{"id":29033,"date":"2015-10-05T07:00:37","date_gmt":"2015-10-05T05:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=29033"},"modified":"2015-10-02T09:59:49","modified_gmt":"2015-10-02T07:59:49","slug":"eiweisse-aus-reis-rohstoff-statt-abfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eiweisse-aus-reis-rohstoff-statt-abfall\/","title":{"rendered":"Eiwei\u00dfe aus Reis \u2013 Rohstoff statt Abfall"},"content":{"rendered":"<p><strong>Extrahiert man Reisst\u00e4rke aus dem Reis, bleiben Eiwei\u00dfe zur\u00fcck. Ein wertvoller Rohstoff, der bislang von Reisst\u00e4rkeproduzenten teuer entsorgt wird. Ein neues Verfahren spaltet das Eiwei\u00df nun in kleinere St\u00fccke, in Peptide, und reinigt sie. Die Peptide wiederum k\u00f6nnten in Kosmetika und Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln wertvolle Dienste leisten.<\/strong><\/p>\n<p>Reis enth\u00e4lt viele wertvolle Bestandteile und dient weiten Teilen der Erdbev\u00f6lkerung als Grundnahrungsmittel. Zum \u00fcberwiegenden Teil besteht das Getreide aus St\u00e4rke. Diese wird von vielen Betrieben extrahiert und verkauft, etwa als gluten- und allergenfreie Babynahrung. Die Eiwei\u00dfe, die dabei \u00fcbrig bleiben, entsorgen die Hersteller vielfach \u2013 und das zu hohen Preisen. Dabei k\u00f6nnten die Eiwei\u00dfe aufgrund ihrer physiologischen Aktivit\u00e4t von gro\u00dfem Nutzen sein: etwa f\u00fcr Nahrungserg\u00e4nzungsmittel oder f\u00fcr Kosmetika. Sie sind ein reines Naturprodukt, und der K\u00f6rper kann sie gut aufnehmen.<\/p>\n<p>Im EU-Projekt BIORICE haben Forscherinnen und Forscher des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen gemeinsam mit europ\u00e4ischen Partnern nun ein Verfahren entwickelt, um diesen Rohstoff zu nutzen. \u00bbWir haben aus einem Nebenprodukt, das eigentlich Kosten verursacht, ein hochwertiges Produkt generiert, das in Nahrungsmitteln und Kosmetika genutzt werden kann\u00ab, sagt Dr.-Ing. J\u00fcrgen Gr\u00e4n-Heedfeld, Wissenschaftler am UMSICHT. \u00bbDas ist f\u00fcr diesen Rohstoff bislang einzigartig.\u00ab<\/p>\n<h3>Peptide \u2013 nach Gr\u00f6\u00dfe sortiert<\/h3>\n<p>Doch wie werden die Eiwei\u00dfe verarbeitet? Zun\u00e4chst spalten die italienischen Projektpartner von der Universit\u00e4t Bologna die Eiwei\u00dfe in Bruchst\u00fccke auf, die Peptide. \u00bbWir trennen diese Peptide der Gr\u00f6\u00dfe nach, wir sortieren sie quasi\u00ab, erl\u00e4utert Gr\u00e4n-Heedfeld. Dazu nutzen die Forscher verschiedene Membranen, die wie Filter wirken. Zun\u00e4chst filtern sie die Peptide, die in einer w\u00e4ssrigen Suspension vorliegen, \u00fcber eine Membran mit 0,2 Mikrometer gro\u00dfen Poren. Die gr\u00f6\u00dferen unverdauten Proteine, die man also selbst mit blo\u00dfem Auge erkennen kann, bleiben vor der Membran h\u00e4ngen. Die L\u00f6sung, die die Membran passiert hat, ist nun klar: Die darin enthaltenen Peptide sind zu klein, um sie mit dem Auge erkennen zu k\u00f6nnen. Diese L\u00f6sung schleusen die Wissenschaftler nun durch drei weitere Membranen. Das Ergebnis: Peptide in vier verschiedenen Gr\u00f6\u00dfenordnungen. Der Vorteil dieser Methode: Die Forscher setzen ausschlie\u00dflich auf physikalische Trennmethoden, es kommt keinerlei Chemie zum Einsatz. Das Endprodukt ist naturrein. Mittlerweile haben die Wissenschaftler das Verfahren erfolgreich auf gr\u00f6\u00dfere Ma\u00dfst\u00e4be \u00fcbertragen: Statt der anf\u00e4nglichen 15 bis 200 Milliliter arbeiten sie nun mit L\u00f6sungsmengen von bis zu 20 Litern.<\/p>\n<h3>Schonende Trocknung<\/h3>\n<p>In einem weiteren Schritt trocknen die Wissenschaftler die einzelnen Fraktionen \u2013 also die vier L\u00f6sungen, die nach der Filtration zur\u00fcckbleiben. Dazu nutzen sie das etablierte und schonende Verfahren der Gefriertrocknung, wie es auch f\u00fcr Himbeeren im M\u00fcsli angewandt wird, sowie die Spr\u00fchtrockung. Bei der Gefriertrocknung zieht ein Vakuum das Wasser aus dem Produkt heraus, der Wasserdampf wird an einem Kondensator gefroren. Dieses Verfahren ist extrem schonend, allerdings auch energieaufw\u00e4ndig. Die Spr\u00fchtrocknung belastet die Eiwei\u00dfe zwar etwas mehr, ist jedoch schneller: Eine D\u00fcse spr\u00fcht die L\u00f6sung in einen Hei\u00dfluftstrom. Dieser trocknet die Eiwei\u00dfst\u00fccke in Sekundenbruchteilen \u2013 zur\u00fcck bleibt das reine Peptid, das ein wenig an Milchpulver erinnert. \u00bbAuf diese Weise k\u00f6nnen wir im Labor Peptid-Mengen von 100 bis 200 Gramm leicht herstellen\u00ab, erkl\u00e4rt Gr\u00e4n-Heedfeld. Die Herausforderung lag vor allem darin, thermische Sch\u00e4digungen zu vermeiden und die Peptide stabil zu halten. Denn sie sind ein Naturprodukt, das sich leicht verf\u00e4rben oder gar schimmeln k\u00f6nnte. \u00bbDas Herstellungsverfahren umfasst viele Parameter. Um diese richtig einzustellen, braucht man viel Erfahrung und Expertise\u00ab, sagt Gr\u00e4n-Heedfeld.<\/p>\n<p>Die Peptide, die die Forscher mit ihrem Verfahren produzieren, sind g\u00e4nzlich neu: Sie stammen aus einem anderen Rohstoff als alle, die bereits auf dem Markt sind. Dennoch ist der K\u00f6rper bereits mit ihnen vertraut: Essen wir Reis, zerlegt der Magen diesen schlie\u00dflich auch \u2013 und zwar in die noch kleineren Aminos\u00e4uren, also in die einzelnen Bausteine der Peptide und Eiwei\u00dfe.<\/p>\n<p>Am Ende der Peptid-Herstellungskette steht derzeit ein klein- und mittelst\u00e4ndiges Unternehmen mit Sitz in der Schweiz und in Italien: Es wird die Peptide vermarkten. Bevor diese als Bestandteile von Cremes und Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln in die Supermarktregale wandern, stehen allerdings noch viele Untersuchungen und Analysen an \u2013 vor allem, was ihre Vertr\u00e4glichkeit und Wirkungsweise angeht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fraunhofer.de\/content\/dam\/zv\/de\/presse-medien\/2015\/Oktober\/ForschungKompakt\/fk10_2015_OKTOBER.pdf\">Gesamtausgabe Forschung Kompakt Oktober [ PDF\u00a0 0.35 MB ]<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Extrahiert man Reisst\u00e4rke aus dem Reis, bleiben Eiwei\u00dfe zur\u00fcck. Ein wertvoller Rohstoff, der bislang von Reisst\u00e4rkeproduzenten teuer entsorgt wird. Ein neues Verfahren spaltet das Eiwei\u00df nun in kleinere St\u00fccke, in Peptide, und reinigt sie. Die Peptide wiederum k\u00f6nnten in Kosmetika und Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln wertvolle Dienste leisten. 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