{"id":35504,"date":"2016-06-28T07:10:50","date_gmt":"2016-06-28T05:10:50","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.innovations-report.de%2Fhtml%2Fberichte%2Fmaterialwissenschaften%2Fein-gruener-alleskoenner-aus-orangenschalen-und-kohlendioxid-grundlage-fuer-neue-kunststoffe.html"},"modified":"2021-09-09T21:41:12","modified_gmt":"2021-09-09T19:41:12","slug":"ein-gruener-alleskoenner-aus-orangenschalen-und-kohlendioxid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/ein-gruener-alleskoenner-aus-orangenschalen-und-kohlendioxid\/","title":{"rendered":"Ein gr\u00fcner Allesk\u00f6nner aus Orangenschalen und Kohlendioxid"},"content":{"rendered":"<p><strong>Man nehme Orangenschalen, entziehe ihnen den Naturstoff Limonen, oxidiere ihn und verbinde ihn mit Kohlendioxid: Und schon hat man einen biobasierten Kunststoff, aus dem sich ohne hohe Kosten umweltfreundliche Funktionsmaterialien f\u00fcr verschiedenste industrielle Anwendungen herstellen lassen. \u201aPLimC\u2018 ist der Name dieses gr\u00fcnen Allesk\u00f6nners, der es erstmals erm\u00f6glicht, allein auf der Basis nachwachsender Rohstoffe ein breites Spektrum leistungsstarker Kunststoffe herzustellen. Dies hat jetzt ein Forschungsteam an der Universit\u00e4t Bayreuth herausgefunden, das seine Ergebnisse im Wissenschaftsmagazin \u201aNature Communications\u2018 vorstellt.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_35533\" aria-describedby=\"caption-attachment-35533\" style=\"width: 132px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-35533\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/strukturformel.jpg\" alt=\"Strukturformel des biobasierten Kunststoffs PLimC. Grafik: Oliver Hauenstein\" width=\"132\" height=\"168\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-35533\" class=\"wp-caption-text\">Strukturformel des biobasierten Kunststoffs PLimC. Grafik: Oliver Hauenstein<\/figcaption><\/figure>\n<p>PLimC ist ein Polycarbonat, das aus einer Synthese von Limonenoxid (Betonung: Limon\u00e9noxid) mit Kohlendioxid hervorgeht. So ist gew\u00e4hrleistet, dass es im Unterschied zu herk\u00f6mmlichen Polycarbonaten nicht die gesundheitssch\u00e4dliche Substanz Bisphenol A enth\u00e4lt. Zudem bringt der neue bio-basierte Kunststoff eine Reihe von Eigenschaften mit, die ihn f\u00fcr industrielle Anwendungen attraktiv machen: PLimC ist hart, \u00e4u\u00dferst hitzebest\u00e4ndig und durchsichtig und eignet sich deshalb besonders gut als Material f\u00fcr Beschichtungen. \u201eDiese Erkenntnisse, die wir bereits im vorigen Jahr ver\u00f6ffentlicht haben, konnten wir jetzt mit unserer neuen Studie entscheidend erweitern\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Dr. Andreas Greiner, der Leiter des Bayreuther Forschungsteams. \u201eWir haben an einigen konkreten Beispielen gezeigt, dass sich PLimC hervorragend als Grundstoff eignet, aus dem sich vielseitige Kunststoffe mit sehr spezifischen Eigenschaften entwickeln lassen. PLimC besitzt n\u00e4mlich eine Doppelbindung, die gezielt f\u00fcr weitere Synthesen genutzt werden kann.\u201c<\/p>\n<h3>Vielseitige Anwendungen<\/h3>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr solche neuen PLimC-basierten Kunststoffe sind antimikrobielle Polymere, die beispielsweise imstande sind, eine Anlagerung von <em>E.Coli<\/em>-Bakterien zu verhindern. Als Materialien f\u00fcr Beh\u00e4lter, die in der medizinischen Versorgung und Pflege zum Einsatz kommen, k\u00f6nnen sie das Infektionsrisiko nicht zuletzt in Krankenh\u00e4usern deutlich senken. Auch f\u00fcr die Herstellung von Kunststoff-Implantaten, von denen m\u00f6glichst keine Entz\u00fcndungsrisiken ausgehen sollen, k\u00f6nnen solche Polymere interessant sein. Ein anderes Beispiel sind meerwasserl\u00f6sliche Polymere, die sich im salzigen Meerwasser in \u00f6kologisch unbedenkliche Bestandteile aufl\u00f6sen und anschlie\u00dfend zersetzen. Solche Kunststoffe k\u00f6nnten, wenn sie k\u00fcnftig f\u00fcr Flaschen, T\u00fcten oder andere Beh\u00e4lter verwendet werden, der dramatisch ansteigenden Verschmutzung der Meere durch nicht-l\u00f6sliche Plastik-Partikel entgegenwirken. PLimC ist ebenso ein Grundstoff f\u00fcr hydrophile Polymere. Diese wiederum haben den Vorteil, dass sie eine hohe Wechselwirkung mit Wasser aufweisen und dadurch vergleichsweise schnell von Mikroorganismen abgebaut werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Umweltfreundlich und f\u00fcr sehr hohe Anforderungen geeignet<\/h3>\n<figure id=\"attachment_35534\" aria-describedby=\"caption-attachment-35534\" style=\"width: 257px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-35534\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/forschungsteam-1024x717.jpg\" alt=\"Das Autorenteam der neuen Studie in einem Labor der Bayreuther Polymerforschung: Prof. Dr. Seema Agarwal, Oliver Hauenstein M.Sc. und Prof. Dr. Andreas Greiner (v.l.). Dahinter ein Reaktor zur Polymersynthese.\" width=\"257\" height=\"180\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2016\/06\/forschungsteam-1024x717.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2016\/06\/forschungsteam-300x210.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2016\/06\/forschungsteam-600x420.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 257px) 100vw, 257px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-35534\" class=\"wp-caption-text\">Das Autorenteam der neuen Studie in einem Labor der Bayreuther Polymerforschung: Prof. Dr. Seema Agarwal, Oliver Hauenstein M.Sc. und Prof. Dr. Andreas Greiner (v.l.). Dahinter ein Reaktor zur Polymersynthese.<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eWenn wir gezielt neue Materialien auf der Grundlage von PLimC entwickeln wollen, sind der Phantasie fast keine Grenzen gesetzt\u201c, erkl\u00e4rt Oliver Hauenstein M.Sc., der als Doktorand entscheidende Forschungsarbeiten zur Synthese und Anwendung dieses neuen Kunststoffs geleistet hat. \u201eDie Herstellung von PLimC ist einfach zu handhaben und ausgesprochen umweltfreundlich. Die Schalenabf\u00e4lle von Unternehmen, die Orangens\u00e4fte produzieren, k\u00f6nnen recycelt werden, und ebenso kann das Treibhausgas CO<sub>2<\/sub> verwertet werden, bevor es in die Atmosph\u00e4re entweicht. Zudem sind die vielf\u00e4ltigen Kunststoffe, die auf Basis von PLimC ohne gro\u00dfen technischen oder finanziellen Aufwand synthetisiert werden k\u00f6nnen, \u00f6kologisch unbedenklich und recyclebar.\u201c Prof. Greiner f\u00fcgt hinzu: \u201eDie Kunststoff-Industrie steht ja h\u00e4ufig unter dem Verdacht, dass sie ihre technologischen Fortschritte nur mit \u00f6kologisch bedenklichen Materialien erzielen kann, was so nat\u00fcrlich nicht richtig ist. Unsere Forschungsergebnisse zeigen klar: Moderne Kunststoffe k\u00f6nnen umweltfreundlich sein und zugleich sehr hohen technologischen Anforderungen gerecht werden.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man nehme Orangenschalen, entziehe ihnen den Naturstoff Limonen, oxidiere ihn und verbinde ihn mit Kohlendioxid: Und schon hat man einen biobasierten Kunststoff, aus dem sich ohne hohe Kosten umweltfreundliche Funktionsmaterialien f\u00fcr verschiedenste industrielle Anwendungen herstellen lassen. \u201aPLimC\u2018 ist der Name dieses gr\u00fcnen Allesk\u00f6nners, der es erstmals erm\u00f6glicht, allein auf der Basis nachwachsender Rohstoffe ein breites [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572,5571],"tags":[10743],"supplier":[655],"class_list":["post-35504","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","category-co2-based","tag-useco2","supplier-universitaet-bayreuth"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35504","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35504"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35504\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35504"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35504"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35504"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=35504"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}