{"id":33622,"date":"2016-03-17T07:26:27","date_gmt":"2016-03-17T06:26:27","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=33622"},"modified":"2018-02-16T14:54:03","modified_gmt":"2018-02-16T13:54:03","slug":"bio-rennauto-als-prototyp-fuer-das-automobil-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bio-rennauto-als-prototyp-fuer-das-automobil-der-zukunft\/","title":{"rendered":"Bio-Rennauto als Prototyp f\u00fcr das Automobil der Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>Wie \u201ebio\u201c kann ein Auto sein? Ziemlich \u2013 wie das Bioconcept-Car der Reutlinger Firma Four Motors beweist. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt Rennsportprofi Tom von L\u00f6wis nun schon den Bio-Rennwagen der vierten Generation. Bei allen Bioconcept-Cars sind die Anbauteile aus biobasierten Kunststoffen oder pflanzenfaserverst\u00e4rkten Duromeren; die effizienzoptimierten Verbrennungsmotoren werden mit Biokraftstoffen betrieben. Wer nun glaubt, dies sei nur ein netter Zeitvertreib, denkt falsch.<\/p>\n<p>\u201eDie gr\u00fcnen Pioniere der Rennstrecke\u201c \u2013 so nennen sich die Macher der Reutlinger Motorsportfirma Four Motors. Dahinter stecken neben einem Team aus Ingenieuren und Mechanikern der Rennsportprofi und Firmenchef Tom von L\u00f6wis und sein prominenter Fahrer Smudo, gleichzeitig auch Frontmann der Band \u201eDie Fantastischen Vier\u201c. Teamchef von L\u00f6wis begann seine Karriere einst selbst auf der Rennstrecke, unter anderem als Rennfahrer in der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft (DTM), hat seinen Helm dann aber aus finanziellen Gr\u00fcnden an den Nagel geh\u00e4ngt, wie er selbst sagt. Jahre sp\u00e4ter traf er Smudo, den heutigen Fahrer des Teams: \u201eIch engagierte mich damals in der Eventbranche. Der Road-Manager der \u201eFantastischen Vier\u201c erz\u00e4hlte mir, dass Smudo unbedingt Rennen fahren wolle und bat mich, ihn zu beraten\u201c, erz\u00e4hlt der Rennprofi. Und so kam es, dass Smudo \u2013 in Begleitung von Coach von L\u00f6wis \u2013 vor rund 15 Jahren bei seiner ersten Meisterschaft bereits als Zehnter ins Ziel fuhr. \u201eUns wurde dann aber schnell klar, dass wir ein eigenes Team an den Start zu bringen m\u00fcssten, falls wir weitermachen wollen\u201c, so von L\u00f6wis. Aber innovativ und neu sollte das Konzept der beiden sein \u2013 und Anst\u00f6\u00dfe f\u00fcr die Entwicklung regenerativer Energien und Werkstoffe geben. \u201eRennwagen waren und sind immer wieder das Entwicklungs- und Pr\u00e4sentationsfeld neuer Technikkonzepte\u201c, erkl\u00e4rt der Rennsport-Profi.<\/p>\n<p>Flowerpower Beetle misst sich mit fossiler Konkurrenz<\/p>\n<p>2003 entwickelte das Four-Motors-Team dann den \u201eFlowerpower Beetle\u201c, einen VW Beetle TDI, als Vorl\u00e4ufer der heutigen Bioconcept-Cars. In Kooperation mit der Union zur F\u00f6rderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP), die das Team mit Raps-Biodiesel versorgte, fuhr der Bio-Beetle gleich mehrere Klassensiege ein und ist das erste alternative Rennauto, das je gegen die Mineral\u00f6lkonkurrenz gewann. Nach solchen Erfolgen war den Rennsportprofis klar, dass damit nicht Schluss sein k\u00f6nne: \u201eWir wollten ein neues Auto bauen, das nicht nur mit Biokraftstoff fuhr, sondern auch selbst aus m\u00f6glichst vielen Leichtbauteilen aus biobasierten und pflanzenfaserverst\u00e4rkten Kunststoffen aufgebaut ist\u201c, sagt von L\u00f6wis.<\/p>\n<p>In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelte das Team von Four Motors 2006 dann sein erstes Bioconcept-Car, den Ford Mustang GT RTD. Dieser war damals weltweit das erste Fahrzeug mit einer Karosserie aus nachwachsenden Rohstoffen. T\u00fcren, Kotfl\u00fcgel, Motorhaube, Heckklappe und der Heckfl\u00fcgel des Mustangs wurden aus Pflanzenfasern gefertigt, dann in vorgefertigte Formen eingelegt und mit fl\u00fcssigem Biokunststoff getr\u00e4nkt. Alle Teile waren nach dem Aush\u00e4rten so stabil, dass sie selbst den extremen Belastungen eines Langstreckenrennens standhielten. Unterst\u00fctzt wurde diese Materialentwicklung durch das Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) \u00fcber dessen Projekttr\u00e4ger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR).<\/p>\n<p>Wie sich zeigte, konnte eine solche Bio-Karosserie aus Pflanzenfasern herk\u00f6mmliche Karosserien aus Glas- oder Kohlefasern ohne Weiteres ersetzen, zudem sind damit konstruierte Autos leichter, schneller und verbrauchen weniger Kraftstoff. Flachs und Hanf sowie Pflanzen\u00f6le sind heimisch nachwachsende Rohstoffe, die endliche fossile Ressourcen ersetzen und sich zudem umweltfreundlich entsorgen oder thermisch verwerten lassen. Au\u00dferdem splittern Bioverbunde nicht und brechen ohne scharfe Kanten, was bei der Verarbeitung und bei Unf\u00e4llen ein Vorteil ist. In der Automobilindustrie werden solche naturfaserverst\u00e4rkten Materialien f\u00fcr Innenraumausstattungen bereits eingesetzt. Im h\u00f6her belasteten Au\u00dfenbereich, zum Beispiel in der Karosserie, werden Biokunststoffe bisher noch nicht verwendet. Die Erprobung in den Bioconcept-Cars soll dazu beitragen, dies zu \u00e4ndern. Betankt wurde auch dieses erste Bio-Rennauto mit Biokraftstoff auf Basis von Raps\u00f6l.<\/p>\n<p>Im Rennsport musste sich das Bio-Rennauto allerdings seinen Platz erst einmal erobern: \u201eAls wir 2006 mit dem Mustang auf die Rennstrecke gingen, mussten wir zun\u00e4chst viele R\u00fcckschl\u00e4ge hinnehmen\u201c, berichtet von L\u00f6wis. \u201eWir hatten Motorsch\u00e4den oder mussten Teile komplett umbauen \u2013 wir haben alle praktisch Tag und Nacht an diesem Auto gearbeitet. Aber im Jahr darauf lief der Rennwagen recht zuverl\u00e4ssig.\u201c Auf dieses erste Erfolgsprojekt sollte nun ein zweites Bioconcept-Car folgen. \u201eWir wollten ein exotisches Auto, einen richtigen Rennwagen\u201c, so von L\u00f6wis.<\/p>\n<p>Bio-Rennautos der n\u00e4chsten Generationen<\/p>\n<p>Das Bioconcept-Car der zweiten Generation wurde dann ein M\u00e9gane Trophy mit 243 PS, den das Team 2009 in Kooperation mit Renault pr\u00e4sentierte. \u201eF\u00fcr mich war das eines der sch\u00f6nsten Autos, die ich je gefahren bin\u201c, sagt der Teamchef. Beim M\u00e9gane war die mehrteilige Karosserie durch innovative Biofaserbauteile aus Flachs- und Lein\u00f6l-Acrylat ersetzt worden. Betankt wurde das Bio-Rennauto mit einem B30-Mix, einer Mischung aus 30 Prozent Bio- und 70 Prozent fossilem Diesel. Die Basis f\u00fcr die Kooperation war ein Flottenversuch, den Renault in Frankreich und Spanien mit B30-Biodiesel durchf\u00fchrte. Auch mit diesem Auto konnte das Team Langstreckenrennen bis zum Ende fahren, unter anderem auch das legend\u00e4re 24-Stunden-Rennen auf dem N\u00fcrburgring.<\/p>\n<p>Aber damit war noch nicht Schluss: Von 2010 an entwickelte Four Motors gemeinsam mit dem Institut f\u00fcr Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe der Hochschule Hannover ein Bioconcept-Car der dritten Generation, das bis vor Kurzem auf der Rennstrecke fuhr: Den \u201eBio-Rocco\u201c auf der Basis eines VW Scirocco mit einem effizienten TDI-Motor, der mit \u201eRmax\u201c, einem neuartigen, schadstoffarmen Biokraftstoffmix betankt wird. Dieser besteht zu gleichen Teilen aus Rapsmethylester (Biodiesel), wie er auch normalem Dieselkraftstoff mit bis zu sieben Prozent beigemischt wird, und hydriertem Pflanzen\u00f6l. Auch die Leichtbau-Karosserie besteht aus einem mit Naturfasern verst\u00e4rkten biobasierten Duromer; au\u00dferdem wurden noch weitere Bauteile im Innen- und Motorraum aus biobasierten Kunststoffen gefertigt. Hier wurden Teile etwa f\u00fcr das Armaturenbrett oder die Kraftstoffleitung aus thermisch hoch belastbaren Biopolymeren auch erstmals zu geometrisch komplexeren Bauteilen verarbeitet.<\/p>\n<p>Gr\u00fcn soll auch in Zukunft gewinnen<\/p>\n<p>Seit 2003 startet Four Motors nun mit einem seiner Bioconcept-Cars bei den VLN-Rennen zur Deutschen Langstreckenmeisterschaft und hat mehrere Siege in der Klasse der Alternativen Treibstoffe (AT) auf dem N\u00fcrburgring eingefahren. Das Konzept des auf nachhaltige Mobilit\u00e4t spezialisierten Rennteams ist es, m\u00f6glichst alle zwei bis drei Jahre ein neues Bioconcept-Car aufzubauen. Dabei sollen aktuelle Entwicklungen ber\u00fccksichtigt und damit Prototypen als Plattform f\u00fcr umweltvertr\u00e4gliche Technologien zur Verf\u00fcgung gestellt werden, die sich unter den extremen Wettbewerbsbedingungen des Motorsports bew\u00e4hren m\u00fcssen und anschlie\u00dfend auch Anst\u00f6\u00dfe f\u00fcr Serienproduktionen geben sollen.<\/p>\n<p>Nun steht also die n\u00e4chste Generation der Bioconcept-Cars an: \u201eWir werden die Diesel-Ecke verlassen und uns einem neuen Kraftstoff \u2013 E20 \u2013 zuwenden und damit ein wirklich spektakul\u00e4res neues Bioconcept-Car an den Start bringen\u201c, berichtet von L\u00f6wis. W\u00e4hrend er zum neuen Rennwagen keine Details verr\u00e4t, erl\u00e4utert er das neue Biofuel Konzept E20: Dabei handelt es sich um eine innovative Mischung aus nachhaltig erzeugtem Bioethanol und konventionellem Benzin. Neuer wichtiger Projektpartner des Bio-Racings-Projekts ist dabei CropEnergies, ein Unternehmen der S\u00fcdzucker-Gruppe, das sich ebenfalls der klimaschonenden Mobilit\u00e4tssicherung verschrieben hat. \u201eWir gehen damit in eine neue \u00c4ra\u201c, so der Rennsportprofi aus Reutlingen. Sein erstes konkretes Ziel sind die Top 50 der Langstreckenrennen. \u201eGr\u00fcn gewinnt\u201c, davon sind von L\u00f6wis und sein prominenter Fahrer Smudo nach wie vor \u00fcberzeugt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie \u201ebio\u201c kann ein Auto sein? Ziemlich \u2013 wie das Bioconcept-Car der Reutlinger Firma Four Motors beweist. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt Rennsportprofi Tom von L\u00f6wis nun schon den Bio-Rennwagen der vierten Generation. Bei allen Bioconcept-Cars sind die Anbauteile aus biobasierten Kunststoffen oder pflanzenfaserverst\u00e4rkten Duromeren; die effizienzoptimierten Verbrennungsmotoren werden mit Biokraftstoffen betrieben. Wer nun glaubt, [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[6286,221,1226,19232,1536,3731,326,7,203],"class_list":["post-33622","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-bundesministerium-ernahrung-landwirtschaft","supplier-cropenergies-ag","supplier-deutsches-zentrum-fuer-luft-und-raumfahrt-e-v-dlr","supplier-fachagentur-nachwachsende-rohstoffe-e-v-fnr","supplier-four-motors-gmbh","supplier-institut-fuer-biokunststoffe-und-bioverbundwerkstoffe-ifbb","supplier-suedzucker-ag","supplier-union-zur-foerderung-von-oel-und-proteinpflanzen-ev-ufop","supplier-volkswagen-ag"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33622","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33622"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33622\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33622"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33622"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33622"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=33622"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}