{"id":26744,"date":"2015-06-25T02:23:49","date_gmt":"2015-06-25T00:23:49","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=26744"},"modified":"2021-09-09T21:45:19","modified_gmt":"2021-09-09T19:45:19","slug":"power-to-gas-eine-loesung-fuer-das-stromspeicherproblem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/power-to-gas-eine-loesung-fuer-das-stromspeicherproblem\/","title":{"rendered":"Power-to-Gas &#8211; eine L\u00f6sung f\u00fcr das Stromspeicherproblem?"},"content":{"rendered":"<p>Strom aus Windkraft und Photovoltaik steht nicht jederzeit in ausreichendem Ma\u00dfe zur Verf\u00fcgung. Zu manchen Zeiten liefern beide Quellen jedoch ein \u00dcberangebot, welches die Preise an der Stromb\u00f6rse massiv dr\u00fcckt. Daher werden dringend kosteng\u00fcnstige Speicher gesucht.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang wird derzeit wieder einmal die Idee von Power-to-Gas in den Vordergrund ger\u00fcckt. Die Hoffnung auf staatliche F\u00f6rdermittel und Steuervorteile scheint dabei der derzeit wichtigste Aspekt zu sein, denn obwohl die grunds\u00e4tzliche technische Machbarkeit gekl\u00e4rt ist, fehlt bislang noch die Sicherheit, dass die Elektrolyseanlagen auch mit einem stark schwankenden Stromangebot langfristig zuverl\u00e4ssig funktionieren.<\/p>\n<p>Die chemische Speicherung von elektrischem Strom in Akkumulatoren ist eine seit langem ausgereifte Technik und wird in Anlagen zur unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV), wie sie in Rechenzentren oder sicherheitskritischen Anlagen in der Chemieproduktion installiert sind, seit viele Jahren erfolgreich eingesetzt.<\/p>\n<p>Akkuspeicher sind f\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Lade- und Entladevorg\u00e4nge im Tagesgang jedoch auf Dauer zu teuer, weil sie nur f\u00fcr eine begrenzte Zahl von Zyklen nutzbar sind, bevor sie im Falle von Blei-Akkus recycelt werden m\u00fcssen. Lithium-Akkus stehen zwar mehr Zyklen durch, sind jedoch deutlich teurer und lassen sich nur aufwendig recyceln, wobei etwa die H\u00e4lfte nur verbrannt werden kann.<\/p>\n<p>Pumpspeicherkraftwerke stellen derzeit in Deutschland die einzige gro\u00dftechnisch verf\u00fcgbare Speicherkapazit\u00e4t. Sie wurden jedoch errichtet, um als Notfallreserve kurzfristig einzuspringen, wenn ein gro\u00dfer thermischer Kraftwerksblock ausf\u00e4llt, bis das Reservekraftwerk den Strombedarf decken kann. Alle Speicher zusammengenommen k\u00f6nnen den Strombedarf f\u00fcr weniger als eine Stunde decken. Ein weiterer Ausbau von Pumpspeicherkraftwerkskapazit\u00e4ten k\u00f6nnte hier in die Bresche springen, st\u00f6\u00dft bei Landschafts- und Natursch\u00fctzern auf Widerstand.<\/p>\n<p>Mit Power-to-Gas glaubt man eine ziemlich perfekte L\u00f6sung f\u00fcr die Stromspeicherproblematik gefunden zu haben, denn das deutsche Gasnetz verf\u00fcgt derzeit \u00fcber eine Speicherkapazit\u00e4t von etwa 210 TWh. Mit einer Einspeisung in das vorhandene Erdgasnetz beabsichtigt man die Erdgasinfrastruktur mit seinen vorhandenen Speicherm\u00f6glichkeiten einschlie\u00dflich der Netzatmung zu nutzen.<\/p>\n<p>Die bestehende gastechnische Infrastruktur ist jedoch f\u00fcr eine Gaslieferung in eine Richtung ausgelegt und mit der Dynamik eines Power-to-Gas-Systems \u00fcberfordert. Die ist nicht das einzige bestehende Problem. Beim Power-to-Gas-Prozess wird zuerst Wasserstoff erzeugt, der dann mit CO2 zu Methan umgewandelt wird. In den Versuchsanlagen wurde CO2 aus der Luft gewonnen, f\u00fcr eine industrielle Umsetzung beabsichtigt man CO2 zu nutzen, das beispielsweise aus den Abgasen von thermischen Kraftwerken oder bei der Produktion von Bio-Erdgas abgetrennt wurde.<\/p>\n<p>Das Kernproblem bei der Umsetzung von Power-to-Gas besteht darin, dass das so erzeugte Gas gegen\u00fcber konventionellem Erdgas zu teuer und damit nicht wirtschaftlich herzustellen ist. Die Wirtschaftlichkeit will die bei der halbstaatlichen Deutschen Energie-Agentur (dena) im Bereich Energiesysteme und Energiedienstleistungen angesiedelte Strategieplattform Power to Gas jetzt mit Hilfe von konkreten Handlungsempfehlungen f\u00fcr die Politik erreichen. Und diese f\u00fcnf aufgef\u00fchrten &#8220;Stellschrauben auf dem Weg zur Marktreife&#8221; haben es durchaus in sich: Man will, dass der energiewirtschaftliche Rahmen so ver\u00e4ndert wird, dass sich Gas, das mit Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wurde, mit Gewinn verkaufen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Dazu sollen Wasserstoff und Methan aus erneuerbaren Energien als Biokraftstoffe anerkannt werden. Hierzu soll im Bundesimmissionsschutzgesetz (BimSchG) die Liste der Biokraftstoffe erg\u00e4nzt werden um erneuerbare Kraftstoffe, die nicht aus Biomasse, sondern mittels erneuerbaren Stroms hergestellt werden. Dies w\u00fcrde in der Praxis jedoch eine Doppelf\u00f6rderung bedeuten. Erst wird die Stromerzeugung aus Erneuerbaren gef\u00f6rdert und dann die Gaserzeugung mit Hilfe des subventionierten Stroms.<\/p>\n<p>Die zweite vorgeschlagene Ma\u00dfnahme will Anreize zur Flexibilisierung des Stromsystems schaffen. Und hier will man das Verg\u00fctungssystem des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) \u00e4ndern, das keine Anreize setzt, um Strom zu speichern. Denn erneuerbarer Strom wird auch dann verg\u00fctet, wenn er gar nicht verbraucht oder in das Netz eingespeist werden kann. Diese Regelung gelte es zu \u00fcberarbeiten, um einen Anreiz f\u00fcr die Stromspeicherung zu schaffen.<\/p>\n<p>Eine solche \u00c4nderung des Verg\u00fctungssystems lie\u00dfe sich jedoch nur f\u00fcr Neuanlagen durchsetzen. Zudem m\u00fcsste das System Power-to-Gas dann noch um den Schritt Gas-to-Power erg\u00e4nzt werden. Und hierbei konkurriert das synthetische Gas wieder mit dem verf\u00fcgbaren Erdgas. Wenn Gaskraftwerke, die mit konventionellem Erdgas betrieben werden, heute schon oft nicht wirtschaftlich betrieben werden k\u00f6nnen, dann wird es mit synthetischem Bio-Erdgas h\u00f6chstens dann machbar, wenn man das Erdgasangebot k\u00fcnstlich verknappt, indem man beispielsweise den Gasbezug aus Russland Sanktionen unterwerfen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die dritte erw\u00e4hnte Stellschraube zur F\u00f6rderung der Markteinf\u00fchrung von erneuerbarem Wasserstoff und Methan bis zum Jahre 2022 betrifft zus\u00e4tzliche gesetzliche Ma\u00dfnahmen wie eine schnelle nationale Umsetzung der in Br\u00fcssel in Bezug auf die Treibhausgasminderungsquote formulierten Mehrfachanrechnung erneuerbarer Gase im Kraftstoffmarkt.<\/p>\n<p>Mit der Forderung, die Steuererm\u00e4\u00dfigung f\u00fcr Erdgas und Autogas als Kraftstoff \u00fcber das Jahr 2018 zu verl\u00e4ngern, wird man dem Einsatz von synthetisch erzeugtem Gas im Wettbewerb mit nat\u00fcrlichem Erdgas wiederum kaum helfen k\u00f6nnen. Auch der f\u00fcnfte Punkt, der eine Befreiung von Energiespeichern von Letztverbraucherabgaben fordert, verbessert die Lage f\u00fcr Power-to-Gas-Systeme nicht. Dies gilt vor allem dann, wenn man das Speichersystem auf den Strommarkt bezieht, also auch eine R\u00fcckverstromung mit einrechnen muss.<\/p>\n<p>Mit faktisch subventioniertem Strom aus Photovoltaik und Windkraft synthetisches Erdgas zu erzeugen, das man wiederum mit Subventionen und Steuervorteilen in den Markt dr\u00fccken muss, damit es absetzbar ist, und dann damit preiswerteres Erdgas zu verdr\u00e4ngen, dessen Verstromung sich heute schon nicht mehr lohnt, klingt nicht gerade so, als verspr\u00e4che es ein Erfolgsmodell zu werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Strom aus Windkraft und Photovoltaik steht nicht jederzeit in ausreichendem Ma\u00dfe zur Verf\u00fcgung. Zu manchen Zeiten liefern beide Quellen jedoch ein \u00dcberangebot, welches die Preise an der Stromb\u00f6rse massiv dr\u00fcckt. 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