{"id":26759,"date":"2015-06-26T02:33:17","date_gmt":"2015-06-26T00:33:17","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=26759"},"modified":"2015-06-25T11:34:09","modified_gmt":"2015-06-25T09:34:09","slug":"komplexe-umsetzungsvorschriften-gefaehrden-ziele-des-nagoya-protokolls","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/komplexe-umsetzungsvorschriften-gefaehrden-ziele-des-nagoya-protokolls\/","title":{"rendered":"Komplexe Umsetzungsvorschriften gef\u00e4hrden Ziele des Nagoya-Protokolls"},"content":{"rendered":"<p><strong>24.06.2015 &#8211; Die Umsetzung des Nagoya-Protokolls in Europa droht den internationalen wissenschaftlichen Austausch biologischer Vielfalt erheblich zu behindern. Dies w\u00fcrde mittelfristig die Z\u00fcchtung neuer Pflanzensorten in der Landwirtschaft oder die Nutzung biologischer Prinzipien in Sektoren wie der Medizin, der Nahrungsmittel- oder der Chemiewirtschaft beeintr\u00e4chtigen.<\/strong><\/p>\n<p>Genau wie nachwachsende Rohstoffe z\u00e4hlen auch die nat\u00fcrliche genetische Vielfalt oder die Kenntnis biologischer Mechanismen zu den Grundlagen der Bio\u00f6konomie. Der Bio\u00f6konomierat unterst\u00fctzt nachdr\u00fccklich und uneingeschr\u00e4nkt den fairen Vorteilsausgleich zwischen Gebern und Nutzern genetischer Ressourcen, wie er in der UN-Biodiversit\u00e4tskonvention von 1992 und dem darauf aufbauenden Nagoya-Protokoll gefordert wird. Ein offener internationaler Austausch ist die Grundlage f\u00fcr Forschung und Entwicklung auf der Basis fairer Kooperationsabkommen. Sollten b\u00fcrokratische Anforderungen internationale Partnerschaften verhindern, w\u00fcrden die Ziele des Nagoya-Protokolls\u00a0 verfehlt. Forschung, die sich ausschlie\u00dflich mit der Sammlung, Evaluierung und Charakterisierung genetischer Ressourcen befasst, sollte von den Dokumentationspflichten der Verordnung entbunden werden, denn solche Forschung schafft \u00f6ffentliche G\u00fcter, die weltweit zug\u00e4nglich sein sollten.<\/p>\n<p>Die EU-Verordnung 511\/2014 ist viel zu b\u00fcrokratisch. Sie geht weit \u00fcber die im Nagoya-Protokoll niedergelegten Grunds\u00e4tze hinaus. Es zeichnet sich ab, dass umfangreiche Regulierungen dazu f\u00fchren, dass der Zugang zu genetischen Ressourcen f\u00fcr europ\u00e4ische Institute, Universit\u00e4ten und Unternehmen stark eingeschr\u00e4nkt wird. Dadurch w\u00fcrde nicht zuletzt L\u00e4ndern mit reicher Biodiversit\u00e4t die Chance auf einen gerechter Vorteilsausgleich verwehrt. Die neue EU-Verordnung zur Umsetzung des Nagoya-Protokolls erschwert weltweit den Austausch von genetischem Material f\u00fcr die Wissenschaft und Wirtschaft erheblich.<\/p>\n<p>Beispielsweise ist eine Weizensorte \u201eVeery\u201c des internationalen Weizen- und Maisforschungsinstitutes CIMMYT, ein Produkt aus 3170 Kreuzungen unter Einbeziehung von 51 Elternsorten aus 26 unterschiedlichen L\u00e4ndern. Sie wird in 36 L\u00e4ndern angebaut, u. a. weil sie besonders resistent gegen Pflanzenkrankheiten ist. Die Entwicklung einer solchen Sorte erfolgt \u00fcber viele Generationen und durch viele Z\u00fcchterh\u00e4nde. Nun m\u00fcsste als Voraussetzung weiterer Forschung und Z\u00fcchtung eine umfangreiche Dokumentation zur Herkunft einzelner Zuchtlinien f\u00fcr die Bewertung eines Vorteilsausgleichs erstellt werden. Z\u00fcchtern und Forschern fehlen jedoch die Informationen, um die Dokumentationsanforderungen der Verordnung erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Schon allein dieses Beispiel zeigt, dass die beschlossene Verordnung seitens Forschung und Wirtschaft nicht angewendet werden kann. Insbesondere mittelst\u00e4ndische Unternehmen k\u00f6nnen diesen B\u00fcrokratieaufwand nicht tragen.<\/p>\n<p><strong>Z\u00fcchtung:<\/strong> Die EU-Verordnung untergr\u00e4bt zudem den als Open-Source-System angelegten, seit Jahrzehnten bew\u00e4hrten internationalen Sortenschutz. Im Rahmen der Weiterz\u00fcchtung sind gesch\u00fctzte und neu gez\u00fcchtete, bereits vermarktete Sorten als genetische Ressource f\u00fcr die Weiterz\u00fcchtung frei verf\u00fcgbar. Ihre Nutzung ist nicht an Auflagen gekn\u00fcpft. Umfangreiche Nachweispflichten, wie in der EU-Verordnung gefordert, behindern Forschung und Verbesserung der Sorten und benachteiligen letztlich die Landwirte.<\/p>\n<p><strong>Forschung:<\/strong> Der freie, internationale Austausch genetischer Ressourcen ist die Grundlage der Forschung in den Bereichen Medikamente, Pflanzensorten, mikrobielle Antagonisten\u00a0 oder Nahrungsmittel mit Gesundheitsnutzen und f\u00fcr die erfolgreiche Entwicklung neuer Produkte. Jedoch ist der Begriff \u201eForschung\u201c in der EU-Verordnung 511\/2014 unpr\u00e4zise definiert. Dies erh\u00f6ht die Unsicherheit. Forschung, die sich ausschlie\u00dflich mit der Sammlung, Evaluierung und Charakterisierung genetischer Ressourcen befasst, selbst aber keine genetischen Ressourcen (weiter-)entwickelt, sollte von den detaillierten Dokumentationspflichten der Verordnung entbunden werden. Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt zudem, inwieweit \u00f6ffentliche wissenschaftliche Einrichtungen \u00fcberhaupt Haftung f\u00fcr die Einhaltung der Regeln \u00fcbernehmen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Der Bio\u00f6konomierat bef\u00fcrchtet, dass die Anforderungen der Verordnung in ihrer jetzigen Form zu einer Einschr\u00e4nkung der Nutzung genetischer Vielfalt in Forschung und Z\u00fcchtung f\u00fchren. Damit w\u00fcrde auch der darauf basierende sp\u00e4tere Vorteilsausgleich nicht stattfinden. Die Verordnung geht damit an der Intention des Nagoya-Protokolls vorbei. Die nachteiligen Folgen werden mittelfristig vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern zu sp\u00fcren sein, deren Interessen eigentlich mit dem Protokoll bzw. der Verordnung gest\u00e4rkt werden sollen.<\/p>\n<h3>\u00dcber das Nagoya-Protokoll:<\/h3>\n<p>Das Nagoya-Protokoll (Nagoya Protocol on Access to Genetic Resources and the Fair and Equitable Sharing of Benefits Arising from Their Utilization) regelt v\u00f6lkerrechtlich den Zugang zu genetischen Ressourcen und den gerechten Vorteilsausgleich. Damit soll sichergestellt werden, dass ressourcenreiche Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder Anteil an den kommerziellen Vorteilen haben, die Wissenschaft und Wirtschaft durch Nutzung genetischer Ressourcen erzielen. Das Nagoya-Protokoll wurde im Rahmen der <a href=\"https:\/\/www.cbd.int\/\">UN-Konvention \u00fcber biologische Vielfalt<\/a> (CBD) im Jahr 2010 beschlossen. Die EU hat das Protokoll im Juli 2014 ratifiziert. Die Voraussetzungen f\u00fcr die Umsetzung des Nagoya-Protokolls in der Europ\u00e4ischen Union wurden nun (Oktober 2014) durch die EU-Verordnung 511\/2014 geschaffen. Der Deutsche Bundestag befasst sich derzeit mit einer Gesetzesvorlage zur \u00dcbernahme der EU-Verordnung in nationales Recht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>24.06.2015 &#8211; Die Umsetzung des Nagoya-Protokolls in Europa droht den internationalen wissenschaftlichen Austausch biologischer Vielfalt erheblich zu behindern. Dies w\u00fcrde mittelfristig die Z\u00fcchtung neuer Pflanzensorten in der Landwirtschaft oder die Nutzung biologischer Prinzipien in Sektoren wie der Medizin, der Nahrungsmittel- oder der Chemiewirtschaft beeintr\u00e4chtigen. 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