{"id":25714,"date":"2015-04-28T03:00:58","date_gmt":"2015-04-28T01:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=25714"},"modified":"2015-04-24T16:52:56","modified_gmt":"2015-04-24T14:52:56","slug":"grosses-rohstoffpotenzial-sichert-auch-zukuenftig-nachschub-fuer-teller-trog-und-tank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/grosses-rohstoffpotenzial-sichert-auch-zukuenftig-nachschub-fuer-teller-trog-und-tank\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfes Rohstoffpotenzial sichert auch zuk\u00fcnftig Nachschub f\u00fcr Teller, Trog und Tank"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es ist soweit. In Deutschland bl\u00fcht in diesen Tagen auf rund 1,3 Millionen Hektar der Raps in seiner ganzen gelben Pracht. Als wichtigste heimische \u00d6l- und Eiwei\u00dfpflanze hat er sich in den vergangenen 25 Jahren sowohl in der Ern\u00e4hrung von Mensch und Tier als auch ganz besonders als Rohstoff f\u00fcr die Herstellung von Biokraftstoff etabliert.<\/strong><\/p>\n<p>Und auch in die europ\u00e4ische Politik hat es der Raps geschafft, denn auf der Agenda der Europapolitik stehen in diesen Wochen und Monaten neben den ganz gro\u00dfen Krisenthemen wie der Griechenlandpolitik auch weitreichende Entscheidungen f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Energiepolitik. Gerade beim Thema Biokraftstoff geht es dabei derzeit f\u00fcr eine gesamte Branche um Sein oder Nichtsein. Nach Jahren, in denen die Biokraftstoffe mit Blick auf die Einsparung von Treibhausgasen politisch gef\u00f6rdert wurden, drohte in j\u00fcngster Zeit die Gefahr, dass Biodiesel und Bioethanol der Hahn zugedreht werden k\u00f6nnte. Eigentlich sollten erneuerbare Energien und hier vor allem Biokraftstoffe bis 2020 mindestens 10 Prozent der fossilen Energie ersetzen. Aber gerade dieses gut gemeinte Ziel hat Kritiker auf den Plan gerufen, die Biokraftstoffe f\u00fcr ganz unterschiedliche Probleme wie Landraub, Hunger, gestiegene Nahrungsmittelpreise sowie direkte und indirekte Landnutzungs\u00e4nderungen, wie zum Beispiel Urwaldrodung, verantwortlich machen.<\/p>\n<p>All diesen Kritikpunkten liegt die gemeinsame Annahme zugrunde, dass die Nutzung von Pflanzen f\u00fcr die Herstellung von Biokraftstoffen in extremer Konkurrenz zu ihrer Verwendung als Nahrungsmittel steht. Nach dem Motto: Was in den Tank geht, kann nicht satt machen. Das h\u00f6rt sich einfach an und hat auch Politiker verunsichert. Und das, obwohl es gerade in diesen Tagen neben der Einsparung von Treibhausgasen noch weitere gute Gr\u00fcnde gibt, Biokraftstoffe zu f\u00f6rdern. Denn angesichts der bedrohlichen Lage in Osteuropa sowie im Nahen und Mittleren Osten m\u00fcssen wir uns von Erd\u00f6l und Erdgas aus diesen Regionen unabh\u00e4ngiger machen. Die Frage ist also: Gibt es die oben beschriebene Konkurrenz? Man kann die Frage auch anders stellen: Gibt es gen\u00fcgend Anbaufl\u00e4che bzw. ein ausreichendes Rohstoffpotenzial, damit keine Konkurrenz aufkommt? Die Frage kann kurz und knapp mit \u201eja\u201c beantwortet werden. F\u00fcr eine detaillierte Begr\u00fcndung muss jedoch etwas weiter ausgeholt werden.<\/p>\n<p>2014 wurde weltweit die enorme Menge von 2,46 Mrd. Tonnen Getreide (inkl. Reis) geerntet. Gleichzeitig betrugen die Lagerbest\u00e4nde 431 Mio. Tonnen. Und das trotz der Nutzung von Getreide f\u00fcr die Ethanolproduktion. Bei \u00d6lsaaten sieht es \u00e4hnlich aus. Lediglich 5 bis 8 Prozent der weltweiten Raps-, Soja- und Sonnenblumenernte von 521 Mio. Tonnen wurden f\u00fcr die Biokraftstoffproduktion verwendet. Es gibt theoretisch also keinen Grund, warum f\u00fcr die Biokraftstoffproduktion zus\u00e4tzliche Fl\u00e4chen ben\u00f6tigt w\u00fcrden. Selbst wenn der Bedarf an Getreide und Pflanzen\u00f6l drastisch ansteigen w\u00fcrde, g\u00e4be es noch gen\u00fcgend ungenutzte Anbaufl\u00e4chen in Europa, Afrika und S\u00fcdamerika. Dies zeigt eine Vielzahl von Studien. Allein in Osteuropa stehen \u00fcber 12 Mio. Hektar zur Verf\u00fcgung, die derzeit ungenutzt sind. Das entspricht der gesamten deutschen Ackerfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Eine erschreckende Zahl und gleichzeitig ein enormes Potenzial sind die 1 Mrd. Tonnen Lebensmittel bzw. Nahrungsmittelrohstoffe, die den Teller gar nicht erreichen. Verantwortlich daf\u00fcr sind ineffiziente Erntemethoden, regional hohe Lagerungsverluste durch Schimmel und Sch\u00e4dlingsbefall und hohe Transportverluste. Allein in Deutschland werden j\u00e4hrlich ca. 11 Mio. Tonnen Lebensmittel auf dem M\u00fcll \u201eentsorgt\u201c \u2013 das entspricht ca. 4 bis 5 Mio. Hektar Ackerfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Es gibt also ein sehr gro\u00dfes Rohstoffpotenzial f\u00fcr die Produktion von Biokraftstoffen. Und dennoch gibt es Regenwaldrodungen und Hunger auf der Welt. So sch\u00f6n es auch w\u00e4re, diese Probleme allein durch ein Verbot von Biokraftstoffen zu l\u00f6sen, so wenig w\u00fcrde dies bringen. Die eigentlichen Gr\u00fcnde sind n\u00e4mlich viel komplexer und kurzfristig kaum zu l\u00f6sen. In vielen Entwicklungsl\u00e4ndern sind Regierungen an der Macht, die die Bed\u00fcrfnisse, insbesondere der l\u00e4ndlichen Regionen, vernachl\u00e4ssigen. Korruption, Kriege, mangelhafte Verwaltung und fehlende Infrastrukturen f\u00fchren in vielen dieser Regionen fast zwangsl\u00e4ufig zu Armut und Hunger. Biokraftstoffe k\u00f6nnten hier sogar Impulsgeber f\u00fcr neue Einkommensperspektiven in l\u00e4ndlichen R\u00e4umen sein, unter anderem auch als Beitrag f\u00fcr die lokale Energieversorgung. Mit neuen bzw. z\u00fcchterisch weiterentwickelten Pflanzen, die an die regionalen Standortbedingungen angepasst sind, k\u00f6nnten auch ackerbaulich bisher nicht genutzte Fl\u00e4chen in diesen L\u00e4ndern erschlossen werden.<\/p>\n<p>Urw\u00e4lder werden in S\u00fcdamerika und S\u00fcdostasien in erster Linie gerodet, um Weidefl\u00e4chen f\u00fcr Rinder und Anbaufl\u00e4chen f\u00fcr \u00d6l- und Eiwei\u00dfpflanzen zu schaffen, weil die weltweite Nachfrage nach Fleisch, aber auch nach Pflanzen\u00f6l, zum Beispiel f\u00fcr die chemische Industrie, enorm gestiegen ist. F\u00fcr die Verwendung dieser Rohstoffe zur Herstellung von Biokraftstoffen gelten in der EU strenge Nachhaltigkeitskriterien. F\u00fcr alle anderen Verwendungsbereiche jedoch nicht. Wenn man sieht, wie gering der Anteil der Erntemengen ist, die zu Biokraftstoffen verarbeitet werden, wird klar, dass durch einen Verzicht auf Biokraftstoffe in Europa Regenwaldrodungen in anderen Regionen der Erde auf keinen Fall verhindert werden k\u00f6nnten. Gleichzeitig w\u00fcrde jedoch der Bedarf an Erd\u00f6l steigen. Die Suche nach neuen fossilen Rohstoffquellen muss schon heute mit immensen Investitionssummen vorangetrieben werden. Dieser Aufwand wird zuk\u00fcnftig nicht geringer. Wenn nur ein kleiner Teil dieser Investitionen zur F\u00f6rderung von Projekten zur nachhaltigen und umweltvertr\u00e4glichen Optimierung der Pflanzenproduktion eingesetzt w\u00fcrde, k\u00f6nnte das landwirtschaftliche Rohstoffpotenzial sogar noch weiter gesteigert werden. An dieser Stelle k\u00f6nnten die deutsche und die europ\u00e4ische Politik Weitsicht beweisen und die Forschung angemessener als bisher f\u00f6rdern. Dies k\u00e4me letztlich allen Absatzm\u00e4rkten zugute \u2013 egal, ob f\u00fcr Teller, Trog oder Tank.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist soweit. In Deutschland bl\u00fcht in diesen Tagen auf rund 1,3 Millionen Hektar der Raps in seiner ganzen gelben Pracht. Als wichtigste heimische \u00d6l- und Eiwei\u00dfpflanze hat er sich in den vergangenen 25 Jahren sowohl in der Ern\u00e4hrung von Mensch und Tier als auch ganz besonders als Rohstoff f\u00fcr die Herstellung von Biokraftstoff etabliert. 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