{"id":26480,"date":"2015-06-10T03:24:23","date_gmt":"2015-06-10T01:24:23","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=26480"},"modified":"2015-06-09T17:10:09","modified_gmt":"2015-06-09T15:10:09","slug":"gastbeitrag-gruene-chemie-ist-kein-luftschloss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/gastbeitrag-gruene-chemie-ist-kein-luftschloss\/","title":{"rendered":"Gastbeitrag: Gr\u00fcne Chemie ist kein Luftschloss"},"content":{"rendered":"<p>Es steht au\u00dfer Frage, dass Deutschland weit besser als andere Industriegesellschaften durch die Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008 gekommen ist. Zu verdanken haben wir dies unter anderem unseren industriellen Kernen, von deren Erhalt und nachhaltiger Zukunft unser Wohlstand abh\u00e4ngt. Der Aufbau industrieller Kernkompetenzen dauert Generationen und mehrere Jahrzehnte. Das bedeutet auch: Was weg ist, ist praktisch f\u00fcr immer weg.<\/p>\n<p>Der daher heute notwendige sozial-\u00f6kologische Umbau unserer Industriegesellschaft betrifft nicht nur unseren Energieverbrauch, er betrifft ebenso dringlich \u2013 etwa was die Rohstoffknappheit oder die Plastikverm\u00fcllung unserer Meere angeht \u2013 unseren Rohstoffverbrauch. Und wenn die Chemieindustrie fr\u00fcher von Gr\u00fcnen oftmals als Hauptgegnerin einer \u00f6kologischen Politik betrachtet wurde, so wird sie hierbei heute zu einem ihrer Hauptverb\u00fcndeten. Wenn \u00fcberhaupt eine klassische Industriebranche von einer Gr\u00fcnen Revolution profitieren kann, dann ist es die chemische Industrie. Darum wurde auf Vorschlag der gr\u00fcnen Landtagsfraktion vor zwei Jahren die <a href=\"http:\/\/gruene-fraktion-nrw.de\/parlament\/parlamentarisches\/reden\/redendetail\/nachricht\/hans-christian-markert-eine-chemie-aus-sonne-wasser-abfall-und-luft-ist-kein-luftschloss-mehr.html\" target=\"_blank\">Enquetekommission zur \u201eZukunft der chemischen Industrie in Nordrhein-Westfalen im Hinblick auf nachhaltige Rohstoffbasen, Produkte und Produktionsverfahren\u201c<\/a> unter meinem Vorsitz ins Leben gerufen.<\/p>\n<p>Die Bedeutung der chemischen Industrie in Nordrhein-Westfalen, dem gr\u00f6\u00dften Chemiestandort Europas, liegt vor allen Dingen darin, dass sie einen der gro\u00dfen Innovationsmotoren f\u00fcr die gesamte Industrie in unserem Land darstellt. Und da dies so bleiben soll, hat sich der Landtag in seinem Einsetzungsbeschluss auf drei Oberthemen verst\u00e4ndigt \u2013 Rohstoffe\/Werkstoffe, Elektrochemie, Verfahren.<\/p>\n<p>Anhand dieser Schl\u00fcsselfragen hat die Kommission in intensiver Arbeit \u00fcber zwei Jahre unterschiedliche Denkans\u00e4tze zusammengef\u00fchrt und neben dem Thema Energie auch Handlungsempfehlungen f\u00fcr die wichtigen Querschnittsthemen Innovationsf\u00e4higkeit, Technologieakzeptanz sowie f\u00fcr die gesellschaftlichen Herausforderungen von Qualifikation, demografischer Entwicklung und guten Arbeitsverh\u00e4ltnissen erarbeitet. Nach Abschluss der Kommission kann festgestellt werden: Es gibt einen gr\u00fcnen Weg zum nachhaltigen Umbau unserer Industriegesellschaft. Dieser kann aber nur im Konsens aller relevanten Akteure gelingen.<\/p>\n<p>Vertreter aus Industrie, Verb\u00e4nden, Politik, Wissenschaft und Gewerkschaften einigten sich auf einen solchen Konsens und bekannten sich dabei zu den \u00f6kologischen Zielen der Ressourceneffizienz, des Energie- und Ressourcenwandels und der Kreislaufwirtschaft. Damit hat die Enquetekommission eine belastbare Br\u00fccke in eine wirtschaftlich, sozial und \u00f6kologisch nachhaltige Zukunft f\u00fcr eine unserer Schl\u00fcsselindustrien gebaut.<\/p>\n<p>Die Weichen auf diesem gr\u00fcnen Weg zum nachhaltigen Umbau werden dabei schon heute so gestellt, dass vermehrt erneuerbare Energien in chemische Prozesse eingespeist und die Rohstoffbasis verbreitert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die insgesamt 58 Handlungsempfehlungen k\u00f6nnen auch im Interesse der Wettbewerbsf\u00e4higkeit der chemischen Industrie in Nordrhein-Westfalen einen wichtigen Beitrag daf\u00fcr leisten, um die Energiewende und die zunehmende Verbreiterung der Rohstoffbasis in der Chemie zu st\u00e4rken, unter anderem durch die Verbesserung der Verf\u00fcgbarkeit kommunaler Abfallstr\u00f6me als Rohstoffe f\u00fcr die chemische Industrie sowie durch die Unterst\u00fctzung von Verfahrensentwicklungen zur Bereitstellung von heimischen Kohlenstoffquellen und zur Verwendung des Klimakillers CO2 als Rohstoff f\u00fcr die Chemie.<\/p>\n<p>Energie und Rohstoffe m\u00fcssen und k\u00f6nnen in Zukunft effizienter genutzt werden. Hier schl\u00e4gt die Kommission unter anderem vor, Pilotanlagen f\u00fcr das Verfahren zur Herstellung von Kohle aus Bioabf\u00e4llen (HTC) und zur stofflichen Umwandlung von organischen Reststoffen in Grundchemikalien, die in gro\u00dfem Ma\u00dfstab gebraucht werden, sowie eine Demonstrationsanlage zur stofflichen CO2-Nutzung auf Grundlage von mikrobiellen Prozessen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Zudem wird die Entwicklung von Konzepten zur Schlie\u00dfung von Stoffkreisl\u00e4ufen, die \u00f6kologischen, \u00f6konomischen und sozialen Nachhaltigkeitskriterien entsprechen und auf Analysen \u00fcber den gesamten Lebenszyklus beruhen, empfohlen. Chemische Wertsch\u00f6pfungsketten und Verbundstrukturen sollen gest\u00e4rkt werden, etwa durch die F\u00f6rderung von Demonstrationsanlagen zur modularen Produktion nach dem \u201eBaukastenprinzip\u201c sowie durch die F\u00f6rderung von Technologiekonzepten, die eine solch modulare und flexible reaktionstechnische Stoffumwandlung, Stofftrennung und Aufarbeitung zusammenf\u00fchren.<\/p>\n<p>Um die Innovationsf\u00e4higkeit der chemischen Industrie auch in ferner Zukunft weiter auszubauen, empfiehlt die Kommission zudem unter anderem die Schaffung eines Lehrstuhls f\u00fcr biomimetische Chemie (Nachahmung nat\u00fcrlicher Prozesse).<\/p>\n<p>Eine Chemie aus Sonne, Wasser, Abfall und Luft ist mittlerweile kein Luftschloss mehr, sofern es uns gelingt, die sch\u00f6pferischen Potenziale freizusetzen. Auch \u00dcberlegungen zur lichtgetriebenen Wasserspaltung (Nutzung von Sonnenenergie f\u00fcr die Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff) werden nun in industrieller und \u00f6ffentlicher finanzierter Forschung stark vorangetrieben und weisen den Weg in eine andere Chemie, eine gr\u00fcne Chemie der Zukunft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><em>\u00dcber den Autor<\/em><\/h3>\n<p><em>Hans Christian Markert ist umweltpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen in Nordrhein-Westfalen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es steht au\u00dfer Frage, dass Deutschland weit besser als andere Industriegesellschaften durch die Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008 gekommen ist. Zu verdanken haben wir dies unter anderem unseren industriellen Kernen, von deren Erhalt und nachhaltiger Zukunft unser Wohlstand abh\u00e4ngt. Der Aufbau industrieller Kernkompetenzen dauert Generationen und mehrere Jahrzehnte. 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