{"id":31642,"date":"2016-01-20T07:23:26","date_gmt":"2016-01-20T06:23:26","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=31642"},"modified":"2016-01-19T12:26:42","modified_gmt":"2016-01-19T11:26:42","slug":"eiweiss-vom-acker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eiweiss-vom-acker\/","title":{"rendered":"Eiwei\u00df vom Acker"},"content":{"rendered":"<p><strong>Berlin, 13. Januar 2016 \u2013 Die Vereinten Nationen haben 2016 als \u201eInternationales Jahr der H\u00fclsenfr\u00fcchte\u201c ausgerufen. Die Union zur F\u00f6rderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP) begr\u00fc\u00dft dies sehr, da Erbsen, Bohnen oder S\u00fc\u00dflupinen viele Vorteile f\u00fcr Landwirtschaft und Umwelt mit sich bringen und eine interessante Anbaualternative auch f\u00fcr deutsche Landwirte darstellen.<\/strong><\/p>\n<p>H\u00fclsenfr\u00fcchte z\u00e4hlen seit Jahrhunderten zu den bedeutendsten pflanzlichen Eiwei\u00dfquellen f\u00fcr Mensch und Tier. \u201eIn vielen L\u00e4ndern der Welt, in denen traditionell wenig Fleisch gegessen wird, sind H\u00fclsenfr\u00fcchte nach wie vor eine sehr wichtige Proteinquelle\u201c, erl\u00e4utert Wolfgang Vogel, der Vorsitzende der UFOP. \u201eIn Deutschland hingegen\u201c, so Vogel weiter, \u201esind sie etwas aus der Mode geraten\u201c. Die Vereinten Nationen sehen in ihrem Engagement \u201eeine einzigartige Gelegenheit\u00a0[&#8230;], Verbindungen innerhalb der gesamten Nahrungskette zu f\u00f6rdern, um Eiwei\u00df aus H\u00fclsenfr\u00fcchten besser zu nutzen, die weltweite Produktion von H\u00fclsenfr\u00fcchten zu stimulieren, Fruchtfolgen besser zu nutzen und die Herausforderungen beim Handel mit H\u00fclsenfr\u00fcchten anzugehen\u201c. Dass diese Strategie aufgehen k\u00f6nnte, zeigt sich in Deutschland in j\u00fcngster Zeit. So werden wieder vermehrt Futtererbsen, Ackerbohnen und Blaue S\u00fc\u00dflupinen angebaut.<\/p>\n<p>Diese bemerkenswerten Pflanzen leben in einer interessanten Symbiose. So siedeln sich an den Wurzeln dieser auch als K\u00f6rnerleguminosen bezeichneten Pflanzen so genannte Kn\u00f6llchenbakterien an. Diese k\u00f6nnen die Wurzelausscheidungen der Pflanzen nutzen. Mit Hilfe der Kn\u00f6llchenbakterien wiederum k\u00f6nnen die K\u00f6rnerleguminosen Stickstoff direkt aus der Luft binden und als N\u00e4hrstoff verwenden. Jeder profitiert also vom anderen!<\/p>\n<p>Doch auch die folgenden Ackerkulturen ziehen einen gro\u00dfen Nutzen aus dem Anbau der K\u00f6rnerleguminosen. Denn werden die K\u00f6rner von Futtererbsen, Ackerbohnen und Blauen S\u00fc\u00dflupinen geerntet, bleiben die Reste der Pflanze und alle Wurzeln auf dem Feld zur\u00fcck. Die darin enthaltenen Stickstoff-Vorr\u00e4te stehen dann den nachfolgenden Pflanzen zur Verf\u00fcgung und machen den sogenannten hohen Vorfruchtwert von K\u00f6rnerleguminosen aus.<\/p>\n<p>Die Bedeutung der K\u00f6rnerleguminosen liegt neben diesen ackerbaulichen Vorteilen, vor allem aber in ihrer Rolle als Lieferant von hochwertigem Eiwei\u00df. Und dies gilt nicht nur f\u00fcr die menschliche Ern\u00e4hrung.<\/p>\n<p>In den letzten Jahrzehnten hat sich importiertes Soja bzw. Sojaschrot aus Nord- und S\u00fcdamerika als Standard in der Nutztierf\u00fctterung etabliert. Die weltweit wichtigsten Anbaugebiete f\u00fcr Soja sind die USA, Brasilien und Argentinien. Heute sind die dort angebauten Sorten meist gentechnisch ver\u00e4ndert, da sich diese im Anbau in Nord- und weiten Teilen S\u00fcdamerikas durchgesetzt haben.<\/p>\n<p>Aus Gr\u00fcnden der Nachhaltigkeit wird pflanzliches Eiwei\u00df aus deutscher Erzeugung immer wichtiger und Rapsschrot als Nebenerzeugnis der \u00d6lgewinnung hat in vielen St\u00e4llen Sojaschrot als Futtermittel bereits abgel\u00f6st. Man geht aktuell davon aus, dass durch die Nutzung von heimischem Eiwei\u00dffutter mehr als 1 Million Hektar Sojaanbau in S\u00fcdamerika eingespart werden k\u00f6nnen. Einheimische K\u00f6rnerleguminosen k\u00f6nnen hier eine wertvolle Erg\u00e4nzung darstellen, denn bevor Sojaschrot in gro\u00dfen Mengen nach Europa eingef\u00fchrt wurde, waren bis in die 50er-Jahre Ackerbohnen und Futtererbsen bedeutende Bestandteile von Futterrationen in Deutschland und k\u00f6nnten dies auch wieder werden. \u201eDie Eigenerzeugung an pflanzlichem Eiwei\u00df in Deutschland und der Europ\u00e4ischen Union betr\u00e4gt lediglich rund 30 bis 35 %. F\u00fcr die St\u00e4rkung der heimischen Eiwei\u00dferzeugung und aus \u00f6kologischen Gr\u00fcnden kommt den heimischen K\u00f6rnerleguminosen \u2013 neben dem Raps mit Rapsschrot als Nebenprodukt der \u00d6lerzeugung \u2013 eine steigende Bedeutung zu\u201c, erl\u00e4utert Vogel.<\/p>\n<h3>Neue M\u00e4rkte in der Humanern\u00e4hrung<\/h3>\n<p>Experten sehen in K\u00f6rnerleguminosen ein gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr neue und gesunde Lebensmittel. In vielen Bereichen der Lebensmittelproduktion werden bereits pflanzliche Proteine eingesetzt. Dazu z\u00e4hlen auch das Eiwei\u00df der Blauen S\u00fc\u00dflupine und der Futtererbse. Bei Ackerbohnen laufen Forschungsvorhaben, um deren Proteine in Zukunft ebenfalls f\u00fcr die menschliche Ern\u00e4hrung nutzbar zu machen. F\u00fcr Menschen, die auf tierisches Eiwei\u00df oder auch auf Sojaeiwei\u00df als Zutat in Lebensmitteln verzichten m\u00fcssen oder wollen, stellen Proteinisolate aus heimischen K\u00f6rnerleguminosen eine interessante Alternative dar. Sie werden u.a. bei der Herstellung von Ei-Ersatz, Sportlernahrung, Fleischersatzprodukten, Speiseeis oder Brotaufstrichen eingesetzt. Auch Lupinen-Mehl findet Verwendung, beispielsweise in Backwaren.<\/p>\n<p>Neben dem Eiwei\u00df ist auch die St\u00e4rke in K\u00f6rnerleguminosen ein wichtiger Bestandteil. Bei Futtererbsen wird diese St\u00e4rke bereits gro\u00dftechnisch gewonnen und ist f\u00fcr verschiedene Food- und Non Food-Anwendungen einsetzbar, wie z.B. in Suppen, Saucen oder Dessertcremes.<\/p>\n<h3>UFOP im Jahr der H\u00fclsenfr\u00fcchte<\/h3>\n<p>Die UFOP wird im \u201eInternationalen Jahr der H\u00fclsenfr\u00fcchte\u201c einen besonderen Schwerpunkt auf die heimischen K\u00f6rnerleguminosen legen. Dieser beginnt mit der Pr\u00e4sentation von Ackerbohnen, Futtererbsen und S\u00fc\u00dflupinen auf dem UFOP-Messestand im Erlebnisbauernhof der Internationalen Gr\u00fcnen Woche. Als ein Highlight des UFOP-Auftrittes kann an einem speziellen Pflanzgef\u00e4\u00df, einem Rhizotron, betrachtet werden, wie die Stickstofffixierung der Leguminosen mit Hilfe von Kn\u00f6llchenbakterien an den Wurzeln funktioniert.<\/p>\n<p>Auf den DLG-Feldtagen vom 14. bis 16. Juni 2016 auf Gut Mariaburghausen wird die UFOP sehr umfangreich \u00fcber die heimischen K\u00f6rnerleguminosen informieren. Auf 1.000 Quadratmetern werden diese wertvollen Ackerbaukulturen neben Winterraps und Sonnenblumen in Zusammenarbeit mit den Demonstrationsnetzwerken f\u00fcr Lupine sowie f\u00fcr Bohne und Erbse der BMEL-Eiwei\u00dfpflanzeninitiative in Anbau und Verwendung vorgestellt.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus wird die UFOP in Kooperation mit der Fachhochschule S\u00fcdwestfalen am 20. September 2016 in Berlin eine Fachtagung zu heimischen K\u00f6rnerleguminosen durchf\u00fchren. Die Veranstaltung richtet sich an Ackerbauern und Tierhalter, landwirtschaftliche Berater sowie Akteure und Verb\u00e4nde aus Handel und Verarbeitung. Die Vortr\u00e4ge werden sich den Themen Z\u00fcchtung und Anbau, erfolgreiche Vermarktung sowie dem Einsatz als Futter- und Lebensmittel widmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 13. Januar 2016 \u2013 Die Vereinten Nationen haben 2016 als \u201eInternationales Jahr der H\u00fclsenfr\u00fcchte\u201c ausgerufen. 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