{"id":33673,"date":"2016-03-18T07:35:00","date_gmt":"2016-03-18T06:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=33673"},"modified":"2016-03-17T12:23:48","modified_gmt":"2016-03-17T11:23:48","slug":"aldi-lidl-edeka-so-gross-ist-die-macht-der-supermaerkte-beim-umweltschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/aldi-lidl-edeka-so-gross-ist-die-macht-der-supermaerkte-beim-umweltschutz\/","title":{"rendered":"Aldi, Lidl, Edeka &#8211; So gro\u00df ist die Macht der Superm\u00e4rkte beim Umweltschutz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Deutschlands gro\u00dfe Lebensmittelh\u00e4ndler machen Druck. Immer \u00f6fter nutzen Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka ihre Marktmacht, um in der Lebensmittelindustrie und der Landwirtschaft Forderungen nach mehr Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz durchzusetzen.<\/strong><\/p>\n<p>Discount-Marktf\u00fchrer Aldi untersagte erst vor wenigen Tagen seinen Lieferanten, beim Anbau von Obst, Gem\u00fcse und Kartoffeln in Deutschland das Spr\u00fchen von acht umstrittenen Pestizid-Wirkstoffen. Das Ziel: Mehr Schutz f\u00fcr Bienen. Lidl als Nummer zwei der Branche setzt den Lieferfirmen unter anderem enge Grenzen beim Einsatz von Antibiotika in der Tiermast und betont selbstbewusst: \u201eDie Einhaltung gesetzlicher Standards ist eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Lidl gibt sich damit nicht zufrieden.\u201c<\/p>\n<p>Edeka akzeptiert inzwischen bei Obst und Gem\u00fcse seiner Eigenmarken maximal 50 Prozent der gesetzlich zugelassenen Mengen an Pflanzenschutzmittelr\u00fcckst\u00e4nden. Rewe verbannte Mikroplastik aus den eigenen Kosmetikartikeln. Und auch sonst gehen die H\u00e4ndler immer wieder \u00fcber geltende gesetzliche Vorgaben hinaus: Etwa wenn sie kein Frischfleisch von bet\u00e4ubungslos kastrierten Schweinen mehr anbieten wollen oder sich gegen das Schnabelk\u00fcrzen bei Legehennen einsetzen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Marketingexperten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU ist dieses Engagement nicht zuletzt eine Antwort auf den wachsenden Druck der \u00d6ffentlichkeit. \u201eDie Verbraucher erwarten heute von den Einzelhandelsketten, dass sie sich um Themen wie Nachhaltigkeit und Tierschutz k\u00fcmmern.\u201c<\/p>\n<p>Wie gro\u00df dabei die Einflussm\u00f6glichkeiten von Aldi, Edeka und Co. sind, macht der Pr\u00e4sident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schr\u00f6der, an einem Beispiel deutlich: \u201eEs waren Aldi und Lidl, die gemeinsam als erste die K\u00e4figeier ausgemustert haben. Und innerhalb eines halben Jahres waren die Qualeier verschwunden.\u201c<\/p>\n<p>Tatsache ist: Wenn Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl etwas von der Lebensmittelindustrie fordern, dann werden sich die Lieferanten den W\u00fcnschen nur selten verschlie\u00dfen, weil sie bef\u00fcrchten m\u00fcssen, sonst bei den n\u00e4chsten Orderrunden \u00fcbergangen zu werden.<\/p>\n<h3>\u201eDas Ganze ist scheinheilig\u201c<\/h3>\n<p>Unter welchem Druck sich die Lebensmittelindustrie zuweilen sieht, zeigt ein aktuelles Beispiel. Nachdem Aldi S\u00fcd von Lieferanten wirksamere Ma\u00dfnahmen gegen die Verunreinigung von Lebensmitteln durch Mineral\u00f6lbestandteile verlangte, klagte der Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL: \u201eAldi fordert eine Nulltoleranz.\u201c Diese k\u00f6nne jedoch bei der unvermeidbaren Pr\u00e4senz der Mineral\u00f6le in unserer Umwelt \u201evon den Herstellern schlicht nicht gew\u00e4hrleistet werden\u201c.<\/p>\n<p>Trotz aller Bem\u00fchungen gibt es von den Umweltsch\u00fctzern aber nicht nur Lob f\u00fcr die Handelsriesen. Beispiel Tierschutz: \u201eDas Ganze ist scheinheilig, wenn gleichzeitig weiterhin jede Woche so massiv auf Handzetteln f\u00fcr Billigfleisch geworben wird\u201c, meint der Pr\u00e4sident des Deutschen Tierschutzbundes. Wer Billigpreise f\u00fcr Fleisch bewerbe, der senke das Tierschutzniveau in den St\u00e4llen.<\/p>\n<p>Stephanie T\u00f6we, Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin, meint: \u201eDer Handel hat den Konsumenten beigebracht, dass Fleisch billig ist. Jetzt muss er den Kunden erkl\u00e4ren, warum sie mehr daf\u00fcr bezahlen sollen. Das tut er bisher nicht.\u201c Sie pl\u00e4diert daf\u00fcr, bei Fleisch eine Herkunfts- und Haltungskennzeichnung einzuf\u00fchren wie bei Eiern. Dort kann der Kunde mit einem Blick erkennen, ob das Huhn aus Bodenhaltung, Freilandhaltung oder von einem Biohof stammt.<\/p>\n<p>Der Marketingexperte Fassnacht sieht allerdings auch den Verbraucher in der Pflicht. Dessen Anforderungen bei Themen wie Nachhaltigkeit und Tierschutz w\u00fcrden zwar immer gr\u00f6\u00dfer. \u201eDas Problem ist nur, dass die meisten Konsumenten nicht bereit sind, daf\u00fcr mehr zu bezahlen. Das macht die Sache f\u00fcr die Unternehmen schwierig.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschlands gro\u00dfe Lebensmittelh\u00e4ndler machen Druck. Immer \u00f6fter nutzen Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka ihre Marktmacht, um in der Lebensmittelindustrie und der Landwirtschaft Forderungen nach mehr Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz durchzusetzen. Discount-Marktf\u00fchrer Aldi untersagte erst vor wenigen Tagen seinen Lieferanten, beim Anbau von Obst, Gem\u00fcse und Kartoffeln in Deutschland das Spr\u00fchen von acht umstrittenen Pestizid-Wirkstoffen. 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