{"id":25089,"date":"2015-03-25T03:00:50","date_gmt":"2015-03-25T02:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=25089"},"modified":"2015-03-23T14:55:34","modified_gmt":"2015-03-23T13:55:34","slug":"daemmung-mit-nachwachsenden-braucht-mehr-brandschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/daemmung-mit-nachwachsenden-braucht-mehr-brandschutz\/","title":{"rendered":"D\u00e4mmung mit Nachwachsenden braucht mehr Brandschutz"},"content":{"rendered":"<p>Mit einem Forschungsverbund von Herstellern und Wissenschaftlern will die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) den Einsatz von nat\u00fcrlichen D\u00e4mmstoffen am Bau unterst\u00fctzen. Projektvorschl\u00e4ge k\u00f6nnen noch bis zum 30. April eingereicht werden<\/p>\n<p>&#8220;Ziel ist, die Vorteile und den Zusatznutzen von D\u00e4mmstoffen mit Zahlen und Daten zu belegen&#8221;, sagt Birgit Herrmann, Referentin f\u00fcr Bauen und Wohnen der FNR. Sie erwartet, dass der Forschungsverbund auch Konzepte entwickelt, um den Brandschutz zu gew\u00e4hrleisten. Das Glimmen, das nach dem L\u00f6schen eines Brandes zur Wiederentz\u00fcndung f\u00fchren kann, ist ein Problem nachwachsender D\u00e4mmstoffe. Eine L\u00f6sung k\u00f6nnten beispielsweise Anweisungen f\u00fcr die Feuerwehr sein, die D\u00e4mmung um einen Brandherd in einem bestimmten Abstand auszufachen, sagt Hermann. Mit einer Entscheidung, welcher Forschungsverbund von der FNR unterst\u00fctzt wird, rechnet sie f\u00fcr Ende des Jahres.<\/p>\n<h3>Einsatz in Mehrgeschossern ist nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich<\/h3>\n<p>Beim Einsatz in Mehrgeschossern sto\u00dfen nachwachsende D\u00e4mmstoffe bisher an bauordnungsrechtliche Grenzen, weil sie in der Regel in die Brandschutzklasse B2 &#8211; normalentflammbar &#8211; eingeordnet werden. Allerdings kommt hier gerade Bewegung in die Sache. &#8220;Seit 1. M\u00e4rz hat Baden-W\u00fcrttemberg seine Bauordnung so ver\u00e4ndert, dass brennbare Materialien auch in Mehrgeschossern nicht von vornherein ausgeschlossen sind, sondern die Konstruktion den Brandschutz gew\u00e4hrleisten muss&#8221;, berichtet Andreas Br\u00fcckner von der FNR. D\u00e4mmstoffe k\u00f6nnten etwa im Wandaufbau mit Holz verkapselt werden. Damit g\u00e4be es mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr ihren Einsatz. Bei einzelnen Herstellern gibt es schon schwer entflammbare WDVS-Produkte auf Holzbasis.<\/p>\n<p>Zur Vereinheitlichung der unterschiedlichen Rechtsgrundlagen in den Bundesl\u00e4ndern will ein Runder Tisch beitragen, den das Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft unter Federf\u00fchrung der FNR in Berlin veranstaltet. &#8220;Das erste Thema am 19. M\u00e4rz wird der Brandschutz sei&#8221;, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.<\/p>\n<p>Verbunden mit dem Brandschutz ist das Problem der Flammschutzmittel: &#8220;Bei den meisten D\u00e4mmstoffen aus Nawaro sind mehr oder weniger problematische Brandschutzmittel enthalten&#8221;, schreibt Arnold Drewer, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Instituts f\u00fcr preisoptimierte energetische Geb\u00e4udemodernisierung, in einer Diskussion in der Facebookgruppe &#8220;D\u00e4mmstoffe Pro &amp; Contra&#8221;. Meist wird Borsalz eingesetzt. Zu den Ausnahmen geh\u00f6ren Kork und Seegras, die von Natur aus die Brandstoffklasse 2 erreichen. Borsalz ist als Gefahrstoff klassifiziert, hat aber keinen Dampfdruck. &#8220;Einmal verbaut, d\u00fcnstet er nicht aus. Eine Belastung der Raumluft erfolgt nicht&#8221;, sagt der Holzschutzexperte Andr\u00e9 Peylo. Trotzdem d\u00fcrfe Borsalz seit 2009 nur noch in einer Konzentration von weniger als 5,5 Prozent in D\u00e4mmstoffen enthalten sein. Als Ersatz werde nun h\u00e4ufig Aluminiumsulfat (Alaun) eingesetzt, das unter dem akuten Verdacht stehe, Alzheimer hervorzurufen, kritisiert Peylo.<\/p>\n<p>Die Recyclingf\u00e4higkeit durch Kompostierung wird durch die Zusatzstoffe eingeschr\u00e4nkt: &#8220;Bisher unternommene Versuche verliefen aufgrund von Zus\u00e4tzen zur Flamm- und Fra\u00dfhemmung negativ&#8221;, schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Gr\u00fcnen im Bundestag zu D\u00e4mmstoffen f\u00fcr die energetische Sanierung.<\/p>\n<p>Nachwachsende D\u00e4mmstoffe bringen also auch ihre Probleme mit. &#8220;Grunds\u00e4tzlich m\u00fcsste es zur Energiewende aber auch eine Rohstoffwende geben. Davon sind wir noch weit weg&#8221;, sagt Br\u00fcckner. Zwar sei die Energiewende mit nachwachsenden Rohstoffen allein nicht zu schaffen. Doch die Palette der Alternativen zu synthetischen und mineralischen Materialien ist gro\u00df.<\/p>\n<p>Zur Verf\u00fcgung stehen bei D\u00e4mmung aus nachwachsenden Rohstoffen Baumwolle, Flachs, Getreidegranulat, Hanf, Holz, Kokos, Kork, Rohrkolben, Schafwolle, Schilf, Seegras, Stroh, Wiesengras und Zellulose. Die meisten beschreibt die FNR in der Brosch\u00fcre &#8220;D\u00e4mmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen&#8221;. 2011 betrug der Marktanteil von \u00d6kod\u00e4mmstoffen nach Berechnungen der FNR sieben Prozent. Ein Umsatzplus von zwei Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr ermittelte der Branchenradar D\u00e4mmstoffe f\u00fcr 2014.<\/p>\n<h3>Zellulose und Holzfasern kommen h\u00e4ufig zum Einsatz<\/h3>\n<p>Zellulose und Holzfasern stellen den L\u00f6wenanteil. Hanf ist mit zwei Prozent schon ein Nischenprodukt, alle anderen firmieren unter ferner liefen. Eine Frage ist die Verf\u00fcgbarkeit von biobasierten D\u00e4mmstoffen. Stroh ist in gro\u00dfen Mengen vorhanden. Auch bei Seegras d\u00fcrfte es keine Probleme geben. So schrieb die Hansestadt L\u00fcbeck k\u00fcrzlich einen Auftrag \u00fcber die Abfuhr von 15.000 Tonnen Seegras (Zostera marina)aus. &#8220;Genau mit solchem Seegras wurde das Ostsee-Infocenter in Eckernf\u00f6rde ged\u00e4mmt&#8221;, sagt Bauleiter Jochen Schulze. Allerdings stehe die aufw\u00e4ndige Aufbereitung einem h\u00e4ufigeren Einsatz von Seegras bisher entgegen. Weite Transportwege &#8211; auch ein Aspekt f\u00fcr die Bewertung nachwachsender D\u00e4mmstoffe &#8211; hat das Seegras <em>Posidonia oceanica<\/em>. Es wird unter dem Markennamen Neptutherm verkauft und stammt vom Mittelmeer.<\/p>\n<p>Andere Pflanzen werden nur in so geringen Mengen angebaut, dass die Verbraucher &#8220;keine Monokulturen bef\u00fcrchten m\u00fcssen&#8221;, sagt Andreas Br\u00fcckner von der FNR. Kleine Mengen bedeuten aber auch hohe Preise. Am g\u00fcnstigsten ist mit 17,50 Euro pro Quadratmeter die Einblasd\u00e4mmung aus Zellulose, so eine Preis\u00fcbersicht der FNR. Es folgen Sch\u00fctthanf (22 Euro), flexible Holzfaserplatten (29,50 Euro), Hanfmatten (30 Euro), Flachs (34,50 Euro) und feste Holzfaserplatten (41,50 Euro). F\u00fcr Flachs kennt Andreas Br\u00fcckner nur einen Hersteller in der Schweiz. &#8220;Das ist ein Zeichen, dass manche Nischenprodukte es wirtschaftlich nicht geschafft haben&#8221;. Sie seien trotz eines Markteinf\u00fchrungsprogramms &#8220;nicht wirklich g\u00fcnstiger geworden&#8221;. Bei den Preisen der \u00d6kod\u00e4mmstoffe muss Goodwill also vorhanden, wenn man sie einsetzen will. &#8220;Sonst w\u00fcrde man nach dem g\u00fcnstigsten Produkt greifen und das ist Polystyrol&#8221;, sagt Br\u00fcckner.<\/p>\n<p>Wo ein Wille ist, ist aber auch ein Weg. So hat die Firma Schelfbauh\u00fctte in Schwerin Stroh als Au\u00dfend\u00e4mmung im Altbau eingesetzt. Landl\u00e4ufig lautet die Meinung, Stroh sei nur f\u00fcr Neubauten geeignet. Befestigt wurden die Ballen mit einer neuartigen Halterung aus Kunststoff. Dar\u00fcber sind Holzweichfaserplatten angebracht. &#8220;Damit erreicht die D\u00e4mmung die Brandschutzklasse normalentflammbar&#8221;, sagt Philip Besemer von der Schelfbauh\u00fctte. Die Feuerwiderstandsklasse stehe noch nicht fest. &#8220;Weil Strohd\u00e4mmung so dicht gepresst ist, dass sie kaum Sauerstoff enth\u00e4lt, erreicht sie in der Regel die Klasse F 30, also einen Widerstand von 30 Minuten. Wir vergleichen das immer mit einem Telefonbuch&#8221;, erkl\u00e4rt Burkard R\u00fcger vom Fachverband Strohballenbau Deutschland. Aus diesem Grund braucht Stroh auch keine Flammschutzmittel oder eine Ausr\u00fcstung gegen Sch\u00e4dlinge. Auch wurden vor gut einem halben Jahr die bauaufsichtlichen Zulassungen von Stroh erweitert.<\/p>\n<h3>Forscher arbeiten an Schaumstoff aus Holz<\/h3>\n<p>Gegen\u00fcber dem Low-Tech-Produkt Strohballen gibt es auch hochtechnisierte Entwicklungen: Das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Holzforschung WKI hat ein Verfahren entwickelt, mit dem es aus Holzpartikeln Schaumstoff herstellt. Das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik arbeitet an Schaumstoffen auf der Basis von Zelluloseacetat. Ein Aufsatz dazu ist im Tagungsband &#8220;<a href=\"https:\/\/mediathek.fnr.de\/gfg-tagung-bauen-mit-nachwachsenden-rohstoffen-2014-band-47.html\" target=\"_blank\">Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen<\/a>&#8221; erschienen. Die Hochschule f\u00fcr nachhaltige Entwicklung Eberswalde untersucht den Einsatz heimischer Baumrinde, die Verwendung von Nanozellulose in Biosch\u00e4umen ist Teil des Projekts Biofoambark der Universit\u00e4t Freiburg.<\/p>\n<p>Verbunden sind viele dieser Verfahren noch mit einem hohen Einsatz von Energie. In einer Nachhaltigkeitsbewertung, wie sie der Forschungsverbund der FNR vornehmen soll, wird auch dies eine Rolle spielen. Die meisten nachwachsenden D\u00e4mmstoffe schneiden hier sehr gut ab. Ausnahmen sind Kork und Holzfaserd\u00e4mmplatten, die aufw\u00e4ndig erhitzt beziehungsweise getrocknet werden. Das Nachweisverfahren der Energieeinsparverordnung klammert die Verwendung graue Energie bisher aus. Die Daten dazu sind aber in der Datenbank &#8220;<a href=\"http:\/\/oekobaudat.de\/\" target=\"_blank\">oekobaudat.de<\/a>&#8221; enthalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem Forschungsverbund von Herstellern und Wissenschaftlern will die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) den Einsatz von nat\u00fcrlichen D\u00e4mmstoffen am Bau unterst\u00fctzen. Projektvorschl\u00e4ge k\u00f6nnen noch bis zum 30. April eingereicht werden &#8220;Ziel ist, die Vorteile und den Zusatznutzen von D\u00e4mmstoffen mit Zahlen und Daten zu belegen&#8221;, sagt Birgit Herrmann, Referentin f\u00fcr Bauen und Wohnen der FNR. 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