{"id":32518,"date":"2016-02-16T07:26:05","date_gmt":"2016-02-16T06:26:05","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=32518"},"modified":"2016-02-15T12:51:13","modified_gmt":"2016-02-15T11:51:13","slug":"nachhaltige-biooekonomie-fuer-eine-dekarbonisierte-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nachhaltige-biooekonomie-fuer-eine-dekarbonisierte-welt\/","title":{"rendered":"Nachhaltige Bio\u00f6konomie f\u00fcr eine dekarbonisierte Welt"},"content":{"rendered":"<p>Auf dem Global Bioeconomy Summit 2015 in Berlin wurden internationale Agenden verabschiedet, mit denen die Bio\u00f6konomie in die Entwicklung einer nachhaltigen Weltwirtschaft und in den Kampf gegen die menschengemachte Klimaerw\u00e4rmung einzubinden ist. Das weitere Abgleiten der aus dem Gleichgewicht geratenen planetarischen Umweltprozesse muss gestoppt werden, damit eine \u00f6kologisch vertr\u00e4gliche Zukunft gesichert werden kann.<\/p>\n<p>Der erste weltweite Bio\u00f6konomiegipfel, zu dem der Bio\u00f6konomierat der Bundesregierung f\u00fcr den 25. und 26. November 2015 eingeladen hatte, zeichnete sich gegen\u00fcber fr\u00fcheren \u00e4hnlichen Veranstaltungen nicht nur durch die hohe internationale Prominenz aus, sondern auch durch das Engagement, mit dem um konkrete Fortschritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Bio\u00f6konomie gerungen wurde. Bundeskanzlerin Angela Merkel, unter deren Schirmherrschaft der Kongress stand, hatte in ihrem Gru\u00dfwort gemahnt, dass es die Pflicht eines jeden von uns sei, mit den endlichen nat\u00fcrlichen Ressourcen der Welt verantwortlich umzugehen und den Global Bioeconomy Summit (GBS 2015) in Hinblick auf die anstehenden Entscheidungen \u00fcber Klima- und Nachhaltigkeitspolitik zum Erfolg zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Wandel ist unvermeidlich<br \/>\nIn seinem Grundsatzreferat beschrieb der fr\u00fchere EU-Kommissar Janez Poto\u010dnik den bedrohlichen Zustand unseres Planeten. Bei mindestens vier von zehn entscheidenden planetarischen Umweltprozessen sind die als gerade noch vertr\u00e4glich eingestuften Grenzwerte \u2013 teilweise massiv \u2013 \u00fcberschritten: bei der CO2-Anreicherung in der Atmosph\u00e4re und bei der Klimaerw\u00e4rmung, dem Verlust an Biodiversit\u00e4t und dem Stickstoff- und Phosphateintrag. Letztere haben schon zahllose Gew\u00e4sser durch \u00dcberd\u00fcngung gesch\u00e4digt und drohen ganze Meeresbereiche in Sauerstoffw\u00fcsten zu verwandeln, in denen sich kein h\u00f6heres Leben halten kann. Im Jahr 2016 besitzt ein Prozent der Weltbev\u00f6lkerung mehr als die 99 Prozent anderen; noch vor wenigen Jahrzehnten lag das Verh\u00e4ltnis bei 20 zu 80 Prozent. Dieses Ungleichgewicht kann nicht nachhaltig sein. Poto\u010dniks Res\u00fcmee: \u201eWandel ist unvermeidlich\u201c und \u2013 nach dem ber\u00fchmten Zitat von Giuseppe di Lampedusa \u2013 \u201eAlles muss sich \u00e4ndern, wenn es so bleiben soll, wie es ist&#8221;.<\/p>\n<p>Bei Bio\u00f6konomie dachte man in der Vergangenheit meist an den Wechsel von einer Wirtschaft auf der Basis fossiler Energietr\u00e4ger und Grundstoffe zu einer auf der Basis erneuerbarer Biomaterialien, vor allem aus landwirtschaftlicher Produktion. Inzwischen ist jedem klar, wie Georg Sch\u00fctte, der Staatssekret\u00e4r im Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung, betonte, dass \u201eerneuerbar\u201c (renewable) nicht \u201enachhaltig\u201c (sustainable) bedeutet. Au\u00dfer Frage steht, dass die Bereitstellung von gen\u00fcgend Nahrungsmitteln f\u00fcr eine j\u00e4hrlich um 80 Millionen Menschen anwachsende Weltbev\u00f6lkerung oberste Priorit\u00e4t genie\u00dft; danach folgt die Nutzung erneuerbarer Naturprodukte als Rohstoffe (Biomasse) und erst dann kommt die Energiegewinnung.<\/p>\n<p>Das jetzige Weltern\u00e4hrungssystem ist aber generell nicht nachhaltig und umweltvertr\u00e4glich, wie der mit Video zugeschaltete ber\u00fchmte amerikanische \u00d6konom Jeffrey Sachs, Direktor des \u201eUN Sustainable Solutions Network\u201c, in einem aufr\u00fcttelnden Vortrag darlegte. Der landwirtschaftliche Sektor ist der gr\u00f6\u00dfte Produzent von Treibhausgasen und wichtigste Faktor des menschengemachten Klimawandels auf der Erde. Er ist verantwortlich f\u00fcr 70 Prozent des S\u00fc\u00dfwasserverbrauchs, 30 Prozent der Stickstoffbelastung und f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Teil des Verlustes an Artenvielfalt und genetischer Diversit\u00e4t.<\/p>\n<p>Wege zur Kreislaufwirtschaft<\/p>\n<p>Die Workshops und Vortr\u00e4ge des Global Bioeconomy Summit 2015 befassten sich mit den gangbaren Wegen und den Anstrengungen, die unternommen werden m\u00fcssen, um in absehbarer Zeit eine nachhaltige Bio\u00f6konomie zu erreichen. Die gegenw\u00e4rtige Wegwerfwirtschaft muss durch eine Kreislaufwirtschaft (\u201ecircular economy\u201c) abgel\u00f6st werden, bei der in Einzelprozessen (Kaskadennutzung) die verwendeten Rohstoffe wieder vollst\u00e4ndig in die Produktion zur\u00fcckgef\u00fchrt werden und am Ende ebenso viel CO2 verbraucht wie in die Atmosph\u00e4re freigesetzt wird, sodass durch die \u201eDekarbonisierung\u201c der Weltwirtschaft auch die Klimaerw\u00e4rmung gestoppt wird.<\/p>\n<p>Mit ihrer \u201eNationalen Forschungsstrategie Bio\u00d6konomie 2030\u201c und der \u201eNationalen Politikstrategie Bio\u00f6konomie\u201c, mit denen Deutschland innerhalb der n\u00e4chsten f\u00fcnfzehn Jahre unumkehrbar in die Kreislaufwirtschaft einsteigen will, sieht sich die Bundesregierung in einer Vorreiterrolle. \u201eDies birgt auch internationale Verantwortung; nur wenn wir unser Bio\u00f6konomie-Know-how teilen, wirken wir global\u201c, erkl\u00e4rte Prof. Dr. Joachim von Braun, Vorsitzender des Bio\u00f6konomierats. Der Bio\u00f6konomierat ist ein unabh\u00e4ngiges Beratergremium der Bundesregierung zur Umsetzung dieser Ziele. Joachim von Braun stellte auf dem Kongress zwei wichtige Studien vor, die jetzt auch im Internet abrufbar sind: 1) eine Analyse der weltweiten politischen Bedeutung der Bio\u00f6konomie und 2) eine Delphi-Studie mit Zukunftsleitprojekten, die von der internationalen Expertengemeinschaft gew\u00e4hlt und bewertet wurden.<\/p>\n<p>Agenda zur Transformation der Welt<\/p>\n<p>Im Abschlusscommuniqu\u00e9 des GBS 2015 nannte der Bio\u00f6konomierat als Priorit\u00e4ten einer internationalen politischen Agenda auf dem Weg in die biobasierte Wirtschaft:<\/p>\n<ul>\n<li>Erstens, nachwachsende Rohstoffe zu nutzen, die Ern\u00e4hrung zu sichern und die \u00d6kosysteme zu sch\u00fctzen<\/li>\n<li>zweitens, die Beitr\u00e4ge der Bio\u00f6konomie zu den nachhaltigen Entwicklungszielen messbar zu machen<\/li>\n<li>drittens, wirtschaftliche und wissenschaftliche Zusammenarbeit zu f\u00f6rdern<\/li>\n<li>viertens, Ausbildung, gemeinsames Lernen und Dialog voranzutreiben.<\/li>\n<li>Mit dem f\u00fcnften Punkt unter den Priorit\u00e4ten wurde die zentrale Bedeutung der Bio\u00f6konomie zur Transformation der Welt f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung und die Stabilisierung des Klimas ber\u00fccksichtigt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Global Bioeconomy Summit 2015 stellt sich damit in die Reihe der gro\u00dfen internationalen Verhandlungen des Jahres, die eine \u00f6kologisch vertr\u00e4gliche Zukunft unseres Planeten sichern sollen. Vorangegangen war der \u201eUN Sustainable Development Summit\u201c, auf dem 150 Staatenlenker bzw. ihre Repr\u00e4sentanten in New York mit der \u201e2030 Agenda for Sustainable Development\u201c 17 Ziele zur Transformation der Welt verabschiedet hatten. Nur wenige Tage nach dem Berliner Bio\u00f6konomie-Kongress begann der UN-Klimagipfel in Paris, zu dem etliche Delegationen von Berlin aus gleich weiterreisten. Am 12. Dezember 2015 wurde dort von 195 Staaten der Welt ein Abkommen unterzeichnet, nach dem eine Stabilisierung des Weltklimas bei 1,5 \u00b0C \u00fcber dem vorindustriellen Niveau anzustreben sei \u2013 was ohne eine rigorose Dekarbonisierung der Weltwirtschaft innerhalb der n\u00e4chsten Jahrzehnte nicht erreichbar ist. F\u00fcr Jubel \u00fcber den Erfolg ist es freilich zu fr\u00fch. Die Beschl\u00fcsse m\u00fcssen auch umgesetzt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Publikationen<\/p>\n<p>Bio\u00f6konomierat (2015): Bioeconomy Policy \u2013 Synopsis of National Strategies around the World &#8211; Global Visions for the Bioeconomy \u2013 an International Delphi Study<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Global Bioeconomy Summit 2015 in Berlin wurden internationale Agenden verabschiedet, mit denen die Bio\u00f6konomie in die Entwicklung einer nachhaltigen Weltwirtschaft und in den Kampf gegen die menschengemachte Klimaerw\u00e4rmung einzubinden ist. Das weitere Abgleiten der aus dem Gleichgewicht geratenen planetarischen Umweltprozesse muss gestoppt werden, damit eine \u00f6kologisch vertr\u00e4gliche Zukunft gesichert werden kann. Der erste [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[10608],"supplier":[1887,11389,19476],"class_list":["post-32518","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-biooekonomie","supplier-biokonomierat","supplier-global-bioeconomy-summit-2015","supplier-united-nations-un"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32518","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32518"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32518\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32518"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32518"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32518"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=32518"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}