{"id":32603,"date":"2016-02-17T07:35:25","date_gmt":"2016-02-17T06:35:25","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=32603"},"modified":"2016-02-16T15:08:56","modified_gmt":"2016-02-16T14:08:56","slug":"materialforschung-ein-windrad-aus-hanf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/materialforschung-ein-windrad-aus-hanf\/","title":{"rendered":"Materialforschung: Ein Windrad aus Hanf"},"content":{"rendered":"<p>Herk\u00f6mmliche Windkraftanlagen sind eine gr\u00fcne Sache. Sie produzieren sauberen Strom, ohne fossile Brennstoffe zu verheizen oder strahlenden Atomm\u00fcll zu hinterlassen. Allerdings: Die bis zu \u00fcber 80 Meter langen Rotorbl\u00e4tter sind bislang aus erd\u00f6lbasierten, faserverst\u00e4rkten Kunststoffen, sprich Plastik, zusammengebaut. Und das ist nicht so \u00f6kologisch. Vor allem, weil die Entsorgung der Bauteile nach dem \u00fcblichen Lebenszyklus von 20 bis 25 Jahren bislang nicht zufriedenstellend gekl\u00e4rt ist. \u00dcberhaupt scheint es wenig elegant, wenn eine Technologie antritt, um Erd\u00f6l zu sparen, und dann zum Bau ihrer eigenen Anlagen Erd\u00f6l ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Aber das muss nicht so bleiben. \u201eAus der Hanfpflanze k\u00f6nnen alle Rohstoffe gewonnen werden, die man zur Herstellung eines Leichtbauwerkstoffs ben\u00f6tigt, der sich in weiterer Folge zum Bau von Rotorbl\u00e4ttern einer Windkraftanlage eignet\u201c, erkl\u00e4rt G\u00fcnter Wuzella, Kunststofftechniker und Teamleiter f\u00fcr Green Composites am Kompetenzzentrum Holz. An Bord des vom Technologieministerium gef\u00f6rderten Projekts \u201eGreen2Green\u201c sind u. a. auch der Bereich Kunststofftechnik der Montan-Uni Leoben und der Hanfanbauer Waldland.<\/p>\n<p>Faser sorgt f\u00fcr Festigkeit<br \/>\nEin Leichtbau- oder Faserverbundwerkstoff besteht in der Regel aus zwei Komponenten: einer Faser, die f\u00fcr die Festigkeit sorgt, und einer Matrix aus Harz, die dem Bauteil seine nahezu beliebig formbare Gestalt verleiht. Beim neuen \u00d6koverbundwerkstoff soll gewebtes Hanfgarn die Kohlenstoff- bzw. Glasfasern ersetzen. Und ein Harz aus Hanfsamen\u00f6l soll den Job des konventionellen Kunstharzes \u00fcbernehmen. Das Prinzip bleibt sonst das Gleiche.<\/p>\n<p>Die Vorteile von Hanf-Rotorbl\u00e4ttern: Sie best\u00fcnden aus einem nachwachsenden Rohstoff. Am Ende ihrer Laufzeit w\u00fcrde beim Verbrennen im Heizkraftwerk lediglich die Menge an klimasch\u00e4dlichem Kohlendioxid freigesetzt, die der Hanf zuvor w\u00e4hrend seines Wachstums aus der Atmosph\u00e4re gebunden hat.<\/p>\n<p>Die Forscher setzen an allen Punkten der Wertsch\u00f6pfungskette an: von Anbau und Ernte des Hanfes \u00fcber die \u00d6l- und Fasergewinnung bis zum Zusammenbau des Windrades. Herausforderungen gibt es dabei genug. Schon die Hanfernte wartet mit Besonderheiten auf: Ein eigens umgebauter M\u00e4hdrescher erntet normalerweise die Hanfsamen und schneidet das Stroh, das im Zuge der sogenannten Feldr\u00f6ste zwei bis drei Wochen l\u00e4nger auf dem Acker verbleibt. In dieser Zeit greifen Mikroorganismen die St\u00e4ngel an und schaffen erst damit die Voraussetzung, dass sich die wertvolle Faser sp\u00e4ter bei der Aufbereitung vom St\u00e4ngel l\u00f6sen l\u00e4sst. Das bisherige Verfahren ist allerdings auf die Verwertung in Form von \u00d6len, D\u00e4mmstoffen, Seilen oder Bekleidung ausgelegt.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt keinerlei Erfahrungswerte, wie der Anbau und die Ernte zu erfolgen hat, die garantieren, dass die Hanf-Rohstoffe in den anschlie\u00dfenden Aufbereitungsschritten zu einem Leichtbauwerkstoff geformt werden k\u00f6nnen\u201c, sagt Wuzella. Der Stand der Technik sei daf\u00fcr unzureichend. Es geht also auch um die Suche nach der idealen Erntemaschine, ihren maschinellen Einstellungen, dem richtigen Erntezeitpunkt und vielem mehr.<\/p>\n<p>Ein Gewinn f\u00fcr die Umwelt<br \/>\nDie Forscher untersuchen auch die Frage der optimalen Faserverarbeitung sowie der chemischen Aufbereitung des Hanfsamen\u00f6ls. Schlie\u00dflich m\u00fcssen Fasern und Harz auf Biobasis allen Anforderungen herk\u00f6mmlicher Verbundstoffe entsprechen. Und vor allem: Am Ende muss ein Gewinn f\u00fcr die Umwelt herausspringen. Mit der sogenannte Lebenszyklusanalyse soll sich die \u00d6koeffizienz eines Rotorblattes aus dem neuen hanfbasierten Werkstoff im Vergleich zu einem Rotorblatt aus den bisher verwendeten glasfaserverst\u00e4rkten Kunststoffmaterialien beurteilen lassen.<\/p>\n<p>Der neue Leichtbauwerkstoff aus Hanf soll noch heuer fertig entwickelt werden. Ab Juni 2017 soll dann die Kleinwindkraftanlage mit einem Rotordurchmesser von vier Metern auf dem Hof des Waldviertler Hanfproduzenten Waldland die Leistungsf\u00e4higkeit des neuen Materials demonstrieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Lexikon<\/h3>\n<p>Hanf ist eine der \u00e4ltesten Nutzpflanzen der Welt. Seine robusten Fasern dienten zur Papierherstellung und waren als Seile und Segeltuch in der Schifffahrt unerl\u00e4sslich. Auch als Medizin und Rauschmittel war und ist Hanf weitverbreitet. Letzteres v. a. wegen seines psychoaktiven Inhaltsstoffs Tetrahydrocannabinol (THC). In den zugelassenen Nutzhanfsorten liegt der THC-Gehalt unter 0,5 Prozent. Hanf kann mehrere Zentimeter am Tag wachsen und ist nicht anf\u00e4llig f\u00fcr Pilze und Sch\u00e4dlinge.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herk\u00f6mmliche Windkraftanlagen sind eine gr\u00fcne Sache. Sie produzieren sauberen Strom, ohne fossile Brennstoffe zu verheizen oder strahlenden Atomm\u00fcll zu hinterlassen. Allerdings: Die bis zu \u00fcber 80 Meter langen Rotorbl\u00e4tter sind bislang aus erd\u00f6lbasierten, faserverst\u00e4rkten Kunststoffen, sprich Plastik, zusammengebaut. Und das ist nicht so \u00f6kologisch. Vor allem, weil die Entsorgung der Bauteile nach dem \u00fcblichen Lebenszyklus [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[10719],"supplier":[236,5155],"class_list":["post-32603","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-naturfasern","supplier-kompetenzzentrum-holz-gmbh","supplier-montanuniversitaet-leoben"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32603","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32603"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32603\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32603"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32603"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32603"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=32603"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}