{"id":29429,"date":"2015-10-20T07:03:18","date_gmt":"2015-10-20T05:03:18","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=29429"},"modified":"2015-10-15T15:48:35","modified_gmt":"2015-10-15T13:48:35","slug":"saubere-kosmetik-fuer-saubere-umwelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/saubere-kosmetik-fuer-saubere-umwelt\/","title":{"rendered":"Saubere Kosmetik f\u00fcr saubere Umwelt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Plastikpartikel in kosmetischen Pflegeprodukten sind ein Problem f\u00fcr die Umwelt: Sie gelangen \u00fcber das Abwasser ins Meer und so in die Nahrungskette. In einem Forschungsprojekt m\u00f6chten Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Werkstoffmechanik IWM in Halle zusammen mit Industriepartnern solche Mikroplastikpartikel in Zahncremes und K\u00f6rperpeelings durch biologisch abbaubare Stoffe ersetzen. Das Projekt im Rahmen des Spitzenclusters BioEconomy k\u00f6nnte nicht nur der Umwelt helfen, sondern auch neue Einsatzm\u00f6glichkeiten f\u00fcr nachwachsende Rohstoffe er\u00f6ffnen.<\/strong><\/p>\n<p>Viele Kosmetikprodukte wie K\u00f6rperpeeling oder Zahncreme enthalten kleinste Kunststoffteilchen, sogenannte Mikroplastikpartikel. Sie sorgen als \u00bbsanfte Abrasiva\u00ab daf\u00fcr, abgestorbene Hautschuppen zu entfernen und die Durchblutung der Haut anzuregen oder werden als Stabilisatoren eingesetzt \u2013 ihr Anteil an einem Produkt kann bis zu 90 Prozent betragen.<\/p>\n<p>Mikroplastikpartikel sind praktisch nicht biologisch abbaubar und mit einer Gr\u00f6\u00dfe unter 5 Millimetern in der Regel zu klein, um von Kl\u00e4ranlagen effektiv entfernt werden zu k\u00f6nnen. Somit gelangen die Partikel in die Umwelt. Im Meer gef\u00e4hrden sie die dort lebenden Organismen. Wegen dieser Folgen ist der Einsatz von Mikroplastikpartikeln in Kosmetikprodukten in einigen US-Bundesstaaten bereits verboten, auch auf EU-Ebene wird ein Verbot diskutiert. Etliche Hersteller haben deshalb bereits angek\u00fcndigt, den Einsatz von Mikroplastikpartikeln zu reduzieren und sind auf der Suche nach Ersatzstoffen.<\/p>\n<p>Dort setzt das Projekt KosLigCel an, das vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr Werkstoffmechanik IWM in Halle koordiniert wird. \u00bbF\u00fcr Mikroplastikpartikel in Kosmetikprodukten wird heute meist Polyethylen eingesetzt. Wir wollen stattdessen Partikel aus einem Naturprodukt nutzen: Cellulose, die aus Buchenholzresten hergestellt wird und die biologisch abbaubar ist. Wenn das gelingt, k\u00f6nnten wir dazu beitragen, die Umweltbelastungen durch Mikroplastikpartikel zu reduzieren\u00ab, sagt Projektleiterin Dr. Vanessa Sternitzke vom Fraunhofer IWM. Sie weist auf die Dimension des Problems hin: Im Jahr 2012 wurden laut einer Studie des United Nations Environment Programme allein in der EU 4300 Tonnen Mikroplastikpartikel in Pflegeprodukten eingesetzt.<\/p>\n<p>Im Projekt KosLigCel, das eine Laufzeit von zwei Jahren hat und zum Spitzencluster BioEconomy des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung geh\u00f6rt, sollen unter anderem ein K\u00f6rperpeeling und eine Zahncreme entwickelt werden. Projektpartner sind die CFF GmbH, ein Zellstoffverarbeiter aus Gehren (Th\u00fcringen), der f\u00fcr das Projekt Cellulose- und Ligninpartikel bereitstellt, sowie die Skinomics GmbH aus Halle, die vorrangig f\u00fcr die dermatologische Untersuchung der neuen Produkte zust\u00e4ndig ist.<\/p>\n<p>Die besondere Herausforderung liegt darin, genau die Gr\u00f6\u00dfe, Form, H\u00e4rte und Oberfl\u00e4chenstruktur der Partikel zu finden, die f\u00fcr die gew\u00fcnschten Eigenschaften sorgen und zugleich hautvertr\u00e4glich sind. Dazu soll die Cellulose aus Buchenholz speziell modifiziert und bis auf die Ebene der Mikrostruktur analysiert werden. Auch der Einsatz von Cellulose aus anderen Quellen, etwa Reststoffen der Hafer-, Weizen- und Maisproduktion, wird untersucht. Erstmalig wollen die Forscher auch den Einsatz von modifizierten schwefelfreien Organosolv-Ligninpartikeln in Kosmetikprodukten erproben.<\/p>\n<p>Es gibt bereits einzelne Versuche, Mikroplastikpartikel in Kosmetikprodukten durch andere Materialien wie Wachs, Salz oder Olivenkerne zu ersetzen. Doch bisher sind solche Ersatzstoffe nie materialwissenschaftlich bewertet worden. Das wollen die KosLigCel-Projektpartner erstmals leisten. \u00bbDie wissenschaftlichen Herausforderungen sind noch gro\u00df, um einen Ersatz f\u00fcr Polyethylen zu finden, der genauso gut wirkt, aber im Gegensatz zu Polyethylen im Wasser biologisch abbaubar ist und m\u00f6glichst kosteng\u00fcnstig hergestellt werden kann. Wir wollen m\u00f6glichst genau herausfinden, welche Kriterien f\u00fcr die gew\u00fcnschten Eigenschaften entscheidend sind. Wenn wir das wissen, k\u00f6nnen wir zuverl\u00e4ssig bewerten, welche Materialien besonders gut geeignet sind, Mikroplastikpartikel zu ersetzen\u00ab, erkl\u00e4rt Sternitzke den Ansatz.<\/p>\n<p>Im Idealfall k\u00f6nnte die Nutzung von Cellulose dabei auch weitere Einsatzfelder erschlie\u00dfen. Im Gegensatz zu Polyethylen nimmt der Zellstoff n\u00e4mlich auch Wasser und \u00d6l auf und k\u00f6nnte damit dazu beitragen, die Langzeitwirkung von Feuchtigkeitscremes zu verbessern. Auch als F\u00fcllstoff in Aluminium-freien Deodorants kommen die Cellulose-Partikel infrage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Plastikpartikel in kosmetischen Pflegeprodukten sind ein Problem f\u00fcr die Umwelt: Sie gelangen \u00fcber das Abwasser ins Meer und so in die Nahrungskette. 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