{"id":26546,"date":"2015-06-12T03:12:39","date_gmt":"2015-06-12T01:12:39","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=26546"},"modified":"2015-06-11T10:47:54","modified_gmt":"2015-06-11T08:47:54","slug":"bremer-start-up-entwickelt-biologisch-abbaubare-kaffee-kapseln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bremer-start-up-entwickelt-biologisch-abbaubare-kaffee-kapseln\/","title":{"rendered":"Bremer Start-up entwickelt biologisch abbaubare Kaffee-Kapseln"},"content":{"rendered":"<p>Zweieinhalb Milliarden Kaffeekapseln wurden 2014 in Deutschland verkauft, ein Gro\u00dfteil von den Erfindern der Nestl\u00e9-Tochter Nespresso. Der Markt l\u00e4uft sehr gut, allein im vergangenen Jahr lag das Wachstum laut dem Deutschen Kaffeeverband bei 40 Prozent (2013: 27 Prozent). Doch die Entwicklung ruft viel Kritik hervor: 4000 Tonnen M\u00fcll im Jahr verursachen die Portionskaffees laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Bei der Gewinnung von Aluminium aus Bauxit entsteht giftiger Rotschlamm, die Herstellung ist ressourcenintensiv \u2013 bei der Herstellung von 100 Kapseln entstehen etwa acht Kilogramm CO2. \u201eAuf sechs Gramm des Genussmittels kommen zwei bis drei Gramm Aluminium und Plastik\u201c, sagt Thomas<\/p>\n<p>Fischer, DUH-Leiter f\u00fcr Abfallpolitik und Kreislaufwirtschaft. \u201eDas ist ein absoluter Verpackungswahnsinn.\u201c<\/p>\n<p>Ein Wahnsinn, dem David Wolf-Rooney eine Alternative entgegensetzen will. Zwei Jahre lang hat der geb\u00fcrtige Neuseel\u00e4nder mit einem Expertenteam an einem Modell get\u00fcftelt, das komplett biologisch abbaubar ist. 38 Investoren aus sechs L\u00e4ndern haben daf\u00fcr insgesamt eine halbe Million Euro zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n<p>Mehr als 10 000 Kapseln wurden getestet, vom wenig stabilen, farblosen Prototyp bis hin zur festen bunten Kapsel, die laut dem 53-J\u00e4hrigen mit allen knapp 30 auf dem Markt erh\u00e4ltlichen Espressomaschinen kompatibel ist. \u201eIch habe zeitweise nicht mehr daran geglaubt, dass wir das schaffen\u201c, sagt Wolf-Rooney. \u201eDas war eine Wahnsinns-Herausforderung.\u201c Jetzt steht er in dem Lager seiner Firma Velibre am Neuen Steindamm, einem schmucklosen Geb\u00e4ude in Bremen-Burg. Um ihn herum liegen Kartons, Hunderte, mit mehr als 200 000 Kapseln. Auf ihnen kleben Hinweise auf die Herkunft: \u201eSA\u201c steht auf ihnen, S\u00fcdafrika. Dort produziert ein Partner der Firma die Kapseln in einem eigenen Werk, und von dort kommt auch der Kaffee: drei Espresso- und zwei Lungo-Sorten, unter anderem gemischt aus brasilianischen Cerrado-, \u00e4thiopischen Sidamo- und klassischen Arabica-Bohnen. Die Pakete zu je 14 oder 42 Kapseln werden vorerst nur \u00fcber den Online-Shop vertrieben.<\/p>\n<p>Doch Sorten gibt es viele auf dem Markt, auf dem der Kaffee hochgerechnet oft bis zu drei Mal so teuer ist wie die herk\u00f6mmliche Variante: Ein Kilogramm Nespresso-Kapseln kostet zwischen 70 und 84 Euro; die Discounter-Varianten belaufen sich auf um die 20 Cent pro St\u00fcck. Wolf-Rooney will deshalb beim Verbraucher damit punkten, dass seine Kapseln (zu 33 bis 35 Cent\/St\u00fcck) nach eigenen Angaben zu 100 Prozent biologisch abbaubar sind. Sie bestehen aus aliphatischem Biokunststoff auf Erd\u00f6l- und Kohlenwasserstoffbasis, der aufgrund seines chemischen Aufbaus von Mikroorganismen \u00fcberall dort vollst\u00e4ndig zersetzt werden k\u00f6nne, wo Bakterien existieren: in S\u00fc\u00df- und Meerwasser etwa, im Erdboden sowie im Kompost. \u201eAlle Bestandteile sind zudem nach Lebensmittelrecht zertifiziert\u201c, betont Rooney.<\/p>\n<p>Die Kapseln sollten nur auf dem Hauskompost entsorgt werden. \u201eDas ist grunds\u00e4tzlich das Problem bei den sogenannten Bio-Kapseln\u201c, sagt Fischer vom DUH. \u201eDie meisten landen im Hausm\u00fcll und werden dann verbrannt. Das bringt der Umwelt gar nichts.\u201c Bereits bei den herk\u00f6mmlichen Alu-Kapseln sei das Problem, dass nur etwa 60 Prozent im Gelben Sack landen, und das aufgrund von Kaffeeresten eine Vielzahl nicht recycelt, sondern ebenfalls aussortiert und verbrannt werde. Zu dem Produkt von Velibre kann er jedoch noch nichts sagen, weil es ihm unbekannt ist. \u201eGrunds\u00e4tzlich muss man aber hinterfragen, ob bei dem Abbau der Kapsel auch N\u00e4hrwerte freigegeben werden, die der Umwelt n\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p>Walter Hasenclever, Sprecher von Velibre, verneint das. \u201eNat\u00fcrlich kann man immer noch etwas besser machen. F\u00fcr uns war erst einmal wichtig, dass unsere Kapseln keinen M\u00fcll produzieren.\u201c Dadurch sei auch der Kaffeegenuss aus Kapseln \u201eendlich \u00f6kologisch vertretbar\u201c. Er hofft, dass sich Kapseltrinker umentscheiden \u2013 vermutet die gr\u00f6\u00dfere Zielgruppe aber bei umweltbewussten Menschen, die bislang auf Espressomaschinen dieser Art verzichtet haben.<\/p>\n<p>\u201eDer Markt hat so viel Potenzial\u201c, sagt Wolf-Rooney, der zehn Jahre in Russland f\u00fcr die \u00d6lindustrie gearbeitet und dort im sogenannten Bereich New Business t\u00e4tig war. Die Konkurrenz in dem Bereich sei im Moment noch gering. Der 53-J\u00e4hrige ist davon \u00fcberzeugt, dass das Volumen des Kapselmarkts bis 2020 weltweit auf 30 Milliarden Euro anw\u00e4chst. Sp\u00e4testens bis dahin will er dort einen Anteil von einem Prozent abdecken. \u201eDas w\u00fcrde bedeuten, dass Velibre dann 300 Millionen Kapseln j\u00e4hrlich verkauft.\u201c Bis zum Ende des Monats will das Start-up das Lager erst einmal auf eine halbe Million Kapseln aufstocken und anschlie\u00dfend weitere Investoren gewinnen. Jede Revolution f\u00e4ngt klein an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zweieinhalb Milliarden Kaffeekapseln wurden 2014 in Deutschland verkauft, ein Gro\u00dfteil von den Erfindern der Nestl\u00e9-Tochter Nespresso. Der Markt l\u00e4uft sehr gut, allein im vergangenen Jahr lag das Wachstum laut dem Deutschen Kaffeeverband bei 40 Prozent (2013: 27 Prozent). 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