{"id":30647,"date":"2015-11-30T07:29:28","date_gmt":"2015-11-30T06:29:28","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=30647"},"modified":"2015-11-27T09:34:11","modified_gmt":"2015-11-27T08:34:11","slug":"pflanzen-als-biofabriken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/pflanzen-als-biofabriken\/","title":{"rendered":"Pflanzen als Biofabriken"},"content":{"rendered":"<p><strong>Obst und Gem\u00fcse ist gesund. Das wei\u00df jedes Kind. Doch h\u00e4ufig m\u00fcssten wir pflanzliche Produkte in riesigen Mengen zu uns nehmen, um die richtige Dosis der hilfreichen Naturstoffe aufzunehmen. Forscher der Arbeitsgruppe von Dr. Alisdair Fernie am Max-Planck-Institut f\u00fcr molekulare Pflanzenphysiologie (MPI-MP) und um Prof. Cathie Martins vom John Innes Center, England, haben einen Weg aufgezeigt, wie Nutzpflanzen genutzt werden k\u00f6nnen, um Naturprodukte in gro\u00dfem Ma\u00dfstab herzustellen. Sie ver\u00f6ffentlichten ihre Studie k\u00fcrzlich im Wissenschaftsjournal \u201e<a href=\"http:\/\/www.nature.com\/ncomms\/2015\/151026\/ncomms9635\/full\/ncomms9635.html\" target=\"_blank\">Nature Communications<\/a>\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>Medizinisch relevante Stoffe in Pflanzen sind sogenannte sekund\u00e4re Inhaltsstoffe. Hierzu geh\u00f6ren z.B. Farbstoffe oder Abwehrstoffe gegen Fra\u00dffeinde. Diese Inhaltsstoffe sind h\u00e4ufig nicht nur f\u00fcr die Pflanze n\u00fctzlich, sondern auch hilfreich f\u00fcr den Menschen. Viele Heilpflanzen entfalten ihre Wirkung f\u00fcr uns auf diesem Weg.<\/p>\n<figure id=\"attachment_30648\" aria-describedby=\"caption-attachment-30648\" style=\"width: 246px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-30648 size-full\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/standard.jpg\" alt=\"standard\" width=\"246\" height=\"185\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-30648\" class=\"wp-caption-text\">Medizinisch relevanten Stoffe k\u00f6nnen in Tomaten angereichert werden, um Medikamente auf nat\u00fcrlicher Basis im industriellem Ma\u00dfstab herzustellen. (Saleh Alseekh, Max Planck Institute f\u00fcr Molekulare Pflanzenphysiologie)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zwei dieser Stoffe sind die Phenylpropanoide Resveratrol und Genistein. Resveratrol kommt nat\u00fcrlicherweise in Weintrauben vor und wirkte in verschiedenen Tierstudien lebensverl\u00e4ngernd. Genistein, ein in Sojabohnen vorkommender Sekund\u00e4rstoff, kann dagegen vorbeugend gegen verschiedene Krebsarten, wie Brustkrebs eingesetzt werden. Aber niemand kann t\u00e4glich 50 Flaschen Wein trinken oder 2,5 kg Sojabohnen essen, um diese Stoffe in einer wirksamen Menge aufzunehmen. Die Wissenschaftler suchten nun nach einem anderen Weg.<\/p>\n<p>Hierf\u00fcr untersuchten die Forscher zun\u00e4chst ein Gen, das f\u00fcr die Produktion des sogenannten AtMYB12 Proteins verantwortlich ist. Dieses Protein kann wiederum die Produktion der Phenylpropanoide steuern. F\u00fcr ihre Untersuchungen verwendeten die Wissenschaftler die Modelpflanze <em>Arabidopsis thaliana<\/em>, ein Unkraut, das fast \u00fcberall auf der Welt vorkommt. \u201eDieses Protein fungiert wie ein Schalter, der die Herstellung der sekund\u00e4ren Pflanzenstoffe an- und ausschalten kann\u201c, beschreibt Alisdair Fernie, Gruppenleiter am MPI-MP in Potsdam.<\/p>\n<p>In einem n\u00e4chsten Schritt brachten die Wissenschaftler dieses Protein in Tomatenpflanzen ein, um die Produktion der gew\u00fcnschten Naturstoffe in den Fr\u00fcchten anzuschalten. Dar\u00fcber hinaus war es n\u00f6tig weitere Gene f\u00fcr Enzyme aus der Weintraube oder der Sojabohne einzuschleusen, die es \u00fcberhaupt erm\u00f6glichen, diese Naturstoffe in Tomaten herzustellen. Den Forschern gelang es so einen bisher in Tomaten nicht vorhandenen Stoffwechselweg in die Tomatenpflanzen zu integrieren.<\/p>\n<p>Die Integration der Stoffsynthese in Tomaten ist von gro\u00dfem \u00f6konomischem Vorteil. Sie geh\u00f6ren zu den ertragreichsten Nutzpflanzen mit einer Fruchtproduktion von 500 Tonnen pro Hektar (FAOSTAT 2013) und eigenen sich somit besonders gut als \u201eBiofabrik\u201c f\u00fcr pflanzliche Stoffe. Die Tomaten k\u00f6nnen einfach geerntet und ausgepresst werden. Aus dem Saft werden dann die Stoffe direkt extrahiert, so dass sie in der Medizin als Medikamente eingesetzt werden k\u00f6nnen. Die Forscher k\u00f6nnen sich vorstellen, dass mit Hilfe dieser Technik auch weitere Stoffe in gro\u00dfem Ma\u00dfstab gewonnen werden k\u00f6nnen. Dieser Weg erscheint einfacher und schneller, als die Gewinnung im Labor oder die Gewinnung aus herk\u00f6mmlichen Pflanzen, die die Produkte nur in geringen Mengen herstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Originalver\u00f6ffentlichung<\/h3>\n<p>Yang Zhang, Eugenio Butelli, Saleh Alseekh, Takayuki Tohge, Ghanasyam Rallapalli, Jie Luo,\u00a0Prashant G. Kawar, Lionel Hill, Angelo Santino, Alisdair R. Fernie &amp; Cathie Martin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nature.com\/ncomms\/2015\/151026\/ncomms9635\/full\/ncomms9635.html\" target=\"_blank\">Multi-level engineering facilitates the production of phenylpropanoid compounds in tomato<\/a><\/p>\n<p>Nature Communications 6, Article number: 863, 26.10.2015, doi:10.1038\/ncomms9635<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obst und Gem\u00fcse ist gesund. Das wei\u00df jedes Kind. Doch h\u00e4ufig m\u00fcssten wir pflanzliche Produkte in riesigen Mengen zu uns nehmen, um die richtige Dosis der hilfreichen Naturstoffe aufzunehmen. 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