{"id":30993,"date":"2015-12-10T07:00:59","date_gmt":"2015-12-10T06:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=30993"},"modified":"2021-09-09T21:42:29","modified_gmt":"2021-09-09T19:42:29","slug":"umstrittene-technik-ccs-so-wird-die-kohle-nicht-sauber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/umstrittene-technik-ccs-so-wird-die-kohle-nicht-sauber\/","title":{"rendered":"Umstrittene Technik CCS &#8211; So wird die Kohle nicht sauber"},"content":{"rendered":"<p>CO<sub>2<\/sub> nicht in die Atmosph\u00e4re entlassen, sondern dauerhaft unterirdisch einlagern: Das k\u00f6nnte ein Weg sein, die Klimaerw\u00e4rmung aufzuhalten. Aber die Technik wird seit Jahren erprobt \u2013 mit eher ern\u00fcchternden Ergebnissen.<\/p>\n<p>Ein Vorzeigeprojekt sollte das Kraftwerk in Kemper County im US-Staat Mississippi werden. Der Welt wollte man zeigen, dass Kohle auch verbrannt werden kann, ohne klimasch\u00e4dliche Gase in die Luft zu blasen. Stattdessen dient die immer noch nicht fertiggestellte Anlage mittlerweile als Beweis daf\u00fcr, dass die Technik der CO2-Abscheidung- und Speicherung (Carbon Dioxide Capture and Storage; CCS) die in sie gesetzten Hoffnungen bisher nicht erf\u00fcllt hat.<\/p>\n<div class=\"hcf-detail-header-ad hcf-content\"><\/div>\n<p>Die Kosten f\u00fcr den Bau sind inzwischen auf 6,5 Milliarden Dollar gestiegen, drei Mal so viel wie urspr\u00fcnglich geplant. Kemper ist damit eines der teuersten Kraftwerke, die je gebaut wurden und trieb auch die Stromrechnungen f\u00fcr die 186.000 Kunden des Betreibers Mississippi Power in die H\u00f6he. Nach mehrfachen Verz\u00f6gerungen soll das Projekt nun am 30. Juni fertiggestellt sein, zwei Jahre sp\u00e4ter als vorgesehen.<\/p>\n<p>Mithilfe von CCS wird CO2, das bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe oder bei Industrieprozessen entsteht, in unterirdische Lagerst\u00e4tten gebracht. Die Technologie w\u00fcrde es der Welt erlauben, weiterhin Kohle, \u00d6l und Gas zu verbrennen, dabei aber deutlich weniger Treibhausgase zu produzieren als bisher.<\/p>\n<p>Doch trotz jahrzehntelanger Forschung und Pilotprojekten wartet CCS noch auf den Durchbruch. In j\u00fcngster Zeit kam es eher zu R\u00fcckschl\u00e4gen. So beendete Norwegen 2013 ein CCS-Projekt, das es zuvor mit der ersten Mondlandung verglichen hatte. Als Grund wurden die hohen Kosten genannt.<\/p>\n<p>Und am 25. November, nur wenige Tage vor dem Beginn der UN-Klimakonferenz in Paris, zog Gro\u00dfbritannien die Zusage \u00fcber eine Milliarden Pfund (rund 1,4 Milliarden Euro) f\u00fcr die Technologie zur\u00fcck. Zwei Projekte hatten sich um das Geld beworben, ihre Zukunft ist nun unklar.<\/p>\n<p>Die Kosten sind ein Problem, Widerstand von Umweltsch\u00fctzern ein anderes. Organisationen wie Greenpeace und WWF erkl\u00e4ren, der Klimaschutz m\u00fcsse sich darauf konzentrieren, dass Energie k\u00fcnftig zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne stamme, und nicht darauf, die Nutzung fossiler Brennstoffe zu verl\u00e4ngern. Die Internationale Energieagentur (IEA) und der Weltklimarat (IPCC) f\u00fchren dagegen an, ohne die CO2-Abscheidung sei das Ziel, die vom Menschen verursachte Klimaerw\u00e4rmung auf weniger als zwei Grad Celsius zu dr\u00fccken, nicht zu erreichen.<\/p>\n<p>In Paris d\u00fcrfte die Technologie nur am Rande Thema sein. Von den mehr als 170 L\u00e4ndern, die vor der Konferenz Aktionspl\u00e4ne einreichten, nannten nur acht CCS als m\u00f6gliche Ma\u00dfnahme zur Eind\u00e4mmung des Aussto\u00dfes von klimasch\u00e4dlichen Gasen.<\/p>\n<h2 class=\"vhb-article-headline\">Lippenbekenntnisse der Kohleindustrie<\/h2>\n<p>Derzeit sind 13 CCS-Projekte von gr\u00f6\u00dferem Ausma\u00df weltweit in Betrieb, die gemeinsam 26 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr sammeln, wie die IEA erkl\u00e4rt. Das ist weniger als ein Tausendstel der weltweiten CO2-Emissionen.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt Aktivit\u00e4ten auf dem Feld, aber es ist nicht das, was sich manche Organisationen erhofft hatten\u201c, sagt Juho Lipponen von der IEA. Er fordert wie viele Anh\u00e4nger von CCS mehr staatliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Technologie. Es m\u00fcsse teurer werden, die Treibhausgase in die Atmosph\u00e4re zu entlassen, als sie in den Boden zu bringen.<\/p>\n<p>In den vergangenen zehn Jahren wurden nach Angaben der IEA zw\u00f6lf Milliarden Dollar (rund elf Milliarden Euro) in gr\u00f6\u00dfere CCS-Projekte investiert. Rund 80 Prozent des Geldes stammte aus dem privaten Sektor, meist kam es von \u00d6l- und Gaskonzernen. Die Kohleindustrie dagegen preise zwar seit Jahren die Technologie, sei aber bisher nicht \u00fcber Lippenbekenntnisse hinausgekommen, erkl\u00e4rt Lipponen.<\/p>\n<p>Das will Benjamin Sporton, Vorsitzender des Kohleverbands WCA, so nicht stehenlassen. Die Industrie investiere in CCS-Projekte, so sei zum Beispiel gerade ein Kraftwerk in Tianjin in China im Bau. Die Technologie werde aber weiter Probleme haben, solange sie nicht genauso viel Unterst\u00fctzung von staatlicher Seite bekomme wie die erneuerbaren Energien. Die erhielten jedes Jahr 100 Milliarden Dollar.<\/p>\n<p>Von den tausenden Kohlekraftwerken weltweit ist bisher nur eins mit der CCS-Technologie ausgestattet: Boundary Dam in Saskatchewan in Kanada. Kemper County k\u00f6nnte das zweite werden.<\/p>\n<p>Boundary Dam nahm die Arbeit vor einem Jahr auf mit dem Versprechen, pro Jahr eine Million Tonnen CO2 aufzunehmen. Der Betreiber SaskPower erkl\u00e4rte jedoch, wegen technischer Probleme seien im ersten Jahr weniger als die H\u00e4lfte erzielt worden. Das sei aber nicht ungew\u00f6hnlich in der Startphase eines Projektes von dieser Gr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>Auch in Kanada liefen die Kosten aus dem Ruder: Urspr\u00fcnglich waren 1,2 Milliarden kanadische Dollar (rund 824 Millionen Euro) f\u00fcr das Kraftwerk geplant, doch die Rechnung stieg bis auf 1,47 Milliarden. F\u00fcr Kemper County waren einmal 1,8 Milliarden Dollar vorgesehen. Das war 2006. Als die Bauarbeiten 2010 begannen, waren die Kosten schon auf 2,9 Milliarden Dollar gestiegen.<\/p>\n<p>Um Steuervorteile nicht zu verlieren, begann Mississippi Power mit dem Bau, obwohl erst zehn Prozent der Entw\u00fcrfe fertig waren. Doch das Unternehmen untersch\u00e4tzte, wie viel Beton, Stahl, Rohre und Kabel n\u00f6tig waren und wie viele Arbeiter gebraucht wurden. Damit wurde es wieder teurer. Und ein Ingenieur der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde erkl\u00e4rte k\u00fcrzlich, bis zum 30. Juni werde das Kraftwerk wohl nicht fertiggestellt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CO2 nicht in die Atmosph\u00e4re entlassen, sondern dauerhaft unterirdisch einlagern: Das k\u00f6nnte ein Weg sein, die Klimaerw\u00e4rmung aufzuhalten. Aber die Technik wird seit Jahren erprobt \u2013 mit eher ern\u00fcchternden Ergebnissen. Ein Vorzeigeprojekt sollte das Kraftwerk in Kemper County im US-Staat Mississippi werden. Der Welt wollte man zeigen, dass Kohle auch verbrannt werden kann, ohne klimasch\u00e4dliche [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572,5571],"tags":[10743],"supplier":[2204,3345,967,2770],"class_list":["post-30993","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","category-co2-based","tag-useco2","supplier-greenpeace-international","supplier-intergovernmental-panel-on-climate-change-ipcc","supplier-international-energy-agency-iea","supplier-world-wildlife-fund-us-wwf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30993","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30993"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30993\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30993"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30993"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30993"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=30993"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}