00f6kologischen Rucksack als die Verpackungen an sich&#8221;. Zu viel Verzicht kann sich also auch negativ auswirken.<\/p>\n<p>Anders sieht das bei den sehr h\u00e4ufig v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssigen Plastikt\u00fcten aus. Sie spielen eine gro\u00dfe Rolle bei der Verschmutzung der Ozeane und sind ein Symbol f\u00fcr eine weitverbreitete Wegwerfmentalit\u00e4t. &#8220;Beim Kauf von Nasentropfen in der Apotheke brauche ich schlicht keine Plastikt\u00fcte&#8221;, sagt Kotschik.<\/p>\n<h3>Etikettenschwindel: Der Kunde soll sich &#8220;Bio&#8221; f\u00fchlen<\/h3>\n<p>Alternativen bietet der Markt dem zunehmend umweltbewussten Verbraucher ja genug: Einwegt\u00fcten mit hohem Recyclinganteil, Mehrwegt\u00fcten aus Baumwolle, Papiert\u00fcten oder biologisch abbaubare Plastikt\u00fcten.<\/p>\n<p>Doch auch hier entpuppen sich vermeintliche Bio-L\u00f6sungen nicht als die beste Option. Die <a href=\"http:\/\/www.duh.de\/5085.html\" target=\"_blank\">Deutsche Umwelthilfe zog den Vergleich<\/a> &#8211; und der f\u00e4llt ausgerechnet f\u00fcr die &#8220;Bioplastikt\u00fcte mit Anteilen nachwachsender Rohstoffe&#8221; nicht gut aus: Sie, bilanziert die Umwelthilfe, sei sogar die schlechteste aller Einweg-T\u00fctenvarianten.<\/p>\n<p>Neben dem hohen Aufwand f\u00fcr den Anbau geeigneter Energiepflanzen wirke sich bei ihnen der gr\u00f6\u00dfere Materialaufwand negativ auf die \u00d6kobilanz aus. Denn im Vergleich zu roh\u00f6lbasierten Tragetaschen m\u00fcsse ihre T\u00fctenfolie dickwandiger sein, um dieselbe Rei\u00dffestigkeit zu besitzen.&lt;<\/p>\n<p>Auch die vermeintlich umweltfreundliche Papiert\u00fcte ist der Kunststoffvariante nicht generell vorzuziehen: Ihre Herstellung ist Material-, Energie- und Chemie-aufwendig. Eine Papiert\u00fcte wird daher erst dann \u00f6kologisch interessant, wenn sie drei- bis viermal benutzt wird. Ein Baumwollbeutel muss sogar zwischen 25 und 32 mal wiederverwendet werden, bis der &#8220;\u00f6kologische Rucksack&#8221; aus seinem Herstellungsprozess abgebaut ist.<\/p>\n<p>So entpuppt sich das Prinzip Enthaltsamkeit als die \u00f6kologisch sinnvollste Variante &#8211; und die Bioplastikt\u00fcte scheiterte, weil sie schlicht nicht &#8220;Bio&#8221; war. &#8220;Die beste T\u00fcte&#8221;, so das Fazit von Umwelt-Lobbyist Thomas Fischer, &#8220;ist diejenige, die gar nicht erst entsteht.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Bitte lesen Sie auch die kritischen Kommentare zu der Meldung! Die Redaktion) Plastik ist eines der gr\u00f6\u00dften Umweltprobleme unseres Planeten. Biologisch abbaubare Kunststoffe schienen die L\u00f6sung gegen die M\u00fcllflut zu sein. Warum haben sie sich dann nicht durchgesetzt? 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