{"id":35140,"date":"2016-05-31T07:23:10","date_gmt":"2016-05-31T05:23:10","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=35140"},"modified":"2016-05-30T11:47:18","modified_gmt":"2016-05-30T09:47:18","slug":"biokerosin-algen-fuer-den-flugzeugtank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biokerosin-algen-fuer-den-flugzeugtank\/","title":{"rendered":"Biokerosin &#8211; Algen f\u00fcr den Flugzeugtank"},"content":{"rendered":"<p>Wenn Thomas Br\u00fcck das Licht voll aufdreht, bekommen seine Algen einen Schock. Das will der Professor f\u00fcr Industrielle Biokatalyse an der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen tunlichst vermeiden und reguliert daher eine Hightech-LED-Anlage immer haargenau. Gr\u00fcn pl\u00e4tschert im Labor das Wasser durch stufenartig aufgebaute Kunststoffbecken und wird am Ende wieder hochgepumpt. Der Kreislauf beginnt von vorn.<br \/>\nDrei bis vier Wochen gedeihen die Algen. Dann soll aus ihnen der Grundstoff f\u00fcr Biokerosin entstehen. \u201eAlgen wachsen zehnmal schneller als Landpflanzen, produzieren mehr Fette als etwa Raps, brauchen kein S\u00fc\u00dfwasser und verwerten auch noch Kohlendioxid\u201c, z\u00e4hlt Br\u00fcck die Vorteile auf. Doch bislang taugen Algen als Treibstoff f\u00fcr Flugzeuge noch nicht, da sie nicht in gro\u00dfer Menge zu rentablen Konditionen produziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Alternativ-Kerosin &#8211; Zitronen und Zucker im Flugzeug-Tank<\/p>\n<p>Sprit aus Zucker<br \/>\nDer franz\u00f6sische \u00d6l-Konzern Total und das US-Biotech-Unternehmen Amyris haben in Zusammenarbeit einen alternativen Flugzeugkraftstoff entwickelt, den Amyris in einer Fabrik in Brasilien herstellt. Dabei handelt es sich nicht um gew\u00f6hnlichen Biosprit: Amyris hat Mikroorganismen gez\u00fcchtet, die Farnesan aus Zucker herstellen<\/p>\n<p>Testfl\u00fcge und Zulassung<br \/>\nIm Jahr 2012 startete der erste Testflug mit dem alternativen Kraftstoff. Ein Jahr sp\u00e4ter stieg bei Luftfahrtmesse in Frankreich ein Airbus A321 mit ihm betrieben in die H\u00f6he. Im Jahr 2014 startete Etihad die Boeing 777 im Bild mit einer Mischung des Treibstoffs. Kurz darauf erfolgte die Freigabe f\u00fcr das Produkt.<\/p>\n<p>Konkurrenz um Ackerfl\u00e4chen<br \/>\nDie meisten Biofuels haben einen entscheidenden Nachteil: Sie stehen in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Boeings Ansatz hat den Vorteil, dass keine Ackerfl\u00e4chen f\u00fcr die Treibstoffproduktion herhalten m\u00fcssen. Seine Ingenieure wollen aus W\u00fcstenpflanzen Sprit herstellen, die mit Salzwasser bew\u00e4ssert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Salzpflanzen<br \/>\nDie sogenannten Halophyten oder Salzpflanzen sind Grundlage f\u00fcr den Biosprit, den Boeing mit dem Sustainable Bioenergy Research Consortium (SBRC) entwickelt hat. Zu dem Konsortium geh\u00f6ren zudem Etihad Airways, Triebwerkehersteller Safran, Honeywell UOP, Masdar Institute und als j\u00fcngstes Mitglied GE.<\/p>\n<p>Frische Duftnote im Tank<br \/>\nW\u00fcste hat Australien reichlich zu bieten. Doch dort verfolgen Forscher des Instituts f\u00fcr Bioingenieurwesen und Nanotechnologie (AIBN) einen anderen Weg auf der Suche nach dem Wundertreibstoff: Sie wollen zuk\u00fcnftig Zitronen nicht nur den Drinks der Passagiere, sondern auch in den Tanks der Flugzeuge sehen.<\/p>\n<p>Zitronen-Kraftstoff<br \/>\nDie Chemiker des AIBN arbeiten an einem sauberen und erneuerbaren Flugzeugkraftstoff auf Basis der Chemikalie Limonen, die in Zitrusfr\u00fcchten enthalten ist. \u201eEs mag unwahrscheinlich klingen, doch eines Tages k\u00f6nnten Zitronen eine erneuerbare und saubere Quelle f\u00fcr Flugzeugtreibstoff sein\u201c, sagt Projektleiterin Claudia Vickers auf der Homepage des Instituts. Bis zur Marktreife bedarf es aber noch einiger Perfektion.<\/p>\n<p>Algenproduktion f\u00fcr die Luftfahrt<br \/>\nIn einem Glasgew\u00e4chshaus des Instituts f\u00fcr Bio- und Geowissenschaften am Forschungszentrum in J\u00fclich arbeiten Forscher in dem Projekt \u201eAufwind\u201c an einer Alternative zu Kerosin, die aus Algen\u00f6l gewonnen wird. Dominik Behrendt (Bild) ist Leiter des Projekts in Nordrhein-Westfalen, wo die Forschungseinrichtung \u201eAlgen Science Center\u201c f\u00fcr das Projekt in Betrieb genommen wurde.<\/p>\n<p>Zusammenschluss aus Forschung und Wirtschaft<br \/>\nIm \u201eAlgen Science Center\u201c werden Wasserpflanzen gez\u00fcchtet und drei Produktionssysteme f\u00fcr diese Biomasse miteinander verglichen. Zw\u00f6lf Forschungseinrichtungen und Unternehmen haben sich f\u00fcr \u201eAufwind\u201c zusammengetan. Sie wollen ihre Kr\u00e4fte b\u00fcndeln, um in Deutschland eine international wettbewerbsf\u00e4hige Nutzung der Algentechnologie f\u00fcr Biokerosinherstellung zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Mehrere Forschungsprojekte gibt es auf der ganzen Welt, unter anderem im nordrhein-westf\u00e4lischen J\u00fclich. Br\u00fcck und sein Team wollen herausfinden, welche Algen wo am besten wachsen \u2013 und simulieren daf\u00fcr Klimazonen von der Halbw\u00fcste bis zu den Subtropen in zwei Gew\u00e4chsh\u00e4usern in Ottobrunn bei M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Das Algentechnikum ist eine Art Supergew\u00e4chshaus. In den Glasscheiben ist eine Folie, so dass UV-Strahlen durchkommen. Mit der LED-Anlage erg\u00e4nzen die Wissenschaftler das nat\u00fcrliche Sonnenlicht um die fehlende Intensit\u00e4t, damit die Strahlung einem typischen Tagesverlauf etwa im s\u00fcdspanischen Almer\u00eda entspricht. Die Luftfeuchtigkeit wird entsprechend angepasst. Dann gluckert das blassgr\u00fcne Wasser durch die Apparatur, bis sich die Algen zu einer sattgr\u00fcnen Masse vermehrt haben.<\/p>\n<p>Die technischen Voraussetzungen sind da<br \/>\nDie Kosten von mehr als zehn Millionen Euro teilen sich die Airbus Group und das bayerische Wissenschaftsministerium. Vom Jahr 2020 soll der weltweite Luftverkehr nach Angaben der Biokraftstoff-Initiative der Deutschen Luftfahrt (Aireg) CO2-neutral wachsen \u2013 auch durch den Einsatz regenerativer Treibstoffe. Diese sollen 2025 in Deutschland zu zehn Prozent beigemischt werden.<\/p>\n<p>Manfred Aigner, Vorstandsmitglied und Leiter des Instituts f\u00fcr Verbrennungstechnik am Deutschen Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt, ist von dem Ansatz im Prinzip \u00fcberzegt: \u201eDie technischen Voraussetzungen zum Einsatz von Biosprit sind da.\u201c Einige Airlines haben ihn schon getestet.<br \/>\n\u201eDer Linienverkehr scheitert aber an den Kosten\u201c, so Aigner. Mit dem Fall des Erd\u00f6lpreises sei herk\u00f6mmliches Kerosin im Vergleich zum Biokerosin noch billiger geworden. Den Anteil zu steigern werde nur unter Zwang oder mit Unterst\u00fctzung klappen. Bei Algen komme hinzu, dass es technische Probleme etwa bei der Ernte zu l\u00f6sen gelte. Noch sei der Energieaufwand hoch, die Ausbeute gering.<\/p>\n<p>Ein Allheilmittel sind die Algen sicher nicht<\/p>\n<p>Die Initiative Aireg bezeichnet den Beitrag der \u00e4ltesten und einfachsten Organismen zum Biokerosin als \u201evielversprechend\u201c. Neben den hohen Kosten seien jedoch Investitionen in Gro\u00dfanlagen zur Algenproduktion erforderlich. Auch Br\u00fcck geht davon aus, dass Algen kein Allheilmittel sind. Der Kerosinbedarf in der Welt betrage pro Jahr 1,7 Milliarden Liter, erkl\u00e4rt er. \u201eWir w\u00e4ren froh, wenn drei bis f\u00fcnf Prozent mit Algen zu decken sind.\u201c<\/p>\n<p>Den Algen in den Testl\u00e4ufen werden nach rund zwei Wochen N\u00e4hrstoffe wie Phosphor und Stickstoff entzogen. Weil sie dann keinen Zucker mehr produzieren k\u00f6nnen, bilden sie Fette. Der Fettgehalt liege derzeit bei 60 bis 70 Prozent, die fast vollst\u00e4ndig mittels eines Katalysators in Kerosin verwandelt werden, erkl\u00e4rt Daniel Garbe, einer der Mitarbeiter an dem Projekt. Wenn die Forscher die besten Bedingungen f\u00fcr die ergiebigsten Algen gefunden haben, soll die industrielle Produktion starten. Bis dahin d\u00fcrften allerdings noch sieben bis zehn Jahre vergehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Thomas Br\u00fcck das Licht voll aufdreht, bekommen seine Algen einen Schock. 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