{"id":25941,"date":"2015-05-13T03:15:38","date_gmt":"2015-05-13T01:15:38","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=25941"},"modified":"2015-05-12T09:53:59","modified_gmt":"2015-05-12T07:53:59","slug":"staerker-als-kevlar-spinnen-spinnen-superseide","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/staerker-als-kevlar-spinnen-spinnen-superseide\/","title":{"rendered":"St\u00e4rker als Kevlar: Spinnen spinnen Superseide"},"content":{"rendered":"<p><strong>Schon im Normalzustand ist Spinnenseide ein ausgesprochen wundersames Material. Es kann st\u00e4rker belastet werden als Stahl, ist trotzdem um ein Mehrfaches seiner L\u00e4nge dehnbar, dabei zugleich ma\u00dfvoll wasserfest und aufnahmef\u00e4hig f\u00fcr Wasser. Einer Gruppe von Wissenschaftlern an der Universit\u00e4t im italienischen Trient ist es nun offenbar gelungen, die Rezeptur der Proteinf\u00e4den so zu ver\u00e4ndern, dass sie noch viel h\u00e4rter werden.<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDie Methode, mit der sie das erreichten, erscheint allerdings profan: Sie bespr\u00fchten Spinnen mit Wasser, in das sie Kohlenstoff-Nanor\u00f6hrchen beziehungsweise Graphenpartikeln gemischt hatten. Graphen ist h\u00e4rter als Diamant und fester als Stahl. Insgesamt 15 Tiere aus der Familie der Pholcidae (Zitterspinnen) haben sie f\u00fcr ihre Versuche gefangen, Alter und Geschlecht der Spinnen dabei nicht beachtet, <a href=\"http:\/\/arxiv.org\/ftp\/arxiv\/papers\/1504\/1504.06751.pdf\" target=\"_blank\">schreiben die Wissenschaftler<\/a> (PDF).<\/p>\n<p>Das Ergebnis des Experiments ist umso erstaunlicher. Eine der mit Nanor\u00f6hrchen bespr\u00fchten Spinnen produzierte nach der Behandlung einen Faden, der dreieinhalbmal st\u00e4rker und rei\u00dffester war als die bislang st\u00e4rkste bekannte Spinnenseide. Messungen h\u00e4tten ergeben, dass diese Seide belastbarer sei als jede andere bekannte Faser, schreibt die &#8220;MIT Technology Review&#8221;. Nicht einmal Kevlar, aus dem unter anderem schusssichere Westen hergestellt werden, kommt da heran.<\/p>\n<h3>Wie funktioniert das?<\/h3>\n<p>Zum einen aber haben nicht alle Tiere das Experiment \u00fcberstanden. 4 der 15 Spinnen starben kurz nachdem sie bespr\u00fcht wurden. Zum anderen k\u00f6nnen die Wissenschaftler nicht erkl\u00e4ren, wie es dazu kommt, dass die Achtbeiner die so deutlich verbesserte Seide spinnen. Zwar konnte man nachweisen, dass die Nanopartikel in den neuen F\u00e4den vorhanden sind, doch wie sie dort angeordnet sind, ist unklar.<\/p>\n<p>Eine Theorie w\u00e4re, dass sich die aufgespr\u00fchten Nanopartikel von au\u00dfen auf die Seide legen. Das halten die Forscher aber f\u00fcr unwahrscheinlich, weil man &#8220;nicht davon ausgehen kann, dass eine solche \u00e4u\u00dfere Beschichtung signifikant zu der beobachteten mechanischen Verst\u00e4rkung beitragen w\u00fcrde&#8221;.<\/p>\n<p>Wahrscheinlicher sei es, dass die Tiere die Partikel mit dem Wasser aufgenommen haben und diese beim Spinnen der Seide direkt in das Material einbauen. Auf diese Weise k\u00f6nnten Graphen und Nanor\u00f6hrchen die Eigenschaften der Seide am st\u00e4rksten beeinflussen.<\/p>\n<h3>Ein Spinnennetz f\u00fcr Flugzeuge<\/h3>\n<p>Aber selbst wenn diese Frage gekl\u00e4rt w\u00fcrde, blieben andere offen. Zum Beispiel die, wof\u00fcr man derart robustes Gewebe \u00fcberhaupt einsetzen w\u00fcrde. Dem &#8220;New Scientist&#8221; sagte der an dem Projekt beteiligte Nicola Maria Pugno, man k\u00f6nnte daraus etwa riesige Sicherheitsnetze herstellen, um abst\u00fcrzende Flugzeuge aufzufangen.Doch bevor man an solche Projekte denkt, muss erst ein grundlegendes Problem des neuen Werkstoffs gel\u00f6st werden. Denn bisher gibt es laut &#8220;MIT Technology Review&#8221; keine Methode, um Spinnenseide im industriellen Ma\u00dfstab zu gewinnen. Zun\u00e4chst m\u00fcsste man also daran arbeiten, das Material wirtschaftlich herstellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit k\u00f6nnten sich die Italiener allerdings damit besch\u00e4ftigen, ihre Spr\u00fchmethode auf andere Tiere und Pflanzen zu \u00fcbertragen. Das, so die Forscher, k\u00f6nnte letztlich &#8220;zu einer neuen Klasse bionischer Materialien f\u00fcr eine Vielzahl von Anwendungen f\u00fchren&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon im Normalzustand ist Spinnenseide ein ausgesprochen wundersames Material. Es kann st\u00e4rker belastet werden als Stahl, ist trotzdem um ein Mehrfaches seiner L\u00e4nge dehnbar, dabei zugleich ma\u00dfvoll wasserfest und aufnahmef\u00e4hig f\u00fcr Wasser. 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