{"id":35477,"date":"2016-06-20T07:20:36","date_gmt":"2016-06-20T05:20:36","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=35477"},"modified":"2021-09-09T21:41:18","modified_gmt":"2021-09-09T19:41:18","slug":"speicherung-von-klimagas-co2-versteinert-schneller-als-gedacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/speicherung-von-klimagas-co2-versteinert-schneller-als-gedacht\/","title":{"rendered":"Speicherung von Klimagas &#8211; CO<sub>2<\/sub> versteinert schneller als gedacht"},"content":{"rendered":"<p>Es klingt wie ein Zaubertrick: Klimasch\u00e4dliches Kohlendioxid wird unter die Erde gepumpt und verwandelt sich dort in Stein. Einen gro\u00dfen Fortschritt meldet jetzt eine internationale Forschergruppe aus Island.<\/p>\n<p>Ihr sei es gelungen, schreiben sie in einem aktuellen <a href=\"http:\/\/www.sciencemag.org\/news\/2016\/06\/underground-injections-turn-carbon-dioxide-stone\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel in der Zeitschrift Science<\/a>, das CO2 in einer w\u00e4ssrigen L\u00f6sung in Basaltgestein zu pressen, wo es in weniger als zwei Jahren versteinert und dadurch sicher gelagert werden kann. Durch die Medien geistert schon das Wort von einem \u201etechnologischen Durchbruch\u201c, der die umstrittene Lagerung von Kohlendioxid (CCS) salonf\u00e4hig machen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>\u201eWir stellen fest, dass sich \u00fcber 95 Prozent des injizierten CO2 in weniger als zwei Jahren mineralisiert\u201c, schreibt das Team um den Geowissenschaftler Juerg Matter von der Universit\u00e4t in Southampton. \u201eDas Resultat widerspricht der allgemeinen Annahme, dass die Fixierung von CO2 als Karbonmineralien in geologischen Lagerst\u00e4tten einige Hunderttausend Jahre braucht\u201c, so Matter. Eine langfristige sichere Lagerung des menschengemachten CO2 k\u00f6nne viel schneller gehen.<\/p>\n<p>Die Forscher haben in Island, 25 Kilometer \u00f6stlich der Hauptstadt Reykjavik und gleich neben dem Geothermiekraftwerk Hellisheidi, das \u201eCarbfix\u201c-Projekt betreut: Seit 2012 haben sie 250 Tonnen CO2 in Wasser gel\u00f6st und in Basaltgestein 400 bis 800 Meter unter der Oberfl\u00e4che gepresst. Das Kalzium, Magnesium und Eisen im Gestein bildet mit dem Kohlendioxid ein festes Karbonat, haben sie durch Tests festgestellt \u2013 und dadurch, dass eine Pumpe aus dieser Region mit Kalk verstopft war.<\/p>\n<p>Ein Problem: der Wasserverbrauch<br \/>\nDer Vorteil dieses Verfahrens: Das Klimagas CO2 wird so gebunden. Beim Carbon Capture and Storage, dem CCS, wird das aus Abgasen abgeschiedene Klimagas lediglich in Gestein gepresst. Kritiker f\u00fcrchten, dass es sp\u00e4ter wieder austritt, was die neue Methode verhindert.<\/p>\n<p>\u201eWir k\u00f6nnten gro\u00dfe Mengen CO2 hinabpumpen und in sehr kurzer Zeit sicher lagern\u201c, hei\u00dft es aus dem Team. Man k\u00f6nne daran denken, die Technik an Kraftwerken einzusetzen, wo im Boden Basalt lagert \u2013 und das sei auf etwa zehn Prozent der Erdoberfl\u00e4che der Fall. Die Kosten f\u00fcr die Versteinerung des Klimaproblems liegen au\u00dferdem nach Angaben der Wissenschaftler mit 30 Dollar pro Tonne weit unter den 130 Dollar, die CCS von gasf\u00f6rmigem CO2 kostet.<\/p>\n<p>Medien sprechen schon vom \u201etechnologischen Durchbruch\u201c<br \/>\nBei deutschen Wissenschaftlern \u00fcberwiegt allerdings die Skepsis, ob diese Ergebnisse einen wichtigen Beitrag zur Bek\u00e4mpfung des Klimaproblems leisten. \u201eMan braucht pro Tonne CO2 mindestens 25 Tonnen Wasser\u201c, sagt Axel Liebscher, CCS-Experte vom GeoForschungszentrum Potsdam. F\u00fcr eine Million Tonnen CO2, \u201edie Untergrenze einer industriellen Anwendung\u201c m\u00fcsste so viel Wasser zur Verf\u00fcgung stehen, dass es Basaltvorkommen am Meer brauche, um knappes Trinkwasser zu sparen.<\/p>\n<p>Geht das \u00fcberhaupt in der n\u00f6tigen Gr\u00f6\u00dfenordnung?<br \/>\nAu\u00dferdem seien gro\u00dfe Basaltvorkommen vor allem in Sibirien, Indien oder dem Nordwesten der USA bekannt \u2013 Regionen, in denen kaum CO2-Emissionen entstehen. \u201eMan k\u00f6nnte nat\u00fcrlich CO2 wie \u00d6l um die Welt schicken oder es im Meeresboden speichern, der praktisch \u00fcberall aus Basalt besteht\u201c, so Liebscher. Das aber w\u00fcrde das Verfahren viel teurer machen.<\/p>\n<p>Auch Franz May sieht in der Basaltlagerung keinen Durchbruch. Er leitet den Bereich CO2-Speicherung bei der Bundesanstalt f\u00fcr Geowissenschaften und Rohstoffe. Bisher sei nicht bewiesen, ob die Technik in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung verf\u00fcgbar sei, die am Klimawandel etwas \u00e4ndern k\u00f6nnte. Der Mensch bl\u00e4st durch die Verbrennung von Rohstoffen j\u00e4hrlich etwa 35 Milliarden Tonnen CO2 in die Luft.<\/p>\n<p>\u201eUm da Effekte zu erzielen, br\u00e4uchten wir um den Faktor 1.000 gr\u00f6\u00dfere Kapazit\u00e4ten, als wir sie bisher bei CCS haben\u201c, so May. \u201eDas w\u00e4re eine Wahnsinnsinfrastrukur.\u201c Die Ergebnisse aus Island seien interessant, weil sie zeigten, dass die Versteinerung des CO2 wesentlich schneller gehen k\u00f6nne als gedacht. \u201eAber ein Durchbruch ist das nicht\u201c, meint May. \u201eEs wird keine Wunderwaffe gegen den Klimawandel geben.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es klingt wie ein Zaubertrick: Klimasch\u00e4dliches Kohlendioxid wird unter die Erde gepumpt und verwandelt sich dort in Stein. 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