{"id":27419,"date":"2015-08-06T02:37:20","date_gmt":"2015-08-06T00:37:20","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=27419"},"modified":"2021-09-09T21:44:22","modified_gmt":"2021-09-09T19:44:22","slug":"risiken-fuer-das-leben-in-den-ozeanen-verringern-chancen-fuer-carbon-dioxide-removal-cdr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/risiken-fuer-das-leben-in-den-ozeanen-verringern-chancen-fuer-carbon-dioxide-removal-cdr\/","title":{"rendered":"Risiken f\u00fcr das Leben in den Ozeanen verringern: Chancen f\u00fcr k\u00fcnstliche Entfernen von CO2 aus der Atmosph\u00e4re (CDR)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Treibhausgase aus dem Verbrennen von Kohle und \u00d6l verursachen nicht nur eine rasche Erw\u00e4rmung der Meere, sondern auch eine Versauerung des Wassers &#8211; und dies rascher als je in den vergangenen Jahrmillionen. Deshalb gibt es die Idee, k\u00fcnstlich CO<sub>2<\/sub> aus der Luft zur\u00fcck zu holen, um die Risiken f\u00fcr das Leben in den Ozeanen zu verringern. Geschieht dies aber zu sp\u00e4t, so n\u00fctzt es kaum noch etwas, wie eine neue Studie auf der Grundlage von Computer-Simulationen jetzt zeigt. Wenn die Emissionen in diesem Jahrhundert und dar\u00fcber hinaus weiter wie bisher zunehmen, so bliebe der Ozean noch auf Jahrhunderte hin stark ver\u00e4ndert &#8211; sogar wenn in der Atmosph\u00e4re die Menge von CO<sub>2<\/sub> irgendwann in der Zukunft wieder auf das vor-industrielle Niveau heruntergebracht w\u00fcrde. Daher k\u00f6nnen solche Ma\u00dfnahmen rechtzeitige Emissionsreduktionen nicht ersetzen, sondern nur erg\u00e4nzen.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eGeo-Engineering, also eine gro\u00dftechnische Manipulation des Erdsystems, wird derzeit als eine Art letzter Ausweg diskutiert, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu vermeiden \u2013 f\u00fcr den Fall, dass sich die Politik nicht rechtzeitig auf die Minderung des CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00dfes einigen kann, oder um den Umbau unseres Energiesystems zu verz\u00f6gern\u201c, sagt Leit-Autorin Sabine Mathesius vom GEOMAR Helmholtz Zentrum f\u00fcr Meeresforschung in Kiel und vom Potsdam-Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung (PIK). \u201eWenn wir uns aber die Ozeane anschauen, dann zeigt sich, dass dieser Ansatz erhebliche Risiken birgt.\u201c<\/p>\n<p>In Szenarien mit fr\u00fchzeitigen Emissionsreduktionen k\u00f6nnen diese durch das k\u00fcnstliche Entfernen von CO<sub>2<\/sub> aus der Atmosph\u00e4re (Carbon Dioxide Removal genannt, kurz CDR) erg\u00e4nzt werden. \u201eAber in einem Szenario mit zun\u00e4chst unverminderten Emissionen w\u00e4re der Ozean, selbst wenn wir den CO<sub>2<\/sub>-Gehalt der Atmosph\u00e4re sp\u00e4ter wieder auf das vorindustrielle Niveau bringen k\u00f6nnten, dann dennoch viermal saurer als vor der Industrialisierung\u201c, so Mathesius. \u201eEs w\u00fcrde viele Jahrhunderte brauchen, um das Gleichgewicht von Ozean und Atmosph\u00e4re wiederherzustellen.\u201c<\/p>\n<h3>Korallen und Muscheln: Versauerung kann \u00d6kosysteme sch\u00e4digen<\/h3>\n<p>Rund ein Viertel der vom Menschen verursachten CO<sub>2<\/sub>-Emissionen wurden bisher von den Ozeanen aufgenommen. Dies f\u00fchrt zu chemischen Reaktionen und damit zur Versauerung des Wassers. Langfristig kann dies Meereslebewesen wie Korallen oder Muscheln und Schnecken bedrohen, weil die Versauerung die Bildung von Kalkschalen und Skeletten beeintr\u00e4chtigt. Dies w\u00fcrde die Artenvielfalt und die Nahrungsketten gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>Deshalb wurde Hoffnung in CDR-Ma\u00dfnahmen zum Entfernen von CO<sub>2<\/sub> aus der Atmosph\u00e4re gesetzt. Dazu k\u00f6nnte man zum Beispiel schnell wachsende Pflanzen wie etwa Pappeln oder Gr\u00e4ser anbauen, die CO<sub>2<\/sub> aus der Luft aufnehmen und den Kohlenstoff in Halme oder St\u00e4mme einbauen. Diese k\u00f6nnten dann in Kraftwerken verbrannt werden, bei denen das freiwerdende CO<sub>2<\/sub> abgeschieden und unterirdisch gespeichert wird (CCS). Wie alle CDR-Technologien ist auch diese noch nicht im industriellen Ma\u00dfstab erprobt, und sie m\u00fcsste sorgf\u00e4ltig abgewogen werden gegen den Bedarf an Land f\u00fcr die Nahrungsproduktion.<\/p>\n<p>\u201eIn den Tiefen des Ozeans wird das chemische Echo noch Jahrtausende nachhallen\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir haben in einem Computer-Experiment simuliert, verschiedene Mengen von CO<sub>2<\/sub> aus der Luft wieder zu entfernen \u2013 einmal in realistischer Gr\u00f6\u00dfenordnung, und einmal\u00a0 mit 90 Milliarden Tonnen pro Jahr, was mehr als das Doppelte der derzeitigen j\u00e4hrlichen Emissionen und wahrscheinlich nicht machbar w\u00e4re\u201c, sagt Ko-Autor Ken Caldeira von der Carnegie Institution for Science in Stanford, USA. Er hatte an der Studie w\u00e4hrend eines Forschungsaufenthalts am PIK gearbeitet. Das Experiment wurde unabh\u00e4ngig davon angelegt, welche konkrete Technologie f\u00fcr die Herausnahme des CO<sub>2<\/sub> eines Tages tats\u00e4chlich verf\u00fcgbar ist. \u201eInteressanterweise zeigt sich, dass nach business-as-usual bis 2150 sogar das Herausholen enormer Mengen CO<sub>2<\/sub> aus der Atmosph\u00e4re den Ozeanen nicht so viel helfen w\u00fcrde,\u201c so Caldeira. \u201eWenn das versauerte Wasser durch die gro\u00dfen Str\u00f6mungen einmal in die Tiefe transportiert worden ist, ist es dort f\u00fcr viele Jahrhunderte au\u00dfer Reichweite, ganz egal wie viel CO<sub>2<\/sub> aus der Luft entfernt wird.\u201c<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler untersuchten auch die Zunahme der Temperaturen in den Ozeanen, und die Abnahme gel\u00f6sten Sauerstoffs. Sauerstoff ist f\u00fcr viele Organismen lebenswichtig. Die Erw\u00e4rmung verlangsamt zudem die Ozean-Umw\u00e4lzung und verringert die Durchmischung von Oberfl\u00e4chen- und Tiefenwasser, was den Transport von N\u00e4hrstoffen behindert. Zusammen mit der Versauerung setzen diese Ver\u00e4nderungen die Lebewesen in den Meeren stark unter Druck. Fr\u00fcher in der Erdgeschichte haben solche Ver\u00e4nderungen zu Massenaussterben gef\u00fchrt. Wie sich in Zukunft die Kombination aller drei Faktoren \u2013 Sauerstoffmangel, Erw\u00e4rmung, Versauerung \u2013 auf die Tiere und Pflanzen der Meere genau auswirkt, wissen die Forscher noch nicht.<\/p>\n<p>\u201eIn den Tiefen des Ozeans wird das chemische Echo der heute verursachten CO<sub>2<\/sub>-Emissionen noch Tausende von Jahren nachhallen\u201c, sagt Ko-Autor Hans Joachim Schellnhuber. \u201eWenn wir nicht rasch Emissionsreduktionen umsetzen, die der 2-Grad-Grenze entsprechen, dann wird es nicht m\u00f6glich sein, die Ozeane der Welt so zu erhalten, wie wir sie heute kennen.\u201c<\/p>\n<p>Artikel: Mathesius, S., Hofmann, M., Caldeira, K., Schellnhuber, H. J. (2015): Long-term response of oceans to CO<sub>2<\/sub> removal from the atmosphere. Nature Climate Change (online) [DOI:10.1038\/nclimate2729]<\/p>\n<p>Weblink zum Artikel: <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1038\/nclimate2729\">http:\/\/dx.doi.org\/10.1038\/nclimate2729<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Treibhausgase aus dem Verbrennen von Kohle und \u00d6l verursachen nicht nur eine rasche Erw\u00e4rmung der Meere, sondern auch eine Versauerung des Wassers &#8211; und dies rascher als je in den vergangenen Jahrmillionen. 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