{"id":29474,"date":"2015-10-21T07:02:57","date_gmt":"2015-10-21T05:02:57","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=29474"},"modified":"2021-09-09T21:43:22","modified_gmt":"2021-09-09T19:43:22","slug":"treibstoffe-aus-der-luft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/treibstoffe-aus-der-luft\/","title":{"rendered":"Treibstoffe aus der Luft"},"content":{"rendered":"<p>Eine Pilotanlage in Kanada kann der Umgebungsluft pro Tag rund 1 Tonne Kohlendioxid entziehen und soll bald Kerosin und Diesel daraus erzeugen. Eine L\u00f6sung f\u00fcr das Klimaproblem ist das jedoch noch nicht.<\/p>\n<p>In der kanadischen K\u00fcstenstadt Squamish kamen am vergangenen Freitag Regierungsvertreter, Umweltsch\u00fctzer und lokale Gr\u00f6\u00dfen zusammen, um den Auftakt von etwas feiern, das zu einer eigenen neuen Branche werden k\u00f6nnte: die Erzeugung von klimaneutralen Brennstoffen aus Kohlendioxid, das aus der Luft entnommen wurde.<\/p>\n<p>Das Unternehmen hinter der Anlage, Carbon Engineering, wurde von einem Wissenschaftler namens David Keith gegr\u00fcndet. Schon vorher hatte es der Physik-Professor in Harvard mit seinem entschiedenen Eintreten f\u00fcr mehr Forschung an Geoengineering zu Bekanntheit gebracht (konkret wollte er M\u00f6glichkeiten erforschen, Schwefels\u00e4ure in der unteren Stratosph\u00e4re auszubringen, um Sonnenlicht zu reflektieren und so den Planeten abzuk\u00fchlen). Bei Carbon Engineering achtet Keith jetzt jedoch sehr darauf, nicht zu viel zu versprechen: Die Anlage sei zwar in der Lage, pro Tag ungef\u00e4hr eine Tonne Kohlendioxid aus der Luft zu entfernen \u2013 keineswegs aber dazu vorgesehen oder in der Lage, die Menge der Treibhausgase in der Atmosph\u00e4re messbar zu verringern. Stattdessen ist die Motivation, Treibstoffe f\u00fcr Verkehrsmittel wie Flugzeuge oder schwere Busse und Lastwagen zu produzieren.<\/p>\n<p>Das System arbeitet mit einer Wand aus gro\u00dfen Ventilatoren, genannt Kontaktor, um Luft durch eine Fl\u00fcssigkeit zu bef\u00f6rdern, die mit dem enthaltenen Kohlendioxid reagiert. Die kohlendioxidreiche L\u00f6sung wird dann in mehreren Verarbeitungsschritten zu gasf\u00f6rmigem Kohlendioxid, die verbleibende Fl\u00fcssigkeit kommt zur\u00fcck in den Kontaktor. Dabei haben Keith und sein Team geschickt industrielle Prozesse kombiniert, die in anderen Branchen wie der Papierherstellung bereits genutzt werden.<\/p>\n<p>\u201eDas ist keine neue Technologie\u201c, sagt Keith.<\/p>\n<p>Zudem ist der Prozess der Treibstofferzeugung mit der Abtrennung des Kohlendioxids noch nicht beendet \u2013 damit Kohlenwasserstoffe entstehen, muss das Klimagas zun\u00e4chst noch mit Wasserstoff kombiniert werden. Bei diesem Vorhaben wird Carbon Engineering von der Provinzregierung von British Columbia finanziell unterst\u00fctzt: Das Unternehmen will einen Elektrolyseur installieren, der Wasserstoff aus Wasser gewinnt. Der entstehende Treibstoff soll sp\u00e4ter \u2013 in fr\u00fchestens einem Jahr \u2013 f\u00fcr Busse der Gesellschaft BC Transit genutzt werden.<\/p>\n<p>Das Gesamtsystem ist relativ energieintensiv. Damit es wirtschaftlich arbeitet, wird also fr\u00fcher oder sp\u00e4ter eine billige, kohlendioxidarme Stromversorgung ben\u00f6tigt, vermutlich \u00fcber Sonnenenergie.<\/p>\n<p>Zu den Investoren bei Carbon Engineering z\u00e4hlt unter anderem Bill Gates. Andere Unternehmen, darunter Climeworks aus der Schweiz, arbeiten ebenfalls an Systemen zum Einfangen von Kohlendioxid (wobei die meisten von ihnen Kohlendioxid in Feststoffen binden statt in Fl\u00fcssigkeiten). In der Vergangenheit wurden solche Technologien mit dem Argument beworben, sie k\u00f6nnten die Menge an Kohlendioxid in der Atmosph\u00e4re signifikant verringern und so den Klimawandel verlangsamen. Das aber ist einstweilen nur ein ferner Traum. Denn erstens sind derartige Systeme viel zu teuer, um sie im n\u00f6tigen gro\u00dfen Ma\u00dfstab einzusetzen \u2013 \u00e4hnlich wie bei CO2-Sequestrierung aus den Abgasen von fossilen Kraftwerken. Und zweitens ben\u00f6tigen sie selbst viel Energie f\u00fcr den Betrieb.<\/p>\n<p>Ein lebhafter Markt f\u00fcr Treibstoffe auf der Basis von Kohlendioxid aus der Luft k\u00f6nnte viel dazu beitragen, die Technologie wirtschaftlich interessanter zu machen, zumindest bei kleineren Systemen. Beim Verbrennen der Treibstoffe daraus w\u00fcrde nat\u00fcrlich wieder Kohlendioxid freigesetzt, doch anders als bei fossilen Treibstoffen w\u00fcrde sich die Gesamtmenge an Kohlendioxid in der Atmosph\u00e4re dadurch nicht erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Die Kosten f\u00fcr Treibstoff aus der Pilotanlage in Squamish im Vollbetrieb werden deutlich h\u00f6her sein als f\u00fcr konventionelle Varianten. Nach einer Hochskalierung und unter Nutzung von Sonnenenergie hofft Keith, auf Kosten von 1 Dollar pro Liter zu kommen (Kerosin f\u00fcr D\u00fcsenflugzeuge kostet derzeit rund 37 Cent pro Liter, Diesel knapp 1 Dollar). In ein paar Jahren k\u00f6nnte es so weit sein \u2013 oder auch nie. Mit der Er\u00f6ffnung der Pilotanlage hat zumindest die konkrete Erkundung dieser M\u00f6glichkeit begonnen.<\/p>\n<p>\u201eDas ganze Thema ist st\u00e4rker polarisiert als alles andere, an dem ich bislang gearbeitet habe\u201c, sagt Keith. \u201eIch hoffe, dass wir irgendwann zu einer Welt kommen, in der diese Technologie als normal angesehen wird. Sie ist keine magische Kugel, aber sie ist auch kein Bl\u00f6dsinn.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Pilotanlage in Kanada kann der Umgebungsluft pro Tag rund 1 Tonne Kohlendioxid entziehen und soll bald Kerosin und Diesel daraus erzeugen. Eine L\u00f6sung f\u00fcr das Klimaproblem ist das jedoch noch nicht. 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