{"id":30365,"date":"2015-11-20T07:02:55","date_gmt":"2015-11-20T06:02:55","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=30365"},"modified":"2021-09-09T21:42:38","modified_gmt":"2021-09-09T19:42:38","slug":"aus-koksofengas-wird-backpulver","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/aus-koksofengas-wird-backpulver\/","title":{"rendered":"Aus Koksofengas wird Backpulver"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\"><strong>Aus Kohle Kekse zu machen &#8211; das ist theoretisch mit einer v\u00f6llig neuartigen Technologie m\u00f6glich, die im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts von der Kokerei Schwelgern (KBS), dem Anlagenbauer ThyssenKrupp Industrial Solutions und der Technischen Universit\u00e4t Berlin entwickelt wurde. Auf dem Werkgel\u00e4nde von ThyssenKrupp Steel Europe in Duisburg ist jetzt eine Pilotanlage in Betrieb genommen worden, die eine Substanz produziert, die tats\u00e4chlich auch als Backpulver einsetzbar ist. Im Vordergrund steht aber nicht, mit der Herstellung dieses sogenannten Hirschhornsalzes in die Lebensmittelindustrie einzusteigen. Vielmehr nutzt das Versuchsaggregat bestimmte Prozessgase, die bei der Herstellung von Koks ohnehin entstehen, und wandelt diese umweltschonend um. Daraus entstehen zum einen vermarktbare Stoffe wie D\u00fcngemittel und Treibmittel f\u00fcr die Chemieindustrie. Und: der CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df wird vermindert. Die Anlage ist die weltweit erste ihrer Art.<\/strong><\/p>\n<h3 class=\"bodytext\">Bahnbrechende Technologie wandelt Prozessgas in verwertbare Stoffe um<\/h3>\n<p class=\"bodytext\">\u201eKokereien gibt es auf der ganzen Welt. Wir wollen mit dem neu entwickelten Verfahren den Betreibern die Chance bieten, ihre Prozessgase sinnvoll weiterzuverwenden und die Produktivit\u00e4t ihrer Anlagen zu steigern\u201c, erl\u00e4utert Dr. Holger Thielert, Head of Gas Treatment Plant Department von ThyssenKrupp Industrial Solutions: \u201eHierf\u00fcr haben wir ein Verfahren entwickelt und patentiert, das Koksofengase ressourcenschonend in verwertbare Stoffe umwandelt. Dieses Verfahren k\u00f6nnen wir weltweit vermarkten oder auch in bestehenden Anlagen installieren.\u201c<\/p>\n<p>Am Anfang des neuen Verfahrens steht die Produktion von Koks, neben Eisenerz der Haupteinsatzstoff zur Herstellung von Roheisen im Hochofen. \u201eDabei wird in der Kokerei Kohle unter hohen Temperaturen \u201agebacken\u2018. Die in diesem Prozess entstehenden hei\u00dfen Gase f\u00fchren eine Reihe von Stoffen mit sich. In der Versuchsanlage wird nun in ein einem komplexen Verfahren das Koksofengas gewaschen. Unter Beigabe von Kohlenstoffdioxid entsteht Ammoniumbikarbonat \u2013 umgangssprachlich Hirschhornsalz\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Thielert. Die entstehenden Endprodukte sind vielf\u00e4ltig einsetzbar: als Stickstoffd\u00fcnger, als Treib- und Sch\u00e4umungsmittel f\u00fcr Kunststoffe oder por\u00f6se Keramiken und letztlich auch in der Nahrungsmittelindustrie.<\/p>\n<h3 class=\"bodytext\">Auf dem Weg zum Einsatz im Gro\u00dfma\u00dfstab<\/h3>\n<p class=\"bodytext\">Nach erfolgreichen Testl\u00e4ufen unter Laborbedingungen wurden zwei Forscher der Technischen Universit\u00e4t Berlin mit dem Bau der Pilotanlage in Duisburg beauftragt. \u201eDie entscheidenden Versuche k\u00f6nnen nur unter realen Bedingungen stattfinden\u201c, erl\u00e4utert Sebastian Riethof, Wissenschaftler von der TU Berlin. F\u00fcr die Testphase bietet die Kokerei Schwelgern als Teil des integrierten H\u00fcttenwerks von ThyssenKrupp Steel Europe in Duisburg optimale Bedingungen. \u201eL\u00e4uft hier auf der Kokerei alles wie geplant, kann das neue Verfahren auch im Gro\u00dfma\u00dfstab angewendet werden\u201c. Die ersten Ergebnisse waren vielversprechend: \u201e95 Prozent des im Koksofengases enthaltenen Ammoniaks k\u00f6nnen genutzt werden. Aus 15 Kubikmetern Koksofengas und zwei Kubikmetern Kohlenstoffdioxid entstehen so pro Stunde 15 Kilogramm Feststoffe\u201c, erl\u00e4utert Riethof die Effizienz der Anlage. Die Chemieprodukte k\u00f6nnen so zu marktf\u00e4higen Kosten hergestellt werden.<\/p>\n<h3 class=\"bodytext\">Pilotanlage verringert umweltschonend CO<sub>2<\/sub>-Emissionen<\/h3>\n<p class=\"bodytext\">Laufen die Tests weiter erfolgreich, w\u00e4re dies ein echter Durchbruch in Sachen Produktivit\u00e4t und Ressourceneffizienz \u2013 auch f\u00fcr die Kokerei Schwelgern: \u201eSchon jetzt werden hier in Duisburg nahezu alle anfallenden Prozessgase m\u00f6glichst effizient verwertet\u201c, erkl\u00e4rt KBS-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Peter Liszio. \u201eGelingt es uns jetzt noch langfristig, sowohl aus den Koksofengasen am Markt absetzbare Produkte f\u00fcr andere Industriezweige herzustellen und zugleich den CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df des H\u00fcttenwerks zu senken, w\u00e4re das ein echter Mehrwert, der auch der Umwelt zugutekommt.\u201c Deshalb k\u00f6nnten Idee und Anlagentyp bei positivem Fortschritt k\u00fcnftig auch weltweit zum Einsatz kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Kohle Kekse zu machen &#8211; das ist theoretisch mit einer v\u00f6llig neuartigen Technologie m\u00f6glich, die im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts von der Kokerei Schwelgern (KBS), dem Anlagenbauer ThyssenKrupp Industrial Solutions und der Technischen Universit\u00e4t Berlin entwickelt wurde. 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