{"id":26492,"date":"2015-06-11T02:00:00","date_gmt":"2015-06-11T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.innovations-report.de%2Fhtml%2Fberichte%2Fbiowissenschaften-chemie%2Fnaturkautschuk-aus-loewenzahn.html"},"modified":"2015-06-10T11:48:13","modified_gmt":"2015-06-10T09:48:13","slug":"joseph-von-fraunhofer-preis-2015-naturkautschuk-aus-loewenzahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/joseph-von-fraunhofer-preis-2015-naturkautschuk-aus-loewenzahn\/","title":{"rendered":"Fraunhofer-Preisverleihung\u00a02015: Naturkautschuk aus L\u00f6wenzahn"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_26505\" aria-describedby=\"caption-attachment-26505\" style=\"width: 278px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-26505\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/g_2_2015_Naturkautschuk-aus-Lo--wenzahn.jpg\" alt=\"Aus russischem L\u00f6wenzahn gewinnen Dr. Christian Schulze Gronover, Dr. Carla Recker (Continental Reifen Deutschland GmbH) und Prof. Dirk Pr\u00fcfer Naturkautschuk, der zur Herstellung von Autoreifen eingesetzt wird (v.l.n.r.). \u00a9 Dirk Mahler\/Fraunhofer\" width=\"278\" height=\"186\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-26505\" class=\"wp-caption-text\">Aus russischem L\u00f6wenzahn gewinnen Dr. Christian Schulze Gronover, Dr. Carla Recker (Continental Reifen Deutschland GmbH) und Prof. Dirk Pr\u00fcfer Naturkautschuk, der zur Herstellung von Autoreifen eingesetzt wird (v.l.n.r.).<br \/>\u00a9 Dirk Mahler\/Fraunhofer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>L\u00f6wenzahn ist eine robuste Pflanze, aus der sich ein gefragter Rohstoff gewinnen l\u00e4sst: Kautschuk. Dieser ist f\u00fcr die Produktion von Gummi unerl\u00e4sslich. Fraunhofer-Forscher nutzen Russischen L\u00f6wenzahn, um gro\u00dfe Mengen an Naturkautschuk herzustellen.<\/strong><\/p>\n<p>Etwa 40 000 Produkte unseres t\u00e4glichen Lebens enthalten Naturkautschuk. Ob Matratzen, Handschuhe, Klebestreifen oder Reifen \u2013 erst der Rohstoff verleiht extreme Elastizit\u00e4t, Zugfestigkeit und K\u00e4lteflexibilit\u00e4t. Nat\u00fcrlichen Kautschuk durch k\u00fcnstlichen zu ersetzen, ist bisher nicht m\u00f6glich. Forscher des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME am Standort M\u00fcnster fanden jedoch eine preiswerte und umweltfreundliche Alternative zum Kautschukbaum: Russischer L\u00f6wenzahn.<\/p>\n<p>Naturkautschuk wird derzeit ausschlie\u00dflich aus dem Baum \u00bb<em>Hevea brasiliensis<\/em>\u00ab gewonnen, eine Pflanzenart der Subtropen. Die wachsende Nachfrage und zunehmende Probleme mit Schadpilzen machen Naturkautschuk zum kostbaren Gut. 95 Prozent der weltweiten Gesamtproduktion stammt aus S\u00fcdost-Asien. Um den steigenden Verbrauch zu decken, werden Regenw\u00e4lder gerodet und in Agrarland umgewandelt. Mit <em>Taraxacum koksaghyz<\/em>, dem Russischen L\u00f6wenzahn, stie\u00dfen Professor Dirk Pr\u00fcfer und sein Kollege Dr. Christian Schulze Gronover vom IME auf einen effizienten Ersatz f\u00fcr den Kautschukbaum. \u00bbDie Pflanze ist extrem anspruchslos. Sie kann in gem\u00e4\u00dfigtem Klima und selbst auf B\u00f6den kultiviert werden, die f\u00fcr die Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln nicht oder nur begrenzt geeignet sind\u00ab, erkl\u00e4rt Christian Schulze Gronover. \u00bbAu\u00dferdem hat L\u00f6wenzahn den Vorteil, dass er von Jahr zu Jahr w\u00e4chst. Der Kautschukbaum bringt erst nach sieben bis zehn Jahren einen Ertrag.\u00ab<\/p>\n<p>Den Entschluss, am L\u00f6wenzahn zu forschen, fasste Dirk Pr\u00fcfer w\u00e4hrend eines Ausflugs. \u00bbIch sa\u00df auf einer Wiese im Sauerland, die \u00fcbers\u00e4ht war mit L\u00f6wenzahn. Als ich eine Bl\u00fcte abgerissen hatte, tropfte aus dem St\u00e4ngel wei\u00dfe Latex-Milch. Da hatte ich die Idee, dass man hieraus doch Kautschuk gewinnen k\u00f6nnte\u00ab. Doch die Menge an Latex\u00a0 \u2013 dies ist Kautschuk in fl\u00fcssiger Form \u2013 im heimischen L\u00f6wenzahn reicht nicht aus, um ihn industriell zu nutzen. Aus diesem Grund wurden die Arbeiten mit dem Russischen L\u00f6wenzahn, der deutlich mehr Kautschuk produziert, fortgef\u00fchrt.<\/p>\n<h3>Verzicht auf gentechnische Eingriffe<\/h3>\n<p>Durch gezielte Zucht gelang es den Forschern, den Kautschukgehalt innerhalb kurzer Zeit zu verdoppeln. Auf gentechnische Eingriffe verzichteten sie dabei. Dirk Pr\u00fcfer und Christian Schulze Gronover analysierten stattdessen die L\u00f6wenzahn-DNA und definierten DNA-Marker. Hierdurch konnten sie bereits bei Keimlingen feststellen, ob diese Eigenschaften besitzen, die sich positiv auf die Kautschukproduktion auswirken.<\/p>\n<p>Den Kautschuk aus der Pflanze zu l\u00f6sen, war eine weitere Herausforderung. Die Wissenschaftler entwickelten hierf\u00fcr ein umweltfreundliches Verfahren. Da der Anteil in den Bl\u00e4ttern gering ist, werden lediglich die Wurzeln zermahlen. Anschlie\u00dfend wird der Rohstoff mit Wasser von den \u00fcbrigen Stoffen getrennt.<\/p>\n<h3>Neuer Naturkautschuk besteht Praxistest<\/h3>\n<p>In Auto-Reifen hat sich der L\u00f6wenzahn-Kautschuk bereits bew\u00e4hrt. Der Hersteller Continental hat ein erstes Modell auf Asphalt getestet. \u00bbDer Kautschuk aus L\u00f6wenzahn hat optimale Rohstoff- und Materialeigenschaften. Die Reifen daraus zeigen ein \u00e4qui-<br \/>\nvalentes Eigenschaftsprofil im Vergleich zu Reifen aus herk\u00f6mmlichem Naturkautschuk\u00ab, betont Dr. Carla Recker von Continental.<\/p>\n<p>Da Naturkautschuk f\u00fcr die Qualit\u00e4t vieler Produkte aus Gummi entscheidend ist, erachten ihn besonders Industrienationen als strategisch bedeutenden Rohstoff. Kautschuk aus L\u00f6wenzahn k\u00f6nnte die Abh\u00e4ngigkeit von Importen verringern. Ersetzen k\u00f6nne er sie nicht, vermutet Dirk Pr\u00fcfer. Denn, \u00bbum den Weltbedarf an Naturkautschuk mit L\u00f6wenzahn zu decken, br\u00e4uchte man eine Fl\u00e4che, so gro\u00df wie \u00d6sterreich.\u00ab<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Forschung am Russischen L\u00f6wenzahn sowie die Entwicklung der Anwendung erhalten Dirk Pr\u00fcfer, Christian Schulze Gronover sowie Carla Recker den Joseph-von-Fraunhofer-Preis 2015.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L&ouml;wenzahn ist eine robuste Pflanze, aus der sich ein gefragter Rohstoff gewinnen l&auml;sst: Kautschuk. 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