{"id":26776,"date":"2015-06-29T02:45:13","date_gmt":"2015-06-29T00:45:13","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=26776"},"modified":"2015-06-26T11:45:45","modified_gmt":"2015-06-26T09:45:45","slug":"biooekonomie-zwischen-irrweg-und-revolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biooekonomie-zwischen-irrweg-und-revolution\/","title":{"rendered":"Bio\u00f6konomie zwischen Irrweg und Revolution"},"content":{"rendered":"<p>24.06.2015\u00a0 &#8211; Erst Anfang Juli hat die Gruppe der sieben f\u00fchrenden Industriel\u00e4nder ehrgeizige Klimaziele festgesetzt und hierbei die Bio\u00f6konomie als einen Baustein auf diesem Weg genannt. Anderseits sind gro\u00dfe Teile der Wirtschaft noch immer erd\u00f6lbasiert und Klima- sowie Umweltpolitik hei\u00df diskutierte Themen. Bei einer \u00f6ffentlichen Podiumsdiskussion in Berlin kamen Ende Juni Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen, um \u00fcber aktuelle Herausforderungen bei der Umsetzung einer nachhaltigen Wirtschaft zu diskutieren. Ist die Bio\u00f6konomie ein Irrweg oder eine industrielle Revolution \u2013 dies war die Leitfrage der von der BIOCOM AG und dem Industrieverbund Wei\u00dfe Biotechnologie (IWBio) gemeinsam organisierten Veranstaltung.<\/p>\n<p>Schon zu Beginn der Veranstaltung wurden die aktuellen Herausforderungen in einem Film klar umrissen: So werden im Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben, die ern\u00e4hrt, bekleidet und untergebracht werden m\u00fcssen. Bis dahin sei die zur Verf\u00fcgung stehende landwirtschaftliche Fl\u00e4che jedoch um ein Drittel geschrumpft. Gleichzeitig jedoch gibt es in der Wirtschaft ein stetiges Wachstum \u2013 zuletzt mit rund 3,8 Prozent im Jahr \u2013 und damit einen wachsenden Bedarf an Rohstoffen. Dies wiederum belastet die Umwelt: Allein in den vergangenen 25 Jahren sei die Erd\u00f6lf\u00f6rderung um 33,8 Prozent gestiegen \u2013 und mit ihr auch der Aussto\u00df an sch\u00e4dlichen Klimagasen wie Kohlenstoffdioxid.<\/p>\n<p>G7-Ziele erfordern radikales Umsteuern<br \/>\nDass diese Entwicklung nicht so weitergehen kann, ist auf h\u00f6chster politischer Ebene inzwischen angekommen. Bereits Ende 2010 hat die Bundesregierung\u00a0 eine auf sechs Jahre angelegte Nationale Forschungsstrategie Bio\u00f6konomie aufgelegt, dar\u00fcber hinaus wurde 2013 eine Politikstrategie Bio\u00f6konomie beschlossen. Zudem hat sich die Gruppe der sieben f\u00fchrenden Industriel\u00e4nder (G7) bei ihrem j\u00fcngsten Zusammentreffen Anfang Juli in Elmau zur Bio\u00f6komomie bekannt. Bis 2050 sollen die globalen Kohlendioxid-Emissionen auf 30 Prozent der Menge von 2010 gedr\u00fcckt werden. Im Jahr 2100 schlie\u00dflich soll die Weltwirtschaft ganz ohne Erd\u00f6l, Kohle und Gas auskommen. \u201eUm dieses Ziel zu erreichen, ist ein radikales Umsteuern n\u00f6tig\u201c, sagte Boris Mannhardt, Vorstand der BIOCOM AG, in seiner Eingangsrede vor den rund 100 G\u00e4sten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die am 23. Juni zur Podiumsdiskussion in die Konrad-Adenauer-Stiftung nach Berlin gekommen waren. Denn: Nur 565 Milliarden Tonnen Kohlendioxid d\u00fcrften bis 2050 maximal ausgesto\u00dfen werden, wenn die Erderw\u00e4rmung auf zwei Grad Celsius begrenzt werden soll.<\/p>\n<p>Aber: Weltweit haben die Rohstoffproduzenten bereits Rohstoff-Lagerst\u00e4tten in ihre Bilanz genommen, die beim vollst\u00e4ndigen Verbrauch mehr als 745 Milliarden Tonnen Kohlendioxid freisetzen w\u00fcrden. W\u00fcrden alle heute bekannten Lagerst\u00e4tten ausgebeutet, stiege der Wert sogar auf 2.795 Milliarden Tonnen.\u201eLassen Sie uns herausarbeiten, welche Rolle die Bio\u00f6konomie bei der L\u00f6sung dieser Probleme spielen kann\u201c, gab Moderator Andreas Mietzsch, Gr\u00fcnder der BIOCOM AG und Herausgeber des Life-Sciences-Magazins |transkript als Ziel f\u00fcr die Diskussion vor. Eher n\u00fcchtern betrachtete Franz-Theo Gottwald, Autor des Buches \u201cIrrweg Bio\u00f6konomie\u201d, den Beitrag der Bio\u00f6konomie: \u201eEs w\u00e4re sch\u00f6n, wenn es gel\u00e4nge, eine politische Vorgabe, wie das Zwei-Grad-Ziel, Schritt f\u00fcr Schritt auch in konkrete wirtschaftspolitische Ma\u00dfnahmen umzusetzen. Es muss ein \u201aweg vom \u00d6l\u2019 geben. Aber, ob dass hei\u00dft \u201ahin zur Biomasse\u2019 das ist noch offen.\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u00dcberzeugt von der M\u00e4chtigkeit der Idee\u201c<br \/>\nWesentlich aufgeschlossener zeigte sich der Biotech-Unternehmer Holger Zinke, Vorstand der Brain AG. \u201eIch bin beseelt von dem Gedanken und \u00fcberzeugt von der M\u00e4chtigkeit der Idee\u201c, gab sich Zinke optimistisch und verwies auf die Aufgabe des Unternehmers, nach pragmatischen L\u00f6sungen f\u00fcr wirtschaftlichen Erfolg zu suchen. Dass die Wirtschaft \u2013 und hier inzwischen auch zahlreiche deutsche Firmen \u2013 bereits etliche biobasierte Produkte und Verfahren vorweisen kann, wurde gerade erst auf einer Ausstellung auf der ACHEMA zur \u201eBio\u00f6konomie im Alltag\u201c deutlich (mehr&#8230;). Ob Reifen aus L\u00f6wenzahn, Kleider aus Milchresten, Speiseeis aus Lupinenproteinen oder biobasierte Inhaltsstoffe f\u00fcr Kosmetika \u2013 zahlreiche Produkte haben inzwischen den Markt erreicht. Gleichwohl waren Experten vor zehn Jahren davon ausgegangen, dass die Biologisierung der Wirtschaft heutzutage schon weiter fortgeschritten ist. Andererseits, so Zinke, konnten sich auch Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeiten entwickeln, an die fr\u00fcher niemand gedacht h\u00e4tte. Zum Beispiel im Enzymbereich. So w\u00fcrden einige Firmen dort Ebit-Margen von mehr als 27 Prozent erreichen. \u201eDavon ist die Chemieindustrie weit entfernt\u201c, sagte Zinke.<\/p>\n<p>Nachhaltigkeit von Anfang bedenken<br \/>\nAn die Verantwortung der Unternehmer appellierte wiederum Martina Fleckenstein, Leiterin EU-Politik, Landwirtschaft und Biomasse bei der Umweltorganisation WWF: \u201eSie haben die M\u00f6glichkeit, die im Zuge der Diskussion um Biokraftstoffe gezogenen Lehren anzuwenden.\u201c Sie betonte, dass man von Anfang darauf achten m\u00fcsse, woher die Rohstoffe kommen, und wie sie angebaut werden. Nur so k\u00f6nnen eine echte Nachhaltigkeit im gesamten Wirtschaftskreislauf gew\u00e4hrleistet werden.<\/p>\n<p>Primat der Ern\u00e4hrungssicherheit<br \/>\nAuch die Tank-Teller-Betrachtung wurde bei der Podiumsdiskussion in Berlin angesprochen. \u201eEs muss ein absolutes Primat f\u00fcr die Ern\u00e4hrungssicherheit geben\u201c, sagte beispielsweise Ralf F\u00fccks, Vorstand der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung. Die industrielle Nutzung biogener Rohstoffe d\u00fcrfe erst an zweiter Stelle kommen. \u201eWir werden wieder eine st\u00e4rkere Verzahnung von Lebensmittelwirtschaft und Industrie sehen\u201c, lautete seine Prognose. Die Podiumsdiskussionsteilnehmer waren sich einig, dass die Bio\u00f6konomie hier passende Konzepte liefert: etwa bei der Kaskadennutzung und bei dezentralen Bioraffinerien. Gleichwohl seien noch weitere Forschungsanstrengungen n\u00f6tig.\u00a0 Gottwald kritisierte den oftmals zu engen Forschungsfokus auf biotechnologische High-Tech-L\u00f6sungen. \u201eEs wird nicht wirklich in agrar\u00f6kologische Forschung investiert. Hier braucht es ein schnelles Erwachen\u201c, gab er zu Bedenken.<\/p>\n<p>Bio\u00f6konomie ist Realit\u00e4t<br \/>\nAm Ende war klar: Es gibt eine gesellschaftliche Dynamik in Richtung Nachhaltigkeit, die auch von Seiten der Wirtschaft nicht ignoriert wird und auch nicht ignoriert werden kann. Die Rahmenbedingungen sind jedoch noch nicht klar umrissen. \u201eDie Weichen werden erst noch gestellt\u201c, sagte Fleckenstein. Immerhin gebe es auch in der Wirtschaft Lerneffekte aus den Erfahrungen mit Biokraftstoffen der ersten Generation. \u201eTypisches Merkmal einer Revolution ist, dass das eine oder andere ins Kraut schie\u00dft\u201c, bilanzierte Karl-Heinz Maurer, Vorsitzender des Mitveranstalters IWBio. Als gemeinsames Fazit wurde festgestellt: Die Bio\u00f6konomie ist nicht l\u00e4nger Vision, sondern bereits Realit\u00e4t. Sie zu gestalten, sei jedoch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>24.06.2015\u00a0 &#8211; Erst Anfang Juli hat die Gruppe der sieben f\u00fchrenden Industriel\u00e4nder ehrgeizige Klimaziele festgesetzt und hierbei die Bio\u00f6konomie als einen Baustein auf diesem Weg genannt. Anderseits sind gro\u00dfe Teile der Wirtschaft noch immer erd\u00f6lbasiert und Klima- sowie Umweltpolitik hei\u00df diskutierte Themen. 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