{"id":25343,"date":"2015-04-07T03:09:12","date_gmt":"2015-04-07T01:09:12","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=25343"},"modified":"2015-04-02T12:34:37","modified_gmt":"2015-04-02T10:34:37","slug":"oeko-plastik-aus-milch-kuhstoff-wird-kunststoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/oeko-plastik-aus-milch-kuhstoff-wird-kunststoff\/","title":{"rendered":"\u00d6ko-Plastik aus Milch: Kuhstoff wird Kunststoff"},"content":{"rendered":"<p>Plastik aus Biomasse gibt es schon lange. Aber wer kennt Plastik aus Milch? Die Hannoveraner Firma \u201eQmilch\u201c hat sich an genau das herangewagt. Eigentlich ist das Unternehmen f\u00fcr eine Faser f\u00fcr die Textilindustrie bekannt, die seit vier Jahren aus Milch hergestellt wird. \u201eDabei haben wir den zweiten vor dem ersten Schritt gemacht\u201c, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Anke Domaske. Denn es ist schwieriger, aus dem Molkereiprodukt Casein eine d\u00fcnne, rei\u00dffeste Faser herzustellen als das Kunststoffgranulat.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich war Milch sogar das Basismaterial des weltweit ersten Kunststoffs <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Galalith\" target=\"_blank\">Galalith<\/a>, den der Chemiker Adolf Spitteler 1897 entwickelte. Doch das viel g\u00fcnstigere Erd\u00f6l verdr\u00e4ngte die Milch, und so geriet die Technologie in Vergessenheit.<\/p>\n<p>Nun f\u00fchrt Qmilch die ersten nichttextilen Produkte auf dem Markt ein. Sie haben laut Unternehmen die gleichen positiven Eigenschaften wie Textilfasern aus Milch: Sie wirken antibakteriell, sind kompostierbar und aus einem nachwachsenden Rohstoff. Dabei verwendet die Firma nicht etwa die Milch, die auch in den Supermarktregalen landen k\u00f6nnte: Laut Unternehmen wird nur Rohmilch verarbeitet, die nicht mehr zum Verzehr geeignet ist.<\/p>\n<p>Rolf Buschmann, Referent f\u00fcr technischen Umweltschutz beim BUND, findet es begr\u00fc\u00dfenswert, dass sich die Firma dazu verpflichtet und somit keine Lebensmittelkonkurrenz entsteht. Dennoch wolle er das Milchplastik nicht grunds\u00e4tzlich \u201e\u00fcber den gr\u00fcnen Klee loben\u201c. Denn M\u00fcllvermeidung solle immer Vorrang haben. Auch bleibt die Sorge, dass andere Firmen die Technologie nutzen und dabei normale Milch verwenden.<\/p>\n<h3>Aber: Rechnet sich das?<\/h3>\n<p>In Hannover bei Qmilch ist man zuversichtlich, genug Rohstoffe f\u00fcr die wachsende Produktion beschaffen zu k\u00f6nnen. Die Firma geht davon aus, dass deutschlandweit j\u00e4hrlich 2 Millionen Tonnen Milch entsorgt werden. Zurzeit produziere die Firma 2.000 Tonnen Milchkunststoff im Jahr, Tendenz steigend.<\/p>\n<p>Kunststoff aus Milch sei ein Nischenprodukt, sagt Michael Herrmann von PlasticsEurope, dem f\u00fchrenden Verband der Kunststofferzeuger. Die entscheidende Frage sei, ob sich die Herstellung rechne. \u00c4hnliche Bedenken hat Michael Thielen von der Fachzeitschrift bioplastics Magazine: \u201eDie Marktchancen h\u00e4ngen vom Verkaufspreis ab, der bei gr\u00f6\u00dferen Produktionskapazit\u00e4ten g\u00fcnstiger wird.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir sind eindeutig teurer als Hersteller von Erd\u00f6lprodukten\u201c, sagt Anke Domaske. Noch sei das Hauptgesch\u00e4ft die Textilfaser. Aber bald schon w\u00fcrden Folien und auch massive Gegenst\u00e4nde die Produktpalette der Firma erweitern. Die Folien seien biologisch abbaubar und b\u00f6ten trotzdem eine bessere Aromabarriere, sagt Domaske. Deshalb seien sie bei der Lebensmittelverpackung gut zu verwenden. Demn\u00e4chst kommt sogar ein Bei\u00dfring f\u00fcr Babys auf den Markt \u2013 hergestellt aus Milch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Plastik aus Biomasse gibt es schon lange. Aber wer kennt Plastik aus Milch? Die Hannoveraner Firma \u201eQmilch\u201c hat sich an genau das herangewagt. 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