{"id":26165,"date":"2015-05-21T03:12:50","date_gmt":"2015-05-21T01:12:50","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=26165"},"modified":"2015-05-20T13:09:38","modified_gmt":"2015-05-20T11:09:38","slug":"schmerzmittel-und-droge-forscher-stellen-morphium-aus-zucker-her","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/schmerzmittel-und-droge-forscher-stellen-morphium-aus-zucker-her\/","title":{"rendered":"Schmerzmittel und Droge: Forscher stellen Morphium aus Zucker her"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wenn nichts mehr geht, helfen oft nur noch starke Bet\u00e4ubungsmittel. Das Opiat Morphium etwa kann die Schmerzen todkranker Menschen lindern. Doch es gibt eine Kehrseite, den illegalen Drogenkonsum: Etwa 16 Millionen Menschen weltweit sind von Opiaten und verwandten Stoffen wie Heroin abh\u00e4ngig.<\/strong><\/p>\n<p>Nun sind Forscher kurz davor, die Herstellung der Substanzen mithilfe von Bierhefe extrem zu vereinfachen &#8211; mit dem Risiko, dass auch Drogenk\u00f6che den Fortschritt nutzen. F\u00fcr die g\u00fcnstige Massenproduktion der Bet\u00e4ubungsmittel k\u00f6nnten bald ein wenig Zucker und eine gentechnisch ver\u00e4nderte Hefe ausreichen. Bislang werden Morphium und andere Opiate aus Schlafmohn hergestellt, f\u00fcr den es in vielen Staaten strenge Anbauauflagen gibt. Zudem kostet es viel Zeit und Ressourcen, die Pflanzen zu kultivieren.Manipulation zur Morphium-Hefe<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dueberlab.berkeley.edu\/\" target=\"_blank\">John Dueber<\/a> von der University of California in Berkeley und Kollegen haben Hefezellen nun so manipuliert, dass diese aus Zucker den Schlafmohn-Bestandteil Reticulin produzieren &#8211; eine Vorstufe zahlreicher Opiate wie Morphium oder Codein, aber auch von Antibiotika, dem krampfl\u00f6senden Wirkstoff Papaverin und einiger Krebsmedikamente. Dazu schleusten sie unter anderem Gene aus der Zuckerr\u00fcbe in die Hefe ein, berichten die Forscher im Fachmagazin &#8220;<a href=\"http:\/\/www.nature.com\/nchembio\/journal\/vaop\/ncurrent\/full\/nchembio.1816.html\" target=\"_blank\">Nature Chemical Biology<\/a>&#8220;.<\/p>\n<p>Der zweite Teil der Reaktion vom Reticulin zum fertigen Morphium ist bereits aus fr\u00fcheren Versuchen mit gentechnisch ver\u00e4nderter Hefe bekannt. &#8220;Wir kennen jetzt alle Umbauschritte vom Zucker zum Morphium und m\u00fcssen sie nur noch zusammenf\u00fcgen&#8221;, sagt Dueber. Er geht davon aus, dass es nur noch wenige Jahre dauern wird, bis beide Reaktionsteile in einem Hefestamm industriell genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Risiko: Illegale Drogenk\u00fcche<\/h3>\n<p>Mit der Morphium-Hefe k\u00f6nnten die Bet\u00e4ubungsmittel dann g\u00fcnstiger und unter kontrollierten Bedingungen im Labor produziert werden. Vielleicht ist es sogar m\u00f6glich, das Morphium durch weitere gentechnische Ver\u00e4nderungen in der Hefe so zu ver\u00e4ndern, dass es Patienten weniger schnell abh\u00e4ngig macht.<\/p>\n<p>Mit den Mikroorganismen k\u00f6nnte im Prinzip aber auch jeder zu Hause Morphium produzieren. Dazu gen\u00fcge ein Heimset zum Bierbrauen aus dem Internet, <a href=\"http:\/\/www.nature.com\/news\/drugs-regulate-home-brew-opiates-1.17563\" target=\"_blank\">warnen in einem Begleitkommentar<\/a> die Politikprofessoren Kenneth Oye und Chappel Lawson vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge sowie Tania Bubela von der University of Alberta im kanadischen Edmonton.<\/p>\n<h3>Wer hat das bezahlt?<\/h3>\n<p>Die Forschung wurde unter anderem durch Gelder der US-Ministerien f\u00fcr Energie und Verteidigung sowie von der US-amerikanischen National Science Foundation finanziert. Au\u00dferdem haben die gemeinn\u00fctzigen Organisationen Genome Canada und Gemone Quebec zur Finanzierung beigetragen. F\u00fcnf der Wissenschaftler haben ein Patent eingereicht, das mit der Arbeit in Verbindung steht.<\/p>\n<p>&#8220;Das Forschungsgebiet entwickelt sich \u00fcberraschend schnell, wir m\u00fcssen schneller sein, um einen m\u00f6glichen Missbrauch zu verhindern&#8221;, sagt auch Forscher Dueber. Oye, Lawson und Bubela schlagen verschiedene Kontrollmechanismen vor:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Hefe k\u00f6nnte so manipuliert werden, dass sie nur Morphium-\u00e4hnliche Stoffe wie Thebain herstellt, die auf dem Schwarzmarkt kaum Geld bringen. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nne man <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/natur\/gentechnik-trick-soll-umwelt-vor-manipulierten-bakterien-schuetzen-a-1014168.html\" target=\"_blank\">die Hefe von N\u00e4hrstoffen abh\u00e4ngig machen, die es in der Natur nicht gibt<\/a>.<\/li>\n<li>Firmen, die DNA-Sequenzen vertreiben, sollten Anfragen nach den f\u00fcr die Hefe n\u00f6tigen Gen-Abschnitten durchsuchen. Indem die Sequenzen nicht verkauft werden, k\u00f6nne man es kriminellen Banden schwer machen, selbst eine Morphium-Hefe zu z\u00fcchten.<\/li>\n<li>Nur ausgew\u00e4hlte Labore sollten mit der Hefe arbeiten d\u00fcrfen. Wie in Hochsicherheitslaboren m\u00fcsse kontrolliert werden, dass die Hefe auch dort bleibt. Eine Verpflichtungserkl\u00e4rung, die Hefest\u00e4mme nicht weiterzugeben und Strafen bei Versto\u00df seien denkbar.<\/li>\n<li>Gesetze, die den Verkauf und die Weitergabe von Opiaten regeln, m\u00fcssten k\u00fcnftig auch f\u00fcr die Hefe gelten.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Pr\u00e4zedenzfall f\u00fcr weitere &#8220;Dual-Use&#8221;-Technologien<\/h3>\n<p>Der Einsatz eigentlich n\u00fctzlicher Techniken zum m\u00f6glichen Schaden der Menschen ist seit Jahrzehnten Thema in der Wissenschaft. Dass die Morphium-Hefe-Forscher fr\u00fchzeitig auf m\u00f6gliche Risiken hingewiesen haben, sei ein wichtiges Signal, schreibe Oye und Lawson. Daraus k\u00f6nne ein Pr\u00e4zedenzfall f\u00fcr weitere neue Technologien werden. Derzeit diskutieren Forscher auch, inwieweit die einfache und g\u00fcnstige Genmanipulations-Methode CRISPR\/Cas9 genutzt werden sollte, um <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/medizin\/forscher-manipulieren-gene-menschlicher-embryonen-a-1030142.html\" target=\"_blank\">menschliche Embryonen genetisch zu ver\u00e4ndern<\/a>. Allerdings begann die \u00f6ffentliche Diskussion zum Umgang mit der Technik erst, als mit ihr bereits an menschlichen Embryonen experimentiert wurde.<\/p>\n<p>Auch die Risiken von Experimenten mit leichter \u00fcbertragbar gemachten Krankheitserregern, wie 2012 beim Vogelgrippevirus H5N1, wurden erst \u00f6ffentlich diskutiert, als die Experimente schon stattgefunden hatten. Bis heute f\u00fcrchten Kritiker, manipulierte Erreger <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/superviren-forscher-diskutieren-ueber-missbrauch-der-biologie-a-1008164.html\" target=\"_blank\">k\u00f6nnten aus den Hochsicherheitslaboren entfliehen<\/a>, oder die Technik k\u00f6nnte genutzt werden, um Biowaffen herzustellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn nichts mehr geht, helfen oft nur noch starke Bet\u00e4ubungsmittel. Das Opiat Morphium etwa kann die Schmerzen todkranker Menschen lindern. Doch es gibt eine Kehrseite, den illegalen Drogenkonsum: Etwa 16 Millionen Menschen weltweit sind von Opiaten und verwandten Stoffen wie Heroin abh\u00e4ngig. Nun sind Forscher kurz davor, die Herstellung der Substanzen mithilfe von Bierhefe extrem [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[1936,1144,9936,1749,22751,2959,11236],"class_list":["post-26165","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-massachusetts-institute-of-technology","supplier-national-science-foundation-usa","supplier-nature-chemical-biology","supplier-university-of-alberta","supplier-university-of-california-berkeley-uc-berkeley","supplier-us-department-of-defense-dod","supplier-u-s-department-of-energy"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26165","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26165"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26165\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26165"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26165"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26165"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=26165"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}