{"id":26907,"date":"2015-07-07T02:10:57","date_gmt":"2015-07-07T00:10:57","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=26907"},"modified":"2021-09-09T21:44:47","modified_gmt":"2021-09-09T19:44:47","slug":"kraftstoff-und-chemikalien-aus-stahlwerksabgasen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kraftstoff-und-chemikalien-aus-stahlwerksabgasen-2\/","title":{"rendered":"Kraftstoff und Chemikalien aus Stahlwerksabgasen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Abgasmengen, die in Stahlwerken entstehen, sind gigantisch: Mehrere Millionen Tonnen Kohlendioxid treten beispielsweise allein aus den Schloten der Duisburger Stahlwerke aus. Fraunhofer hat ein Verfahren entwickelt, mit dem aus diesen Abgasen Kraftstoffe und Spezialchemikalien gewonnen werden k\u00f6nnen. Die Forscher fermentieren die Gase mit Hilfe genetisch ver\u00e4nderten Bakterienst\u00e4mmen zu Alkoholen und Aceton, setzen beide Stoffe katalytisch zu einem dieselartigen Zwischenprodukt um und stellen daraus Kerosin sowie Spezialchemikalien her. Beteiligt sind die Fraunhofer-Institute f\u00fcr Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME in Aachen, f\u00fcr Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen sowie f\u00fcr Chemische Technologie ICT in Pfinztal. Die Technologie ist w\u00e4hrend eines Fraunhofer-internen Projekts der Vorlaufforschung und in Einzelprojekten mit Industriepartnern entstanden. Aktuell funktioniert das patentierte Verfahren im Laborma\u00dfstab.<\/strong><\/p>\n<h3>Gesch\u00e4ftsmodell statt Problem<\/h3>\n<p>\u00bbAllein die Mengen an Kohlenstoff, welche in Form von Kohlendioxid aus den Duisburger Stahlwerken rauchen, w\u00fcrden aus unserer Sicht ausreichen, um den kompletten Kerosinbedarf einer gro\u00dfen Airline zu decken. Nat\u00fcrlich sind wir von dieser Vision noch ein St\u00fcck entfernt. Aber dass die Idee funktioniert und wirtschaftlich interessant sein k\u00f6nnte, haben wir im Laborma\u00dfstab gezeigt. Neben den Abgasen der Stahlherstellung k\u00f6nnen auch Synthesegas-\u00e4hnliche Gasgemische aus der Haus- und Industriem\u00fcll-Verbrennung f\u00fcr das entwickelte Verfahren genutzt werden\u00ab, so Stefan Jennewein vom IME, der das Projekt koordiniert.<\/p>\n<p>Die Biochemiker am IME nutzen Synthesegas \u2013 ein Gemisch aus Kohlenmonoxid, Kohlendioxid und Wasserstoff \u2013 als Kohlenstoffquelle f\u00fcr die Fermentation. Mit Bakterienst\u00e4mmen der Gattung <em>Clostridium<\/em> wandeln sie das Synthesegas entweder in kurzkettige Alkohole, wie Butanol und Hexanol, oder zu Aceton um. Das IME hat daf\u00fcr neue genetische Verfahren zur effizienten Integration gro\u00dfer Gencluster im Clostridien-Genom entwickelt. Gleichzeitig bauten die Forscher ihre Synthesegas-Fermentationsanlage weiter aus und nutzten sie f\u00fcr Versuche mit der Stahl- und Chemieindustrie.<\/p>\n<p>Die Chemiker um Axel Kraft am UMSICHT verdampfen die noch restwasserhaltigen Fermentationsprodukte und koppeln in einem kontinuierlichen katalytischen Prozess die Fermentationsmolek\u00fcle zu einem Zwischenprodukt, bestehend aus l\u00e4ngeren Alkoholen und Ketonen. Dieses Zwischenprodukt erf\u00fcllt bereits die Schiffsdieselnorm und l\u00e4sst sich durch Hydrieren, \u00e4hnlich wie Fette und \u00d6le, in Dieselkraftstoff f\u00fcr Fahrzeuge und Kerosin f\u00fcr Flugzeuge umwandeln. Kristian Kowollik aus der Abteilung Umweltengineering am ICT gewinnt aus dem Zwischenprodukt im Anschluss daran Spezialchemikalien, die erd\u00f6lbasierte Produkte schon jetzt direkt ersetzen k\u00f6nnen. Amine beispielsweise kommen in der Pharmaindustrie oder beim Herstellen von Tensiden und Farbstoffen zum Einsatz. \u00bbDie von uns k\u00fcnstlich hergestellten Produkte k\u00f6nnen sowohl als Kraftstoffe als auch f\u00fcr Spezialchemikalien eingesetzt werden. Genau wie das bislang mit Erd\u00f6l als Rohstoffquelle funktioniert\u00ab, so Jennewein.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Schritt wollen die Wissenschaftler zeigen, dass ihre Technologie auch mit gro\u00dfen Volumen funktioniert. \u00bbIn den n\u00e4chsten eineinhalb Jahren wollen wir die Prozesse noch besser verstehen und optimieren. Unser Ziel ist es, die Kraftstoffe f\u00fcr Zertifizierungsprozesse anzumelden. Dort wird ihre Praxistauglichkeit von offizieller Seite best\u00e4tigt. Das dauert f\u00fcr Fahrzeugdiesel etwa ein und f\u00fcr Kerosin etwa drei Jahre\u00ab, sagt Jennewein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Abgasmengen, die in Stahlwerken entstehen, sind gigantisch: Mehrere Millionen Tonnen Kohlendioxid treten beispielsweise allein aus den Schloten der Duisburger Stahlwerke aus. Fraunhofer hat ein Verfahren entwickelt, mit dem aus diesen Abgasen Kraftstoffe und Spezialchemikalien gewonnen werden k\u00f6nnen. 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