{"id":26210,"date":"2015-05-26T03:06:47","date_gmt":"2015-05-26T01:06:47","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=26210"},"modified":"2021-09-09T21:45:51","modified_gmt":"2021-09-09T19:45:51","slug":"ineratec-treibhausgase-fuer-synthetische-kraftstoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/ineratec-treibhausgase-fuer-synthetische-kraftstoffe\/","title":{"rendered":"IneraTec: Treibhausgase f\u00fcr synthetische Kraftstoffe"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Gr\u00fcnder der IneraTec entwickeln einen chemischen Reaktor, der aus verschiedensten Gasquellen synthetische Kraftstoffe erzeugt. Neu daran ist das Format. Dieser Reaktor ist nur so gro\u00df wie ein Schreibtisch. So konnte eine Kompaktanlage konzipiert werden, die in einen Container passt und nur noch an eine Gasquelle angeschlossen werden muss. Heute noch auf Methan als Rohstoff zugeschnitten, k\u00f6nnte dieser Ansatz morgen Kohlendioxid und Wasserstoff zu Kraftstoffen umsetzen. Dieser Aspekt in Kombination mit den dezentralen Einsatzm\u00f6glichkeiten der Anlage l\u00e4sst erahnen, was sich hier f\u00fcr ein Potenzial verbirgt.<\/strong><\/p>\n<p>Die IneraTec &#8211; Innovative Reactor Technology \u00fcberzeugt mit technischem Know-how und einer zukunftsweisenden Idee: \u201eWir werden containerbasierte, kompakte Reaktoranlagen f\u00fcr eine chemische Umwandlung von Methan in Kraftstoff bauen,\u201c erkl\u00e4rt Phillip Engelkamp, Wirtschaftsingenieur und Mitgr\u00fcnder der IneraTec. Die IneraTec wird voraussichtlich Mitte 2015 von einem vierk\u00f6pfigen Team aus den Chemieingenieuren Tim B\u00f6ltken und Paolo Piermartini, Professor Peter Pfeifer und\u00a0 Engelkamp gegr\u00fcndet. Seinen Sitz wird das Unternehmen vorerst am Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT) haben. Erm\u00f6glicht wird dies durch eine F\u00f6rderung des Gr\u00fcnderteams im <a href=\"http:\/\/www.bmbf.de\/de\/846.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">F\u00f6rderprogramm Junge Innovatoren<\/a>, einem F\u00f6rderprogramm des Ministeriums f\u00fcr Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-W\u00fcrttemberg (MWK). \u201eDiese F\u00f6rderung erm\u00f6glicht es uns, die hervorragende Infrastruktur am Institut f\u00fcr Mikroverfahrenstechnik (IMVT) des KIT weiter zu nutzen und trotzdem unseren Fokus auf die Unternehmensgr\u00fcndung zu legen\u201c, erkl\u00e4rt Engelkamp.<\/p>\n<h3>Chemische Kraftstoffproduktion aus dem Container<\/h3>\n<figure id=\"attachment_26208\" aria-describedby=\"caption-attachment-26208\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-26208 size-full\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/index.jpg\" alt=\"index\" width=\"150\" height=\"230\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-26208\" class=\"wp-caption-text\">Wirtschaftsingenieur Philipp Engelkamp, Managing Director f\u00fcr Finanzen der IneraTec. (\u00a9 IneraTec)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Vor der Zeit als Gr\u00fcnder besch\u00e4ftigte sich das Team am IMVT intensiv mit den Einsatzspektrum der Fischer-Tropsch-Synthese (FT-Synthese). Dieser chemische Ansatz verl\u00e4ngert Kohlenmonoxid (CO) zusammen mit Wasserstoff zu mittel- bis langkettigen Kohlenwasserstoffen. Liegen diese am Ende mit einer L\u00e4nge von 5 bis 22 Kohlenstoffatomen vor, entstehen fl\u00fcssige Kraftstoffe wie Benzin oder Diesel. Werden diese Kohlenstoffketten noch weiter verl\u00e4ngert, entstehen sogar feste Paraffine, auch als Wachse bekannt.<\/p>\n<p>\u201eDie Anf\u00e4nge der gro\u00dfindustriellen FT-Synthese findet man in S\u00fcdafrika, in den 1950er Jahren. Mein Gr\u00fcnderkollege, Herr B\u00f6ltken, war w\u00e4hrend seines Studiums der Verfahrenstechnik eine Zeit lang dort, um Erfahrung zu sammeln\u201c, so Engelkamp. In S\u00fcdafrika nutzt man Kohle als Rohstoff f\u00fcr diese Art der Kraftstoffsynthese. Dieses Verfahren der Kohleverfl\u00fcssigung hat seinen Ursprung in Deutschland in den 1930er Jahren. Heutzutage kommt das Gas-to-Liquid-Verfahren mit dem Ausgangsstoff Erdgas zum Einsatz. In Erdgas ist Methan (CH4) enthalten, das in einem ersten Schritt, der Dampfreformierung, zu Kohlenmonoxid und Wasserstoff umgesetzt wird. Beides dient in aufbereiteter Form wieder als Edukt f\u00fcr die Kraftstoffproduktion mittels FT-Synthese. Im gro\u00dfen Ma\u00dfstab wird dieses Verfahren seit den fr\u00fchen 60ern in S\u00fcdafrika und seit den 90ern vor allem im Nahen Osten und in Malaysia angewandt. \u201eDiese gigantischen Gas-to-Liquid-Anlagen sind so gro\u00df wie halb Stuttgart und kosten um die 35 Milliarden Euro\u201c, erkl\u00e4rt der Wirtschaftsingenieur.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnder der IneraTec setzten vorerst ebenfalls auf methanhaltige Erdgase als Edukt. Da portable dezentrale Anlagen eine unabh\u00e4ngigere Produktionsst\u00e4tte bedeuten, setzten sie vor allem auf einen kleineren Ma\u00dfstab. \u201eNicht jedes Land verf\u00fcgt \u00fcber so enorme Kohlevorkommen wie S\u00fcdafrika oder Gasvorkommen wie Katar. Mit unserem Ansatz k\u00f6nnen auch kleinere Vorkommen genutzt werden\u201c, so Engelkamp. Der chemische FT-Reaktor der IneraTec ist nur schreibtischgro\u00df, was er seiner ausgereiften kompakten Bauweise und den heutigen mikrosystem- und mikroverfahrenstechnischen M\u00f6glichkeiten verdankt. \u201eDer Reaktor und alle weiteren Module, die f\u00fcr den Prozess n\u00f6tig sind, wie Kompressoren oder eine Gasaufbereitungs-Einheit, finden in einem Schiffscontainer problemlos Platz\u201c, beschreibt der Wirtschaftsingenieur die flexible Transporteinheit.<\/p>\n<p>\u201eUnser aktueller Ansatz nutzt Methan &#8211; zum Beispiel aus Erdgas &#8211; als Kohlenstoffquelle. Die Prozessparameter sind hier so gew\u00e4hlt, dass nur fl\u00fcssige Kohlenwasserstoffketten &#8211; also Kraftstoffe &#8211; produziert werden. Dieses Kraftstoffgemisch besteht in der Regel aus 25 Prozent Benzin (C<sub>5<\/sub>-Ketten bis C<sub>11<\/sub>), 50 Prozent Diesel (C<sub>5<\/sub> bis C<sub>22<\/sub>) und 25 Prozent Kerosin (C<sub>8<\/sub> bis C<sub>13<\/sub>), wobei die Verh\u00e4ltnisse untereinander in einem gewissen Rahmen angepasst werden k\u00f6nnen. Von dieser Kraftstoffmischung k\u00f6nnen bis zu 8.000 Liter am Tag produziert werden\u201c, so Engelkamp. \u201eMomentan w\u00e4re der letzte Raffinationsschritt zur Auftrennung des Kraftstoffgemisches noch ausgelagert, k\u00f6nnte aber theoretisch als kleinere Separationsanlage als weiteres Modul in der Container-Anlage erg\u00e4nzt werden.\u201c Diese flexible Anlage kostet heute noch circa 1,25 Millionen Euro pro Container. \u201eDas ist im ersten Moment viel, aber sobald der Absatz steigt k\u00f6nnen wir die Produktionskosten senken und uns so den Skalen-Effekt zunutze machen\u201c, so Engelkamp.<\/p>\n<h3>Enormes Potenzial f\u00fcr die Bio\u00f6konomie von morgen<\/h3>\n<figure id=\"attachment_26209\" aria-describedby=\"caption-attachment-26209\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-26209 size-full\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/index-1.jpg\" alt=\"index-1\" width=\"200\" height=\"208\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-26209\" class=\"wp-caption-text\">Der chemische Fischer-Tropsch-Reaktor der IneraTec ist nur schreibtischgro\u00df, was er seiner ausgereiften kompakten Bauweise verdankt. (\u00a9 IneraTec)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Gas-to-Liquids-Verfahren mittels FT-Synthese ben\u00f6tigt Kohlenmonoxid und Wasserstoff als Edukte. Hierf\u00fcr kann nicht nur Methan aus fossilem Erdgas genutzt werden &#8211; auch Biogas enth\u00e4lt einen hohen Methananteil von bis zu 70 Prozent. Deponie- oder Kl\u00e4rgase enthalten ebenfalls das farb- und geruchlose Gas und k\u00f6nnten in einer IneraTec-Anlage f\u00fcr die FT-Synthese von Kraftstoffen verwertet werden. \u201eWir versuchen eine vollst\u00e4ndige Wertsch\u00f6pfungskette zu etablieren. Hier zahlt sich die Flexibilit\u00e4t der Anlage aus: Zum Beispiel kann das Methan aus Biogas direkt in der Containeranlage aufgereinigt und verwertet werden. Da wir eine Zuleitung von 20 bis 100 Normkubikmeter Methan pro Stunde ben\u00f6tigen, haben wir zum Beispiel Bauernverb\u00e4nde oder andere Biogasproduzenten im Blick, die vielleicht schon ein in die Jahre gekommenes Blockheizkraftwerk betreiben und f\u00fcr die Idee einer eigenen Kraftstoffproduktion offen sind. Mit 100 m<sup>3<\/sup> Methan pro Stunde k\u00f6nnten am Tag circa 600 Liter Kraftstoffgemisch produziert werden\u201c, erkl\u00e4rt Engelkamp.<\/p>\n<p>Die Vision dieser Reaktoranlage geht noch weiter. \u201eAls disruptive Innovation hat unsere Technologie das Potenzial, die Wertsch\u00f6pfungskette f\u00fcr Kraftstoffe v\u00f6llig umzukrempeln\u201c, so Engelkamp. Das Methan k\u00f6nnte auch biotechnologisch gewonnen werden. So gibt es Kohlendioxid-veratmende Bakterienst\u00e4mme, die das CO<sub>2<\/sub> zusammen mit Wasserstoff zu Methan und Wasser umsetzen. Auf diese Weise w\u00fcrde das Treibhausgas Kohlendioxid der Atmosph\u00e4re entzogen und zu einem wertvollen Kraftstoff umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Durch Elektrolyse von Wasser k\u00f6nnte der n\u00f6tige Wasserstoff erzeugt werden. Dieser Ansatz ist energieaufwendig. K\u00e4me diese Energie nun aus Solarzellen oder Windkraftr\u00e4dern, w\u00e4re dies eine M\u00f6glichkeit, regenerativ erzeugte Energie in Form von Kraftstoff zu speichern. \u201eNoch ist das Zukunftsmusik, aber in f\u00fcnf bis zehn Jahren k\u00f6nnte dieses Thema auch f\u00fcr unseren modularen Ansatz interessant sein. Wir wollen die Gase nicht produzieren, sondern nutzen. Wenn aber jemand eine kompakte Elektrolyse zur Wasserstoffsynthese entwickelt, k\u00f6nnte er als erg\u00e4nzender strategischer Partner spannend f\u00fcr uns sein,\u201c erl\u00e4utert Engelkamp.<\/p>\n<p>IneraTec deutet die Zeichen der Zeit. Nicht nur in Baden-W\u00fcrttemberg, auch im europ\u00e4ischen Raum ist das Gef\u00fchl f\u00fcr Nachhaltigkeit und Innovationsdenken so intensiv verankert wie nie zuvor. R\u00fcckenwind bekommt das Unternehmen zus\u00e4tzlich durch neue Gesetze und gesetzliche Anpassungen wie beim Erneuerbare Energien Gesetz des Bundes. \u201eBlockheizkraftwerke zur Erzeugung von Strom aus Gas erhalten seit dem neuen EEG-Gesetz eine geringere F\u00f6rderung. Daher werden in Zukunft Alternativen wie unsere immer interessanter. Auch im Kraftstoffbereich findet gerade ein Umdenken statt, das uns in die Karten spielt. Beim Kraftstoff E10 wird der angestrebte 10-Prozent-Ethanolzusatz aus Energiepflanzen auf 7 Prozent gesenkt und die restlichen 3 Prozent durch Kraftstoffe der zweiten Generation ersetzt. Und wir sind genau diese zweite Generation,\u201c so Engelkamp.<\/p>\n<h3>Mit Unterst\u00fctzung auf dem Weg zur Marktreife<\/h3>\n<p>Die IneraTec verwirklicht ein schon mehrfach ausgezeichnetes Konzept. So \u00fcberzeugte das Vorhaben durch seinen Innovationscharakter auch die BIOPRO Baden-W\u00fcrttemberg. Gr\u00fcndungsmitglied Paolo Piermartini konnte das IneraTec-Konzept auf dem Bio\u00f6konomiekongress 2014 in Stuttgart vorstellen. \u201eDurch die Kontaktvermittlung, die durch die BIOPRO stattgefunden hat, haben wir enorm profitiert\u201c, erkl\u00e4rt Engelkamp. \u201eJetzt fehlt nur noch der letzte Schritt auf dem Weg zur fertigen Anlage: Ein erste Anlage im Containerma\u00dfstab, um zu zeigen, wie perfekt das kompakte Verfahren funktioniert und so nachweislich eine Marktreife vor der angestrebten Serienreife zu erreichen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Contact<\/h3>\n<p>Philipp Engelkamp (Managing Director)<br \/>\nIneraTec &#8211; Innovative Reactor Technology<br \/>\nKarlsruhe Institute of Technology<br \/>\nTel.: 0721\/608 22732<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:philipp.engelkamp@ineratec.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">philipp.engelkamp@ineratec.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gr\u00fcnder der IneraTec entwickeln einen chemischen Reaktor, der aus verschiedensten Gasquellen synthetische Kraftstoffe erzeugt. 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