{"id":25822,"date":"2015-05-04T03:09:23","date_gmt":"2015-05-04T01:09:23","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=25822"},"modified":"2015-05-01T12:26:30","modified_gmt":"2015-05-01T10:26:30","slug":"bauholz-oder-brennstoff-konkurrenz-um-holz-verschaerft-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bauholz-oder-brennstoff-konkurrenz-um-holz-verschaerft-sich\/","title":{"rendered":"Bauholz oder Brennstoff? Konkurrenz um Holz versch\u00e4rft sich"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_25823\" aria-describedby=\"caption-attachment-25823\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-25823 size-full\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/csm_Stammholz2_01_a47afe06f8.jpg\" alt=\"csm_Stammholz2_01_a47afe06f8\" width=\"260\" height=\"195\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-25823\" class=\"wp-caption-text\">Mit steigenden \u00d6lpreisen wird der Rohstoff &#8220;Holz&#8221; knapp. (Foto: R. Rosin \/ TUM)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Holz erfreut sich zunehmender Beliebtheit, nicht nur als Material f\u00fcr den Hausbau: Immer mehr Privathaushalte und Kommunen heizen mit Holz. Damit steigt auch die Konkurrenz um den begehrten Rohstoff. Ein Forschungsteam hat jetzt f\u00fcr die Region Bayern untersucht, welche wirtschaftlichen, \u00f6kologischen und sozialen Folgen der &#8220;Run aufs Holz&#8221; nach sich ziehen k\u00f6nnte.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Das Jahr 2010 markierte einen Wendepunkt f\u00fcr die Holzwirtschaft. Erstmals seit den Kriegsjahren wurde in Deutschland mehr Holz energetisch, beispielsweise f\u00fcr W\u00e4rme und Strom, als stofflich, beispielsweise als Baumaterial, Holzwerkstoff oder in der Papierindustrie, genutzt. Grund f\u00fcr die vermehrte Nachfrage nach Holz als Energietr\u00e4ger waren zum einen der gestiegene Erd\u00f6lpreis, zum anderen die staatliche F\u00f6rderung von Holzenergie.<\/p>\n<p>In ihrer Studie haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler* unter der Leitung der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen (TUM) anhand von drei Erd\u00f6lpreis-Szenarien** untersucht, wie sich Holzaufkommen und -nachfrage in Bayern bis 2035 entwickeln und welche Auswirkungen sich daraus ergeben k\u00f6nnten. Ziel war es, detaillierte Kenntnisse \u00fcber eine effiziente und nachhaltige Nutzung des Rohstoffes Holz bereitzustellen, um damit Entscheidungen auf politischer und betrieblicher Ebene zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Als ein wichtiges Fazit nennt Prof. Klaus Richter, Leiter der Holzforschung M\u00fcnchen an der TUM die \u00f6kologischen Vorteile durch mehrstufige Nutzung von Holz: &#8220;Wenn man Holz zun\u00e4chst als Baumaterial, und erst zum Schluss als Brennholz nutzt, lassen sich g\u00fcnstige \u00f6kologische Effekte erzielen: Konstruktionsholz ist ein wichtiger, dauerhafter Kohlenstoff-Speicher. Daher sollte die Nutzung von Holz als Baustoff die prim\u00e4re Verwertungsschiene sein.&#8221;<\/p>\n<h3>Mit steigendem Erd\u00f6lpreis wird Holz knapp<\/h3>\n<p>In den beiden Preisanstiegs-Szenarien** sinkt die Holzernte im Vergleich zum Basisszenario, weil Waldbesitzer \u2013 \u00e4hnlich wie Aktion\u00e4re \u2013 zun\u00e4chst auf bessere Preise warten, bis sie ihr Holz auf den Markt bringen. Anteilig verkaufen die Waldbesitzer mit steigendem \u00d6lpreis ihre Holzsortimente vermehrt als Energieholz und weniger als Industrieholz f\u00fcr Holzwerkstoffe oder Papier. Zudem w\u00e4chst mit steigendem \u00d6lpreis der Gesamtbedarf an Holzenergie.<\/p>\n<p>In den Szenarien wird also deutlich, dass Holz insgesamt knapp wird: Um den Energieholz-Bedarf zu decken, sind deshalb h\u00f6here Pellets-Importe erforderlich. Der Anteil der energetischen Nutzung von bayerischem Holz steigt von 46 Prozent bei gleichbleibendem \u00d6lpreis auf 54 Prozent bei einem Preisanstieg auf das Doppelte.<\/p>\n<p>Dagegen kommt es bei der stofflichen Verwertung von bayerischem Holz teilweise zum R\u00fcckgang bei Kapazit\u00e4t und Produktion &#8211; auch wenn die verarbeitende Industrie technische Neuerungen einf\u00fchrt oder die Auslastung reduziert. Das geringere Produktangebot f\u00fcr die stoffliche Nutzung m\u00fcsste durch Holzproduktimporte oder Ersatz aus Nicht-Holzprodukten gedeckt werden.<\/p>\n<h3>Was ist nachhaltiger: Mit Holz bauen oder heizen?<\/h3>\n<p>In ihrer Studie betrachteten die Wissenschaftler die Holznutzung als ein System, wie Projektleiterin Prof. Gabriele Weber-Blaschke erl\u00e4utert: &#8220;Die Frage, ob eine Holzheizung oder ein Holzhaus nachhaltiger ist, l\u00e4sst sich nicht beantworten. Denn beide sind Teil der gleichen Rechnung &#8211; Beispiel: Wenn wir alles verf\u00fcgbare Holz verheizen w\u00fcrden, m\u00fcssten wir beim Hausbau den nachwachsenden Rohstoff durch weniger nachhaltige Materialien wie Stahl oder Ziegel ersetzen.&#8221;<\/p>\n<p>Verschiebt sich also die Holznutzung vom Referenzjahr 2010 in Zukunft weiter in Richtung energetische Nutzung, muss man in die Gesamtbilanz auch Importe oder Substitutionsprodukte einrechnen und deren \u00f6kologische, \u00f6konomische und soziale Auswirkungen ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<h3>G\u00fcnstige Kohlenstoffbilanz mit Holz als Baumaterial<\/h3>\n<p>In ihrer Nachhaltigkeitsberechnung zeigen die Autoren, dass mit dem Einsatz von Nicht-Holz-Alternativen wie Stahl oder Beton im Bauwesen mehr Treibhausgase freigesetzt werden. Da die Holzenergie jedoch fossile Brennstoffe ersetzt, bleibt der Aussto\u00df von Klimagasen insgesamt ann\u00e4hernd gleich. Die Feinstaubbelastung steigt jedoch, wenn mehr Holz verbrannt wird. Dabei lie\u00df jedoch nicht ermitteln, wie eine geringere stoffliche Nutzung diese Emissionen beeinflusst.<\/p>\n<p>Da in den Szenarien bei steigenden Erd\u00f6l- und Holzpreisen weniger Holz genutzt wird, nimmt der Kohlenstoff-Speicher im Wald zu. Allerdings haben zwei andere Effekte einen noch gr\u00f6\u00dferen Einfluss auf die Kohlenstoffbilanz: Erstens der in Holzprodukten gebundene Kohlenstoff; zweitens die Verwendung von Holz anstelle fossiler Brennstoffe und energieintensiver Materialien, zum Beispiel Beton und Stahl.<\/p>\n<p>Am Beispiel des Clusters Forst und Holz in Bayern\u00a0errechneten die Autoren, dass die dauerhafte Kohlenstoff-Speicherung einen volkswirtschaftlichen Nutzen von bis zu 150 Millionen Euro im Jahr erbringt, wenn man derzeitige Preise im CO<sub>2<\/sub>-Emissionshandel ansetzt.<\/p>\n<h3>Mehr Arbeitspl\u00e4tze im Energieholz-Sektor<\/h3>\n<p>Am Arbeitsmarkt ist in den Szenarien ein Stellenzuwachs im Energieholz-Sektor zu erwarten, zum Beispiel im Energieholzeinschlag und in der Holzaufbereitung sowie der Logistik, w\u00e4hrend die Anzahl der Besch\u00e4ftigten in der S\u00e4ge-, Werkstoff- und Papierindustrie sowie im Druckgewerbe zur\u00fcckgehen k\u00f6nnte. Insgesamt gehen mehr Arbeitspl\u00e4tze verloren, als durch den Ausbau der Energiegewinnung aus Holz entstehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Zudem muss bei der Verwertung von Holz auch der Umbau von W\u00e4ldern ber\u00fccksichtigt werden. Denn um das \u00d6kosystem Wald vielf\u00e4ltiger und widerstandsf\u00e4higer zu machen, erh\u00f6hen Forstwirte in Bayern den Anteil an Laubb\u00e4umen, vor allem der Buche. Dieser ist seit 2002 um 7 Prozent gestiegen. &#8220;Allerdings&#8221;, gibt Richter zu bedenken, &#8220;ist Fichte wegen ihrer Eigenschaften das bevorzugte Holzmaterial f\u00fcr das Bauwesen. F\u00fcr das Laubstammholz m\u00fcssen daher erst neue Verwendungsm\u00f6glichkeiten geschaffen werden.&#8221;<br \/>\n* Das Forschungsprojekt\u00a0wurde vom Lehrstuhl f\u00fcr Holzwissenschaft (Koordination) und dem Fachgebiet f\u00fcr Waldinventur und nachhaltige Nutzung der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen, dem Fachbereich Holzenergie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Bayerischen Landesanstalt f\u00fcr Wald- und Forstwirtschaft durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>** Die Studie betrachtet drei Preisszenarien im Zeitraum 2010 &#8211; 2035. Basis-Szenario A0: gleichbleibende Erd\u00f6lpreisentwicklung; Szenario A50 1,5-fache Erd\u00f6lpreissteigerung, Szenario A100: doppelte Erd\u00f6lpreissteigerung<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Weitere Informationen<\/h3>\n<p>&#8211; <a href=\"http:\/\/go.tum.de\/150313\" target=\"_blank\">Kurzbericht der Studie &#8220;Konkurrenz um Holz&#8221;<\/a><br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/go.tum.de\/228032\" target=\"_blank\">Abschlussbericht der Studie &#8220;Konkurrenz um Holz&#8221;<\/a><br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/www.hfm.tum.de\/\" target=\"_blank\">Holzforschung M\u00fcnchen<\/a>, Technische Universit\u00e4t M\u00fcnchen<br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/www.waldinventur.wzw.tum.de\/\" target=\"_blank\">Fachgebiet f\u00fcr Waldinventur und nachhaltige Nutzung<\/a>, Technische Universit\u00e4t M\u00fcnchen<br \/>\n&#8211; <a href=\"http:\/\/www.hswt.de\/person\/stefan-wittkopf\/bereich-holzenergie.html\" target=\"_blank\">Fachbereich Holzenergie<\/a> der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kontakt<\/h3>\n<p>Technische Universit\u00e4t M\u00fcnchen<br \/>\nLehrstuhl f\u00fcr Holzwissenschaft, Holzforschung M\u00fcnchen<br \/>\nProf. Dr. Gabriele Weber-Blaschke, Prof. Dr. Klaus Richter<br \/>\nTel.: +49 8161 71-5635 bzw. +49 89 2180-6421<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:weber-blaschke@hfm.tum.de\" target=\"_blank\">weber-blaschke@hfm.tum.de<\/a><br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:richter@hfm.tum.de\" target=\"_blank\">richter@hfm.tum.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Holz erfreut sich zunehmender Beliebtheit, nicht nur als Material f\u00fcr den Hausbau: Immer mehr Privathaushalte und Kommunen heizen mit Holz. 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