{"id":32066,"date":"2016-02-04T07:20:13","date_gmt":"2016-02-04T06:20:13","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=32066"},"modified":"2016-02-03T14:56:47","modified_gmt":"2016-02-03T13:56:47","slug":"vorschlag-zur-einstufung-neuer-methoden-in-der-pflanzenzucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/vorschlag-zur-einstufung-neuer-methoden-in-der-pflanzenzucht\/","title":{"rendered":"Vorschlag zur Einstufung neuer Methoden in der Pflanzenzucht"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_32073\" aria-describedby=\"caption-attachment-32073\" style=\"width: 518px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-32073\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/42b09f223d.jpg\" alt=\"42b09f223d\" width=\"518\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2016\/02\/42b09f223d.jpg 800w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2016\/02\/42b09f223d-300x116.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2016\/02\/42b09f223d-600x232.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 518px) 100vw, 518px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-32073\" class=\"wp-caption-text\">Vergleich von Z\u00fcchtungsmethoden. Konventionelle Zucht basiert vor allem auf der Z\u00fcchtung von Hybridlinien, die aus seiner Spender- und einer Empf\u00e4ngerlinie hervorgehen. Die Nachkommen mit den gew\u00fcnschten Eigenschaften werden ausgesucht. Um ungew\u00fcnschte Eigenschaften der Spenderpflanze zu entfernen, muss die Linie mit der Empf\u00e4ngerlinie zun\u00e4chst r\u00fcckgekreuzt werden. Bei transgenen Pflanzen wird ein Gen einer artfremden Spezies eingef\u00fcgt, mit der keine Fortpflanzung m\u00f6glich ist. Bei cisgenen Pflanzen kommt das Gen aus einer verwandten Art, mit der eine Kreuzung m\u00f6glich ist. Beim Genom-Editing werden durch sogenannte \u201emolekulare Scheren\u201c Abschnitte der DNA gel\u00f6scht, eingef\u00fcgt oder ersetzt. (Urheber: Sanwen Huang\/ Chinese Academy of Agricultural Sciences)<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"bodytext\"><strong>CRISPR\/Cas9 ist eine neue Methode, um Gene zielgerichtet zu ver\u00e4ndern. Sie geh\u00f6rt mit anderen Methoden zur Technik des sogenannten Genom-Editings. Im Moment wird das Genom-Editing zwar haupts\u00e4chlich im Zusammenhang mit medizinischen Anwendungen diskutiert, aber seine Anwendung ist auch f\u00fcr die Pflanzenz\u00fcchtung vielversprechend. Wissenschaftler aus China, den USA und Deutschland, unter ihnen Prof. Dr. Detlef Weigel vom Max-Planck-Institut f\u00fcr Entwicklungsbiologie in T\u00fcbingen, haben jetzt einen regulatorischen Rahmen f\u00fcr das Genom-Editing bei Pflanzen vorgeschlagen.<\/strong><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Beim Genom-Editing kann das Erbgut sehr pr\u00e4zise ver\u00e4ndert werden. Oftmals wird nur eine einzige Base, also ein Buchstabe, im Erbgut ersetzt oder gel\u00f6scht. Solche spontanen Mutationen passieren in der Natur laufend. Nachdem die Mutation oder das Genom-Editing stattgefunden haben, sind die Konsequenzen nicht unterscheidbar. Dies liegt nicht an methodischen Unzul\u00e4nglichkeiten, sondern daran, dass es tats\u00e4chlich keine physischen, chemischen oder biologischen Unterschiede gibt. Nach dem deutschen Gentechnikgesetz werden die Organismen als gentechnisch ver\u00e4ndert eingestuft, deren \u201egenetisches Material so ver\u00e4ndert worden ist, wie es auf nat\u00fcrliche Weise durch Kreuzen und\/oder nat\u00fcrliche Rekombination nicht m\u00f6glich ist\u201c. Daher gebe es keinen Grund, Genom-editierte Pflanzen als gentechnisch ver\u00e4nderte Organismen zu bewerten, so Detlef Weigel. Die \u00c4nderungen, die durch das Genom-Editing erfolgt sind, sollten jedoch analysiert und dokumentiert werden, und es sollte sichergestellt werden, dass keine Reste von eventuell vorher eingef\u00fchrter Fremd-DNA im Erbgut verbleiben. Ansonsten sollten so ver\u00e4nderte Pflanzen keinen strengeren Regeln unterliegen als konventionell gez\u00fcchtete.<\/p>\n<p>Das Ziel der Pflanzenz\u00fcchtung ist, vorteilhafte Eigenschaften st\u00e4ndig zu verbessern, so dass unsere Nutzpflanzen widerstandsf\u00e4higer gegen Pilzbefall werden, nicht zu stark unter D\u00fcrre leiden oder mit weniger Kunstd\u00fcnger auskommen. Das kann man zum einen erreichen, indem man Sorten mit unterschiedlichen vorteilhaften Eigenschaften kreuzt. Alternativ kommen Chemikalien oder Strahlung zum Einsatz, die zuf\u00e4llig im Erbgut verteilte Mutationen ausl\u00f6sen. Leider sind bei beiden Verfahren viele Nachkommen nicht besser oder sogar schlechter als die Eltern, und das Auffinden von vielversprechenden Individuen ist oft sehr langwierig und aufw\u00e4ndig. Beide Verfahren geh\u00f6ren zum Standardwerkzeug der konventionellen Z\u00fcchtung, deren Produkte ohne Zulassung vermarktet werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren war es bereits m\u00f6glich, mit gentechnischen Methoden neue Gene in die Pflanzen einzubringen. Das konnten Gene von anderen Pflanzenarten, aber auch aus g\u00e4nzlich anderen Organismen wie Bakterien sein. Ein Nachteil dieser Verfahren ist bis heute, dass nicht kontrolliert werden kann, wo die neuen Gene im Erbgut landen. Deshalb m\u00fcssen viele Kandidaten durchmustert werden, bis man eine Pflanze mit den gew\u00fcnschten Eigenschaften hat.Im Zusammenhang mit dem Genom-Editing werden oft Metaphern wie Genom-Chirurgie oder genetisches Skalpell verwendet. \u201eDie herk\u00f6mmliche Gentechnik bei Pflanzen kann man mit einer Herzoperation unter \u00d6ffnung des gesamten Brustkorbs vergleichen\u201c, veranschaulicht Weigel, w\u00e4hrend das Genom-Editing einem minimal-invasiven Eingriff entspr\u00e4che. Denn beim Genom-Editing k\u00f6nne ganz genau bestimmt werden, an welcher Stelle im Erbgut eine Ver\u00e4nderung stattfinden soll. Man kann daher mit dieser Methode auch sehr pr\u00e4zise Gene einer Art durch Gene von anderen Sorten oder nahen Verwandten ersetzen. Das ist auch ein Ziel von konventioneller Z\u00fcchtung. Genom-Editing ist damit ein Weg, dieselben Ver\u00e4nderungen zu erzielen wie konventionelle Z\u00fcchtung, allerdings sehr viel schneller.<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler setzen sich aus diesen Gr\u00fcnden bei der Entwicklung und Zulassung von Genom-editierten Pflanzen f\u00fcr folgendes Vorgehen ein: Erstens sollte \u00a0w\u00e4hrend der Entwicklungsphase das Risiko einer Ausbreitung im Freiland minimiert werden. Zweitens sollten die entstandenen DNA-Ver\u00e4nderungen exakt dokumentiert werden. Drittens sei zu beachten, dass bei vielen CRISPR\/Cas9 Verfahren zuerst Fremd-DNA in die Zelle eingeschleust werden muss; trifft dies zu, soll belegt werden, dass diese Fremd-DNA in der zuzulassenden Sorte spurlos entfernt wurde. Wurde ein Gen durch das einer anderen Art ersetzt, sollte weiterhin angegeben werden, wie nahe die Arten verwandt sind. Sind die Arten nur entfernt verwandt, m\u00fcsste im Einzelfall gepr\u00fcft werden, ob weitergehende Untersuchungen n\u00f6tig sind. Bei der Zulassung neuer Sorten sollen diese Punkte genau festgehalten werden. Abgesehen davon sollten so erzeugte Pflanzen wie konventionelle Z\u00fcchtungen behandelt werden.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union hat noch keine abschlie\u00dfende Bewertung getroffen, aber in Deutschland und Schweden haben die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden bestimmte Genom-editierte Sorten bereits den Produkten konventioneller Z\u00fcchtung gleichgestellt. \u201eEin wichtiges Ziel der Z\u00fcchtung ist, die Versorgung mit Agrarprodukten nachhaltiger zu machen. Genom-Editing kann zum Beispiel helfen, Pflanzen zu z\u00fcchten, die sich auch ohne chemische Pestizide gegen Pilzbefall wehren k\u00f6nnen. Diese M\u00f6glichkeit sollten wir uns nicht vorenthalten\u201c, so Weigel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Originalpublikation<\/h3>\n<p class=\"bodytext\"><a href=\"http:\/\/www.nature.com\/ng\/journal\/v48\/n2\/full\/ng.3484.html\" target=\"_blank\">A proposed regulatory framework for genome-edited crops<\/a>. Nature Genetics.<br \/>\nDOI 10.1038\/ng.3484<\/p>\n<h3>Ansprechpartner<\/h3>\n<p class=\"bodytext\">Prof. Dr. Detlef Weigel<br \/>\nTel.:\u00a0 07071 601-1410<br \/>\nMail: <a href=\"mailto:detlef.weigel@tuebingen.mpg.de\" target=\"_blank\">detlef.weigel@tuebingen.mpg.de<\/a><\/p>\n<h3>\u00dcber das Max-Planck-Institut f\u00fcr Entwicklungsbiologie<\/h3>\n<p class=\"bodytext\">Der Max-Planck-Campus T\u00fcbingen beherbergt die Max-Planck-Institute f\u00fcr Entwicklungsbiologie, biologische Kybernetik und Intelligente Systeme\/Standort T\u00fcbingen sowie das Friedrich-Miescher-Laboratorium. Insgesamt arbeiten und forschen rund 800 Personen auf dem Campus. Seine Institute sind Teil der 83 Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft zur F\u00f6rderung der Wissenschaften e.V.<\/p>\n<p>Das Max-Planck-Institut f\u00fcr Entwicklungsbiologie betreibt Grundlagenforschung auf den Gebieten der Biochemie, Molekularbiologie, Genetik sowie Zell- und Evolutionsbiologie. Dazu geh\u00f6rt auch Grundlagenforschung an Pflanzen. Das Institut arbeitet nicht an der Entwicklung von gentechnisch ver\u00e4nderten Nutzpflanzen. Es besch\u00e4ftigt rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat seinen Sitz auf dem Max-Planck-Campus in T\u00fcbingen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CRISPR\/Cas9 ist eine neue Methode, um Gene zielgerichtet zu ver\u00e4ndern. Sie geh\u00f6rt mit anderen Methoden zur Technik des sogenannten Genom-Editings. Im Moment wird das Genom-Editing zwar haupts\u00e4chlich im Zusammenhang mit medizinischen Anwendungen diskutiert, aber seine Anwendung ist auch f\u00fcr die Pflanzenz\u00fcchtung vielversprechend. 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