{"id":32272,"date":"2016-02-10T07:26:32","date_gmt":"2016-02-10T06:26:32","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=32272"},"modified":"2016-02-09T13:23:24","modified_gmt":"2016-02-09T12:23:24","slug":"nahrung-rohstoff-nylonstruempfe-und-plastikflaschen-aus-chicoree-salat-abfaellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nahrung-rohstoff-nylonstruempfe-und-plastikflaschen-aus-chicoree-salat-abfaellen\/","title":{"rendered":"Nahrung &amp; Rohstoff: Nylonstr\u00fcmpfe und Plastikflaschen aus Chicor\u00e9e-Salat-Abf\u00e4llen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Rund 800.000 Tonnen: diese Mengen an Chicor\u00e9e-Wurzelr\u00fcben fallen j\u00e4hrlich europaweit bei der Produktion von Chicor\u00e9e-Salat als Abfallprodukt an. Die Wurzelr\u00fcben werden bisher nach der Ernte des Chicor\u00e9e-Salats auf der Kompostierungsanlage oder in der Biogasanlage entsorgt. Viel zu schade, so die Ansicht zweier Forscherinnen der Universit\u00e4t Hohenheim. Denn aus diesen Wurzelr\u00fcben l\u00e4sst sich Hydroxymethylfurfural (HMF) gewinnen, eines der Basisstoffe in der Kunststoffindustrie von morgen.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_32276\" aria-describedby=\"caption-attachment-32276\" style=\"width: 240px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-32276 size-full\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/f240346e09.jpg\" alt=\"f240346e09\" width=\"240\" height=\"177\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-32276\" class=\"wp-caption-text\">Rund 800.000 Tonnen: diese Mengen an Chicor\u00e9e-Wurzelr\u00fcben fallen j\u00e4hrlich europaweit bei der Produktion von Chicor\u00e9e-Salat als Abfallprodukt an. Die Wurzelr\u00fcben werden bisher nach der Ob Strumpf oder Plastikflasche &#8211; Wissenschaftler der Universit\u00e4t Hohenheim ebnen den Weg f\u00fcr Qualit\u00e4tsprodukte aus Chicor\u00e9e-Abf\u00e4llen | Bildquellen: Universit\u00e4t Hohenheim | <a href=\"https:\/\/www.uni-hohenheim.de\/pressemitteilung?&amp;tx_ttnews[tt_news]=30599&amp;tx_ttnews[imgShow]=1&amp;cHash=6637c472f586bf2ac06f59cb74504214\" target=\"_blank\">weitere Pressefotos in Druckqualit\u00e4t<\/a><\/figcaption><\/figure>Ein fensterloser Raum auf der Versuchsstation des Hohenheimer Universit\u00e4tsgel\u00e4ndes. An den W\u00e4nden stehen Regal-T\u00fcrme mit 3 Etagen voll Wannen, ausgekleidet mit Teichfolie. Darin stehen in Kunststoffk\u00f6rben aufrecht die 15-20 cm langen Wurzelr\u00fcben, aus denen verkaufsf\u00e4hige Chicor\u00e9e-Salatknospe innerhalb von 3 Wochen wachsen.<\/p>\n<p>Eine Aquariumpumpe umsp\u00fclt die Pflanzen mit einer N\u00e4hrl\u00f6sung. Es ist dunkel, damit die Salatbl\u00e4tter in einem gelben Pastellton verbleiben und keine der Chicor\u00e9e-typischen Bitterstoffe bilden, die den Verzehr beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie in dieser Versuchsanlage \u2013 nur um ein Vielfaches gr\u00f6\u00dfer \u2013 sieht es bei der kommerziellen Produktion von Chicor\u00e9e-Salat in so genannten Wasser-Treibereien aus: Denn die zweij\u00e4hrige Chicor\u00e9e-Pflanze verbringt nur die ersten f\u00fcnf Monate auf dem Acker. Mitte Oktober werden die Bl\u00e4tter abgemulcht, die Wurzelr\u00fcben geerntet, k\u00fchl gelagert und dann in die Treibr\u00e4ume gebracht. Erst dort treiben neue Blattknospen aus, die als Chicor\u00e9e-Salat genutzt werden.<\/p>\n<p>Doch anders als in der Lebensmittelproduktion interessiert sich die Universit\u00e4t Hohenheim vor allem f\u00fcr den nicht-essbaren R\u00fcbenanteil. \u201eDie Wurzelr\u00fcbe macht ca. 30% der Pflanze aus. Die eingelagerten Reservekohlenhydrate werden f\u00fcr die Bildung der Salatknospen nicht vollst\u00e4ndig aufgebraucht, so dass wertvolle Reservestoffe verbleiben. Die Wurzelr\u00fcben k\u00f6nnen jedoch nur einmal f\u00fcr die Chicor\u00e9e-Treiberei genutzt werden, fallen nach der Knospenernte als Abfallstoff an und m\u00fcssen entsorgt werden.\u201c, erkl\u00e4rt Agrarbiologin Dr. Judit Pfenning.<\/p>\n<h3>Nylon, Polyester, Perlon oder Kunststoffflaschen<\/h3>\n<p>Wie wertvoll diese Wurzelr\u00fcbe tats\u00e4chlich ist, zeigt Prof. Dr. Andrea Kruse wenige Schritte entfernt in einem Labor des Instituts f\u00fcr Agrartechnik. Im Hintergrund stehen Bleistift-gro\u00dfe Rohrreaktoren aus Edelstahl, die mit H\u00e4ckseln der Chicor\u00e9e-Wurzelr\u00fcbe und Wasser bef\u00fcllt werden.<\/p>\n<p>Die ultrastabilen Druckbeh\u00e4lter werden mit verd\u00fcnnter S\u00e4ure versetzt und bis zu 200 Grad erhitzt. Das w\u00e4ssrige Produkt wird anschlie\u00dfend in weiteren Schritten aufbereitet, die der Geheimhaltung unterliegen.<\/p>\n<p>Am Ende erh\u00e4lt ihr wissenschaftlicher Mitarbeiter Dominik W\u00fcst ein gelb bis braun gef\u00e4rbtes kristallines Pulver: ungereinigtes Hydroxymethylfurfural (HMF). Es ist eine von 12 Basischemikalien, die zuk\u00fcnftig in der Kunststoffindustrie verwendet werden. Es dient als Ausgangsstoff f\u00fcr Nylon, Perlon, Polyester oder Kunststoffflaschen \u2013 sogenannten PEF-Flaschen im Gegensatz zu den PET-Flaschen. Der Wert im Chemikalien-Gro\u00dfhandel liegt aktuell bei 2000 Euro das Kilo.<\/p>\n<figure id=\"attachment_32275\" aria-describedby=\"caption-attachment-32275\" style=\"width: 240px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-32275 size-full\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/53c772a781.jpg\" alt=\"53c772a781\" width=\"240\" height=\"177\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-32275\" class=\"wp-caption-text\">Aus der Chicor\u00e9e-Wurzel\u2026<\/figcaption><\/figure>\n<h3>HMF aus Chicor\u00e9e als Teil der Bio\u00f6konomie<\/h3>\n<p>Bisher werden solche Chemikalien aus Erd\u00f6l gewonnen. Wie sie sich nachhaltig produzieren lassen, ist eine Fragestellung der Bio\u00f6konomie. Denn diese setzt auf Energie und Rohstoffe aus Pflanzen, Tieren oder Mikroorganismen statt weiterhin auf fossile Rohstoffe.<\/p>\n<p>In einem fr\u00fcheren Forschungsprojekt gelang es Prof. Dr. Kruse bereits, die Basischemikalie HMF aus Fruchtzucker \u2013 sog. Fructose \u2013 zu gewinnen. Die Gewinnung aus Chicor\u00e9e-Wurzelr\u00fcben findet sie eleganter. Denn: \u201eFructose ist essbar. Es gibt bessere Verwendungszwecke als HMF daraus zu gewinnen.\u201c Anders die Chicor\u00e9e-Wurzelr\u00fcbe. \u201eSie ist bislang nur ein Abfallprodukt.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_32274\" aria-describedby=\"caption-attachment-32274\" style=\"width: 240px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-32274 size-full\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/3ad43bf0a2.jpg\" alt=\"3ad43bf0a2\" width=\"240\" height=\"177\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-32274\" class=\"wp-caption-text\">\u2026 gewinnen die Wissenschaftler HMF\u2026<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Die Herausforderung: Lagerung und Qualit\u00e4t der Wurzelr\u00fcben<\/h3>\n<p>Eine Herausforderung bei dem Projekt: \u201eNur wenn wir es schaffen, eine gleichbleibende Qualit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten, ist die Wurzel f\u00fcr die Industrie interessant\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Dr. Kruse.<\/p>\n<p>Deshalb kooperiert die technische Chemikerin mit der Pflanzenwissenschaftlerin Dr. Judit Pfenning vom Fachgebiet Allgemeiner Pflanzenbau. \u201eDie Voraussetzungen sind an sich gut\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Pfenning. \u201eauch der Verbraucher, der Chicor\u00e9e essen will, stellt hohe und einheitliche Qualit\u00e4tsanspr\u00fcche an die Chicor\u00e9e-Salatknospen. Deshalb gelangen nur vergleichsweise einheitliche, h\u00f6herwertige Wurzelr\u00fcben vom Acker in die kommerzielle Wasser-Treiberei.\u201c<\/p>\n<p>Ein weiterer Forschungsaspekt: Wie lassen sich die Wurzelr\u00fcben lagern, ohne dass sie an Qualit\u00e4t verlieren. Denn die Chicor\u00e9e-Produktion ist Saisongesch\u00e4ft. Die Zulieferer der chemischen Industrie w\u00fcnschen sich aber eine gleichbleibende Lieferung, um ihre Anlagen kontinuierlich auszulasten.<\/p>\n<p>\u201eEs ist ein Projekt, das sich nur durch interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit umsetzen l\u00e4sst\u201c, betonen die Wissenschaftlerinnen. Zum einen die Qualit\u00e4tskontrollen, Anbau- und Lagerungsversuche im Pflanzenbau, zum anderen die Laborexperimente in der Konversionstechnologie.<\/p>\n<figure id=\"attachment_32273\" aria-describedby=\"caption-attachment-32273\" style=\"width: 240px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-32273 size-full\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/9f68cbbcef.jpg\" alt=\"9f68cbbcef\" width=\"240\" height=\"177\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-32273\" class=\"wp-caption-text\">\u2026 die Grundlage f\u00fcr Nylon, Polyester, Perlon oder Kunststoff-Flaschen<\/figcaption><\/figure>\n<h3>HMF aus Chicor\u00e9e-Wurzelr\u00fcben ist hochwertiger als die Chemikalie aus Erd\u00f6l<\/h3>\n<p>Ein weiterer Aspekt macht das Projekt noch aussichtsreicher: \u201eDie Chicor\u00e9e-Wurzelr\u00fcbe eignet sich nicht nur deshalb so gut zur Gewinnung von HMF, weil sie ein Abfallprodukt ist\u201c, betont Prof. Dr. Kruse. \u201eSie produziert auch eine h\u00f6herwertige Chemikalie als das \u00c4quivalent aus Erd\u00f6l.\u201c<\/p>\n<p>Dadurch k\u00f6nnten PEF-Flaschen aus Chicor\u00e9e-HMF beispielsweise d\u00fcnner gezogen werden, als solche aus Erd\u00f6l-PET. Das spart Transportkosten und verbessert die Umweltbilanz noch weiter.<\/p>\n<p>Ein Teil des Aufkommens an Chicor\u00e9e-Wurzelr\u00fcben wird heute verwendet, um daraus Biogas zu erzeugen. Doch diese Verwendung sei \u00f6konomisch gesehen unterlegen: \u201eAus ca. 220.000 Wurzelr\u00fcben pro Hektar k\u00f6nnen theoretisch 8,14 Tonnen Inulin gewonnen werden. Das kann nach aktuellem Forschungsstand zu 2,87 Tonnen HMF umgewandelt werden. \u00dcber den Verkauf dieser Menge k\u00f6nnen ca. 5,74 Millionen Euro erzielt werden. Strom aus Biogas dieser Menge Wurzelr\u00fcben w\u00fcrde nach EEG jedoch nur rund 21.000 Euro generieren.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rund 800.000 Tonnen: diese Mengen an Chicor\u00e9e-Wurzelr\u00fcben fallen j\u00e4hrlich europaweit bei der Produktion von Chicor\u00e9e-Salat als Abfallprodukt an. Die Wurzelr\u00fcben werden bisher nach der Ernte des Chicor\u00e9e-Salats auf der Kompostierungsanlage oder in der Biogasanlage entsorgt. Viel zu schade, so die Ansicht zweier Forscherinnen der Universit\u00e4t Hohenheim. 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