{"id":31549,"date":"2016-01-18T07:35:33","date_gmt":"2016-01-18T06:35:33","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=31549"},"modified":"2021-09-09T21:42:23","modified_gmt":"2021-09-09T19:42:23","slug":"co2-filter-ein-kescher-fuers-treibhausgas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/co2-filter-ein-kescher-fuers-treibhausgas\/","title":{"rendered":"CO<sub>2<\/sub>-Filter: Ein Kescher f\u00fcrs Treibhausgas"},"content":{"rendered":"<p>Was tun, wenn die Menschheit weiter viel zu viel CO2 in die Atmosph\u00e4re pustet? Um einen extremen Klimawandel zu verhindern, k\u00f6nnte man das Treibhausgas direkt aus der Luft filtern. Die Technik daf\u00fcr wird gerade entwickelt.<\/p>\n<p>Es wird immer mehr. Im vergangenen Jahr ist die Kohlendioxidkonzentration in der Luft auf den Rekordwert von 398 ppm (parts per million) gestiegen. Bis zu einer Grenze von 450 ppm stehen die Chancen gut, dass die Erderw\u00e4rmung auf zwei Grad gegen\u00fcber der vorindustriellen Zeit beschr\u00e4nkt bleibt. F\u00e4llt diese Marke, droht der Klimawandel au\u00dfer Kontrolle zu geraten.<\/p>\n<p>Windr\u00e4der und Solaranlagen, mehr Energieeffizienz, strengere Abgasnormen &#8211; das und mehr soll den Anstieg der CO2-Konzentration verlangsamen. Doch wenn das nicht gen\u00fcgt? Schaut man sich die vor dem Pariser Klimagipfel abgegebenen Selbstverpflichtungen der L\u00e4nder an, dann k\u00f6nnten die Emissionen weltweit bis zum Jahr 2030 weiter steigen &#8211; eine Trendwende ist nicht in Sicht. Wie soll dann erst das in Paris beschlossene Ziel von 1,5 Grad erreicht werden?Wom\u00f6glich schl\u00e4gt schon bald die Stunde von Unternehmen wie Climeworks. Das Spin-off der Eidgen\u00f6ssischen Technischen Hochschule (ETH) Z\u00fcrich hat eine Art Kescher entwickelt, mit dem sich CO2 aus der Atmosph\u00e4re fischen l\u00e4sst. Herzst\u00fcck der Anlage ist ein Filter, durch den gro\u00dfe Mengen an Luft gesaugt werden. &#8220;Der Filter \u00e4hnelt einem Schwamm mit einer Tr\u00e4gerstruktur aus Zellulose&#8221;, sagt Dominique Kronenberg von Climeworks. Der Filter enthalte spezielle Molek\u00fcle, an die CO2-Molek\u00fcle aus der Luft andocken k\u00f6nnten, erl\u00e4utert Kronenberg von Climework.<\/p>\n<p>Ist der Filter ges\u00e4ttigt, wird er mit der Abw\u00e4rme einer benachbarten M\u00fcllverbrennungsanlage auf 95 Grad erhitzt. Das Treibhausgas l\u00f6st sich und wird aufgefangen. Der Filter kann anschlie\u00dfend wiederverwendet werden. Derzeit baut Climeworks bei Z\u00fcrich eine Pilotanlage, die der Luft 900 Tonnen Kohlendioxid im Jahr entziehen kann. Sie soll im kommenden Sommer in Betrieb gehen.<\/p>\n<p>Auch in den USA und Kanada arbeiten Unternehmen und Forschungsinstitute an solchen, Air Capture genannten Verfahren. Das kanadische Start-up Carbon Engineering zum Beispiel hat im Oktober eine Forschungsanlage in Betrieb genommen, die t\u00e4glich eine Tonne CO2 aus der Luft extrahiert. Schon vor Jahren hatte Klaus Lackner von der University of Columbia in New York das Konzept k\u00fcnstlicher B\u00e4ume propagiert.<\/p>\n<p>Emissionen mindern, Treibhausgase entfernen<\/p>\n<p>Falls sich die Technologie in der Praxis bew\u00e4hrt &#8211; besteht dann nicht die Gefahr, dass die Staaten den Klimaschutz auf die lange Bank schieben werden? Warum auf Kohlekraftwerke oder Verbrennungsmotoren verzichten, wenn sich das CO2 einfach wieder aus der Luft entfernen l\u00e4sst?<\/p>\n<p>&#8220;Das CO2-Budget, das uns im Rahmen des Zwei-Grad-Ziels noch zur Verf\u00fcgung steht, ist gering. Wir brauchen daher beides: eine aggressive Minderung der Emissionen sowie die Option, Kohlendioxid nachtr\u00e4glich aus der Atmosph\u00e4re zu entfernen&#8221;, erkl\u00e4rt Elmar Kriegler vom Potsdam-Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung. Die CO2-Tilgung k\u00f6nne die Reduktion der Treibhausgasemissionen auf keinen Fall ersetzen, betont der Wissenschaftler. &#8220;Je l\u00e4nger wir warten w\u00fcrden, den CO2-Aussto\u00df im n\u00f6tigen Ma\u00dfe zu senken, desto st\u00e4rker m\u00fcssten wir uns auf derzeit noch spekulative Technologien wie Direct Air Capture verlassen&#8221;, sagt Kriegler.<\/p>\n<p>CO2-Zertifikate zu billig<\/p>\n<p>Sinnvoll ist die Entwicklung von Verfahren zur CO2-Entnahme nach Meinung Krieglers aber auf jeden Fall &#8211; auch, weil sich damit Emissionen der Vergangenheit aus der Atmosph\u00e4re entfernen lassen. In gro\u00dfem Stil eingesetzt, k\u00f6nnten sie den Kohlendioxidgehalt der Luft eines Tages vielleicht sogar reduzieren.<\/p>\n<p>Bleibt die Frage: Wer soll das bezahlen? Die American Physical Society setzt f\u00fcr die Luftfilter Kosten von mindestens 600 US-Dollar pro Tonne CO2 an. Diese k\u00f6nnten mit Weiterentwicklung der Technologie allerdings noch deutlich sinken.<\/p>\n<p>Um Kohlendioxid dauerhaft aus der Atmosph\u00e4re zu entfernen, muss es in den Untergrund, etwa in ehemalige Erdgaslagerst\u00e4tten, gepresst werden. Daf\u00fcr gibt es jedoch kein Gesch\u00e4ftsmodell. Zwar w\u00e4re es theoretisch m\u00f6glich, Air Capture \u00fcber den CO2-Emissionshandel zu finanzieren. Doch das wird auch auf lange Sicht nicht funktionieren, meint Kriegler. &#8220;Daf\u00fcr w\u00e4ren Zertifikatspreise von \u00fcber hundert US-Dollar pro Tonne n\u00f6tig &#8211; ein Vielfaches der heutigen Preise&#8221;, sagt der Forscher.<\/p>\n<p>Kohlendioxid als Rohstoff<\/p>\n<p>F\u00fcr Climeworks steht die Minderung der CO2-Konzentration in der Atmosph\u00e4re daher derzeit auch gar nicht im Vordergrund. &#8220;Unsere Technologie zielt in erster Linie darauf, unabh\u00e4ngig vom Standort reines Kohlendioxid zur Verf\u00fcgung zu stellen. CO2 ist n\u00e4mlich ein gefragter Rohstoff, etwa f\u00fcr die Getr\u00e4nkeindustrie&#8221;, sagt Kronenberg. Das Kohlendioxid aus dem Schweizer Pilotprojekt wird zu einer benachbarten G\u00e4rtnerei geleitet, wo es das Wachstum von Gew\u00e4chshausgem\u00fcse anregt.vAm sinnvollsten ist es nach Meinung Kronenbergs jedoch, mit dem Kohlendioxid klimaneutrale Treibstoffe zu produzieren &#8211; so, wie es etwa in der Versuchsanlage eines Partnerunternehmens in Dresden geschieht. Dort wird Wasser unter Strom gesetzt, sodass sich der Sauerstoff und der Wasserstoff voneinander trennen. Aus Wasserstoff und Kohlendioxid lassen sich dann Benzin, Diesel oder Kerosin und andere Energietr\u00e4ger herstellen.<\/p>\n<p>Langfristig bietet das durchaus eine interessante Perspektive, meint Peter Viebahn vom Wuppertal Institut f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie. Wenn Strom und W\u00e4rme eines Tages komplett aus erneuerbaren Energien gewonnen werden, fallen Kraftwerke und Industrie als m\u00f6gliche Kohlendioxidquellen weg. &#8220;F\u00fcr die Produktion von Kraftstoffen sowie synthetischem Erdgas und Industriegrundstoffen mittels Methanisierung von Wasserstoff &#8211; der wiederum aus Wind- oder Fotovoltaikstrom gewonnen w\u00fcrde &#8211; wird jedoch CO<sub>2<\/sub> ben\u00f6tigt. Das k\u00f6nnte dann mit Direct Air Capture aus der Luft entnommen werden&#8221;, sagt Viebahn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was tun, wenn die Menschheit weiter viel zu viel CO2 in die Atmosph\u00e4re pustet? Um einen extremen Klimawandel zu verhindern, k\u00f6nnte man das Treibhausgas direkt aus der Luft filtern. Die Technik daf\u00fcr wird gerade entwickelt. Es wird immer mehr. 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