{"id":24897,"date":"2015-03-12T03:18:54","date_gmt":"2015-03-12T02:18:54","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=24897"},"modified":"2015-03-12T13:35:20","modified_gmt":"2015-03-12T12:35:20","slug":"indonesien-zertifizierte-zerstoerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/indonesien-zertifizierte-zerstoerung\/","title":{"rendered":"Indonesien: Zertifizierte Zerst\u00f6rung"},"content":{"rendered":"<p>Auf dem Boden der Holzh\u00fctte hockt eine junge Frau, sie wiegt ein schlafendes M\u00e4dchen in ihren Armen. Arti* ist 29 Jahre alt und seit kurzem Witwe. Ihre f\u00fcnf Monate alte Tochter Gemasti wird ihren Vater nie mehr sehen. Am 5. M\u00e4rz 2014 schlugen Sicherheitsleute des Palm\u00f6lkonzerns PT Asiatic Persada mit Eisenstangen und Gewehrkolben so brutal auf den protestierenden Puji ein, dass er starb. \u201eWenn Puji an einer Krankheit gestorben w\u00e4re, k\u00f6nnte ich damit leben\u201c, sagt Arti. \u201eAber er wurde mir geraubt.\u201c<\/p>\n<p>Pujis Tod ist der blutige H\u00f6hepunkt des Landkonflikts zwischen PT Asiatic Persada und dem Volk der Suku Anak Dalam in der Provinz Jambi auf Sumatra, Indonesien. Vor rund 30 Jahren begann die Firma hier damit, den Regenwald der Indigenen abzuholzen, um im Anschluss daran Palm\u00f6lplantagen anzupflanzen.<\/p>\n<p>Obwohl sich die Menschen gegen die Bulldozer stellten und ihren \u201eWald der Ahnen\u201c besetzten, wurde weiter illegal abgeholzt. Heute liegt das einstige Regenwalddorf Bungku inmitten einer Monokultur aus \u00d6lpalmen \u2013 eineinhalb Mal so gro\u00df wie M\u00fcnchen. Noch immer k\u00e4mpfen die Menschen daf\u00fcr, ihr Land zur\u00fcckzubekommen. Bislang vergeblich.<\/p>\n<h3>Der Palm\u00f6l-Verbrauch hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt. Knapp 70 Prozent werden f\u00fcr Nahrungsmittel verwendet<\/h3>\n<p>Palm\u00f6l ist mit 60 Millionen Tonnen pro Jahr das meistverwendete Pflanzenfett der Welt. Der Verbrauch von Palm- und Palmkern\u00f6l, gewonnen aus Frucht und Kernen der \u00d6lpalme, hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt. Laut Sch\u00e4tzungen der Umweltorganisation WWF steckt es mittlerweile in etwa jedem zweiten Supermarktprodukt. Denn Palm\u00f6l ist weitaus billiger als beispielsweise Raps\u00f6l und zudem recht praktisch: Sein hoher Schmelzpunkt h\u00e4lt es bei Raumtemperatur sowohl geschmeidig als auch fest. Es eignet sich ideal f\u00fcr Schokoriegel, Nuss-Nougat-Creme, Eis und Knabberzeug, aber auch f\u00fcr T\u00fctensuppen oder Tiefk\u00fchlpizza. Knapp 70 Prozent des umstrittenen \u00d6ls werden laut des Statistikdienstes \u201eOil World\u201c in der Lebensmittelindustrie verarbeitet. Es steckt\u00a0 auch in Agrartreibstoffen, Putz- und Waschmitteln, Kosmetik und Kerzen, Farben und Lacken.<\/p>\n<p>Seit dem 13. Dezember nun m\u00fcssen die Hersteller genau angeben,\u00a0welches Pflanzen\u00f6l ein Produkt enth\u00e4lt. So will es die Europ\u00e4ische Union. Die vage Bezeichnung \u201ePflanzenfett\u201c ist dann nicht mehr zul\u00e4ssig. Dahinter verbirgt sich fast immer Palm\u00f6l. Und das verursacht am anderen Ende der Welt eine Reihe nicht enden wollender Konflikte.<\/p>\n<p>Indonesien ist der gr\u00f6\u00dfte Palm\u00f6lproduzent der Welt: Etwa die H\u00e4lfte des weltweit produzierten \u00d6ls kommt von dort. Der Rest stammt \u00fcberwiegend aus Malaysia und anderen Nachbarl\u00e4ndern in S\u00fcdostasien. Doch auch in Lateinamerika und Afrika breiten sich bereits die Plantagen aus.<\/p>\n<p>In Indonesien wachsen die \u00d6lpalmen heute auf 13 Millionen Hektar \u2013 einer Fl\u00e4che, drei Mal so gro\u00df wie die Schweiz. Zuvor wuchs und gedieh dort Regenwald.<\/p>\n<p>Genau das ist das Problem: Die Tropenpflanzen wachsen fast immer dort, wo zuvor Wald gerodet wurde. Auf der dreist\u00fcndigen Fahrt nach Bungku wird das Ausma\u00df der Zerst\u00f6rung deutlich. Links und rechts der Stra\u00dfe nichts als Monokulturen: Gro\u00dfe Palmen, kleine Palmen, kahle Fl\u00e4chen mit Baumst\u00fcmpfen, auf denen bereits Setzlinge in schwarzer Plastikfolie darauf warten, gepflanzt zu werden. Daneben donnern Dutzende LKW \u00fcber holprige Sandpisten. Auf ihren Ladefl\u00e4chen stapeln sich die Palm\u00f6lfr\u00fcchte. Sie sehen aus wie gigantische Ananasse.<\/p>\n<p>Laut einer Untersuchung von Greenpeace ist in Indonesien keine Branche st\u00e4rker an der Regenwaldrodung beteiligt als die Palm\u00f6lindustrie. Sie hat daf\u00fcr gesorgt, dass dort Tiere wie der Orang Utan, Wald-elefanten und Tiger vom Aussterben bedroht sind. Dessen ungeachtet soll die \u00d6lproduktion bis 2025 auf 40 Millionen Tonnen gesteigert und die Anbaufl\u00e4che verdoppelt werden. Denn f\u00fcr das Schwellenland ist Palm\u00f6l inzwischen das drittwichtigste Exportprodukt.<\/p>\n<p>Der Palm\u00f6lboom hat Indonesien aber auch eine unselige Spitzenposition eingebracht: Der Inselstaat hat Brasilien als Waldvernichter Nummer eins abgel\u00f6st. Durch Brandrodung und die Abholzung von Regenwald auf Torfb\u00f6den, bei der besonders viel im Boden gespeichertes Kohlendioxid und Methan in die Atmosph\u00e4re entweichen, ist Indonesien auch noch zum drittgr\u00f6\u00dften CO2-Emittenten der Welt aufgestiegen.<\/p>\n<h3>Es klingt paradox \u2013 doch zuzuschreiben ist diese Entwicklung auch der europ\u00e4ischen Klimaschutzpolitik.<\/h3>\n<p>2003 brachte das Europ\u00e4ische Parlament eine Richtlinie zu Biokraftstoffen auf den Weg, die 2009 in der Erneuerbare-Energie-Richtlinie aufging. Diese schreibt f\u00fcr den Verkehrssektor vor, dass bis 2020 mindestens ein Zehntel des gesamten Kraftstoffverbrauchs aus nachwachsenden Rohstoffen stammen m\u00fcssen. Diese Beimischungsquote gilt als Strategie gegen den Klimawandel, um gem\u00e4\u00df des Kyoto-Protokolls den CO2-Aussto\u00df zu senken. Agrartreibstoffe sollten au\u00dferdem die Abh\u00e4ngigkeit vom Erd\u00f6l verringern und einen Absatzmarkt f\u00fcr landwirtschaftliche Produkte in der EU schaffen. Doch weil es in ganz Europa nicht genug Fl\u00e4che gibt, um Mais, Raps oder R\u00fcben f\u00fcr den Tank anzubauen, begann die EU, die L\u00e4nder des S\u00fcdens in ihre Treibstoffpolitik miteinzubeziehen. Heute ist die EU drittgr\u00f6\u00dfter Importeur von Palm\u00f6l.<\/p>\n<p>\u201eAllein die Ank\u00fcndigung der gesetzlichen Beimischungsquote hat f\u00fcr einen Expansionsboom bei Palm\u00f6l in Indonesien gesorgt\u201c, sagt Indonesien-Expertin Marianne Klute vom Denkhaus Bremen, das NGOs und Non-Profit-Organisationen ber\u00e4t. Zwar wird nur ein Zwanzigstel des weltweit gehandelten Palm\u00f6ls f\u00fcr Agrarsprit verbraucht. Doch zwischen 2006 und 2013 hat sich der Palm\u00f6lverbrauch f\u00fcr Agrarsprit in der EU nahezu verf\u00fcnffacht \u2013 auf zuletzt 1,9 Millionen Tonnen im Jahr. Allein die daf\u00fcr ben\u00f6tigten Plantagen nehmen eine Fl\u00e4che von der doppelten Gr\u00f6\u00dfe Mallorcas ein.<\/p>\n<p>Laut EU-Richtlinie muss Agrarsprit im Vergleich zu fossiler Energie mindestens 35 Prozent CO2\u00a0einsparen. Ber\u00fccksichtigt man die komplette Wertsch\u00f6pfungskette, geht diese Rechnung jedoch nicht auf. Dann n\u00e4mlich ist Agrartreibstoff, vor allem wenn er Palm\u00f6l enth\u00e4lt, klimasch\u00e4dlicher als Benzin aus Erd\u00f6l. Das haben selbst Studien der EU-Kommission belegt.<\/p>\n<p>Trotzdem werden Rodungen und Landvertreibungen fortgesetzt. Vor allem indigene V\u00f6lker wie die Suku Anak Dalam sind davon betroffen, die letzten Waldnomaden Sumatras, die auch in Bungku leben.\u00a0<\/p>\n<p>Wie jeden Tag, hatte Puji sich auch am 5. M\u00e4rz mit seinem Motorrad zu seinem Land und seinen Leuten auf den Weg nach Bungku gemacht. Als er dort ankam, hatten Sicherheitsleute des Palm\u00f6lkonzerns PT Asiatic Persada und Milit\u00e4rs seinen Freund Titus bereits unter Schl\u00e4gen und Tritten von seinem Haus weggezerrt und zur Firma verschleppt. Sie warfen ihm vor, Erntearbeiter angestiftet zu haben, Palm\u00f6lfr\u00fcchte zu klauen. Mit dieser Unterstellung wurden schon Dutzende ins Gef\u00e4ngnis gesteckt, auch in Bungku. Zusammen mit Bauern, Freunden und Familienangeh\u00f6rigen machte sich Puji auf, um Titus\u2019 Freilassung zu fordern. Doch dann schlugen Milit\u00e4r und Wachleute auch auf die Protestierenden ein. Sechs M\u00e4nner wurden dabei so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Puji, noch gefesselt und geknebelt, starb dort an seinen Verletzungen.<\/p>\n<p>So ist der Fall von zahlreichen NGO wie Rettet den Regenwald, Robin Wood oder Sawit Watch! dokumentiert.<\/p>\n<p>Arti, seine Frau, lebt seither in der H\u00fctte ihres Vaters. Mit seiner Hilfe muss sie sich und f\u00fcnf Kinder durchbringen. Ihre Zukunft, die sie sich mit Puji ausgemalt hatte, mit dem sie ein Haus bauen wollte, liegt in Tr\u00fcmmern. Auf Entsch\u00e4digung wartet Arti bislang vergeblich.<\/p>\n<h3>Zu m\u00e4chtig sind die Verstrickungen zwischen Staat, Milit\u00e4r, internationalen Banken und den Pal\u00f6lkonzernen<\/h3>\n<p>Die Trag\u00f6die von Bungku klingt wie ein von Einzelt\u00e4tern begangenes Verbrechen. Tats\u00e4chlich aber handelt es sich um einen von gesch\u00e4tzten 5000 Landkonflikten, die die Palm\u00f6lindustrie allein in Indonesien heraufbeschworen hat. Pujis Fall liegt auch der Menschenrechtskommission der indonesischen Regierung vor. Doch zu m\u00e4chtig sind die Verstrickungen zwischen Staat, Milit\u00e4r, internationalen Banken und den Palm\u00f6lkonzernen. Das Gesch\u00e4ft mit dem Pflanzen\u00f6l beschert gewaltige Profite. Korruption ist allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>Auch das Unternehmen Wilmar International war in diesen Landkonflikt verwickelt \u2013 Asiens gr\u00f6\u00dfter Agrarkonzern, weltgr\u00f6\u00dfter Verarbeiter und Vertreiber von Palm\u00f6l. Laut der NGO Rettet den Regenwald soll allein Wilmar f\u00fcr mindestens 100 Landkonflikte verantwortlich sein. Der Konzern ist Hauptlieferant des Lebensmittelkonzerns Unilever, mit j\u00e4hrlich 1,5 Millionen Tonnen der gr\u00f6\u00dfte Einzelverbraucher von Palm\u00f6l. Daneben beliefert Wilmar auch Nestl\u00e9, Cargill und Procter &amp; Gamble.<\/p>\n<p>Seit 2005 ist Wilmar Mitglied des umstrittenen \u201eRound Table on Sustainable Palm Oil\u201c (RSPO). Dieser Runde Tisch wurde 2004 vom WWF als Reaktion auf die Regenwaldzerst\u00f6rung initiiert. Doch die freiwillige Initiative wird dominiert von der Palm\u00f6l-Industrie: 951 Produzenten, H\u00e4ndler, Investoren, Verarbeiter und Banken sitzen hier 40 Nichtregierungsorganisationen gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>RSPO-zertifiziertes Palm\u00f6l kam erstmals 2008 auf den Markt. Doch so nachhaltig, wie es der Name verspricht, ist es nicht. Noch im selben Jahr lehnten 256 Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen den RSPO als Greenwashing ab.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind die Kriterien lasch: Sie schlie\u00dfen lediglich die Abholzung von Prim\u00e4rwald und besonders erhaltenswerten W\u00e4ldern aus. Der Anbau auf Torfb\u00f6den und die Verwendung hochgef\u00e4hrlicher Pestizide wie Paraquat sind nicht verboten. Kritisiert wird auch, dass die Kontrolleure vom Runden Tisch oder seinen Mitgliedern selbst beauftragt werden. Eine unabh\u00e4ngige Kontrollinstanz gibt es nicht. Somit treibt das Siegel weniger den Schutz des Waldes und seiner Anwohner voran. Vielmehr dient es Industrie und Politik als Legitimation und zur Nachschubsicherung f\u00fcr ihren steigenden Palm\u00f6lbedarf.<\/p>\n<p>Auch die EU, die f\u00fcr den Import von Biokraftstoffen Nachhaltigkeitskriterien gesetzlich vorschreibt, akzeptiert als Nachweis das RSPO-Siegel.<\/p>\n<p>Doch nachhaltiges Palm\u00f6l in diesen Mengen k\u00f6nne es gar nicht geben, sagen Vertreter von Rettet den Regenwald, Watch Indonesia! oder Robin Wood sowie ihre lokalen Partnerorganisationen. Die gigantischen Monokulturen und deren Ausweitung h\u00e4tten unweigerlich die Vernichtung von Regenwald und Artenvielfalt sowie Landraub zur Folge. Auch nach zehn Jahren RSPO habe sich die Situation in Indonesien nicht verbessert. Im Gegenteil: Die Mitglieder des Runden Tisches versto\u00dfen nicht nur gegen ihre eigenen Kriterien, sondern auch gegen nationales Recht. Denn obwohl Brandrodungen in Indonesien verboten sind und die Regierung sogar ein Moratorium f\u00fcr die Abholzung von Prim\u00e4rwald verh\u00e4ngt hat, schreitet das Waldsterben weiter voran.<\/p>\n<p>Greenpeace hat in einer Studie die Ursachen der Waldbr\u00e4nde untersucht, die im Juni 2013 in Jambis Nachbarprovinz Riau w\u00fcteten \u2013 es waren die schlimmsten seit 16 Jahren. Demnach entstand mehr als ein Drittel der Feuer durch Brandrodung auf Palm\u00f6l-Konzessionen von RSPO-Mitgliedern.<\/p>\n<p>Selbst Jan Kees Vis, Unilever-Manager und lange Pr\u00e4sident des Runden Tisches, gab 2013 anl\u00e4sslich der ersten europ\u00e4ischen RSPO-Konferenz in Berlin zu: \u201eBisher kann man vor Ort keine Effekte sehen.\u201c Trotzdem h\u00e4lt er am RSPO fest: \u201eWenn wir die Firmen sofort rauswerfen, wem w\u00fcrde das nutzen? Wer k\u00f6nnte dann helfen, Kompensationen f\u00fcr die betroffenen Gemeinden durchzusetzen? Die T\u00e4ter w\u00fcrden von der Bildfl\u00e4che verschwinden und wir h\u00e4tten keinen Einfluss mehr auf die Situation.\u201c<\/p>\n<p>Zwar gibt es einen Beschwerdemechanismus beim RSPO. Doch im ersten Wirkungsbericht, den der Runde Tisch im Herbst 2014 erstmals vorlegte, wurden 46 Beschwerden gegen Mitglieder umgesetzt, jedoch nur 19 davon auch abgeschlossen. 19 aus mehreren Tausend.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in Bungku, f\u00fchrt die Fahrt auch an jener Stelle vorbei, an der Puji gefoltert wurde. Es war nicht der erste Fall von Gewalt gegen die Menschen von Jambi. Schon 2011 hatten Sicherheitsleute von PT Asiatic Persada sowie eine Spezialeinheit der Polizei die Siedlung Sungai Beruang gest\u00fcrmt, dabei 83 H\u00e4user zerst\u00f6rt und auf die in Panik fliehenden Menschen geschossen.<\/p>\n<p>Damals geh\u00f6rte PT Asiatic Persada seit f\u00fcnf Jahren zum RSPO-Mitglied Wilmar. Erst im Jahr darauf begannen Schlichter der Weltbank, zwischen den Suku Anak Dalam und Wilmar zu vermitteln. Dann entledigte sich der Konzern seines Schandflecks auf der gr\u00fcnen Weste und verkaufte PT Asiatic Persada 2013 an die Ganda Group.<\/p>\n<p>Es war ein Deal unter Familienmitgliedern: Eigent\u00fcmer Ganda Sitorus ist der Bruder von Martua Sitorus, dem Mitbegr\u00fcnder von Wilmar. So wurde Wilmar auch die Verhandlungen los, die kurz darauf abgebrochen wurden. Nur wenige Wochen sp\u00e4ter schickte PT Asiatic Persada 1500 Soldaten und Sicherheitskr\u00e4fte nach Bungku. Sie vertrieben die Menschen mit Gewalt, zerst\u00f6rten und pl\u00fcnderten insgesamt fast 300 H\u00fctten.<\/p>\n<h3>\u201eWir wollen unser Land zur\u00fcck\u201c, sagt Ardani, \u201eAber es wird immer gef\u00e4hrlicher f\u00fcr uns&#8221;<\/h3>\n<p>Hunderte Suku Anak Dalam hausen seit ihrer Vertreibung in einer Art Fl\u00fcchtlingscamp, zum Teil unter Plastikplanen. Manche schlafen auch im Stra\u00dfengraben. Zur\u00fcck in ihre D\u00f6rfer k\u00f6nnen sie nicht mehr \u2013 die Firma hat den Zugang mit Wassergr\u00e4ben und bewachten Schranken abgeriegelt. Pujis Freunde sitzen auf zusammengezimmerten Brettern. Sie sind ersch\u00f6pft, viele traumatisiert. Ardani, ihr charismatischer Anf\u00fchrer, hustet unabl\u00e4ssig. Sie haben zu wenig Essen und zu wenig Wasser.<\/p>\n<p>\u201eWir wollen unser Land zur\u00fcck\u201c, sagt Ardani. \u201eDer Wald gab uns, was wir brauchten. Wir waren reich und sicher.\u201c Jetzt sind sie mittellos. Manche versuchen, Palm\u00f6lfr\u00fcchte zu verkaufen. Doch wenn sie kein Geld haben, um die Security zu bestechen, werden sie als Diebe verhaftet. Ardani selbst sa\u00df daf\u00fcr schon im Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Er redet keine Viertelstunde, da n\u00e4hert sich ein Soldat auf dem Motorrad. Eine bedrohliche Situation: Die Widerst\u00e4ndler stehen unter Beobachtung. Der Soldat setzt sich in die Runde, die Gespr\u00e4che verstummen. Als er nach zwei Stunden f\u00e4hrt, ist es bereits dunkel. \u201eDu musst den Leuten bei dir sagen, dass sie kein Palm\u00f6l von Asiatic Persada kaufen d\u00fcrfen. Die haben unser Land gestohlen!\u201c, sagt Ardani.<\/p>\n<p>Unilever sind die Verst\u00f6\u00dfe seines Hauptlieferanten Wilmar durchaus bekannt. Der weltgr\u00f6\u00dfte Eink\u00e4ufer von Palm\u00f6l wei\u00df auch, dass es eine Verbindung zwischen Wilmar und PT Asiatic Persada gab. Doch was folgt daraus? Kann Unilever ausschlie\u00dfen, \u00d6l von PT Asiatic Persada zu beziehen? Was unternimmt der Konzern, um Landkonflikte wie den in Jambi zu befrieden?<\/p>\n<p>Unilever antwortet schriftlich, dass weder sie noch Wilmar Palm\u00f6l der Ganda Group beziehen. Letzteres habe Wilmar schriftlich best\u00e4tigt. Unilever verweist auf die neue Strategie, bis Ende 2014 \u201e100 Prozent r\u00fcckverfolgbares und nachhaltig zertifiziertes Palm\u00f6l\u201c f\u00fcr die \u201eFoods Kategorie in Europa\u201c zu beziehen. Mittels GPS w\u00fcrde das \u00d6l bis zu den M\u00fchlen verfolgt und damit die Plantage identifiziert. Das Umfeld der M\u00fchlen soll mit Satellitendaten \u00fcberwacht werden, um Krisenherde zu ermitteln. Man wolle durch \u201eDialog und enge Kooperation die Industrie transformieren\u201c.<\/p>\n<p>Und die EU? Eigentlich m\u00fcsste sie die Auswirkungen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie\u00a0 \u00fcberpr\u00fcfen und entsprechend anpassen. Das schreibt die Nachhaltigkeitsverordnung vor. Doch Reformen werden seit Jahren aufgeschoben und die Verantwortung an freiwillige Siegelinitiativen der Industrie abgeschoben, wie etwa den RSPO.<\/p>\n<p>\u201ePalm\u00f6l ist ein Riesengesch\u00e4ft, da gibt es viele Interessen\u201c, sagt Martin H\u00e4usling, agrarpolitischer Sprecher der Gr\u00fcnen im EU-Parlament. Er h\u00e4lt es f\u00fcr eine \u201eFehlentscheidung, dass die EU an der Zwangsbeimischung festh\u00e4lt\u201c. Der Umweltausschuss der Kommission, dem H\u00e4usling angeh\u00f6rt, hatte eine Senkung der Quote von zehn auf f\u00fcnf Prozent beschlossen, doch das Parlament hob die Grenze vorerst wieder auf sechs Prozent an. Noch ist nichts entschieden. Die Industrie hat eine wirkm\u00e4chtige Lobby. Denn auch die Automobilindus-trie ist an Agrarsprit interessiert. Sie kann ihn auf den Flottenverbrauch anrechnen.<\/p>\n<p>Viele Organisationen fordern, die EU solle die Beimischungsquote aufgeben. H\u00e4usling h\u00e4lt das f\u00fcr wenig aussichtsreich: \u201eDaran hat die EU kein Interesse. Au\u00dferdem ist Palm\u00f6l aus Indonesien nicht international ge\u00e4chtet wie \u00d6l aus Iran. Man kann nicht einfach sagen, wir importieren das nicht mehr \u2013 sonst klagt die indonesische Regierung wegen Wettbewerbsbehinderung bei der Welthandelsorganisation.\u201c<\/p>\n<h3>Der Wald der indigenen V\u00f6lker Sumatras wird f\u00fcr den Klimaschutz der reichen L\u00e4ndern verbrannt<\/h3>\n<p>Ortswechsel: Berlin, 2. September 2013.\u00a0 Trotz des ungem\u00fctlichen Wetters haben sich Demonstranten vor dem Sitz der Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) versammelt. Ein Mann im Orang-Utang-Kost\u00fcm h\u00e4lt ein Schild in die H\u00f6he: \u201eMir qualmt der Pelz. Stopp Brandrodung!\u201c ist darauf zu lesen. Daneben schrubben M\u00e4nner und Frauen die Stra\u00dfe, sie tragen gr\u00fcne Sch\u00fcrzen, darauf steht \u201eGreenwasher\u201c. Die gemeinsame Protestaktion von Rettet den Regenwald, der Gesellschaft f\u00fcr bedrohte V\u00f6lker, Robin Wood, Urgewald und Watch Indonesia richtet sich gegen das neue Forum f\u00fcr nachhaltiges Palm\u00f6l (FONAP). Diese Initiative wurde von GIZ, Henkel, Rewe, Unilever und dem WWF gegr\u00fcndet und durch das Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Auch hier geht es nicht etwa darum, den Verbrauch zu reduzieren. Stattdessen will das FONAP deutsche Unternehmen dabei unterst\u00fctzen, bis Ende 2014 nur noch 100 Prozent zertifiziertes Palm\u00f6l zu kaufen \u2013 freiwillig, zum Beispiel mit RSPO-Siegel. Damit, so FONAP, lie\u00dfe sich \u201ebreitenwirksamer Druck\u201c auf die Palm\u00f6l-Erzeuger aufbauen. Au\u00dferdem will das Forum die Kriterien des RSPO und anderer Zertifizierungssysteme verbessern.<\/p>\n<p>Doch was n\u00fctzt es, wenn sich RSPO-Mitglieder nicht mal an bestehende Kriterien halten? Wie viel Druck k\u00f6nnen Unternehmen aufbauen, deren Interesse letztlich im Zugang zu noch mehr Palm\u00f6l besteht?<\/p>\n<p>F\u00fcr ein Gespr\u00e4ch steht Daniel May, Generalsekret\u00e4r des FONAP, nicht zur Verf\u00fcgung. Stattdessen antwortet die GIZ schriftlich, mit einer holzschnittartigen\u00a0 Mitteilung.<\/p>\n<p>Darin hei\u00dft es etwa: \u201eDas FONAP ist \u00fcberzeugt davon, dass zertifiziertes Palm\u00f6l besser ist als nicht zertifiziertes Palm\u00f6l. Es steht jedoch au\u00dfer Frage, dass es sowohl bei den Zertifizierungsstandards als auch bei deren Umsetzung weiteren Verbesserungsbedarf gibt.\u201c<\/p>\n<p>Die Vertriebenen von Bungku wird das kaum tr\u00f6sten. Zum Abschied sagt Ardani, Pujis Freund, es schmerze ihn, die Kinder zwischen den vielen nutzlosen \u00d6lpalmen aufwachsen zu sehen. Das Wissen, wie man mit und von der Natur lebe und die W\u00e4lder der Ahnen erhalte, sei f\u00fcr diese Generation verloren.<\/p>\n<p>Vermutlich wird ihnen kaum etwas \u00fcbrig bleiben, als sich gegen einen Hungerlohn in den Palm\u00f6lplantagen zu verdingen. Denn ihr Wald wird f\u00fcr den Klimaschutz der reichen L\u00e4nder verbrannt und das Palm\u00f6l dort zu T\u00fctensuppen, Tiefk\u00fchlpizza und Aufbackbr\u00f6tchen verarbeitet. Dinge, die niemand zum Leben braucht.<\/p>\n<p>*Name ge\u00e4ndert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Boden der Holzh\u00fctte hockt eine junge Frau, sie wiegt ein schlafendes M\u00e4dchen in ihren Armen. Arti* ist 29 Jahre alt und seit kurzem Witwe. Ihre f\u00fcnf Monate alte Tochter Gemasti wird ihren Vater nie mehr sehen. Am 5. M\u00e4rz 2014 schlugen Sicherheitsleute des Palm\u00f6lkonzerns PT Asiatic Persada mit Eisenstangen und Gewehrkolben so brutal [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[230,20916,2317,1917,5585,9411,9413,95,21310,600,9416,2936,9414,499,4004,455,9412,3824,330],"class_list":["post-24897","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-cargill-inc","supplier-deutsche-gesellschaft-fur-internationale-zusammenarbeit-giz","supplier-european-commission","supplier-european-patent-office-epo","supplier-european-union","supplier-fonap","supplier-gesellschaft-fuer-bedrohte-voelker","supplier-henkel-kgaa","supplier-nestle","supplier-procter-gamble","supplier-rettet-den-regenwald","supplier-rewe-group","supplier-robin-wood","supplier-roundtable-on-sustainable-palm-oil-rspo","supplier-sawit-watch-","supplier-unilever","supplier-urgewald","supplier-wilmar-international-limited","supplier-world-wide-fund-for-nature-wwf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24897","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24897"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24897\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24897"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24897"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24897"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=24897"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}