{"id":33776,"date":"2016-03-23T07:20:15","date_gmt":"2016-03-23T06:20:15","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=33776"},"modified":"2016-03-22T14:28:14","modified_gmt":"2016-03-22T13:28:14","slug":"bakterien-produzieren-bioplastik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bakterien-produzieren-bioplastik\/","title":{"rendered":"Bakterien produzieren Bioplastik"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_33778\" aria-describedby=\"caption-attachment-33778\" style=\"width: 533px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-33778\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/show_picture.jpg\" alt=\"Bioplastik\" width=\"533\" height=\"348\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2016\/03\/show_picture.jpg 730w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2016\/03\/show_picture-300x196.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2016\/03\/show_picture-600x392.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-33778\" class=\"wp-caption-text\">Professor Lars Blank, Nick Wierckx und Wing-Jin-Li wollen Mikroben anregen, Bausteine aus PET-Flaschen und PU-Sch\u00e4ume in Bioplastik umzuwandeln (von links) (Photo: Peter Winandy).<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>J\u00e4hrlich fallen allein in Deutschland Millionen Tonnen Kunststoffabf\u00e4lle an, die gr\u00f6\u00dftenteils verbrannt werden. Unter der Koordination von Aachener Biologen l\u00e4uft an der RWTH ein innovatives Projekt: Mikroben werden dazu gebracht, Bausteine erd\u00f6lbasierter Kunststoffe in Bioplastik umzuwandeln.<\/strong><\/p>\n<p>Es ist das erste RWTH-koordinierte Verbundvorhaben unter Horizon 2020, dem Rahmenprogramm der EU f\u00fcr Forschung und Innovation. Eingeworben wurde es von Professor Lars Blank und Dr. Nick Wierckx vom Lehrstuhl f\u00fcr Angewandte Mikrobiologie an der RWTH. Mit P4SB \u2013 die Kurzform f\u00fcr From Plastic waste to Plastic value using <em>Pseudomonas putida<\/em> Synthetic Biology \u2013 soll gemeinsam mit zehn weiteren Partnern aus Deutschland, Irland, Spanien, Frankreich und Gro\u00dfbritannien ein neuer Verwertungskreislauf von Plastikabf\u00e4llen entwickeln werden.<\/p>\n<h3>Problematische Kunststoffabf\u00e4lle<\/h3>\n<p>\u201eDie EU macht strenge Vorgaben f\u00fcr das Recycling von Kunststoffabf\u00e4llen\u201c, erkl\u00e4rt Blank. \u201eBis 2020 sollen 50 Prozent der PET-Kunststoffe, die man etwa als Getr\u00e4nkeflaschen kennt, recycelt werden. Aktuell sind es 30 Prozent. Und PU-Sch\u00e4ume, die f\u00fcr Matratzen, Autositze oder als D\u00e4mm-Materialien verwendet werden, sollen sogar zu 70 Prozent wiederverwertet werden. Im Moment werden unter f\u00fcnf Prozent recycelt.\u201c Die meisten dieser Abf\u00e4lle wandern hierzulande in M\u00fcllverbrennungsanlagen, obwohl sie eigentlich ein Wertstoff sind \u2013 wenn auch ein problematischer. Manche Kunststoffe brauchen etwa 500 Jahre, bis sie vollst\u00e4ndig zersetzt sind. In vielen L\u00e4ndern ohne funktionierende Entsorgung landen die Plastikabf\u00e4lle in der Landschaft oder im Meer, wo sie gro\u00dfe Sch\u00e4den anrichten.<\/p>\n<h3>Plastikfressende Organismen<\/h3>\n<p>Die strengen Recyclingquoten der EU k\u00f6nnten langfristig erreicht werden, wenn es den Forschern gelingt, die Bakterien zu plastikfressenden Organismen zu machen. Die Gutachter, die den Projektantrag vorher pr\u00fcften, gaben gr\u00fcnes Licht. \u201eWir stehen vor gro\u00dfen Herausforderungen, weil einige Prozesse bisher nur in Einzelschritten bekannt sind, manche sogar nur in der Theorie\u201c, betont Blank. In dem Konsortium werden jetzt Experten aus den Bereichen Synthetische Biologie, Metabolic Engineering, Enzymologie, Prozesstechnik, Polymerwissenschaft und Umweltforschung ihre Expertise einbringen.<\/p>\n<p>Die Forschergruppe plant folgende Schritte: Zuerst setzen sie den zerkleinerten Plastikabf\u00e4llen Enzyme zu, damit diese die Bindungen der Polymere in Monomere als Einzelbausteine aufspalten. Im zweiten Schritt \u201efressen\u201c Bakterien die Monomere, um sie in einem dritten in Bioplastik umzuwandeln, wobei sie sogar bestimmte Eigenschaften \u201eeinbauen\u201c. Abschlie\u00dfend scheiden die Bakterien dann Bioplastik-Bausteine aus.<\/p>\n<h3>Verkn\u00fcpfung der einzelnen Schritte<\/h3>\n<p>Der letzte Schritt ist derzeit noch ein theoretischer: Sollte das Prinzip im Labor funktionieren, m\u00fcssten die Bakterien nach dem dritten Schritt nicht wie bislang \u201esterben\u201c, damit die Forscher an das Bioplastik gelangen, sondern die winzigen einzelligen Lebewesen k\u00f6nnten \u00fcberleben und die Schritte zwei und drei st\u00e4ndig wiederholen. Blank: \u201eEs geht aber nicht nur darum, die einzelnen Schritte umzusetzen. Wir m\u00fcssen sie miteinander verkn\u00fcpfen und die entsprechenden Werkzeuge daf\u00fcr entwickeln.\u201c Nach vier Jahren soll dann der gesamte Prozess im Laborma\u00dfstab funktionieren. Die Entwicklung bis zum industriellen Ma\u00dfstab, bei denen Bakterien tonnenweise Plastikabf\u00e4lle fressen und in Bioplastik umwandeln, wird aber noch entsprechende Zeit brauchen. Die RWTH-Forscher sind aber zuversichtlich, L\u00f6sungsans\u00e4tzen in den n\u00e4chsten Jahren n\u00e4herzukommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kontakt<\/h3>\n<p>Lars Blank<br \/>\nTel.: +49 241 80 26600<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:Lars.Blank@rwth-aachen.de\" target=\"_blank\">Lars.Blank@rwth-aachen.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; J\u00e4hrlich fallen allein in Deutschland Millionen Tonnen Kunststoffabf\u00e4lle an, die gr\u00f6\u00dftenteils verbrannt werden. Unter der Koordination von Aachener Biologen l\u00e4uft an der RWTH ein innovatives Projekt: Mikroben werden dazu gebracht, Bausteine erd\u00f6lbasierter Kunststoffe in Bioplastik umzuwandeln. Es ist das erste RWTH-koordinierte Verbundvorhaben unter Horizon 2020, dem Rahmenprogramm der EU f\u00fcr Forschung und Innovation. 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