{"id":32173,"date":"2016-02-08T07:23:47","date_gmt":"2016-02-08T06:23:47","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=32173"},"modified":"2016-02-05T12:32:56","modified_gmt":"2016-02-05T11:32:56","slug":"qmilk-mode-aus-milch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/qmilk-mode-aus-milch\/","title":{"rendered":"Qmilk &#8211; Mode aus Milch"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr abgelaufene oder mit Hemmstoffen belastete Milch gibt es eine Verwendungsm\u00f6glichkeit: Anke Domaske von Qmilk produziert daraus seit September 2015 Textillen und Granulate f\u00fcr Plastik. Wie funktioniert dies? Wie k\u00f6nnen Landwirte davon profitieren?<\/p>\n<p>Abgelaufene Milch? Perfekt! Dann ist das Eiwei\u00df sch\u00f6n flockig. Anke Domaske, f\u00fcgt nat\u00fcrliche Stoffe hinzu, das Ganze wird zum Teig geknetet und durch eine Art Nudelmaschine gedr\u00fcckt. Heraus kommen hunderte Spaghetti. Fast endlos. Wei\u00df. D\u00fcnn wie Spinnweben.<br \/>\nSeit September sind sie am deutschen Markt. Einige Textilfirmen werden daraus Stoffe weben. Stoffe, von denen Domaske sagt: \u201eZu hundert Prozent essbar.\u201c<\/p>\n<p>Immer mehr Kleidung n\u00f6tig<\/p>\n<p>\u0003Damit besetzt die 32-j\u00e4hrige einen zukunftstr\u00e4chtigen Markt in der Textilproduktion. Denn w\u00e4hrend Baumwolle immer knapper wird, steigt der Konsum an Kleidung an. Gleichzeitig wird das Neugekaufte immer schneller aussortiert. Wo sollen all die Fasern herkommen, wenn 2050 zehn Milliarden Menschen auf der Welt etwas zum Anziehen brauchen? Forscher t\u00fcfteln daher eifrig an Alternativfasern zu Baumwolle und Fasern aus Roh\u00f6l. Algen, Bananen-Fasern oder Buchenholz kann man bereits tragen. Mais, Soja und Krabbenschalen sollen folgen.<\/p>\n<p>Und ab heuer gibt es auch Fasern aus Milch. Roland Essel vom Nova-Institut, das zu nachhaltigen Rohstoffen forscht, sieht die Milchfaser als eine Zukunftsfaser unter vielen. \u201eDie Frage ist, wie viel davon in einem Land erzeugt werden kann. Das ist bei der Milch wohl begrenzt\u201c, so der Experte.<\/p>\n<p>Die Grundlage der Stoffe ist das Milchprotein Kasein. Dieses wurde schon in den 30ern zu Fasern verarbeitet. Dann verdr\u00e4ngten Nylon und Polyester die tierische Naturfaser.<br \/>\n\u201eMich lie\u00df das nicht los. Ich wollte es besser machen\u201c, erkl\u00e4rt Domaske. Mit T\u00f6pfen, Milchpulver und Mixer stand die studierte Mikrobiologin am Herd, um eine Rezeptur zu kreieren, deren Proteine sich bei 60 Grad waschen nicht aufl\u00f6sen. 2011 gr\u00fcndetet sie in Hannover schlie\u00dflich die Firma Qmilk.<\/p>\n<p>Alte Milch wird verarbeitet:\u0003<\/p>\n<p>Eine Faser entstand, die wie Seide leicht-flie\u00dfend ist und gleichzeitig W\u00e4rme sowie Feuchtigkeit regulierd wie Baumwolle. Die Stoffe werden mit h\u00f6chstens einem Liter Wasser hergestellt. Wie bei Synthetik-Fasern k\u00f6nnen Pigmente direkt dem \u201eTeig\u201c beigemischt werden.<\/p>\n<p>Preislich kommt das Kilo Milchfaser mit rund 25\u2009\u20ac an die etwa 3\u2009\u20ac teure Baumwolle nicht ran, h\u00f6chstens als Mischgewebe. F\u00fcr ein Kleid sind etwa sechs Liter Milch n\u00f6tig.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr mein Modelabel Madame Chi Chi habe ich bereits einzelne Milchkleider angefertig\u201c, erz\u00e4hlt Domaske. Richtig mit der Produktion startete Qmilk erst im Herbst 2015. Die Firma hat auch bereits zahlreiche Preise und Ehrungen erhalten. Unter anderem den <a href=\"http:\/\/green.wiwo.de\/kleider-aus-milch-wie-ein-startup-aus-hannover-die-textilindustrie-umkrempelt\/\" target=\"_blank\">Green Tech Award<\/a>. Die Jury k\u00fcrte \u201edie Aufwertung eines Abfallprodukts zu einem wertvollen Rohstoff\u201c zu einer der besten Umwelttechnologien des Jahres.<\/p>\n<p>Denn: Es wird nur Milch verwendet, die nicht mehr den Lebensmittelrichtlinien gen\u00fcgt. Zum Beispiel weil Keime in der Milch waren, wegen Fehlchargen oder weil die K\u00fchlkette unterbrochen war. Auch Hemmstoff-Milch kann so verarbeitet werden. Vorrang hat jetzt der Aufbau eines Milch-Sammelsystems. Bei Superm\u00e4rkten, Molkereien und Bauern soll im Zwei-Wochen-Rhythmus Milch abgeholt werden. \u201eWir wollen im Jahr 2017 etwa 120\u2009000\u2009t nicht verkehrsf\u00e4higer Milch einsammeln.\u201c<\/p>\n<p>Vier Cent f\u00fcr einen Liter Milch:\u0003<\/p>\n<p>\u201eMomentan variiert es noch stark, wie viel Milch wir verarbeiten. Die Anlagen m\u00fcsse im Prozess weiter stabilisiert werden\u201c, erkl\u00e4rt Domaske. Wer Milch anzubieten hat \u2013 Bauern, Molkereien, der Einzelhandel \u2013 soll sich bei Qmilk in eine Liste aufnehmen lassen. Auch \u00d6sterreicher k\u00f6nnen sich melden.<\/p>\n<p>Sobald das Sammeln per Sammelwagen und Containern auf LKW startet, werden alle benachrichtigt. Allerdings ist erstmal norddeutsche Milch im Fokus. F\u00fcr einen Liter Milch gibt es vier Cent. Das ist nicht viel, aber Kunden k\u00f6nnen Milch, die sie ansonsten entsorgen w\u00fcrden, nochmal verkaufen.<\/p>\n<p>Neben Milchfasern kann auch Granulat herstellt werden, dass in Implantaten, Baby-Spielzeug, Kosmetik, Verpackungsschaum oder in Papier enthalten ist. Au\u00dferdem lassen sich Innenraum-Verschalungen f\u00fcr Autos herstellen.\u00a0 \u201eMein Traum der n\u00e4chsten Jahre ist eine Wundauflage aus Milch. Mit eingearbeiteter Medizin\u201c, schildert Domaske ihre weiteren Pl\u00e4ne.<\/p>\n<p>Schnell gelesen:<\/p>\n<p>&#8211; Aus alter Milch stellt die Firma Qmilk seit September Fasern f\u00fcr die Textilproduktion her.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0 Zurzeit arbeitet Gr\u00fcnderin Anke Domaske an einem Milch-Sammelsystem, das auch \u00d6sterreich einbezieht.<\/p>\n<p>&#8211; F\u00fcr einen Liter abgelaufener, saurer oder keimbelasteter Milch erhalten die Lieferanten 4 Cent.<\/p>\n<p>&#8211; Der Markt f\u00fcr Milchfasern ist gro\u00df, allerdings ist die Produktion derzeit vergleichsweise teuer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr abgelaufene oder mit Hemmstoffen belastete Milch gibt es eine Verwendungsm\u00f6glichkeit: Anke Domaske von Qmilk produziert daraus seit September 2015 Textillen und Granulate f\u00fcr Plastik. Wie funktioniert dies? Wie k\u00f6nnen Landwirte davon profitieren? Abgelaufene Milch? Perfekt! Dann ist das Eiwei\u00df sch\u00f6n flockig. Anke Domaske, f\u00fcgt nat\u00fcrliche Stoffe hinzu, das Ganze wird zum Teig geknetet und [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[10719],"supplier":[4,2776],"class_list":["post-32173","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-naturfasern","supplier-nova-institut-gmbh","supplier-qmilch-gmbh"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32173","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32173"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32173\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32173"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32173"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32173"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=32173"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}