{"id":33019,"date":"2016-03-03T07:23:15","date_gmt":"2016-03-03T06:23:15","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=33019"},"modified":"2016-03-02T11:42:28","modified_gmt":"2016-03-02T10:42:28","slug":"bauen-mit-holz-fuer-die-dekarbonisierung-der-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bauen-mit-holz-fuer-die-dekarbonisierung-der-wirtschaft\/","title":{"rendered":"Bauen mit Holz \u2013 f\u00fcr die Dekarbonisierung der Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Wenn wir den Klimawandel begrenzen wollen, ist Holz das Baumaterial der Wahl, weil mit ihm CO2 aus der Atmosph\u00e4re gebunden und \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume gespeichert werden kann. Prof. Dipl.-Ing. Architekt Ludger Dederich von der Hochschule Rottenburg zeigt auf, dass auch vielgeschossige Geb\u00e4ude sicher, dauerhaft und \u00e4sthetisch aus Holz gebaut werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eWenn wir auf dem Weg, den menschengemachten Klimawandel in ertr\u00e4gliche Grenzen zu halten, Erfolg haben wollen, m\u00fcssen wir alle Faktoren, welche die Dekarbonisierung beg\u00fcnstigen, ernst nehmen und umsetzen\u201c, sagte Ludger Dederich von der Hochschule Rottenburg in seinem Einf\u00fchrungsvortrag \u00fcber aktuelle Ans\u00e4tze eines ressourceneffizienten Bauwesens auf der G7-Konferenz f\u00fcr \u201eInnovative biobasierte Produkte\u201c am 24. November 2015 in Berlin. Der Bundesminister f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft hatte zu der Veranstaltung eingeladen, die im Rahmen des \u201eG7-B\u00fcndnisses f\u00fcr Ressourceneffizienz\u201c durchgef\u00fchrt wurde. Dieses war im Juni 2015 von den Staatschefs der sieben f\u00fchrenden Industrienationen der westlichen Welt auf Schloss Elmau gegr\u00fcndet worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Glossar<br \/>\nUnter Photosynthese wird die Erzeugung hochmolekularer energiereicher Verbindungen (Glukose) aus einfachen Molek\u00fclen (Kohlendioxid, Wasser) verstanden, wobei betr\u00e4chtliche Mengen Sauerstoff entstehen. Chlorophyllhaltige Organismen (h\u00f6here Pflanzen, Algen, phototrophe Bakterien) nutzen daf\u00fcr die Sonnenlichtenergie.<br \/>\nFossile sind aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit stammende \u00dcberreste von Tieren oder Pflanzen.<\/p>\n<p>Wie Dederich anmerkte, war bis vor Kurzem der Begriff \u201eDekarbonisierung\u201c fast nur Fachleuten gel\u00e4ufig. Inzwischen findet man ihn h\u00e4ufig in den Medien, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel in Elmau erkl\u00e4rt hatte: \u201eEinhergehend mit einer Dekarbonisierung der Weltwirtschaft im Laufe dieses Jahrhunderts sind tiefe Einschnitte bei den Treibhausgasemissionen erforderlich, um den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur unter 2 \u00b0C zu halten.\u201c Gut zwei Wochen nach der Berliner G7-Konferenz wurden diese Forderungen dann auf dem Pariser UN-Klimagipfel von allen Staaten der Weltgemeinschaft unterschrieben.<\/p>\n<p>Ludger Dederich (Dipl.-Ing. (FH) Architekt AKNW) ist Professor f\u00fcr Holzbau an der Hochschule f\u00fcr Forstwirtschaft Rottenburg (HFR). Zuvor war er unter anderem in einem Ingenieurb\u00fcro in Uppsala, Schweden, in verschiedenen deutschen Architekturb\u00fcros sowie als Fachberater im INFORMATIONSDIENST HOLZ und als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Holzbau Deutschland-Instituts in Berlin t\u00e4tig. Er ist Koautor des bei Callwey 2013 erschienenen Buchs \u201eDie besten Einfamilienh\u00e4user aus Holz.\u201c<\/p>\n<p>Die aus einer Forstschule entstandene, 1995 als Hochschule neu gegr\u00fcndete HFR hat ihre Schwerpunkte in Forst- und Holzwirtschaft, Erneuerbaren Energien, Ressourceneffizienz, Natur- und Umweltschutz, der Entwicklung des l\u00e4ndlichen Raums und im Wassermanagement. Der Campus befindet sich auf dem Gel\u00e4nde des Schadenweilerhofes, eines malerischen ehemaligen Adelssitzes aus dem 17. Jahrhundert bei Rottenburg am Neckar. Die HFR ist stolz darauf, die kleinste Exzellenzhochschule Deutschlands zu sein; sie wurde f\u00fcnf Mal in Folge von der UNESCO f\u00fcr ihr in die Zukunft gerichtetes Bildungsangebot ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Holzbau \u2013 bew\u00e4hrte Methode zur Speicherung von klimasch\u00e4dlichem CO2<br \/>\nZur Begrenzung der Erderw\u00e4rmung werden heute Gro\u00dfprojekte propagiert und gef\u00f6rdert, mit denen das produzierte CO2 aus der Atmosph\u00e4re extrahiert und anschlie\u00dfend \u2013 vermeintlich sicher \u2013 in leere \u00d6lreservoirs, in tiefe Gesteinsschichten oder den Meeresboden gepumpt werden soll. \u201eSp\u00e4testens an dieser Stelle\u201c, sagte Dederich, \u201eist es an der Zeit, den Pfad der Fortschrittsgl\u00e4ubigkeit zugunsten einfacher, beherrschbarer und vor allem bew\u00e4hrter Methoden zur langfristigen Entsch\u00e4rfung des klimasch\u00e4dlichen CO2 zu verlassen.\u201c Gemeint ist die Fotosynthese, die unter Emission von frischer Luft einen wunderbaren, multifunktionalen Stoff produziert, n\u00e4mlich Holz.<\/p>\n<p>An vielen Beispielen zeigte Dederich auf, wie vielseitig, praktisch und phantasievoll mit Holz gebaut werden kann \u2013 und das dauerhaft, nicht blo\u00df in Freizeith\u00fctten. In Aalen-Waldhausen beispielsweise hat das KAMPA Bauinnovationszentrum seine achtgeschossige Firmenzentrale \u201eK8\u201c komplett aus Holz errichtet; 825 Tonnen CO2 wurden dadurch langfristig eingelagert. Zwar steht Baden-W\u00fcrttemberg im Vergleich der Bundesl\u00e4nder bei der Verwendung von Holz als Bau- und Werkstoff noch relativ gut dar, doch Deutschland insgesamt ist bei der Zulassung holzbasierter Geb\u00e4ude ein Schlusslicht in Europa. Da sind uns die skandinavischen L\u00e4nder um Jahrzehnte voraus. So wurde in Norwegen jetzt ein 14-geschossiges Holzgeb\u00e4ude errichtet, und es gibt sogar Studien \u00fcber 25-geschossige H\u00e4user. In diesen L\u00e4ndern sind die gegen die Holzbauweise oft vorgebrachten Bedenken wegen erh\u00f6hter Brandgefahr durch entsprechende Funktionsanforderungen in den Bauvorschriften ausger\u00e4umt. Festzuhalten ist auch, dass \u201eein Tragwerk im modernen Holzbau im Brandfall in der Regel l\u00e4nger standh\u00e4lt als eines aus Stahl\u201c (Pressemitteilung des Deutschen Holzwirtschaftsrats vom 20.05.2014).<\/p>\n<p>Holz ist ein vielseitig verwendbarer und \u00e4sthetischer Baustoff, durch den ohne gro\u00dfen Aufwand und ohne Risiko das der Atmosph\u00e4re entzogene CO2 in gro\u00dfen Mengen lange Zeit oberhalb der Erdoberfl\u00e4che gespeichert werden kann. Die Balken in mittelalterlichen Fachwerkh\u00e4usern vieler deutscher St\u00e4dte oder der Dachstuhl der Klosterkirche Maulbronn, f\u00fcr den die B\u00e4ume in der Mitte des 12. Jahrhunderts gef\u00e4llt worden waren, zeugen von der Ressourceneffizienz dieser \u201eCO2-Senken\u201c, um im Jargon der Klimaforscher zu sprechen. \u201eF\u00fcr diese Bauteile ist die erste Phase der stofflichen Nutzung noch lange nicht abgeschlossen\u201c, betonte Dederich. Der Abschluss der Nutzungskaskade, bei der die eingelagerte Energie durch Verbrennung genutzt und das CO2 wieder freigesetzt wird, liegt noch weit in der Zukunft.<\/p>\n<p>Wer freilich glaubt, die fossilen Kohlenstoff-Lagerst\u00e4tten (Kohle, Erd\u00f6l, Erdgas) weiter wie bisher ausbeuten und das dabei in die Luft geblasene CO2 allein durch das Pflanzen von B\u00e4umen kompensieren zu k\u00f6nnen, befindet sich \u201eauf dem Holzweg\u201c, wie der kanadische Biogeochemiker David Par\u00e9 auf der Berliner G7-Konferenz trocken anmerkte. Das Potsdam-Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung hat errechnet, dass man die gesamte landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4che der Erde mit Energieb\u00e4umen bepflanzen m\u00fcsste, um nur die H\u00e4lfte der aktuellen Kohlenstoff-Emissionen der Menschheit zus\u00e4tzlich zu binden. Um eine Dekarbonisierung der Weltwirtschaft werden wir nicht herumkommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn wir den Klimawandel begrenzen wollen, ist Holz das Baumaterial der Wahl, weil mit ihm CO2 aus der Atmosph\u00e4re gebunden und \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume gespeichert werden kann. Prof. Dipl.-Ing. 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