{"id":28500,"date":"2015-09-16T02:55:40","date_gmt":"2015-09-16T00:55:40","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=28500"},"modified":"2015-09-14T12:11:45","modified_gmt":"2015-09-14T10:11:45","slug":"unterschaetzter-rohstoff-forscher-plaedieren-fuer-gras-baeume-statt-erdoel-kohle-mais-co","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/unterschaetzter-rohstoff-forscher-plaedieren-fuer-gras-baeume-statt-erdoel-kohle-mais-co\/","title":{"rendered":"Untersch\u00e4tzter Rohstoff: Forscher pl\u00e4dieren f\u00fcr Gras &amp; B\u00e4ume statt Erd\u00f6l, Kohle, Mais &amp; Co."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_28503\" aria-describedby=\"caption-attachment-28503\" style=\"width: 285px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-28503\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/6978e7f5a3.jpg\" alt=\"Biomasse statt Erd\u00f6l | Bildquelle: Universit\u00e4t Hohenheim \/ PD\" width=\"285\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2015\/09\/6978e7f5a3.jpg 800w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2015\/09\/6978e7f5a3-300x225.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2015\/09\/6978e7f5a3-600x450.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-28503\" class=\"wp-caption-text\">Biomasse statt Erd\u00f6l | Bildquelle: Universit\u00e4t Hohenheim \/ PD<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Ob als Energietr\u00e4ger, D\u00e4mmstoff, Spanplatte, Plastikflasche oder Blumentopf: Mehrj\u00e4hrige Gr\u00e4ser, B\u00e4ume und andere Pflanzen r\u00fccken im wachsenden Bedarf nach alternativen Rohstoffen weltweit immer mehr in den Fokus. Wissenschaftler und Landwirte sehen in den mehrj\u00e4hrigen Pflanzen jedoch nicht nur eine alternative Ressource zu Erd\u00f6l, sondern eine M\u00f6glichkeit, versalzene und seit Jahren ungenutzte B\u00f6den auf der ganzen Welt sinnvoll zu nutzen und langfristig f\u00fcr die Nahrungsproduktion wieder fit zu machen. Die Produktion dieser alternativen Rohstoffe, die nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion stehen, sollte daher unterst\u00fctzt und ausgeweitet werden. Mehr Informationen unter <a href=\"http:\/\/www.biomass2015.eu\">www.biomass2015.eu<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Mais ist eine der Pflanzen, auf die Landwirte in j\u00fcngster Vergangenheit stark setzten. Je nach Sorte dienen Maisprodukte als Lebensmittel, als Tierfutter oder als Energietr\u00e4ger. Pro Hektar kann Mais 20\u201325 Tonnen Pflanzenmasse produzieren. Aufgrund dieser hohen Ertr\u00e4ge und seiner guten Verarbeitbarkeit ist er \u00f6konomisch interessant.<\/p>\n<p>Doch Mais ist auch stark in die Kritik geraten. Denn er ist anspruchsvoll. Mais<\/p>\n<ul>\n<li>braucht D\u00fcnger,<\/li>\n<li>verlangt gute B\u00f6den, die auch f\u00fcr die Nahrungsmittel-Produktion interessant w\u00e4ren, und<\/li>\n<li>beg\u00fcnstigt die Erosion, bei der fruchtbarer Oberboden abgeschwemmt oder weggeweht wird.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Riesengr\u00e4ser &amp; Co. sind gen\u00fcgsame Alternativen<\/h3>\n<p>Dass es bessere Alternativen gibt, belegen derzeit 130 Wissenschaftler und Praktiker auf der Perennial Biomass Crops Conference an der Universit\u00e4t Hohenheim. Seit gestern stellen sie aktuelle Forschungsergebnisse und Praxisversuche aus ganz Europa vor. Am kommenden Donnerstag wird die Tagung zu Ende gehen.<\/p>\n<p>Statt auf Mais setzen diese Pioniere auf Gras, B\u00e4ume und andere mehrj\u00e4hrige Pflanzen. Ihr Vorteil:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Wurzeln der Pflanzen reichen tiefer. Sie k\u00f6nnen deshalb auf B\u00f6den gedeihen, deren Oberb\u00f6den versalzen oder ausgelaugt sind, sowie unter Bedingungen von Trockenstress wachsen.<\/li>\n<li>In der Folge kommen sie auch gut mit B\u00f6den zurecht, die f\u00fcr Nahrungsmittelproduktion nicht in Frage kommen und m\u00fcssen deshalb nicht mit ihnen in Konkurrenz treten.<\/li>\n<li>Sie ben\u00f6tigen wenig D\u00fcnger und Pflanzenschutz und k\u00f6nnen bei geringem Aufwand einen hohen Biomasseertrag bilden.<\/li>\n<li>Au\u00dferdem stabilisieren sie die oberen Bodenschichten, verhindern Erosion und bauen wieder gesunden Boden auf.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Chinesisches Schilfgras ist besonders vielversprechend<\/h3>\n<p>Ein besonderer Liebling vieler Arbeitsgruppen: Miscanthus, auch Chinaschilf genannt.<\/p>\n<ul>\n<li>Das Riesengras ist anspruchslos und braucht kaum D\u00fcnger und Pflanzenschutzmittel.<\/li>\n<li>Es gibt stresstolerante Sorten, die auf versalzenen und marginalen B\u00f6den wachsen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Vor allem bringt das doppelt mannshohe Gras t\u00fcchtig Masse auf die Waage: Mit bis zu 25 Tonnen pro Hektar ist es kein bisschen weniger produktiv als Mais \u2013 und das \u00fcber Jahre hinweg und ohne die genannten Nachteile.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein kleiner Versuchsanbau liegt in Sichtweite von Schloss Hohenheim, wo die Wissenschaftler und Praktiker sich derzeit austauschen: Seit 20 Jahren wiegen sich dort die vier Meter hohen Halme im Wind. Gepflanzt hat sie Prof. Dr. Iris Lewandowski. Damals promovierte die Agrarwissenschaftlerin der Universit\u00e4t Hohenheim zu diesem Thema. Heute hat sie als Professorin den internationalen Kongress nach Hohenheim geholt.<\/p>\n<h3>Gras &amp; Co. k\u00f6nnen Rohstoff- und Nahrungsprobleme nicht l\u00f6sen \u2013 aber lindern<\/h3>\n<p>Die mehrj\u00e4hrigen Pflanzen k\u00f6nnen das Tank\/Teller-Problem zwar nicht endg\u00fcltig l\u00f6sen, sagt die Expertin ausdr\u00fccklich am Rande der Konferenz: \u201eDie Gr\u00e4ser und andere Pflanzen k\u00f6nnen die fossilen Rohstoffe nicht vollst\u00e4ndig ersetzen. Und auf guten B\u00f6den sollte Lebensmittelanbau immer Vorrang haben.\u201c<\/p>\n<p>Aber \u201edie mehrj\u00e4hrigen Gr\u00e4ser und Pflanzen k\u00f6nnen einen Beitrag zur Rohstoffversorgung leisten. Und unser Ziel ist es, marginale B\u00f6den sinnvoll zu nutzen und wieder f\u00fcr die Nahrungsmittelproduktion fit zu machen.\u201c<\/p>\n<h3>Appell an die Politik: Die richtigen Anreize zur Unterst\u00fctzung des Anbaus mehrj\u00e4hriger Pflanzen setzen<\/h3>\n<p>Dabei g\u00e4be es durchaus noch Forschungsbedarf. Drei Aspekte nennt Prof. Dr. Iris Lewandowski als besondere Herausforderungen:<\/p>\n<ul>\n<li>Neuz\u00fcchtungen f\u00fcr verschiedene Standorte: Bislang g\u00e4be es z.B. von Miscanthus nur eine einzige verwendbare Sorte. \u201eIn allen L\u00e4ndern sind deshalb Forscher dabei, Neuz\u00fcchtungen auszuprobieren, die die vielversprechenden Pflanzen f\u00fcr verschiedene Standorte optimieren.\u201c<\/li>\n<li>G\u00fcnstigerer Anbau: Gr\u00e4ser wie Miscanthus geh\u00f6ren zu den Pflanzen, die keine Samen produzieren. Das bedeutet, dass dieser zeit- und kostenaufwendig \u00fcber Pflanzenteile vermehrt werden muss. \u201eGerade an der Universit\u00e4t Hohenheim sind wir dabei, eine Sorte zu pr\u00fcfen, die auch \u00fcber Samen vermehrt werden kann.\u201c<\/li>\n<li>Risikominimierung f\u00fcr Landwirte: Gerade Landwirte richten sich stark nach dem Markt. Sie entscheiden jedes Jahr kurzfristig, welche Feldfrucht bei der Ernte den h\u00f6chsten Gewinn verspricht. \u201eDiese Flexibilit\u00e4t gibt es bei mehrj\u00e4hrigen Pflanzen nicht. Hier muss sich der Landwirt f\u00fcr wenigstens 20 Jahre festlegen. Auch Bepflanzungs-, Produktions- und Ernteverfahren m\u00fcssen noch optimiert werden.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>Deswegen sehen Prof. Dr. Lewandowski und die Teilnehmer der Perennial Biomass Crops Conference 2015 auch die Politik gefordert: \u201eDiese Art der Biomasseproduktion braucht Unterst\u00fctzung bei der Entwicklung kosteng\u00fcnstiger Anbauverfahren sowie bei der Produktion.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob als Energietr\u00e4ger, D\u00e4mmstoff, Spanplatte, Plastikflasche oder Blumentopf: Mehrj\u00e4hrige Gr\u00e4ser, B\u00e4ume und andere Pflanzen r\u00fccken im wachsenden Bedarf nach alternativen Rohstoffen weltweit immer mehr in den Fokus. 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