{"id":28253,"date":"2015-09-08T03:18:08","date_gmt":"2015-09-08T01:18:08","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=28253"},"modified":"2015-09-07T14:59:54","modified_gmt":"2015-09-07T12:59:54","slug":"aus-klaerschlamm-wird-synthesegas-und-biokohle-neue-perspektiven-fuer-kleine-gemeinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/aus-klaerschlamm-wird-synthesegas-und-biokohle-neue-perspektiven-fuer-kleine-gemeinden\/","title":{"rendered":"Aus Kl\u00e4rschlamm wird Synthesegas und Biokohle: Neue Perspektiven f\u00fcr kleine Gemeinden"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_28250\" aria-describedby=\"caption-attachment-28250\" style=\"width: 174px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-28250\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/20150826-3.jpg\" alt=\"20150826-3\" width=\"174\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2015\/09\/20150826-3.jpg 250w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2015\/09\/20150826-3-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 174px) 100vw, 174px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-28250\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Olivier Lepez<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die Kl\u00e4rschlammproduktion europ\u00e4ischer Abwasseraufbereitungsanlagen nimmt zu und landet trotz der darin enthaltenen organischen Substanzen und N\u00e4hrstoffe oft auf Deponien oder in Verbrennungsanlagen. Das Projekt PYROCHAR hat eine Technologie entwickelt, welche die Verwertung dieses Schlamms in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern erm\u00f6glicht \u2013 und all dies zu geringeren Kosten als Deponien und Verbrennungsanlagen bieten.<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts der Bodenverschlechterung, die landwirtschaftlich nutzbare Fl\u00e4chen in Europa bedroht, und der Tatsache, dass die EU zunehmend nach M\u00f6glichkeiten sucht, den von Abwasseraufbereitungsanlagen erzeugten Kl\u00e4rschlamm zu verwerten, w\u00e4re eine L\u00f6sung zur Produktion von Bodenverbesserern aus Kl\u00e4rschlamm zum Nutzen der Landwirte recht praktisch.<\/p>\n<p>Angenommen, Sie sind Teil einer kleinen Gemeinde ohne nahegelegene Anlage zur Kl\u00e4rschlammbehandlung. Der Transport des Kl\u00e4rschlamms zur n\u00e4chstgelegenen Verbrennungsanlage ist voraussichtlich zu teuer und Deponien werden von umweltbewussten B\u00fcrgern und EU-Beh\u00f6rden gleicherma\u00dfen immer weniger in Betracht gezogen. In einem solchen Szenario wird der Bedarf f\u00fcr eine Alternative immer dringlicher.<\/p>\n<p>Das Projekt PYROCHAR (PYROlysis based process to convert small WWTP sewage sludge into useful bioCHAR) k\u00f6nnte genau das sein, wonach Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern gesucht haben. Seit 2013 arbeitet das Projekt an der Entwicklung eines energie- und kosteneffizienten Verfahrens, um Kl\u00e4rschlamm mit thermo-chemischen Verfahren in n\u00fctzliche Biokohle (Kohle aus Pyrolyse) und Synthesegas umzuwandeln.<\/p>\n<p>Dr. Olivier Lepez, Vorsitzender und CEO von ETIA und Koordinator des PYROCHAR-Verfahrens, erkl\u00e4rt, wie diese Technologie das aktuelle Problem kleiner Gemeinden beim Umgang mit der zunehmenden Menge an Kl\u00e4rschlamm angehen wird, w\u00e4hrend Landwirte potenziell eine kostenfreie L\u00f6sung f\u00fcr die Aufbringung auf den Boden erhalten.<\/p>\n<h3>Was sind Ihrer Ansicht nach die Hauptprobleme, mit denen sich kleine Gemeinde konfrontiert sehen, was Anlagen zur Kl\u00e4rschlammbehandlung angeht?<\/h3>\n<p>Kleine Gemeinden mit einer Bev\u00f6lkerung von etwa 10.000 Einwohnern oder \u00e4hnliche Gemeinden sehen sich oft dem Problem gegen\u00fcber, dass sich die Schlammverbrennungsanlagen recht weit entfernt befinden, was bedeutet, dass der Transport des Kl\u00e4rschlamms und seine Verbrennung viel Geld kostet. Daher greifen diese Gemeinden oft auf Deponien zur\u00fcck, die zunehmend zu einem Problem werden. Viele L\u00e4nder haben Deponien n\u00e4mlich bereits verboten.<\/p>\n<p>Diesen Gemeinden dabei zu helfen, eine Alternative zu Deponien oder teurerer Verbrennung zu finden, ist unser gro\u00dfes Hauptanliegen. In Frankreich haben wir beispielsweise rund 18.000 Wasseraufbereitungsanlagen, von denen ca. 93 % von kleinen Gemeinden mit 10.000 oder weniger Einwohnern genutzt werden.<\/p>\n<h3>Wie tr\u00e4gt die PYROCHAR-Technologie zur L\u00f6sung dieses Problems bei?<\/h3>\n<p>Die PYROCHAR-Technologie ist eine vollentwickelte Technologie. Wasseraufbereitungsanlagen erzeugen normalerweise Schlamm, der anschlie\u00dfend in einer Zentrifuge verarbeitet wird. Ergebnis ist ein Schlamm mit ca. 80 % Feuchtigkeit und 20 % Trockensubstanz, die den einzigen resultierenden Ausgangsstoff bildet.<br \/>\nBei PYROCHAR ist das Trocknen des Schlamms jedoch nur der erste Schritt. In Gemeinden mit 10.000 Einwohnern oder \u00e4hnlichen Gemeinden betr\u00e4gt die durchschnittliche Durchflussrate etwa 100 kw\/h Nassschlamm. Dieser geht in einen Trockner, um 20 bis 22 kg Trockensubstanz zu erhalten, und diese durchl\u00e4uft wiederum einen Hochtemperatur-Pyrolyseprozess, um uns beim Quantifizieren zu helfen. Ungef\u00e4hr 50 % dieses Schlamms wird in Synthesegas mit einem Qualit\u00e4tswert von rund 17 Megajoule pro Kubikliter umgewandelt. Anschlie\u00dfend wird dieses Gas verbrannt, um Dampf zu erzeugen und die f\u00fcr den Trockner ben\u00f6tigte Energie zu erzeugen. Zum anderen erzeugen wir auch eine Biokohle, die je nach enthaltenen Schmutzstoffen potenziell als Bodenverbesserer oder Festbrennstoff verwertet werden kann.<\/p>\n<h3>Gibt es weitere M\u00f6glichkeiten, um das durch die PYROCHAR-Technologie erzeugte Synthesegas und die Biokohle zu verwerten?<\/h3>\n<p>F\u00fcr das Synthesegas gibt es zwei M\u00f6glichkeiten. Neben der Erzeugung von Dampf f\u00fcr den Trockner l\u00e4sst sich das Synthesegas auch verwenden, um einen Gasmotor zu befeuern, mit dem Elektrizit\u00e4t erzeugt wird, wenn der Kunde bereits seine eigene Energiequelle f\u00fcr den Trockner hat.<\/p>\n<p>Bei der Biokohle ist der Schmutzstoff ausschlaggebend. Kl\u00e4rschlamm kann mit Schwermetallen, Pharmazeutika oder chemischen Produkten verschmutzt sein. Obwohl uns der Pyrolyseprozess erlaubt, eine Biokohle zu erzeugen, die absolut steril ist (geruchslos, ohne Pathogene) und aus der alle organischen Molek\u00fcle verschwunden sind, kann sie noch einige Schwermetallr\u00fcckst\u00e4nde enthalten. In einem solchen Szenario kann die Biokohle nicht f\u00fcr die Landwirtschaft genutzt aber verbrannt werden: Sie hat noch einen Qualit\u00e4tswert von etwa 10 bis 15 Megajoule pro Kilogramm.<\/p>\n<p>Im Fall kleiner Gemeinden, bei denen in der Regel keine Industrie an die Wasseraufbereitungsanlage angeschlossen ist, ist der Schlamm wahrscheinlich nicht mit Schwermetallen verschmutzt, sodass die Biokohle einen guten D\u00fcnger oder Bodenverbesserer abgeben kann.<\/p>\n<h3>K\u00f6nnen sich kleine Gemeinden eine solche Technologie leisten?<\/h3>\n<p>Eines unserer Ziele ist es, einen wettbewerbsf\u00e4higen Preis zu erreichen. Wir m\u00f6chten eine L\u00f6sung bieten, die rund 50 bis 60 Euro pro Tonne Nassschlamm kostet. Deponien kosten heutzutage zwischen 60 bis 80 Euro pro Tonne und die Verbrennungskosten liegen je nach Land zwischen 100 bis 200 Euro pro Tonne.<\/p>\n<h3>Inwiefern kann Ihre Technologie Landwirten Nutzen bringen? M\u00fcssten sie f\u00fcr den Erhalt dieser Biokohle zahlen?<\/h3>\n<p>Die Gemeinde k\u00f6nnte einen gro\u00dfen sozialen Beitrag leisten, indem sie ihren Landwirten die M\u00f6glichkeit einr\u00e4umt, die Biokohle f\u00fcr ihre eigenen landwirtschaftlichen Betriebe zu nutzen, entweder kostenlos oder zu einem ausgehandelten Preis. Diese Entscheidung h\u00e4ngt vom Gesch\u00e4ftsmodell und der wirtschaftlichen Machbarkeit des Systems ab. Falls die einzige andere Alternative f\u00fcr die Gemeinde darin besteht, die Verbrennung f\u00fcr 200 Euro pro Tonne zu w\u00e4hlen, gibt es nat\u00fcrlich eine betr\u00e4chtliche Marge, die es realistisch macht, die Biokohle den Landwirten anzubieten. Wenn andererseits die Differenz zwischen aktuellem und potenziellem Preis viel geringer ist, dann muss die Gemeinde f\u00fcr diese Biokohle wom\u00f6glich einen gewissen Preis verlangen.<\/p>\n<h3>Wo stehen Sie bei der Entwicklung des Prototyps?<\/h3>\n<p>Wir haben fast alle in den Arbeitspaketen vorgesehenen Aufgaben abgeschlossen. Das Einzige, was es noch zu zeigen gilt, ist der an das Synthesegas angeschlossene Gasmotor. Wir haben bereits Tests mit Trocknern und mit einer Hochtemperatur-Pyrolyse durchgef\u00fchrt und wir haben das Synthesegas und die Biokohle analysiert. Nun m\u00fcssen wir alle Komponenten miteinander verbinden, was im Zeitraum August\/September geschehen wird. Zu guter Letzt werden wir die finalen Tests durchf\u00fchren, einschlie\u00dflich des Gasmotors im September\/Oktober.<\/p>\n<h3>Haben kleine Gemeinden Ihnen gegen\u00fcber bereits Interesse ge\u00e4u\u00dfert?<\/h3>\n<p>Wir haben das Verfahren noch nicht beworben und werden dies erst tun, wenn wir ausreichend Daten vorliegen haben. Wir stellen jedoch bereits erstes Interesse seitens kleiner Gemeinden fest. Die Verbreitungsma\u00dfnamen werden im Oktober starten und diese sollten uns viel \u00fcber das kommerzielle Potenzial unserer Technologie sagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Was sind Ihre Pl\u00e4ne nach Ende des Projekts?<\/h3>\n<p>Wenn alles wie erwartet funktioniert, ist die Idee, eine gr\u00f6\u00dfere Anlage f\u00fcr Demonstrationszwecke zu errichten und zu versuchen, ein Programm f\u00fcr die Industrialisierung und Kommerzialisierung vorzubereiten. Wir m\u00f6chten uns um die Horizont 2020-Finanzierung bewerben, aber nur mit einem vollst\u00e4ndigen Prototyp, der bereits validiert wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kl\u00e4rschlammproduktion europ\u00e4ischer Abwasseraufbereitungsanlagen nimmt zu und landet trotz der darin enthaltenen organischen Substanzen und N\u00e4hrstoffe oft auf Deponien oder in Verbrennungsanlagen. Das Projekt PYROCHAR hat eine Technologie entwickelt, welche die Verwertung dieses Schlamms in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern erm\u00f6glicht \u2013 und all dies zu geringeren Kosten als Deponien und Verbrennungsanlagen bieten. 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