{"id":31187,"date":"2015-12-16T11:55:41","date_gmt":"2015-12-16T10:55:41","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=31187"},"modified":"2015-12-16T11:55:41","modified_gmt":"2015-12-16T10:55:41","slug":"mikro-plastik-vom-werkstoff-der-unbegrenzten-moeglichkeiten-zum-umweltgefaehrdenden-schadstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/mikro-plastik-vom-werkstoff-der-unbegrenzten-moeglichkeiten-zum-umweltgefaehrdenden-schadstoff\/","title":{"rendered":"(Mikro-)Plastik: Vom Werkstoff der unbegrenzten M\u00f6glichkeiten zum umweltgef\u00e4hrdenden Schadstoff?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #ff9900;\">English version: <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/micro-plastic-from-material-of-unlimited-opportunities-to-contaminants-in-the-environment\" target=\"_blank\">https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/micro-plastic-from-material-of-unlimited-opportunities-to-contaminants-in-the-environment<\/a><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><strong>170 Teilnehmer aus 20 verschiedenen L\u00e4ndern zog es zur internationalen Konferenz und Ausstellung \u201eMicroplastic in the Environment\u201c, die am 23. und 24. November 2015 in K\u00f6ln stattfand und vom nova-Institut ausgerichtet wurde. Die Beteiligten erhielten Informationen aus erster Hand zu den Urspr\u00fcngen von Mikroplastik und dessen Auswirkungen auf die Umwelt. Auf dieser Basis wurde \u00fcber m\u00f6gliche L\u00f6sungen diskutiert \u2013 unter anderem biologisch abbaubare Kunststoffe f\u00fcr spezifische Anwendungen. Die Teilnehmer aus den verschiedensten Bereichen, etwa dem Meeres- und Umweltschutz, der Kunststoff- und Recyclingindustrie wie auch der Bio\u00f6konomie setzten sich sich an einen Tisch, tauschten sich in angeregten Diskussionen aus und lernten dabei viel voneinander.<\/strong><\/p>\n<h3>Herkunft von Mikroplastik<\/h3>\n<p>Studien zeigen immer wieder auf, dass der Gro\u00dfteil des in Ozeanen und Binnengew\u00e4ssern gefundenen Abfalls aus Kunststoffen besteht. Neben gr\u00f6\u00dferen Gegenst\u00e4nden wie Plastikflaschen und -t\u00fcten wird auch immer wieder Mikroplastik in Gew\u00e4ssern, Sedimenten, Meereis und an Str\u00e4nden der Weltmeere nachgewiesen. Als Mikroplastik werden Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser von unter 5 mm bezeichnet. Sie k\u00f6nnen als sekund\u00e4re Fragmente beim Abbau gro\u00dfer Kunststoffteile wie Verpackungsmaterial entstehen oder aus Fasern, die sich beim Waschen von Textilien l\u00f6sen. Sie k\u00f6nnen aber auch direkt in mikroskopischer Gr\u00f6\u00dfe als prim\u00e4re Kunststoffteilchen produziert werden. Dies schlie\u00dft auch Partikel ein, die in Kosmetika (als sogenannte \u201eMicrobeads\u201c) und anderen Anwendungen wie Strahl- und Waschmitteln sowie Reinigungsprodukten genutzt werden.<\/p>\n<p>Die weltweite Kunststoffproduktion wurde 2014 auf 311 Millionen Tonnen gesch\u00e4tzt \u2013 \u201eDer Anteil der europ\u00e4ischen Kunststoffindustrie hieran betr\u00e4gt ca. 20 %\u201c, sagt Dr. Ingo Sartorius vom Verband der Kunststofferzeuger PlasticsEurope, \u201eund diese Kunststoffe werden f\u00fcr zahlreiche Produkte im Verpackungswesen, Bau, der Elektronikbranche und anderen M\u00e4rkten verwendet\u201c. Kunststoffprodukte bieten zahlreiche M\u00f6glichkeiten zur Verbesserung der Ressourceneffizienz. Typische Beispiele daf\u00fcr sind Leichtbauteile im Transportwesen und W\u00e4rmed\u00e4mmung von K\u00fchlschr\u00e4nken oder H\u00e4usern. Prof. Dr. Christian Bonten (Universit\u00e4t Stuttgart) beschreibt deshalb die Abwertung von Kunststoffen als die Geschichte eines einstigen Werkstoffes unbegrenzter M\u00f6glichkeiten zu umweltgef\u00e4hrdenden Schadstoff und w\u00e4gt dabei die Unm\u00f6glichkeit unserer modernen Gesellschaft ohne Kunststoffe einerseits, gegen die Umweltprobleme, die Kunststoffprodukte andererseits verursachen k\u00f6nnen, ab. Auch wenn es noch viele Wissensl\u00fccken gibt, so geht man doch davon aus, dass rund 10 Millionen Tonnen Kunststoffabf\u00e4lle pro Jahr in die Meere gelangen. \u00dcber die Eintr\u00e4ge Binnengew\u00e4sser und B\u00f6den ist noch weniger bekannt.<\/p>\n<p>Viele Mikroplastik-Quellen konnten bereits identifiziert werden, z. B. Handseife, Zahnpasta, L\u00f6sungs- und Reinigungsmittel und sekund\u00e4re Quellen wie Reifenabrieb, Stra\u00dfenmarkierungen oder Granulate auf Spielpl\u00e4tzen. Eine Studie, die Eunomia f\u00fcr die Europ\u00e4ische Kommission durchf\u00fchrte, sch\u00e4tzt die j\u00e4hrliche Verschmutzung der Meeresumwelt durch Mikroplastik in Europa auf 25.000 bis 60.000 Tonnen Reifenabrieb, 25.000 bis 50.000 Tonnen Verluste von Pellets, 8.000 bis 52.000 Tonnen Textilfasern, 12.000 bis 30.000 Tonnen Fassadenfarben, 8.000 bis 18.000 Tonnen Stra\u00dfenmarkierung, 3 bis 9 Tonnen Kosmetika und weniger als 5 Tonnen Schiffsanstrich.<\/p>\n<figure id=\"attachment_31194\" aria-describedby=\"caption-attachment-31194\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-31194\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/15-11-24_Speaker_Roland_Essel_nova-300x200.jpg\" alt=\"Roland Essel (nova-Institut) diskutiert mit den Konferenzteilnehmern\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2015\/12\/15-11-24_Speaker_Roland_Essel_nova-300x200.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2015\/12\/15-11-24_Speaker_Roland_Essel_nova-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2015\/12\/15-11-24_Speaker_Roland_Essel_nova-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31194\" class=\"wp-caption-text\">Roland Essel (nova-Institut) diskutiert mit den Konferenzteilnehmern<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Diskussionen im Rahmen der Konferenz machten deutlich, dass es einen enormen Bedarf nach Forschung zur Quantifizierung der Quellen, zu Eintrittswegen und dem Schicksal von Mikroplastik in der Umwelt gibt. Roland Essel, Leiter der Nachhaltigkeitsabteilung des nova-Instituts fasst zusammen: \u201eMikroplastik aus kosmetischen Produkten spielt nur eine kleine, daf\u00fcr aber leicht zu vermeidende Rolle in der Verschmutzung der Umwelt. Wir k\u00f6nnen jedoch von einer tickenden Zeitbombe reden, da wir im Hinterkopf behalten m\u00fcssen, dass durch Abbauprozesse gr\u00f6\u00dfere Teile von Kunststoffabfall \u2013 die Hauptquelle von Verunreinigungen \u2013 nach und nach in Mikroplastik umgewandelt werden\u201c.<\/p>\n<h3>Folgen von Mikroplastik<\/h3>\n<p>Meeresverschmutzung ist bekannterma\u00dfen verantwortlich f\u00fcr negative Auswirkungen auf die Gesundheit von \u00fcber 600 Tierarten. \u00dcber die H\u00e4lfte der Spezies verschlucken Kunststoffteile oder verwickeln sich in ihnen. Die Bestandteile von Mikroplastik k\u00f6nnen giftig sein oder endokrine Wirkungen haben. Zudem k\u00f6nnten Meeresorganismen, die Mikropartikel aus Kunststoff zu sich nehmen, auch h\u00f6heren Dosen langlebiger organischer Schadstoffe ausgesetzt sein, die an der Oberfl\u00e4che von Mikroplastik haften. Dadurch besteht die Gefahr giftiger Stoffe, die sich im Nahrungsnetz ansammeln, eine Vielzahl von Tierarten und dadurch schlie\u00dflich Menschen sch\u00e4digen. Daher sieht Prof. Richard Thompson von der Universit\u00e4t Plymouth (UK) die Herausforderung dieses Jahrhunderts darin, \u201edie Vorteile von Kunststoffen zu wahren ohne die Umwelt durch die Abf\u00e4lle zu sch\u00e4digen.\u201c<\/p>\n<h3>L\u00f6sungen?<\/h3>\n<p>Es herrschte Einvernehmen dar\u00fcber, dass grunds\u00e4tzlich alle Kunststoffabf\u00e4lle gesammelt und stofflich recycelt oder energetisch verwertet werden sollten, weder die Endlagerung in Deponien noch die Entsorgung in die Umwelt seien akzeptabel. Auch biologisch abbaubare Kunststoffe sollten nie in die Meere entsorgt werden \u2013 insbesondere da die Abbaubedingungen in der marinen Umwelt generell ung\u00fcnstig und schwer einzusch\u00e4tzen sind. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des nova-Instituts, Michael Carus, warf ein, dass es eine Reihe von Kunststoffanwendungen gibt, \u201ebei denen die Erzeugnisse nach der Nutzung in die Umwelt gelangen und nicht gesammelt werden k\u00f6nnen, z. B. Microbeads in Kosmetika, Hygieneartikel, die durch die Kanalisation entsorgt werden, Fischereiger\u00e4te oder Produkte in der Land- und Forstwirtschaft. Biologische Abbaubarkeit k\u00f6nnte in diesem Bereich, aber nur hier, eine interessante Option sein.\u201c<\/p>\n<p>Schon jetzt gibt es Kunststoffe, die unter diversen Umweltbedingungen vollst\u00e4ndig biologisch abbaubar sind, einige davon auch im Meer. Auf der Konferenz legten f\u00fchrende Experten den Status Quo internationaler Standards, Normen und Label im Bereich biologischer Abbaubarkeit unter unterschiedliche Umweltbedingungen dar, beispielsweise f\u00fcr industrielle und private Kompostierung, B\u00f6den, S\u00fc\u00df- und Salzwasser. Dazu stellten mehrere Unternehmen innovative Werkstoffe f\u00fcr Spezialanwendungen wie Mulchfolien, Textilien oder Microbeads, die auf St\u00e4rke, Cellulose-Fasern oder dem neuen Biopolymer PHA basieren, vor. In den Debatten wurde immer wieder betont, welche gro\u00dfe Herausforderung es darstellt, Information und Kommunikation zu verbessern und jegliches Greenwashing zu vermeiden.<\/p>\n<p>Alle Sprecher waren sich darin einig, dass sogenannte \u201eoxo-abbaubare\u201c Kunststoffe Kunden in die Irre f\u00fchren und verboten werden sollten: Sie stellen keine L\u00f6sung des Problems dar, sondern sind im Gegenteil eine zus\u00e4tzliche Mikroplastik-Quelle. \u201eOxo-abbaubare\u201c Kunststoffe werden durch UV-Licht lediglich fragmentiert und werden zu kleinen Mikropartikeln, die nicht biologisch abbaubar sind, sondern f\u00fcr 400 \u2013 500 Jahre in der Umwelt bleiben, genau wie andere petrochemische Standardkunststoffe auch.<\/p>\n<p>Letztendlich besteht ein Gro\u00dfteil des Problems jedoch im menschlichen Verhalten. Und wie Ramani Narayan (Michigan State University, USA) es zusammenfasst: \u201eDie Meeresumwelt ist keine M\u00fcllhalde, Produkte sollten daher nicht zur Entsorgung im Meer konzipiert werden.\u201c Und: \u201eProdukte wie Microbeads sollten so designt werden, dass sie in Kl\u00e4ranlagen biologisch abgebaut werden k\u00f6nnen. Sie sollten die Meere also niemals erreichen.\u201c<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4sentationen der Konferenz \u201eMicroplastic in the Environment \u2013 Sources, Impacts &amp; Solutions\u201c sind erh\u00e4ltlich auf: <a href=\"http:\/\/bio-based.eu\/proceedings\" target=\"_blank\">http:\/\/bio-based.eu\/proceedings<\/a><\/p>\n<p>Pressemitteilung als PDF: <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/15-12-16-PM-Mikroplastik-in-der-Umwelt-Resultate-nova.pdf\">15-12-16 PM Mikroplastik in der Umwelt Resultate nova<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>English version: https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/micro-plastic-from-material-of-unlimited-opportunities-to-contaminants-in-the-environment 170 Teilnehmer aus 20 verschiedenen L\u00e4ndern zog es zur internationalen Konferenz und Ausstellung \u201eMicroplastic in the Environment\u201c, die am 23. und 24. November 2015 in K\u00f6ln stattfand und vom nova-Institut ausgerichtet wurde. 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Auf dieser [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":58,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572,7192],"tags":[10954],"supplier":[753,5933,781,9292],"class_list":["post-31187","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","category-novapress","tag-microplastics","supplier-michigan-state-university","supplier-plasticseurope","supplier-universitaet-stuttgart","supplier-plymouth-university"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31187","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/58"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31187"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31187\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31187"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31187"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31187"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=31187"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}